Das Wilkesmannsche Alphabet

28. Jan. 2016: Quack die Salbe in die Ecke

Q

Der Name meines Steuerberaters beginnt mit Q, aber er heißt nicht (Onkel) Quentin wie ich das aus der Buchreihe „Fünf Freunde…“ von Enid Blyton weiß. Ich könnte den Steuerberater nun als Angelpunkt nehmen, um meine persönlichen Überlegungen zu einem gerechten Steuersystem auszuführen. Das hat dann sowas von Holzkiste im Hyde Park aufstellen und zu der Menge sprechen. Ich denke, das lasse ich genauso wie den Nichtquentinischen Steuerberater.

Wenn ich über die Lektüre meiner Kindertage nachdenke, so zeigt sich an ihr recht gut, wie die Technik sich so rasant weiterentwickelt hat. Nesthäkchen z.B. (alle Bände gelesen, bis zur Großmutter) war schon lange ein Hit, mehrere Jahrzehnte, dennoch in „meiner Zeit“ für Kinder immer noch ein Lesevergnügen. Seien es Heidi, die fünf Freunde, Nils Holgersson, die vielen Karl-May-Bücher: Sie waren schon lange vor meiner Zeit bekannt und beliebt. Aber wer würde heute noch Karl May lesen wollen? Kein Smartphone, kein Flachbildschirm, es passt einfach nicht mehr. Wenn ich schauen will, wie das „Wilde Kurdistan“ aussieht, muss ich nicht darüber lesen, ich gucke im Internet nach. Es gab mal so eine Detektivgeschichte mit einem Jungen, der Larry hieß, ich weiß den Titel gar nicht mehr. Das Buch spielt in Amerika, mir hat das als Kind gut gefallen und die Geschichte war älter als sich. Während des halben Jahres, in dem ich einem Kölner Gymnasium Kunstunterricht gegeben habe, habe ich dabei gerne vorgelesen, u.a. eben dieses Buch. Damit locke ich doch heute kein Kind mehr hinter dem Ofen hervor!

Also Onkel Quentin, du begeisterst vermutlich nur noch in modernisierten Filmfassungen.

Auf Anhieb fallen mir nicht viele Wörter mit Q am Anfang, oder sei’s drum: überhaupt mit Q ein. Da wäre Quark (nicht tiereiweißfrei, weg damit) oder Quatsch. Ich mag es nicht, wenn mir jemand barsch mit einem kurzen „Quatsch“ über den Mund fährt, wenn ich etwas sage. Das finde ich unhöflich. Ansonsten kann ich mich durchaus für Quatsch erwärmen. Mehr als für Quark. Wobei ich mich frage, ob der Buchstabe Q denn wirklich sein muss. Er bezeichnet eine Buchstabenkombination, die wir auch anders schreiben können, nämlich als „kw“ oder gelegentlich einfach als „k“. Warum also dieser Buchstabe? Es gibt ja für „sch“ auch kein eigenes Zeichen in der deutschen Schriftsprache. Dabei könnten wir diesen Buchstaben locker aus anderen Sprachen übernehmen. Daran hat aber noch keine Rechtschreibreform gerüttelt, zumindest soweit ich das weiß. Entweder Q durch KW ersetzen, oder den Buchstaben ş oder š für „sch“ ins Alphabet aufnehmen. Ja, ich denke, das wäre eine Sache, für die es sich lohnt einzusetzen. Unterschriften sammeln, Petitionen einreichen – und am Ende als Querulantin dastehen? Quasi als Meckerbolzen der Klasse 1? So ein Quark, auch ohne Quarks. Und wenn ich mich ärgere, könnte ich demnächst auch im Quadrat statt im Sechseck springen.

Mein Ehrgeiz, den ich ja im letzten Buchstaben noch abgestritten habe, befahl mir, aus lauter Trotz und Dollerei dem Buchstaben Q den längsten Beitrag zu widmen. Von diesem Gedanken habe ich mich getrennt, denn raus dabei käme – Quark und Quatsch. Mit Quietscheente, auch zu Beginn des Quartals. Ich will keinen Kwark, keinen Kwatsch, mit oder ohne Kwietscheente, egal ob im Halbjahr oder Kwartal. Das lasse ich mir auch von all den Kwacksalbern nicht ausreden, die die Welt so reichlich bevölkern.

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