Verbraucherschützer

Selbst Anwälte schwätzen Müll. Nicht dass dies irgendjemanden überraschen sollte, denn jeder Berufsstand kann echte Nieten aufweisen. Gerne werden die Schwachstellen von Ärzten aufgeführt, nichts dagegen – darunter gibt es echte „Knalltüten“, die Menschen eher krank als gesund machen. Wir sollten hier aber nicht verschweigen, dass es sehr viele gute Ärzte gibt, wie ich in den letzten Jahren durchaus erfahren durfte. Dies nur am Rande.

Eine Anwältin, Frau Kerstin Becker-Eiselen, „beschäftigt sich als Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg mit Themen wie Geldanlagen und Versicherungen“. (Apotheken-Umschau, August 2017 A, S. 18).

Was rät sie uns für die Geldanlage bei den heutigen Zinsen denn?

1. „Auf jeden Fall nicht in Kapitallebens- und Rentenversicherungen. Die laufen zwischen 30 und 40 Jahren, und im Moment kann niemand sagen, wo die Reise mit den Zinsen hingeht.“

Was nach dem „und im Moment“ steht, mag stimmen. Aber ich weiß nicht, welche Versicherungsbedingungen Frau Becker-Eiselen gelesen hat. Die längste Lebensversicherung, die ich je (mit 27 Jahren) abgeschlossen habe, lief über 35 Jahre, die kürzeste aber über 12. Und so ist das natürlich heute noch. Das sagt schon der gesunde Menschenverstand: Wenn eine Versicherungsgesellschaft nur Versicherungen mit einer Laufzeit ab 30 Jahren verkauft, werden die wirklich kaufkräftigen Interessenten (so um die 40) kaum je eine Versicherung abschließen. Das mit den 12 Jahren gilt auch nur – soweit ich das weiß, falls sich das geändert hat, lasse ich mich gerne korrigieren – für den Fall, dass ich die Ausgaben bei der Steuer geltend machen möchte.

2. „Bei Versicherungen legen Sie bitte gar kein Geld an. Denn die müssen ja auch existieren. Deshalb bekommen sie Geld dafür, dass sie Ihren Vertrag verwalten und ein bestimmtes Risiko absichern, das Sie auch anders absichern können.“

Ich finde das wunderbar, dass Frau Becker-Eiselen es den Versicherungen verübelt, dass sie Geld verdienen möchte. Ist Frau Becker-Eiselen ehrenamtlich als Anwältin tätig? Banken und Sparkassen machen das umsonst? Aus welcher antikapitalistischen Ecke winkt uns die gute Frau denn zu, dass sie jemandem übel nimmt, dass er an einer Tätigkeit etwas verdienen will? Hübsch finde ich dann das mit dem Risiko, dass ich angeblich auch anders absichern kann. Wie denn? Sie schweigt sich aus.

3. „Und wer genug auf der sicheren Seite hat, der kann darüber nachdenken, in Investmendfonds oder Aktien zu investieren.“

Was sie meint, ist: Wer nicht mehr wohin weiß mit seinem Geld oder eine Spielernatur ist. Wohin Investitionen in Aktien oder Fonds führen, hat uns ja die letzte Krise (war es 2008?) deutlich genug gezeigt. Ich denke da auch gerne drüber nach, mit wohligem Gruseln. Und die Verwaltung der Aktien soll man dann selbst machen, damit nicht neue Kosten entstehen? Schon mal was von Depotkosten gehört, Frau Becker-Eiselen? Beim heutigen komplizierten Markt zu glauben, man könne als Laie mal eben ins Aktiengeschäft einsteigen und damit wirklich Geld verdienen, kommt mit Lottospielen gleich. Ich kenne privat mehrere, die das versucht haben… und nach Verlusten alle aufgaben.

Übrigens bieten Versicherungen auch Fonds an (an denen sie vermutlich schon wieder verdienen), die ein gemischtes Risiko bergen: nach Wunsch ein Teil in festen Papieren und einen frei bestimmbaren Teil in Aktienfonds. Vielleicht sollte Frau Becker-Eiselen mal wieder mit einem seriösen Versicherungsvertreter einer großen Versicherung sprechen, bevor sie mit ihrem Geschwätz vielleicht wirklich noch einen gut situierten Rentner in den finanziellen Aktien-Ruin treibt. 🙂

 

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