Das Alphabet: D

29. Okt. 2016: Das Wilkesmannsche Alphabet

Gestern noch wollte ich den Buchstaben mit Doris füllen. Erstaunlicherweise weiß ich noch ihren Nachnamen, aber der hat hier nichts zu suchen. Abgesehen davon, dass sie eine meiner ersten Freundinnen war, konnte ich bei ihr zu Hause Lassie und Fury sehen, als wir noch keinen Fernseher hatten. Aber die Sparkasse kam dazwischen.

Komme ich neu auf die Seite, lese ich:

Findet Dorie (2D)
[Familienfilm-Special]

Warum war Dorie allein im Ozean unterwegs an dem Tag an dem sie Marlin traf? Diese Frage stellt sich bereits in „Findet Nemo“. Und endlich gibt es auch die Antwort darauf. Denn in „Findet Dorie“ macht sich die unfassbar vergessliche Paletten-Doktorfisch-Dame nun gemeinsam mit Nemo und Marlin auf die Suche nach ihren Wurzeln. Einmal quer durch das Riff vor der kalifornischen Küste, zwischen versunkenen Schiffen und Riesenalgenwäldern hindurch, trifft das Trio auf altbekannte Gefährten wie die Aquariumbande, aber auch viele neue, lustige und liebenswerte Meeresbewohner und schwimmt spektakulären Abenteuern und aufregenden Überraschungen entgegen…

Habe ich mich im Konto angemeldet und verlasse die Seite wieder, ist der Text verkürzt:

„Findet Dorie“ (2D)
TreueWelt-Veranstaltung

Entdecken Sie mit Ihren Kindern und Dorie die magische Kraft von Freundschaft und Familie. Am 1. Oktober sparen Sie als TreueWelt-Kunde bis zu 33,70 Euro.

Ich bin keine TreueWelt-Kundin (was ja korrekt auch Treuewelt-Kundin oder Treue-Welt-Kundin wäre, aber Rechtschreibung ist ein altmodisches Anhängsel, wenn man eine Werbeagentur ist). Und Dorie finde ich sterbenslangweilig. Auch wäre mir lieber, die Sparkasse würde ihre horrenden Gebühren oder den teuren Dispo-Zinssatz senken, als solche idiotischen Aktionen zu starten. Ich will auch nicht in einem Film was über Familie und Beziehungen lernen. Wenn ich schon einen solchen Film gucke, will ich nur unterhalten werden, ohne Zeigefinger und ohne Lektion.

Marlin? Die Anlehnung an Merlin ist mir auch zu platt. Waren keine anderen Namen mehr frei? Da wären zum Beispiel Lermin, Nerlim, Milram (ups, das riecht käsig), Berlin, Linbe, Nilrem.

Das Beste ist: Wenn ich mir diesen Film gar nicht angucke, spare ich noch mehr als 33,70 Euro. Ich weiß nicht, was der Eintritt kostet, aber ich bin mal bescheiden und lege 50 Euro als Grundlage an. Dann spare ich durch Nichtsehen (nicht zu verwechseln mit Nichts-Ehen) 50 Euro. Wenn ich das einmal im Monat mache, habe ich am Ende des Jahres 150 Euro. Ein Jahr hat zwar 12 Monate, mag jemand einwenden, aber während ich dies schreibe, ist schon September. Nur noch in den Monaten Oktober, November und Dezember kann ich nur bis Jahresende sparen.

Wäre die Sparkasse (Buchstabe S) ein wenig aufmerksamer, hätten die leitenden Damen und Herren den Spartag auf den 12. Oktober gelegt, ein Tag, der für mich viel wichtiger ist, auch wenn ich dort nicht eingeschult wurde. Niemand wird im Oktober eingeschult. Um zu zeigen, welche Äonen an Lebensalter hinter mir liegen, verweise ich gerne darauf, dass ich noch im Frühjahr eingeschult wurde und es Herbstzeugnisse (Halbjahreszeugnisse) gab. Jetzt wüsste ich gerne, ob Dorie auch Halbjahreszeugnisse bekommt. Da ich aber nicht sicher bin, dass diese Frage mir in dem Film beantwortet wird, spare ich weiterhin.

