Hmmmm M

31.12.2016: Der Buchstabe M

Warum fällt mir dazu als erstes Modern Talking ein, das unsägliche Gespann aus Thomas Anders und Dieter Bohlen? Die Musik ist flach und wiederholend, und dennoch sind mir einige Songs im Gedächtnis geblieben. Nicht nur, weil ich die Nora-Aktion von Thomas Anders so peinlich fand, sondern auch, weil er immer brauner wurde im Gesicht. Und vielleicht auch, weil ich auf einer Nachtfahrt von Dresden zurück nach Remscheid eines ihrer Lieder immer und immer wieder gehört habe. Manchmal spricht mich eben auch Musik an, die ich im Grunde indiskutabel schlecht finde.

M steht auch für Musik im Allgemeinen. Musik war für mich immer wichtig. Als Kind war eine meiner ersten Anschaffungen ein kleines Transistorradio mit der Aufschrift „Privileg“, dem Namen für Quelle-Produkte. Wer erinnert sich noch an das Versandhaus Quelle? Damals teilte ich mir noch ein Zimmer mit meinem kleinen Bruder, der musste sich das Geplärre immer mit anhören. Schon da zeigte sich meine Vorliebe, auf technischen Schnickschnack zu sparen. Den ersten Schallplattenspieler erhielt ich als Geschenk.

Mein Musikgeschmack war immer sehr breit gefächert. Als absoluter Karl-May-Fan hatte ich auch die damals erscheinenden Karl-May-Filme gesehen. Meine Mutter ist brav immer mitgedackelt. Der erste Film, den ich gesehen habe, war der Schatz im Silbersee, das war in einem Kino in Engelskirchen in der Nähe von Gummersbach. Das Schlussbild, wie der Schurke gegen Ende in einem großen Schlammloch versinkt und nur noch einen Arm nach oben recken kann, ist mir auf ewig ins Gedächtnis geprägt. Die Musik fand ich einfach nur toll, und so kaufte ich mir als erste Single die Filmmusik. Ich glaube, Horst Wendland hieß der Komponist. Glücklich war ich mit dieser Platte. Da ich unentwegt Radio hörte, war dann mein Geschmackswandel vermutlich für meine Familie recht überraschend: Mein nächster Erwerb Monate später war „Satisfaction“ von den Rolling Stones. Meine Mutter ließ sich abringen, dass das doch wirklich gute Musik sei. Die nächste Single war Eve of Destruction. Beibehalten habe ich aus dieser Zeit, dass ich Musik, die mir gefällt, immer und immer wieder hintereinander höre. So zum Beispiel viele Jahre später „Nessun dorma“ mit Placibo Domingo.

Mein Musikgeschmack fächerte sich besonders breit, als ich Mitte 20 in die Welt der klassischen Musik eingeführt wurde. Vorher war das für mich uninteressant – ein Referat in der Schule zu den Meistersingern ätzte mich an. Dann aber bekam ich eine Eintrittskarte für Parzival geschenkt mit Leihgabe der entsprechenden Schalplatten. Ich habe die Musik auf Kassetten überspielt und ständig gehört – ob im Auto, zu Hause oder bei der Arbeit im Sekretariat, „mein“ Parzival war immer dabei. Getoppt habe ich das dann noch, indem ich mir eine Partitur ausgeliehen und mitgelesen habe. So gerüstet war dann die Parzival-Aufführung ein voller Erfolg für mich und der Eintritt in eine neue Musikwelt. Gleichzeitig blieb ich der Pop-Musik „treu“, aber mehr und mehr Opern, Requien und klassische Lieder gaben mir viel Freude.

Das freudvolle Hören klassischer Musik erfordert Einarbeitung. Als ich dieses Kapitel aus musikunabhängigen Gründen für mich abgehakt hatte, habe ich die Zeit nicht mehr investiert und nur wenig ist mir aus jener intensiven Zeit geblieben. Die Turandot-Musik schätze ich immer noch sehr, auch Wagners Ring und andere Werke sind mir in der Erinnerung noch lieb und wert. Aber aktiv hören tue ich es nicht mehr. Überhaupt höre ich heutzutage viel weniger Musik als früher.

Seit meiner Kindheit lief mein Radio als ständiger Hörbegleiter im Hintergrund. Radio Luxemburg war eine Weile bei mir sehr beliebt, später war es SWF 3. Während des Grafikstudiums – Musik aus einem Radio, während des Zweitstudiums – Musik aus einer zusammengesparten Anlage. Und das, obwohl das Zweitstudium ja Konzentration und Erlernen von Vokabeln beinhaltete.

Als ich meinen Kollegen kennenlernte und wir unser Geschäft gründeten, war es mit dem Radio im Hintergrund vorbei. Bei zwei Leuten ist das schlecht möglich und er war auch nicht willens, sich daran zu gewöhnen. So habe ich dann die Berieselung aufgegeben und nur noch konzentriert gehört, aber auch das ist immer weniger geworden. Wer kauft noch CDs? Am Anfang habe ich versucht, MP3-Musik zu kaufen, aber als ich merkte, dass die Lizenzen nach einer Weile verfallen, hatte ich das satt: Mir einen Song alle halbe Jahr neu kaufen? Nein, danke!

Mittlerweile höre ich für meine Verhältnisse sehr selten Musik. Morgens, auf dem Trimmrad, ja, da ist das gut. Ich habe drei Sender auf die Fernbedienung einprogrammiert, damit mir die Labersäcke den Genuss nicht verderben. Diese humorigen Einlagen entsprechen überhaupt nicht meinem Humor, außer den Nachrichten interessieren mich die Informationen nur sehr selten. Erste Wahl ist WDR2, spätestens bei „Kirche im WDR“ schalte ich auf 1Live und wenn auch dort genervt wird – bleibt ja noch der Europafunk.

Sehr viel Musik gehört und neue Songs kennengelernt habe ich beim Autofahren. Die Nachtsendungen des WDR, während ich im Dunklen unterwegs war, haben mich mit Ina Deter und ihrer Musik und ihren Texte bekannt gemacht. Erst hatte ich einen Kassettenrekorder, dann einen CD-Player und zwischendurch einen Minidisk-Player im Auto. Auch heute höre ich noch gerne Musik beim Autofahren, beschränke das aber auf das Radio. Ich meide das Radio allerdings samstags – zum Brechreiz führende endlose Sportreportagen werden nur von wenigen Titel perforiert. Nichts für Ute.

Advertisements

2 Gedanken zu “Hmmmm M

  1. Tausend 31. Dezember 2016 / 18:11

    Welcher Song von Modern Talking war das? (Nicht, dass sie nicht alle gleich geklungen hätten.) Ich habe sie als Kind mit 4/5 gern gehört. Mein liebstes Stück: Geronimo’s Cadillac. Weiß noch, wie ich die Erwachsenen darüber ausgefragt habe, was ein Cadillac ist und wer Geronimo ist und was er mit dem Cadillac macht. Das war sicher sein Wagen, mit dem Du von Dresden nach Remscheid gefahren bist.

    • OneBBO 31. Dezember 2016 / 18:12

      Leider weiß ich den Titel nicht mehr. Es war ein Alfa Romeo, sorry, kein Cadillac…. 🙂

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.