Passt in einem Monat

24. Nov. 2016: Ihr sucht noch ein schönes Weihnachtsgeschenk?

Anlässlich meines Geburtstags vor einem Monat bekam ich ein Buch geschenkt, das ich euch nicht vorenthalten möchte: „Yes, We Have No Bananas“ von Franziska Boesch.

Boesch ist Philosophiestudentin (oder ist es gewesen) und hat einige Jahre auf 450-Euro-Basis in einem Supermarkt gearbeitet. Was sie dort erlebte, hat sie in einem Band zusammengefasst. Ich vermute einmal, dass kein größerer Verlag dieses wunderbare Buch akzeptiert hat, denn es ist in BoD erschienen. Ich verstehe die Verlage nicht – es ist ein solcher Lesespaß!

Die Kombination eines analytischen Kopfes, menschlichen Verständnisses und gleichzeitig ironischer Distanz macht das Buch zu einem echten Lesevergnügen. Kaum hatte ich es gelesen, war mir klar: Das Buch wird jetzt eine Weile mein Standardgeschenk, denn es eignet sich als nettes Mitbringsel für Verwandte und gute Freunde genauso wie als kleines Pflichtgeschenk.

Das Buch ist authentisch, keine Frage, und das ist Teil seines Charmes. Das ist aus dem Leben gegriffen und man weiß nicht so genau, ob man Boesch wünschen kann, dass ihre Kollegen und Kolleginnen dieses Buch in die Hand bekommen. Es ist messerscharf beobachtet, gleichzeitig liebevoll gezeichnet, dabei kann die Autorin sich selbst durchaus zum Punkt des Gelächters machen – eine Eigenschaft, die von mir immer gleich dicke Sympathiepunkte enthält.

Mein Lieblingskapitel ist der Teil über die Missverständnisse. Ein schönes Beispiel findet sich auf der Buchrückseite. Solche Beispiele gibt es einige, und ich habe mehrmals laut gelacht. Geschmunzelt habe ich sehr, sehr viel. Es gibt aber durchaus auch Stellen, die mich nachdenklich gemacht haben. Was es wirklich heißt, für den Mindestlohn hart zu arbeiten, wird mir so viel näher gebracht, als wenn ich theoretische Ergüsse höre. Dabei überschreitet Boesch nie die Grenze hin zur Demagogik. Vielleicht war diese „Sozialkritik“ gar nicht mal ihr Anliegen, aber für mich wird es schon an einigen Stellen deutlich.

Sehr gut gefällt mir auch, wie sie es schafft, die einzelnen Personen plastisch darzustellen, ohne dass wir ein einziges äußeres Merkmal erfahren. Ist Kollegin X nun blond oder braunhaarig? Wir erfahren es nicht, und bis auf wenige Andeutungen über Größe oder Kraft von Personen bleibt das im Dunkeln, aber nicht wirklich, denn ich sah sofort alle Personen vor mir – weil sie aus dem Leben gegriffen sind, und wenn ich heute an der Backtheke meines Supermarktes vorbeigehe, frage ich mich, ob hier auch mit verdrehten Redensarten gesprochen wird. Gleichzeitig bemerke ich, wie ich mich selbst beim Einkauf zu beobachten beginne: Lege ich auch, wie im Buch so köstlich pointiert dargestellt, meine Einkäufe ans äußesrte Ende des Laufbandes? Nenne ich der Kassiererin, die nach der Artikelnummer sucht, auch zum dritten Mal den Preis, den ich mir so gut gemerkt habe, den sie aber gar nicht gebrauchen kann?

Neben vielem Schmunzeln, Lachen und Nachdenken sehe ich die Menschen, die in „meinen“ Suupermärkten arbeiten, gleichzeitig aber auch die anderen Kunden, nun mit anderen Augen. Habe ich mir bisher jemals Gedanken darüber gemacht, was es bedeutet, jeden Kunden an der Kasse mit „Hallo“ zu begrüßen und einem frölichen „Schönen Tag noch!“ zu verabschieden?

Sehr empfehlenswert! Wer das Buch kaufen möchte und bestellen will, bitte bedenken: BOD-Bücher haben häufig eine längere Lieferzeit (ca. 10 Tage).

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