Was ist Rohkost?

Als ich meine erste Rohkostphase begann, war ich voller Tatendrang und entwarf ein Rezept nach dem anderen. Damals nahm ich noch Klavierstunde, berichtete meiner Klavierlehrerin davon und brachte ihr auch Pröbchen meines köstlichen Konfekts mit. Sie schüttelte den Kopf „Wenn ich Rohkost mache, dann esse ich nur Gemüse und Obst, vielleicht noch wenige Nüsse.“

Ich habe ein wenig auf sie herabgesehen. Also so was… Wo es doch so tolle Möglichkeiten gibt! Nun gut, tröstete ich mich selbst, sie versorgt Mann und zwei kleine Töchter mit Normalkost, da hat man vielleicht nicht die Energie und Zeit, sich an solche Dinge zu wagen.

Meine Rohkostphasen wurden immer ausgebuffter. Torten, Pralinen, Haschees mit Gemüsestreifen und netten Soßen usw.

Von der reinen Rohkost bin ich abgekommen, weil die Rohkostphasen mir zum Schluss hin keine Vorteile mehr brachten, außer merkwürdigem Appetit auf Brathähnchen und Zuckerzeugs.

Heute folge ich da doch eher meiner Klavierlehrerin. Diese ganzen Torten, Pralinen usw. sind doch, um Cremigkeit zu erreichen, voller Cashew- und anderer Nüsse. Datteln werden in Mengen verbraucht, die ebenfalls aus fernen Ländern kommen. Die exotischsten Zutaten werden untergemixt, um die Rohkost der Kochkost in Optik und Geschmack näher zu bringen. Wenn ich manchmal die Bemühungen auf Blogs und in Facebook sehe, wundere ich mich. Zum einen wird blind darauf vertraut, dass all diese Zutaten, die wir nicht hier auf dem Markt oder in der Gemüsetheke kaufen können, wirklich Rohkost sind. Ach, ich vergaß: Nur die Pharmaindustrie betrügt uns, vielleicht tun das auch noch große Online-Händler, aber sonst sind alle Verkäufter ehrlich. Ob Pülverchen oder sonstiges „Zeugs“: Hauptsache roh. Zum anderen stört sich niemand daran, dass viele der Zutaten quasi notwendigerweise hier nicht erhältlich sind, zumindest habe ich hier noch keine Bauern gesehen, die Datteln oder Cashewnüsse ernten.  Diese Aufzählung ließe sich durchaus noch weiterführen. Ebenso wenig scheint es zu stören, dass für diese Rezepte unzählige Maschinen notwendig sind, was zusammen mit den teuren Zutaten ein hübsches Sümmchen ergibt.

Wobei ich nicht verschweigen will, dass ich aus Rohkostrezepten auch eine Menge gelernt habe, was ich auf die „Normalkost“ umsetzen konnte oder kann.

Was Rohkost für mich heute ausschließlich bedeutet, seht Ihr auf dem folgenden Foto.

Ich denke, dafür braucht’s kein ausgeklügeltes Rezept. 🙂

 

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2 Gedanken zu “Was ist Rohkost?

  1. Daniela 20. Juni 2019 / 18:37

    In diesem Zusammenhang fällt mir eine recht treffende Rezension ein zu einem vegan-vollwertigen Kochbuch, in dem statt Honig Datteln zum Süßen verwendet werden – in teilweise wirklich üppigen Mengen. Ein Leser merkte an, dass die Umsetzung der Rezepte zum Teil ziemlich kostspielig werden dürfte, falls man keine „Tante aus Marokko“ hat.
    Ich hab einfach schmunzeln müssen. 😉

    • OneBBO 21. Juni 2019 / 11:14

      Ja, an diese Rezension erinnere ich mich auch und dadurch an das Buch 🙂

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