Das Wilkesmannsche Alphabet

Vui, Teufel?

4. März 2017: Das V

V

Der Buchstabe V ist ein schillernder Vogel, denn im Grund ist er überflüssig, gleichzeitig aber ist er zweiseitig. Er steht manchmal für ein W, manchmal für ein F. Das hängt davon ab, in welcher Region wir wohnen und in welchem Wort es vorkommt. Wogel wird niemand sagen, auch nicht Agafe. Natürlich fällt mir seit Stunden kein Wort ein, in dem V in Bayern anders gesprochen wird als in Nordhessen.

Ferdammt! Das fehlt noch, dass Wera und Werner heute Abend eine Wase mitbringen. Setzt Werner dann das Fassnachthütchen auf, sieht er immer recht ferwegen aus. Er hat das wohl vom Fater geerbt, an den er aber nur noch eine wage Erinnerung hat. Welche internationale Karriere hätten wohl „Fantastische Fier“ machen können?

Dennoch frage ich mich, warum bei der letzten Rechtschreibreform das V nicht ausgemerzt wurde. Gut, Fögel sehen merkwürdig aus, auch der Ferein braucht ferdammt viel Gewöhnung. Wera würde das gelassen nehmen, während sie eine Agawe in der Hand hält. Sprachpuristen würden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und behaupten, dass die deutsche Sprache ihre ganze Identität verlieren würde. Nun, wenn sie das mithilfe von rau noch nicht getan hat, könnte auch so ein kleiner Fogel die Identität nicht fermiesen, fermute ich einmal. Ob BAP nun singt „Ferdammt lang her“ oder „Verdammt lang her“ tut dem Hörgenuss doch keinen Abbruch. Die bereits mehrfach erwähnte Buchstabenhäufigkeit würde sich auch zugunsten von f und in einigen Fällen w verbessern.

Wäre ich ein F, ich würde mich mit dem W verbrüdern, auch wenn sein Anliegen nicht ganz so groß ist wie meins. Als streithaftes Duo würden wir die deutschen Klassenzimmer und Dudentreffen unsicher machen. Unsicher bis zum Umkippen. Leider könnten wir keinen Verein gründen, denn dazu bedarf es sieben Gründungsmitgliedern. Q und X würden uns massiv bekämpfen, denn ihre Gegenstücke sind keine Einzelbuchstaben, Kwelle und Hekse ist weder für meinen F-Verein noch für die QX-Seite ein Helfer. Wenn ich länger darüber nachdenke, haben wir entfernt noch einen Feind, das Z, das so gerne einen Streit vom Tsaun bricht.  Aber selbst wenn diese drei sich aus den unerfindlichsten Gründen auf unsere Seite schlügen, „just to be different“, wäre es keine Hilfe, dann sind wir fünf. Wir müssen aber sieben sein.

Federführend wäre ich wegen meiner absolut schon forhandenen Häufigkeit sowieso. Das ist nämlich nicht wage, sondern föllig konkret. Ich würde kleine Uniformen für diesen Ferein entwickeln. Auch könnte unser Verein Unterstützung vom englischen Königshaus erhalten. Kein Deutscher wäre mehr versucht, ein englisches „v“ so schlappig zu sprechen wie ein „w“, also hübsch die oberen Schneidezähne auf die Unterlippe, kein O-geformter Mund. Der deutsche Akzent im Englischen würde viel seiner Deutlichkeit verlieren oder sogar ferlieren.

Im gemeinsamen Kampf mit dem W würde ich von den zur Verfügung (Ferfügung) stehenden sechs Posten fier erhalten, ich denke, das W stimmt zu. Sonst wird es von mir überstimmt, denn ich bin in der Überzahl, so rein statistisch. Und ich habe noch ein Erpressungsmittel in der Hand: Wenn das W nicht brav ist, werde ich vorschlagen (zumindest) androhen, dass ich dafür eintrete, dass das W abgeschafft und stattdessen ein V an seinen Platz kommt. Auch dies macht einen Buchstaben obsolet, hat aber den Vorteil, dass bei handschriftlichen Notizen deutlich weniger Zeit verwendet (fervendet) werden (verden) muss. In einer Studie unter meiner Leitung wurde das bereits wissenschaftlich erforscht. Die Probanden wurden randomisiert (also nach dem Tsufallsprintsip) auf zwei Gruppen aufgeteilt und erhielten identische Texte, die sie mit der Hand auf verschiedene gelbe Haftnotizen schreiben mussten. Ein Text wurde normal geschrieben, beim anderen waren alle W ersetzt durch V. Und was soll ich sagen – die V-Gruppe hat bei einer Vorlage von 137 Normseiten (zu 1500 Anschlägen, inklusive Leerzeichen) deutlich besser abgeschnitten. Sie waren im Mittel 5 Nanosekunden schneller, und das mit einer statistischen Signifikanz von einer beträchtlichen p-Wertschätzung. Letztlich wurde das W doch wirklich frech und beantragte die Durchführung einer weiteren Studie, bei der das F beseitigt und durch V ersetzt werden solle. Das F sei noch schwieriger als das W, denn es verlangt das Absetzen des Stifts, während V und W in einem Rutsch geschrieben werden könnten. Das W stellte die Hypothese auf, dass für diesen Austausch der V-Vorteil sogar bei 6,37 Nanosekunden läge. Das ist lachhaft und ich habe das demokratisch (ich habe 8 von 10 Sitzen im Beirat) abgeschmettert. Der Einwand, eine große deutsche Autofirma sei dadurch benachteiligt, halte ich für unferschämt. Das W sonnt sich nun mal in der Nachbarschaft zum V in dieser unseligen Kombination. Was aber spricht dagegen, einen Eff-Wee-Käfer zu produzieren? Wobei ein neues Logo her muss, bei dem das F dann ruhig doppelt so hoch sein kann wie das Weh. Oh weh. Ja, das W ist ein trauriger Buchstabe, derweil das F einfach nur fröhlich ist. Womit ich mich für heute ferabschiede.

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2 Gedanken zu “Das Wilkesmannsche Alphabet

  1. Tausend 4. März 2017 / 18:32

    Fielleicht vürde Falentin sich noch als Fereinsmitglied zur Ferwügung stellen. Dann könnte man auch die ganzen Klagen im Forfeld ferhindern.

    • OneBBO 4. März 2017 / 18:34

      Das wäre ein Fergnügen!

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