Wann sind Rezepte geeignet?

15. Feb. 2016:  Normal ist nicht mehr interessant

Wenn ich mich so umsehe in der Rezeptewelt, staune ich. Normales Essen ist überhaupt nicht mehr gefragt. Mindestens eine exotische Zutat muss dabei sein. Da lese ich z.B. den Rezeptteil der vor 3 Tagen erwähnten Schrott & Korn vom Februar:

  • Spaghetti und Grünkohlpesto – mit gerösteten Süßkartoffeln und Pinienkernen
  • Rosenkohlpfanne mit Kürbisgnocchi – mit Parmesan und Salbei
  • Asia-Weißkohl – mit glasiertem Tempeh, Koriander und Sojasoße
  • Kumpir mit Rahmsauerkraut – mit Haselnuss-Schwarzbrotbröseln
  • Wirsing-Lasagne – mit Sojahack und Tomatensoße
  • Blumenkohl-Carpaccio (angeblich einfach, hmmm)
  • Rotkohl-Slaw mit Granatapfelkernen

Ich beobachte es im Seniorenratgeber, auf Blogs und Rezeptseiten: Es muss ausgefallen sein! Vermutlich ist alles andere zu langweilig? Ich finde das nicht. Diese Rezepte kann der „normale Küchenmensch“ kaum in den Alltag einbauen, es fehlen Zeit und Zutaten. Was Kinder zu diesen Rezepten sagen, lassen wir mal ganze weit vorne weg. Natürlich, so denken diese Zeitschriften, ist es langweilig, jedes Jahr auf’s Neue Bohnen mit Kartoffeln anzubieten, Apfelrotkohl mit Kartoffelbrei usw. Mag sein. Aber durch dieses Hechten nach Ausgefallenem fühlen sich ernsthaft doch nur noch Küchenbobbyisten angesprochen, dabei wäre es doch schön, wenn auch in die Normalküche etwas (!) Abwechslung einzieht.

Ich denke da beispielsweise an ein Posting in „meiner“ Facebook-Gruppe zu Gemüsepfannen: Eine leckere Kombination aus Kartoffeln, Grünkohl und Fenchel. Das ist auch ausgefallen – aber normal! Und die anderen Leser waren begeistert und konnten es ohne große Mühe nachkochen, wenn sie Lust darauf hatten.

Advertisements

14 Gedanken zu “Wann sind Rezepte geeignet?

  1. Tausend 15. Februar 2016 / 17:47

    Sehe ich auch so. Ist vielleicht schön, auch mal was Ausgefallenes zu machen. Einmal im Jahr. 🙂 Ich finde, das Schlichte ist immernoch am besten. Das Wort „Küchenbobbyisten“ möchte ich übrigens schon jetzt zum Wort des Jahres machen.

    • OneBBO 15. Februar 2016 / 17:50

      Am Samstag war ich eingeladen und wurde bekocht: ganze Kartoffeln, ungeschält, ganze Äpfel und Kürbisspalten ohne Kerne kamen einfach in den Ofen. Dazu gab es Salz und nach Wunsch Butter oder Olivenöl. Ich habe nur Salz dazu genommen und war restlos begeistert.
      Du meinst Wort des Jahres, und nicht zufällig Unwort des Jahres? 😉

      • Tausend 15. Februar 2016 / 18:57

        Nein, ich meine Wort des Jahres, obwohl, eigentlich meinte ich Wort des Jars. Ganze Kartoffeln! Der Hammer!

        • OneBBO 15. Februar 2016 / 18:58

          Nein, ein Hammer war zum Glück nicht dabei.

  2. Renate 15. Februar 2016 / 18:46

    Ute, ich glaube dir ist da im Namen der Zeitschrift ein Fehler unterlaufen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

    • OneBBO 15. Februar 2016 / 18:49

      Nein, das ist kein Fehler. Ich schreibe das schon seit Jahren so 🙂

      • Renate 16. Februar 2016 / 16:27

        Ja, das weiß ich doch. Sollte ein Scherz sein. Drum hab ich ja geschrieben: „Ein Schelm der böses dabei denkt“. Seit du das angefangen hast, rede ich auch nur immer von „Schrott und Korn“.

  3. sandra 16. Februar 2016 / 12:44

    Die einfachsten Dinge sind oft am Besten. Reis und Linsen in Gemüsebrühe mit Sonnenblumenkernen gab es bei mir. „Bäh, wie schmeckt das denn?“ Nun, einfach mal versuchen. Einfach im doppelten Wortsinn.

    • OneBBO 16. Februar 2016 / 13:06

      Die Kombination von Linsen mit Reis mag ich auch sehr gerne!

  4. Renate 16. Februar 2016 / 16:28

    Auf diese Kombination wäre ich nie gekommen. Aber ist einen Versuch wert.

  5. Marita 17. Februar 2016 / 19:02

    Besondere Zutaten sind zudem auch meistens sehr teuer. Irgendwo habe ich in den letzten Tagen ein Rezept mit Bild gesehen – Weißkohl im Backofen gegart – ganz einfach und schnöde in etwas dickere Scheiben geschnitten, mit etwas Kräutersalz und Pfeffer gwürzt und mit ein paar Tropfen Öl beträufelt. Diese Rezepte sind mir die liebsten 🙂

    • OneBBO 17. Februar 2016 / 19:05

      Manchmal müssen wir ja auch erst mit der Nase auf die einfachen Dinge gestoßen werden; mir macht das ja auch immer viel Freude.

  6. sonnenkind 17. Februar 2016 / 22:16

    Mich schrecken solche exotisch-ausgefallen klingende Rezeptnamen auch meistens ab. aber weniger wegen der möglichen Kompliziertheit, sondern einfach weil ich es geschmacklich nicht brauche und auch denke nicht zu mögen. Also gerade auch bei (veganen) Restaurants die so ein bisschen auf Hippe- haute-Cuisine machen mag ich gar nicht essen gehen- und da müsste ich mir um Zutatenbeschaffung und komplizierte Zubereitung ja keinerlei Gedanken machen 😉

    • OneBBO 18. Februar 2016 / 06:49

      Tja,ein Restaurant mit Gemüsepfanne und Ofenkartoffel schlicht hat wenig Chancen heute…

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.