Dorie hat übrigens auch eine Bedeutung für mein Leben, tauschen wir einmal einen Buchstaben aus. Ich weiß nicht, wie viele Permutationen für ein fünfbuchstabiges Wort möglich sind. Tausche ich einen der Buchstaben dieses Namens gegen einen anderen aus, habe ich den Namen meiner Exschwägerin. Ich mache die Überlegung etwas einfacher: Weil heute D-Tag ist (D Day), ist klar: Der Name beginnt mit D. Vermutlich heißt sie Darie oder Doria. Jeder darf es für sich selbst ausprobieren, alle Buchstaben beliebig austauschen. Das ist die Freiheit, die wir alle suchen.

Woher wussten die Dorie-Filmemacher eigentlich, dass ich einen D Day (dies nicht zu verwechseln mit D Jay) einlegen würde? Wie sonst würden sie so D-haltige Begriffe prägen wie „Paletten-Doktorfisch-Dame“? Was sich übrigens durch etwas Dialekt noch steigern ließe zu Paledden-Dokdorfisch-Dame. So viele Ds in einem Begriff. Ersdaunlich. Reichd das für heude? Oder soll ich weider (Auto-Korrektur zu „wieder“, tse tse) die Ds reichlich in alle Dexde verdeilen? Das Einzigsde, was mich daran sdörd, dass es das Optimalsde wird: Die Audokorrekdur bemängeld alles mit roden Schlangenlinien. Abgesehen von dem Word „roden“, dafür isd die Audokorrekdur zu blöde, oder wie sich hyperkorrekd korrigieren ließe: zu blöte.

Ein letzter kleiner Exkurs zur Hyperkorrektheit, auch wenn er nur marginal zum D passt. Im Rahmen meines Studiums hatte ich einen Dozenten (Dozenden), der uns viel Sprachwissenschaftliches vermiddelde. (Kate Mittleton). Und er erklärte uns den Begriff Hyperkorrektheit so plastisch, dass ich es über Jahrzehnte noch wie heute weiß. Das Beispiel würde auch gut zum G oder J passen. Aber es fälld nun mal vom Schreibfluss betrachtet jetzt hierher:

Seine Frau war Realschullehrerin in Köln. Die Kölner weichen bekanntermaßen die Gs gerne in leicht gesprochene Js um. Also Jedönse statt Gedönse. Wenn dann Eltern zur Elternsprechstunde kamen, wollten sie sich teils nicht als „ungebildet“ darstellen und ihre fehlende Bildung durch Sprechen von Hochdeutsch kompensieren. So fragten sie dann z.B., ob ihr Kind denn weiterhin für die Regalschule geeignet sei.

Ob meine damaligen Kommilitonen dieses Beispiel auch so beeindruckt hat? Ich habe noch eines aus meinem eigenen Leben.

Meine Musiklehrerin im Erwachsenenalter kam aus dem Serbisch-Bosnischen-Gebiet. Gelernt hat sie Deutsch erst als junge Erwachsene, d.h. sie hatte immer noch einen leichten Akzent und ein paar wenige grammatische Ausrutscher. Ihr Deutsch ist flüssig und supergut. Ich liebte ihre eine Hyperkorrektheit. Da hatte sie sich über jemanden geärgert und sagte zu mir: „Der ist doch beklopft!“. Vielleicht muss man im Bergischen leben, um das zu verstehen?

Genug gedödeld.

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5 Gedanken zu “Das Alphabet: D

  1. Tausend 29. Oktober 2016 / 18:47

    Dorie auf der Regalschule – hädde die Sparkasse Versdand, hädde sie Dich sicher mit diesem Didel leichd ins Lichdspielhaus loggen können.

    • OneBBO 29. Oktober 2016 / 21:11

      Dann wäre sie eine Sbargasse.

      • Tausend 29. Oktober 2016 / 22:40

        Nicht zu verwegseln mit der hypokorregden Vereinsbang.

  2. mialieh 30. Oktober 2016 / 19:45

    Hätte Je und Jot jleich mitjemaach? Dat kütt aver nitt in der Reigenfolje….
    Naga. Dat kern mir getz ma untern Teppig, wa?

    • OneBBO 31. Oktober 2016 / 08:33

      Schiggen es tsu Hämbels, fürs Sova.

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