Ich zauber mal wieder was in der Küche

14. Mai 2016: Schlachten

Es toben Schlachten um das Copyright auf Rezepte. Überall findet man so tolle Tipps wie: Bilder darfst du nicht entnehmen, aber du musst nur eine Kleinigkeit im Text ändern, z.B. statt 1 Prise schwarzen Pfeffer sagst du 1 Prise von schwarzem Pfeffer, dann ist es dein Rezept. In Foren gibt es komplette Threads dazu. Der Unterton ist auch immer: „Copyright ist echt doof, aber wir geben euch jetzt Tipps, wie ihr das hahaha ganz schön aushebeln könnt“.

Ich finde das einfach widerwärtig. Warum muss man als was eigenes ausgeben, was jemand anderes erarbeitet hat? Warum ist es so schwierig dazu zu setzen „Nach einer Anregung von Rezept XXX, Autor YYY“? Sind meine Gemüsepfannen schlechter und nichts wert, weil ich möglichst oft drauf hinweise, dass sie auf Waltraud Becker zurückgehen? Wenn ich mir ein Rezept vornehme, ändere ich es meist bis zur Unkenntlichkeit, weil meine Essensweise eine andere ist. Dennoch gebe ich gelegentlich die Quelle an, wenn die Idee nämlich wirklich neuartig ist und ich mich habe davon anregen lassen.

Es ist Teil des Selbstverwirklungswahn der heutigen Zeit – niemand will mehr Chorgesang studieren, es muss Solist sein. Jeder muss in der Küche kreativ sein und eigene Rezepte schaffen. Mir reicht es im Prinzip, wenn ich lecker koche. Ich habe nun mal viele Ideen in der Küche, okay – aber muss jeder so tun, als hätte er das? Andere stricken und häkeln tolle Sachen, schaffen was im Garten oder dekorieren ihre Räume schön.

Ich denke jeder weiß genau, wann er ein Rezept so abgewandelt hat, dass es wirklich seins ist, und wann er nur so wenig ändert, dass es übernommen ist. Warum nicht dazu stehen? Warum in den Wettbewerb eintreten „ich bin so toll, ich koche alles nach eigenen Ideen“?

„Geiz ist geil“ ist ja schon einige Jahre das Schlagwort, nach dem in diesem Land viele leben. Eine Quelle anzugeben ist sogar umsonst.

 

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