Das Wilkesmannsche Alphabet

19. Nov. 2016: Buchstabe G

Galle. Ein Thema für mich, denn ich habe Gallensteine. Diese Gallensteine haben mich drei Koliken gekostet, mir die Vollwertkost nähergebracht und mich einiges im Umgang mit Ärger gelehrt. Ich hätte die beiden letzteren gerne auch ohne die Koliken erfahren.

Wie erwähnt: Drei Koliken habe ich gehabt, erst bei der dritten wusste ich, was das überhaupt ist, das mich da quält. Beim ersten Mal fuhr ich als Beifahrer im Auto und wusste nicht mehr zu sitzen. Es ging relativ rasch vorbei. Beim zweiten Mal habe ich mich zwei oder drei Stunden lang auf dem Sofa gekrümmt und verstand nicht, was mich diese Schmerzen kostet. Zum Arzt bin ich nicht gegangen. Die dritte Kolik war nicht nur schmerzhaft, sondern verursachte eine Übelkeit, wie ich sie noch nie erlebt hatte und auch nicht wieder erlebt habe. Wer jemals eine Kolik hatte, welcher Art auch immer, wird verstehen, was ich meine, wenn ich sage: Die Übelkeit war schlimmer als die Schmerzen.

Der Notarzt wurde gerufen. Er brauchte über eine halbe Stunde (es war nachts), bis er eintraf. Nicht etwa, dass ich irgendwo fernab aller Zivilisation gesessen hätte, oh nein, es war eine mittelgroße Stadt. Hätte ich einen Infarkt gehabt, wäre ich tot gewesen. Bis er dann endlich eintraf, ging es mir wieder einigermaßen. Er diagnostizierte relativ schnell: Gallenkolik (u.a. hatte ich die typischen Schulterschmerzen). Und dann kommt das Beste der Anekdote. Ich hatte ihm natürlich von der alles beherrschenden Übelkeit erzählt. So gegen Ende seiner ärztlichen Untersuchung sagte er: „Ich gebe Ihnen jetzt eine Injektion eines starken Schmerzmittels. Es kann Ihnen davon allerdings übel davon werden.“ Super. Ich habe ihm gesagt, wo er sich seine Spritze hinstecken kann (nun ja, nicht ganz mit diesen Worten, aber schon sehr deutlich). Er zog beleidigt ab. Eine gewisse Ärzte-Gruppe ist halt gerne beleidigt, wenn die Patienten nicht spuren. Übrigens: Es gibt auch andere Mediziner. Mit denen kann ich klarkommen.

Da es mir in der nächsten halben Stunde nicht besser ging, sondern wieder schlechter und ich ständig kurz davor war, das Bewusstsein zu verlieren – was man selbst angenehmerweise kaum bemerkt – haben mich Freunde ins Krankenhaus gebracht. Ich wollte natürlich nicht, bis mir eine kundige Freundin ausmalte, was passieren könnte: Zum Beispiel die Galle platzen, mit Todesfolge recht rasch. Nee, 1996 war nicht mein Todesjahr… Der Krankenhausaufenthalt war okay, auch wenn mir die Ärzte dort klar machten, dass ich mir die Galle unbedingt entfernen lassen müsste, wenn ich nicht als Notfall binnen kurzem wieder eingeliefert werden sollte. Ich sträubte mich auch innerlich, eine homöopathische Anschlussbehandlung half ein wenig. Wirklich wieder fit wurde ich erst durch die Umstellung auf die vollwertige Ernährung. Jetzt bin ich also fast 20 Jahre ohne Kolik. Nach fünf Jahren ohne Kolik, so habe ich gelesen, ist man quasi „clean“ und muss keine weitere befürchten. Fein.

So hat das G eine wirkliche Bedeutung für mein Leben. Wenige Ereignisse habe ich noch aus dieser Zeit so klar vor Augen wie die Kolik, den Arztbesuch und den Krankenhausaufenthalt. Zu dieser Zeit berührte ich auch den Buchstaben H: kurz vorher hatte ich mein erstes Handy gekauft, die sogenannte „Nokia-Banane“.

 

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6 Gedanken zu “Das Wilkesmannsche Alphabet

  1. Marek 20. November 2016 / 10:15

    „Diese Gallensteine haben mich drei Koliken gekostet, mir die Vollwertkost näher gebracht und mich einiges im Umgang mit Ärger gelehrt. Ich hätte die beiden letzteren gerne auch ohne die Koliken erfahren.“

    Tja, ich hätte auch gerne aus all meinen Fehlern gelernt, ohne sie jemals begangen zu haben. 😉 Obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob sie dann so einen prägenden Einfluss auf mein Leben gehabt hätten…

    Im Übrigen finde ich Dein Alphabet sehr interessant und spannend zu lesen.

    • OneBBO 20. November 2016 / 16:00

      Es gibt Fehler, aus denen wir lernen können, die nicht so weh tun. 😉
      Freut mich, dass dir das Lesen etwas bringt!

  2. Tausend 20. November 2016 / 11:34

    Das klingt g wie grauenhaft.

    • OneBBO 20. November 2016 / 16:01

      Gibt Glimmeres. Gnehme gich gan.

  3. Drea 20. November 2016 / 21:42

    Eine Bekannte lässt sich jetzt die Gallenblase entfernen. Geht mitterweile recht unkompliziert. Ist auch viel einfacher, als über seine Lebensweise nachzudenken… 😦

    • OneBBO 21. November 2016 / 07:28

      Das geht schon länger „unkompliziert“, auch mir bot man einen kleinen Eingriff ohne größere Operation an.

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