Status bei WhatsApp

Ich mag den Status bei WhatsApp, wenn Freunde und Bekannte dort z.B. Fotos aus ihrem Alltag oder einer Urlaubsreise posten. Das ist toll, da kann ich quasi dabei sein. Oder gucken, was sie gerade essen, kochen usw.

Was ich im Status überhaupt nicht mag und furchtbar häufig sehe, sind „kluge“ (seichte) Sprüche oder Scherze, die ich nicht komisch finde. Weil sie geschmacklos sind.

Und was ich noch weniger als „überhaupt nicht“ mag, sind plumpe politische Äußerungen. Das nervte mich schon zu Trumps Zeiten. Nicht, dass ich Trump gut fand. Aber diese plumpen Ansagen fand ich widerwärtig. Mit Baerbock und den Grünen genauso. Okay, ich bin weder eine Grünenwählerin noch eine Baerbock-Anhängerin, aber so zu tun, als wenn die Grünen mit ihrer Möchtegernkanzlerin alles nur zum Unwohl der Bevölkerung tun, quasi der Untergang ganz Deutschlands sind, und diese plumpe Art, dies zu verbreiten, bereitet mir Kopfschmerzen. Das ist Häme, keine politische Äußerung.

Und so geht das jetzt mit Afghanistan weiter. Obwohl nach Übernahme durch die Taliban fast noch kein afghanischer Flüchtling den deutschen Boden betreten hat, wird Antistimmung verbreitet. So als wären ein paar Tausend Afghanen im Land der Untergang der westlichen Zivilisation.

(Gern wird ja auch vor Ende des Christentums gewarnt, mit Vorliebe von Menschen, die nicht mal jede Weihnachten in die Kirche gehen.)

Heute hat’s mir gereicht. Seit Tagen wird mir beklommen, wenn ich mir vorstelle, was den Menschen in Afghanistan gerade angetan wird, wie Helfer von den westlichen Regierungen verraten werden. Ich stelle mir vor, ich wäre seit 20 Jahren ein einigermaßen freies Leben gewöhnt und müsste mich dann den Taliban unterwerfen. Mehr mag ich mir gar nicht vorstellen.

Ich habe lange bei den Status-Meldungen still gehalten. Es sind ja auch Freunde darunter. Aber heute hat’s mir gereicht. Ich werde ab sofort mehr als nur frische Brote und Cafebesuche posten. Das ist jetzt keine große politische Aktion, man könnte sicher mehr tun. Ich werde damit nicht die Welt oder einen einzigen Menschen aus Afghanistan retten. Aber wenn ich das alles weiterhin stumm mitlese, ist das wie Zustimmung.

Daher mein Post heute (nach frischem Brot und Cafébesuch…):

Mein Kommentar dazu: Welcher Zynismus! Man kann z.B. Menschenleben retten statt einem Staat zu helfen. Lasst die Frauen und Männer ruhig vergewaltigt und gefoltert werden…

Ich weiß, viel tue ich damit nicht. Es ist quasi das Mindeste, was Menschenwürde verlangt, finde ich.

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3 Gedanken zu “Status bei WhatsApp

  1. Daniela 19. August 2021 / 16:14

    Kann ich sehr gut nachvollziehen! Ich mag mir auch nicht vorstellen, wie es den Menschen dort jetzt wohl gehen muss, aber eins ist klar, wäre ich in ihrer Lage, ich wäre vermutlich sehr froh und dankbar, wenn ich ausreisen könnte und man mir und meiner Familie Asyl an einem sicheren Ort gewähren würde. An einem sicheren Ort wie Deutschland zum Beispiel. Es ist ganz bestimmt kein Zuckerschlecken, die eigene Heimat notgedrungen verlassen zu müssen und unter widrigen Bedingungen in einem völlig fremden Land und einem ganz anderen Kulturkreis nochmal von vorne zu beginnen, alles zurück zu lassen. Wer diesen Menschen kein Asyl gewähren möchte, kann eigentlich nur einen ziemlich stark ausgeprägten Mangel an Empathie haben. Anders kann ich mir das nicht erklären. Mein Gott, uns gehts so gut! Es tut uns nicht wirklich mal weh, etwas abzugeben.

    • OneBBO 19. August 2021 / 17:06

      Ich denke nicht mal, dass wir großartig persönlich etwas abgeben müssen. Damit wird ja immer Angst geschürt, so als müssten wir alle unser Gehalt/die Rente halbieren und fremde Leute ins Wohnzimmer einladen. Ich kenne niemand, der nach der letzten Flüchtlingswelle Bargeld dafür ausgeben musste oder Flüchtlinge aufnehmen.

      • Daniela 19. August 2021 / 21:27

        Ich kenne auch niemanden! Abgeben meinte ich hier mehr in kollektivem Sinn.
        Ich gehe diesbezüglich völlig konform! Ich hab diese unsinnigen Ångste, uns könnte da irgendetwas genommen werden, auch noch nie nachvollziehen können.

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