Das Wilkesmannsche Alphabet und die P…

21.Jan. 2016: P wie?

P wie Pokémon.

Dieses Alphabet ist sehr zeitabhängig. Noch vor zwei Wochen hätte das P vielleicht die Philosophie berührt und ich hätte elegisch darüber berichtet, warum ich der Philosophie nicht nur großes Desinteresse entgegenbringe, sondern auch, warum ich sie nahezu aktiv verabscheue. Aber die Philosophie und meine philosophischen Gedanken dazu wurden von Pokémon rattfratz verdrängt.

Seit relativ kurzem bin ich dabei (zum Datum des Schreibens) und stelle mich eher ungeschickt an. Also entweder bin ich wirklich ungeschickt, oder meine Reaktionszeit ist eine Katastrophe oder ich gehe das zu verkopft an. Eine Freundin, die wenige Tage vor mir mit dem Spiel begonnen hat, ist deutlich fixer beim Einfangen der Gestalten (worum es erst einmal geht).

Das Spiel hat für mich eine große Faszination. Ganz wichtig für mich ist, dass keinerlei Zeitdruck herrscht. Selbst bei den einfachsten Handy-Spielen nervt mich Zeitdruck, dass ich etwas in einer gewissen Zeit schaffen muss. Diese Voraussetzung ist bei Pokémon gegeben: Ich kann alles in meiner Zeit erledigen. Wenn ich also drei Jahre bis zu einem Level brauche, das andere in drei Wochen packen – es ist mir egal. Ehrgeiz ist mir fremd, auch wenn mir viele das nicht glauben. Ich hätte eigentlich den Buchstaben E auch prima mit Ausführungen zu Ehrgeiz oder dem Mangel an demselben füllen können. Vielleicht bei einem nächsten Alphabet. Omegabeet. Dies nur am Rande.

Was fasziniert mich? Ich mag keine virtuellen Spiele. Mit meinem letzten Smartphone gab es als kostenlose Zugabe eine Brille für eine virtuelle Realität. Die habe ich umgehend verkauft. Ich lebe im hier und jetzt und will auch hier leben. So würde ich auch nie mit Kopfhörern in den Ohren und Musik auf dem Smartphone durch die Gegend laufen. Ich will mein Umfeld hören. Das ist mir ganz wichtig, egal ob es Straßenlärm oder Vogelgezwitscher ist. Dies ist keine Aussage über meine Präferenz, nur eine Aussage darüber, dass ich nicht abgekoppelt sein möchte.

Pokéman vermischt die virtuelle mit der realen Welt, aber nur auf dem Smartphone. Ich brauche nur den Blick zu heben und bin im Jetzt, im Hier, vor Ort. Dennoch sind Punkte im wirklichen Leben meine Orientierungshilfen. Oder ich kann über die eingebaute Kamera mein reales Umfeld mit auf das Display bringen und die einzufangen Pokémon stehen vor einer beliebigen Kulisse wie echt. In meinem Vorort kenne ich alle Punkte auswendig, wo ich mir Dinge holen kann, die ich brauche, oder was auch immer ich tun kann. In den ersten beiden Tagen war ich für meinen Mitspaziergänger nicht sehr erquicklich – immer mit dem Blick auf dem Display, laut jauchzend: „Oh, Wahnsinn, ein Pokémon-Spot!“ oder „Schau mal hier – ein Evoli zum Einfangen!“ Er hat erst ein wenig grimmig, aber später mit Geduld und zwei Wochen später mitfiebernd Anteil genommen. Mittlerweile kenne ich ja meine „Hotspots“, da sind die Spaziergänge wieder von normalen Gesprächen gefüllt. Nur ab und an muss ich einen kleinen Schlenker einlegen, denn von der Hauptstraße muss ich etwa 5 oder 10 Meter (je nach Wetter?) abweichen, um vor der Kirche nochmal drei Bälle und einen Zaubertrank einzusammeln.

Außerdem ist mein Mitgänger sehr solidarisch. Er schaut mir gelegentlich zu, wenn ich versuche ein Wildes Taubsi oder ein Wildes Evoli einzufangen. Schaffe ich es nicht, findet er das Spiel einfach zu kompliziert und eigentlich hätte ich es doch mit dem letzten Wurf schaffen müssen.

Am Anfang sind die Namen völlig undurchdringlich, also für mich unmerkbar. Mittlerweile kenne ich Taubsi und Evoli, weil sie mir häufig begegnen. Andere Namen muss ich noch nachschauen oder habe sie nach wenigen Minuten doch wieder nicht ganz korrekt verinnerlicht. Auch Rattfratz musste ich erst nachschauen, bevor ich es hier aufschrieb.

Manche Orte sind merkwürdig. Seit wenigen Tagen zum Beispiel habe ich neue Pokémon-Spots und eine neue Arena entdeckt. Wenn man den Ton eingeschaltet hat, sind elektronische Geräusche hörbar, wenn man in die Nähe dieser Spielkomponenten kommt oder etwas tut, wie zum Beispiel kleine Gaben einsammeln. Eine meiner Neuentdeckungen war z.B. ein Pokémon-Spot, er gehört zur Friedhofskapelle. Ich muss dafür aber ein gehöriges Stück auf den Friedhof gehen, nicht ganz ungefährlich, wenn ich morgens im Dunkeln über den schlecht asphaltierten Weg gehe. Auch eine „Arena“ gibt es dort. Heute Morgen entdeckte ich noch tiefer im Friedhof einen weiteren Pokémon-Spot. Hmmmm, also ob elektronisches Gefiepe und die Ansammlung junger Menschen wirklich an diesem Ort passend sind? Gespielt wird ja meist von eher jüngeren Menschen. Ich habe heute Morgen zu meinem Kollegen gesagt, ich würde jetzt öfter zu Beerdigungen gehen. Denn wenn ich in der Kapelle sitze, kann ich alle 5 Minuten neue Bälle einsammeln (solange dauert es laut einem YouTube-Info-Video, bis die Hotspots wieder mit Goodies aufgeladen sind). Ich wäre natürlich pietätvoll genug, den Ton so lange abzustellen. Dann stört es doch niemanden, oder?

(Nur so nebenbei: Mittlerweile habe ich Level 27 erreicht (Stand 5.12.16)(heute, am 21.1.2017 bin ich auf Level 30, von dem ich etwa die Hälfte geschafft habe) und bin recht stolz, mit den Kids mithalten zu können. 😉 )

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Ein Gedanke zu “Das Wilkesmannsche Alphabet und die P…

  1. Tausend 22. Januar 2017 / 03:33

    Lustig, als Du das geschrieben hast, gab es das Wort Pokemon-Hotspot. Und irgendeine Person, die die Pokemon schneller einfangen konnte und überhaupt schneller und besser war als Du. ;-D Waaaaaahhhh

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