Das Alphabet: C

22. Okt. 2016: Das Wilkesmannsche Alphabet, Teil C

C wie Citroen. Citroen weckt bei mir zwei verschiedene Erinnerungen.

Da ist einmal der Professor, bei dem ich Türkisch gelernt habe. Mittlerweile dürfte er schon gestorben sein, denn als ich bei ihm studierte, war er nicht mehr der Jüngste und schnaufte schon von seinem Übergewicht. Ich sehe ihn heute noch vor mir, wie er regelmäßig die Brille über die in einer kleinen knollenartigen Verbreiterung endenden Nase nach oben schob. Diese Brille war sehr stark, die Augen dahinter klein. Ich habe nie eine Einstellung zu ihm gefunden, was heißt, ob ich ihn sympathisch oder unsympathisch finden sollte. Seine Seminare waren leider ziemlich langweilig, obwohl ich die türkische Sprache sehr faszinierend finde. Sein Name will mir auch gerade nicht einfallen, aber der Name gehört auch ohne zum C. Denn er hatte einen dieser schicken hydraulischen Citroens. In Weinrot. Grausam, wie die Jugend manchmal sein kann und ohne Verständnis, haben wir darüber gewitzelt, wie die Hydraulik einen so großen, mächtigen Mann aushalten kann. Ich glaube heute, er wusste viel. Das merkt man häufig erst Jahrzehnte später – es gibt ja auch Professoren, die nicht viel wissen.

Früher war meine Achtung vor der Intelligenz von Professoren vorhanden. Also ich war überzeugt, dass so ein Professor nicht ganz dumm sein könnte, musste er doch diverse Stadien durchlaufen und immerhin eine Habilarbeit geschrieben haben. Nachdem ich vier Jahre als wissenschaftliche Hilfskraft an der Uni tätig war, drei davon als Sekretärin, hatte sich das gewandelt. Ich habe Professoren gesehen, die waren einfach strohdoof, sorry. Und damit meine ich nicht eine menschliche Intelligenz, die von der Bildung abgekoppelt ist. Nein, die waren auch fachlich so dumm, dass ich mich manchmal ernsthaft gefragt habe, wie die durch die mündlichen Prüfungen gekommen sind. Auch damals schon konnte man sich ja schriftliche Arbeiten für bare Münze verfassen lassen. Übrigens ist dies ein Exkurs, der weder mit diesem Buchstaben noch mit dem Citroen oder seinem Besitzer etwas zu tun hat, denn zu den Dummen zählte dieser Professor nicht.

Eine weitere Begebenheit zu Citroen stammt ebenfalls aus meiner Studienzeit in Köln. Als ich dort anfing, fuhr ich einen grauen VW, 35 PS. Nach etwa zwei Jahren nervte mich dieses Auto, da es gerne mitten auf der Straße mit vermeintlich laufendem Motor anfing zu stottern… und gelegentlich auch stehen blieb. Das rote Lämpchen (Alarmstufe ROT) blinkte gelegentlich, ohne dass es eine Ursache dafür gab. In dieser Zeit fand ich Autofahren sehr anstrengend, ich bin eigentlich damals viel gefahren (35.000 km/Jahr). Eines schönen Tages fuhr ich auf der Inneren Kanalstraße (großes Einfallstor für die Kölner Innenstadt) Richtung Universität. Es war stop-and-go-Verkehr. Und da fing es wieder an: glucker, glucker, stotter, stotter – und das Auto stand. Mitten auf der Inneren Kanalstraße, mitten im Hauptverkehr. Wie ich an den Straßenrand gekommen bin, wer mir geholfen hat, mich in die Werkstatt abgeschleppt hat: Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur eins: Ich hatte die Nase gestrichen voll von diesem Auto, vom Autofahren überhaupt. Nachdem das Auto fertig repariert war, bin ich direkt von der Werkstatt zu meinen Eltern gefahren (40 km von Köln entfernt), habe das Auto dort auf den Parkplatz gestellt und gesagt: „Bitte tut mir einen Gefallen und verkauft diese Kiste bei eurem Autohändler. Ich kann das Teil nicht mehr sehen, ich fahre jetzt mit Bus & Bahn“. Meine Eltern waren so nett und haben mir diese Lästigkeit abgenommen. Ich war glücklich, denn innerhalb von Köln kommt man mit der Straßenbahn wunderbar bis nachts zurecht. Alles andere ließ sich auch gut regeln, nur größere Einkäufe, die waren natürlich etwas schwierig.

