L wie Lollipop

24. Dez. 2016: L als Buchstabe

Ich war schon mehrmals in London, aber noch nie in Lüdenscheid.

Im schönen Sauerland liegt Lüdenscheid, London in Großbritannien. Auch in Land’s End war ich schon und die Frage ist berechtigt, warum ich Lüdenscheid bisher ausgespart habe. Es sind von meinem Wohnort aus mit dem Auto nicht einmal 60 Minuten bis Lüdenscheid, die kürzeste Strecke (über die Dörfer) knapp 40 Kilometer.  Mit dem Zug müsste ich einmal umsteigen, der letzte Zug fährt um 23:02 und die Zeit beträgt ca. 1 Stunde 11 Minuten. Die Wege zum Bahnhof nicht mitgerechnet. Zu Fuß brauche ich nicht einmal 8 Stunden, und das kostet nichts.

Man beachte – die Kanalüberquerung nicht mitgerechnet, erreiche ich laut Google Maps London in 110 Stunden.

Ein Wort, das eine L-Faszination für mich hat, ist Lulatsch. Natürlich nur in der Kombination langer Lulatsch, alleinstehend kenne ich es nicht. Wo ist die weibliche Form? Ist es eine Lulatschine, eine Lulatschin, Lulatscha? Ich wäre auf jeden Fall gerne größer geworden. Gemessen bin ich 1,73 m, aber ich habe nicht widersprochen, als in meinen ersten Personalausweis 1,75 m eingetragen wurde. Das habe ich auch immer auf Befragung als meine Körpergröße angegeben.

Als ich noch klein war, das muss zu Grundschulzeiten gewesen sein, wäre ich gern 2 Meter groß geworden. Ich fand die Idee, die meisten Menschen um eine Kopflänge zu überragen, irgendwie schön. Auch der häufige Hinweis meiner Großmutter, dass ich dann nie einen Mann finden würde, ließ mich kalt. Meine Eltern hatten so eine Größenvoraussage: Du wirst doppelt so groß, wie du an deinem zweiten Geburtstag bist. Ich weiß nicht mehr, was bei mir gemessen wurde. In der Grundschule war ich die Längste, aber in späteren Klassen gehörte ich zwar zu den Großen, aber es gab immer ein oder zwei Mädels, die größer waren als ich. Ein Vergleich mit gleichaltrigen Jungen entfiel, da ich meine Schulzeit abgesehen von den vier Grundschuljahren und einem Gymnasialjahr in reinen Mädchenschulen verbracht habe. Ich habe da erst nicht drüber nachgedacht, nur als ich dann nach dem „gemischten“ Jahr wieder auf eine reine Mädchenschule kam, fand ich das nicht mehr so unauffällig und normal.

Warum ich den Zweimeterwunsch schließlich aufgegeben habe, weiß ich gar nicht mal mehr. Vielleicht eine Anpassung an die Realität? Es war früh abzusehen, dass ich groß, aber eben nicht sehr groß würde.

Ein anderes L steht für lange Haare oder Langhaarfrisur. Ich war als Kind sehr verschlossen und habe ungern meine Wünsche geäußert. Da gibt es zwei Dinge, die mir noch lebhaft und plastisch im Gedächtnis geblieben sind. Das erste vollzog sich ebenfalls in meiner Grundschulzeit. Ich hatte einen sogenannten Pagenkopf. Alle Haare relativ gleich lang, bis zum Kinn, Pony, dann Schluss. Praktisch. Wenn ich Fotos von damals sehe, finde ich auch, dass mir das gut stand. Nur hätte ich so schrecklich, schrecklich gerne lange Haare gehabt. Ich erwartete vor allem von meiner Mutter, dass ihr das klar sein musste. Kein Wort kam über meine Lippen, aber es muss doch deutlich als Schriftzug, in Neonfarbe, über meinem Kopf gestanden haben? Aber meine unsensible Mutter, so empfand ich das, las die Schrift nicht. Dann gab es eine tolle Zeit, wo meine Haare immerhin so lang waren, dass ich sie zu winzigen Rattenschwänzen über die Ohren zusammengebunden bekam. Das Glück währte nicht lang, so unpraktisch, ratz-fatz ab damit. Wie ich mich einschätze, habe ich vermutlich sogar noch behauptet, dass es mir recht, allenfalls egal ist. Bloß keine Wünsche äußern… das wäre peinlich.

Dass meine Mutter eine Wunschanalphabetin war, zeigte sich auch noch an anderer Stelle, auch wenn es nichts mit L zu tun hat. Meine ersten Polio-Impfungen bekam ich noch als Spritze. Schrecklich! Ich war der Pharmaindustrie so dankbar, als sie endlich Schluckimpfungen produzierte. Weil meine ältere Schwester und ich die Tortur (wie ich es empfand) so tapfer durchgestanden hatten, durften wir uns ein Paar Schuhe aussuchen, die meine Eltern uns kaufen würden. Ich hatte mein Traumpaar bald entdeckt: weiße Mokassins, vorne mit kleinen eingestanzten Löchern und, das war die Sensation und hätte mich überglücklich gemacht: mit kleinen Absätzen. 2 cm oder 3 cm, auf jeden Fall nicht sehr viel. Ich glühte für diese Schuhe, würde ich mir doch so erwachsen vorkommen! Also erwartete ich nun von meiner Mutter und auch meiner Schwester, dass sie in Begeisterungsstürme ausbrachen und mich gegen meinen Widerstand überreden würden, diese tollen Schuhe zu kaufen. Das passierte nicht. Ich sagte natürlich nichts und verschwand mit meiner zweiten Wahl aus dem Geschäft: grün-weiße Lackschuhe, an der Seite mit einem dünnen Lackband durchzogen und: völlig flach.

Ich habe diese Schuhe nie gemocht.

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2 Gedanken zu “L wie Lollipop

  1. Tausend 25. Dezember 2016 / 00:01

    Da würde ich mich wohl für den Fußweg nach London entscheiden. Das ist ohne Absätze sicher lohnehin bequemer. Ich dachte lübrigens immer, Lulatsch ist bloß ein Name.

    • OneBBO 25. Dezember 2016 / 15:20

      Da siehst du mal, wie liel du lier lernen lannst.

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