Ernährungsexperten

17.11.16: Ernährungsexperten

Wie werde ich zum zitierten Ernährungsexperten? Indem ich mich dazu ernenne, so einfach ist das. In der HörZu aus der Kalenderwoche 41 wird ein neuerlicher Experte, Stefan Lackermeier, für Ernährung zitiert, der die Menschen in Esstypen einteilt. Unter anderem gibt es für ihn einen „Eiweißtyp“, was ich mit meinem Wissen für eher bedenklich halte. Also möchte ich doch einmal wissen, wer dieser Lackermeier ist. Das ist im Internet rasch herauszufinden. Ich zitiere ihn selbst (hier):

Mein Name ist Stefan Lackermeier und meine Firma heißt „Konzepte & Heilkunst“. Von Beruf bin ich Heilpraktiker und IT-Berater, wobei ich die drei Fachbereiche Beratung, Ausbildung und Praxis kombiniere. In meiner Naturheilpraxis konnte ich immer wieder beobachten, dass viele Erkrankungen durch eine Entgleisung des Stoffwechsels ausgelöst werden, daher habe ich mich auf die Themen Ernährung- und Stoffwechsel spezialisiert. Angehenden Kollegen/Kolleginnen möchte ich die Ausbildung zum Heilpraktiker erleichtern. Ich habe den kompletten Heilpraktiker-Prüfungsstoff in Form von einzigartigen, übersichtlichen Mindmaps abgebildet. Diese biete ich neben vielen informativen Beiträgen und einer Schuldatenbank auf meinem Portal heilpraktikerABC an. Für Heilpraktiker/innen habe ich zudem die Spezial-Software heilpraxisLIFE entwickelt, mit der alle wesentlichen verwaltungstechnischen Arbeiten schnell, sicher und zuverlässig durchgeführt werden können. Stefan Lackermeier Heilpraktiker & IT-Berater

Ich gebe zu, ich bin Heilpraktikern gegenüber sehr viel kritischer eingestellt als noch vor einigen Jahren. Ich wüsste gerne, was sie vorher so gemacht haben. Bei Lackermeier tippe ich auf IT-Ausbildung (falls nicht Autodidakt). Hmmmm. Er ist also vorwiegend Heilpraktiker – und warum wird er jetzt von der HörZu als Ernährungsexperte zitiert? Da kann mich die HörZu demnächst bitte als IT-Spezialistin vorstellen.

In Facebook sagt er etwas über seine Ausbildung: Hat hier studiert: FH Landshut / Vorher: Staatliche Fachoberschule Landshut und Realschule Ergolding. Auf der Seite der FH Landshut habe ich mich umgesehen – vorwiegend technisch ausgerichtet (auch IT…), noch ein kleiner Bereich „Soziales“, aber von Medizin keine Spur.

Dann war ich auf seiner Facebook-Seite (hier). Dort teilt eine Anna Lackermeier (zu ihr komme ich gleich) Werbung für ein Immunpräparat. Aus Begeisterung? Oder gegen Bezahlung? Frau Lackermeier zeichnet in dieser Naturheilpraxis für vier Dinge verantwortlich: psychologische Beratung, astrologische Beratung, Mineralstoffberatung, Kunsttherapie. Das heißt, sie heilt mit Astrologie? Nee klar. Heutzutage, wo so viele Menschen der Esoterik lieber verfallen als der bösen Schulmedizin, ist das eine tolle Kombination. Psychologische Beratung heißt: Nix richtig gelernt.

Nicht, dass ich immer glaube, man könne nur mit einer staatlich anerkannten Ausbildung etwas werden. Aber sympathischer ist mir das schon eher als ein selbstgemachter Titel, ist so. Und astrologische Beratung? Vielleicht beleidige ich hiermit den einen oder anderen Leser, ich hoffe nicht – aber das ist doch Käse hoch drei. Frau Lackermeier hat keinerlei Ausbildung angegeben.

Über Ernährung nach Dr. Bruker weiß ich eine Menge. Trotzdem käme ich nie auf die Idee „Ernährungsberatung“ anzubieten. Im privaten Rahmen, gerne. Aber echt, ich bin doch blöde: Ich schreibe demnächst: Ernährungsberatung Wilkesmann, Studium an der Gesamthochschule Wuppertal und an der Universität Köln. Ist doch völlig egal, was ich dort studiert und was ich für einen Abschluss habe.

Gibt es wirklich Leute, die in so eine Praxis gehen? Muss wohl, denn selbst die HörZu bietet Lackermeier eine Plattform. Welche Interessen stehen dahinter? Im Beitrag ist ein kleiner Absatz zu „Dauerhaft abnehmen“ mit eiweißreicher Ernährung, speziell Eiweißdrinks eingebaut. Schwant nur mir da ein finanzieller Zusammenhang? Vermutlich liege ich da mit meinem Misstrauen falsch. 😉 Ich habe weiter geforscht. Das genannte Präparat (Immuferin) wird von der Adler Pharma in Österreich vertrieben. Dann habe ich nach der Kombination Lackermeier und Adler Pharma geforscht und stieß auf eine Seite mit den Schritten, die einige Menschen zu einem Programm für Heilpraktiker beigetragen haben (hier), und was finde ich bei Lackermeier? Arzneimittel der Adler-Pharma zur Verfügung stellen.

Schön. Mehr muss ich nicht wissen.

Ach ja, der Inhalt des Artikels, lässt sich grob zusammenfassen: 30 % der Menschen sind entweder Eiweiß- oder Kohlehydrattypen, 70 % allerdings eine Mischform. Wetten alle die, die gerne Fleisch essen, fühlen sich zu der kleinen Menge ausgewählter Menschen zuzählig, die viel Fleisch essen sollten? Das ist so wie der Spruch „ach, 90% der Menschen sind doch saudumm“ – da zählen sich auch alle, die das sagen, zu den erlauchten 10 %. Hahahahaha 🙂

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2 Gedanken zu “Ernährungsexperten

  1. Drea 20. November 2016 / 21:54

    Ist schon eine Weile her, da habe ich meinem Mann erklärt, dass jemand, der als Experte bezeichnet wird (oder sich gar selbst so bezeichnet) tendenziell keine Ahnung hat.
    Und mittlerweile stimmt er mir da immer öfter zu ;-).
    [Hin und wieder weiß ein Untertiteltexter nicht um den Unterschied zwischen Qualifikation und Wichtigtun, aber nun gut…]

    • OneBBO 21. November 2016 / 07:22

      „Tendenziell keine Ahnung“ gefällt mir ausgezeichnet. 🙂

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