Ich weiß nicht, wie lange das ging. Ein Jahre, zwei? Eine gute Freundin von mir wohnte in der Nähe von Köln, Moitzfeld. Da habe ich – nach dem Autoverkauf – des Öfteren übernachtet, weil ich ja ohne Wagen nicht wegfahren konnte. Das waren lustige Zeiten, mit ihrem Mann verstand ich mich auch gut und wir haben viel, viel zusammen gelacht. In einem Sommer nun wollten sie mit dem Auto des Mannes in Urlaub nach Italien reisen. Meine Freundin fragte mich, ob ich so lange ihren VW-Käfer betreuen würde? Sie würden ihn ungerne in Moitzfeld stehen lassen, er müsse bewegt werden – oder was immer auch sie als fadenscheiniges Argument vorbrachte. Gesagt, getan, und so war ich 6 Wochen lang Fahrerin eines dunkelblauen VW-Käfers. Das ging gut, ich habe noch geschickt den Einkauf einer kleinen Stereoanlage in diese Zeit gelegt. Was etwas gelogen ist, das war in der ersten Woche. Danach nämlich hatte mich das Autofieber wieder gepackt. Mit dem Einkommen einer wissenschaftlichen Hilfskraft lassen sich aber so automäßig keine großen Sprünge machen. In Sachen Autotechnik völlig unbedarft, wollte ich auch keinen Gebrauchtwagen. Und so stand ich vor der Alternative: ein kleiner R4 (Renault) oder eben ein typisches Studentenauto, der Dö Schöwo, wie ich es aussprach. Preislich lagen beide sehr nah beieinander, und ich habe tagelang Prospekte gewälzt.

Meine Studienfreunde aus dieser Zeit waren leicht genervt, es war ihnen etwas zu viel Abwägen mit immer denselben Argumenten. Warum habe ich mich letztendlich gegen den 2CV entschieden? Es war das Stoffdach. Ein Freund erklärte mir, dass so ein Stoffdach quasi zum Aufschlitzen einlade und Diebe sich dann sehr schnell am Autoinhalt vergreifen konnten. In Wuppertal stand bei einem Renault-Händler genau mein gewünschtes (billigstes) Modell auf dem Hof, meine Freundin war noch keine zwei Wochen in Urlaub und da hatte ich wieder ein eigenes Auto. Da ich ihres nicht mehr bewegt habe, hat mich das noch zwei Knöllchen wegen Falschparken gekostet, denn ich wohnte in der Innenstadt, wo die Parkplätze rar waren. Wenn es jemanden interessiert: zwischen Ebertplatz und Agneskirche. Als die Beiden dann zurückkamen, vermisste ich doch etwas die große Überraschung, die sie verspüren sollten, als sie erfuhren, dass ich schon ein Auto habe. Sie haben nur gegrinst. Ich war manipuliert worden. 😉

Und so habe ich dann eben niemals einen Citroen gekauft, den Wagen mit dem C im Namen.

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2 Gedanken zu “Das Alphabet: C

  1. Tausend 25. Oktober 2016 / 00:36

    Ich hab fast Lust, dieses Alphabet zu stehlen. 🙂 Nett, was *man* alles erfährt.

    • OneBBO 25. Oktober 2016 / 07:38

      Da ich gewohnt bin, dass man bei mir Rezepte klaut, warum nicht auch dies? Ich grüble gerade, wie ich das „man“ in meinem Satz umgehen kann. Die Ich-Formulierung gibt wenig Sinn. 😉

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