Ist Rohkost das Optimum?

19. Aug. 2016: Überlegungen zu Rohkost

Es gibt so ein berühmtes Beispiel, mit dem Rohköstler gerne demonstrieren, warum ihre Nahrung lebendig(er) ist: „Stecke eine gekochte Kartoffeln in die Erde – sie verfault. Stecke eine rohe Kartoffel in die Erde – sie lebt und vermehrt sich.“

So, so. Dann schauen wir uns doch einmal um, was „Rohköstler“ so alles essen. Sie versteifen sich nämlich wunderbar auf die 42°C Grenze, das mit dem „Leben“ wird dann nach der ersten Diskussion nicht mehr ernst genommen. Oder hat schon einmal jemand gekeimte und dann getrocknete Getreidekeime in die Erde gesteckt und sich am Wachstum erbaut? Wie ist das mit den lecker-fettigen Wirsing-Chips, wenn ich sie in einem Blumenkübel vor mein Wohnzimmerfenster setze? Und all die hübschen Pülverchen könnte ich ja auch auf ein Beet streuen und warten, dass sie sich vermehren.

„Rohkost ist das Gesündeste, was es gibt.“ Daher ist ein sogenanntes „Joghurt“ aus 500 g Wasser und 500 g Nüssen natürlich supergesund, genauso wie die Rohkosttorte, in die sich außer Kokosöl und Nüssen noch die eine oder andere Frucht verirrt hat? Das ist dann auch viel gesünder, als wenn ich eine nahezu fettfreie Reiscreme, angesäuert mit etwas Zitronensaft esse? Weil die Nüsse ja fermentiert sind, das Fett spielt keine Rolle?

Nichts gegen Rohkost. Rohkost ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Ernährung, davon bin ich überzeugt. Wovon ich nicht überzeugt bin, ist, dass Rohkost als Langzeiternährung gesünder ist als eine vollwertige Mischkost mit hohem Rohkostanteil. Mal ganz abgesehen davon, dass ich gekochte Hülsenfrüchte deutlich leckerer finde als gekeimte, ist Rohkost, so wie ich sie mittlerweile verstehe, einfach ein wenig langweilig. Möhren zum Beispiel esse ich fast täglich roh, aber nur noch rohe Möhren? Da fühle ich mich eingeschränkt. Auch gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass manches Gemüse (Tomaten an erster Stelle) einige wertvolle Stoffe erst durch Kochen freigibt. Und soll das Kochen dann wirklich schädlicher sein, als wenn ich mein Gemüse oder Obst mit einem Hochleistungsmixer so zerkleinere, wie es der menschliche Körper alleine nicht schafft?

Die Rohköstler, die ihre neue Gesundheit bestaunen, kommen meist von der Normalkost. Nun, da wundert mich das nicht, dass sie gesunden 😉 Es gibt auch einige, die behaupten, die Vollwertkost hätte ihnen nicht richtig geholfen, wohl aber die Rohkost. Ich persönlich kenne zwar einige von diesen, aber das, was sie dann Vollwertkost nennen, ist nicht wirklich VWK nach Bruker (z.B. Joghurt im Frischkorngericht). Wer krank ist und mit der „normalen“ Vollwertkost nicht zurechtkommt, wird garantiert mit den folgenden Stufen mehr Gesundheit als mit der „Anfangsvollwertkost“ gewinnen: tiereiweißfrei nach Bruker – 100 % tiereiweißfrei – fettreduziert / fettarm.

Wer nur noch Rohkost essen möchte – ich habe natürlich nichts dagegen. Nur bitte mögen diese Rohköstler dann den Heiligenschein ablegen, dass sie das gesündeste Essen der Welt zu sich nehmen. Tun sie nicht, ist meine Meinung, wie ich sie oben begründet habe. Abgesehen davon, dass ich keinen Rohköstler kenne, der wirklich konsequent ist, auch dann, wenn Kameras und Blogs abgeschaltet sind 😉

 

Advertisements

2 Gedanken zu “Ist Rohkost das Optimum?

  1. helga 19. August 2016 / 18:53

    Liebe Ute, ich denke jeder hält sein Essen für gesund. 🙂

    • OneBBO 19. August 2016 / 20:09

      Ich denke schon, dass viele Menschen zumindest in der Theorie wissen, dass ihr Essen nicht gesund ist. 🙂

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.