Rassismus

Für mich ist es Rassismus pur, wenn im Radio von einer Attacke in einem Versicherungsbüro mit einem schwertähnlichen Gegenstand berichtet wird, ohne dass die Nationalität / Herkunft erwähnt wird.

Ich möchte wetten: Wäre es kein Flüchtling oder Zuwanderer oder wie immer wir es nennen wollen, hätte die Radiosprecherin nichts Eiligeres zu tun gehabt, als zu erwähnen, dass es ein deutscher Täter war.

Das Alter wird auch nicht genannt (ein 30-jähriger mit Schwert, da denken wir kaum an einen deutschen Übeltäter), nur im zweiten Fall, wo ein Fahrradfahrer mit einem Messer auf Beamte losgeht, erfahren wir das Alter – 48 Jahre. Auch nichts über die Herkunft.

Was soll das? Sind wir alle zu blöde, Tatsachen zu hören, die wir sowieso vermuten? Könnte ich mich auf die Infos verlassen, brauche ich nicht zu mutmaßen.

Was glauben solche wahrheitsverschweigenden Nachrichtenverbreiter denn, was besser wird durch solche Wortsparmaßnahmen? Dass die AfD an Akzeptanz verliert? Dass Flüchtlinge mit offensten Armen empfangen werden, unter wilden „Wir schaffen das-Willkommens-„Rufen? Absurd.

Glauben die Menschen, die Nachrichten gestalten und sprechen, dass sie moralisch ihren Zuhörern so weit überlegen sind, dass sie die Infos glätten müssen, damit die Dummköpfe „draußen“ nicht zu wilde-Trommeln-schlagenden Rassisten werden?

Theoretisch könnte es natürlich sein, dass ich mich hier zu weit aus dem Fenster lehne und es doch deutsche Übeltäter waren. Das wäre komplett gegen den Trend der letzten Monate. Und wer möchte darauf wetten?

Meine persönliche Einstellung zu jedem einzelnen Flüchtling bleibt dieselbe (offene) und wechselt nicht zu einem Generalverdacht allen Flüchtlingen gegenüber, wenn mal wieder eine Messerstecherei bekannt wird. Es zeigt mir nur, unkontrollierte Einwanderung ohne wirklich greifende Integrationsmaßnahmen ein Irrweg ist und dass die Aufnahme solcher riesigen Zahlen von Menschen durchaus Probleme mit sich bringt. Das habe ich vor Monaten bereits mehrfach betont. Diese Menschen sind nun hier, wir können sie nicht zurückschicken. Aber wenn ich ein Problem vor mir habe, möchte ich es sehen können und nicht mit einer moralinsauren Binde über die Augen durchs Land geführt werden.

Solche Halbwahrheiten ärgern mich. Ich bin nicht dümmer als ein Nachrichtenmoderator. Die sind so wenig begabt, dass sie nicht einmal merken, dass ihr Schweigen auch Rassismus ist und ihn leider auch fördert. So weit reicht das mit dem Denkvermögen offensichtlich nicht bei allen.

http://www.merkur.de/welt/polizei-erschiesst-messer-angreifer-in-moers-zr-6855712.html

http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_79299620/hagen-und-moers-zwei-maenner-durch-schuesse-getoetet.html

 

 

Rosinen sind out!

7. Okt. 2016: Schrot & Korn

Normales Essen ist nicht mehr interessant. Es muss ein Pülverchen, ein Superfood verwendet werden. So, als würde Essen nur schmecken, wenn mindestens Quinoa oder Gojibeeren drin sind. Wohlgemerkt – ich verwende beides gelegentlich auch, Quinoa sehr selten, weil ich den Geschmack nicht sehr schätze, Gojibeeren sind eine nette – wenn auch sicher entbehrliche – Dekoration. Warum also müssen ständig Rezepte mit den exotischsten Zutaten veröffentlich werden, um Leser anzulocken? Kocht das dann wirklich jemand nach? Mich persönlich faszinieren eher Rezepte, wo etwas aus „normalen“ Dingen interessant kombiniert oder verarbeitet wird. Neues ausprobieren? Ja, klar, es könnte den Essensplan erweitern, wie z.B. die Chiasamen.auch in meiner Küche Einzug gehalten habe. Obwohl ich auch da merke: Nach einer Phase der Begeisterung rücken sie wieder etwas in den Hintergrund.

Was bietet uns z.B. die Schrott & Korn für September? Auf dem Titelblatt lädt sie uns ein: Das Beste mit Hefe: Zwetschenkuchen, Zitronen-Pizzabrot, Cranberry-Schnecken und mehr.

Der Zwetschenkuchen ist sicher versehentlich hineingerutscht? Was soll ich mit knochenharten Cranberrys in Hefeschnecken? Rosinen sind da viel essfreundlicher Das Foto vom Zitronenpizzabrot, au wei, da wird der Kollege den Teller gleich wegschieben. Und der harmlos klingende Titel „Olivenöl-Fladenbrot“ zeigt ein Rezept, in dem ganze Trauben im Teig verarbeitet wurden. Nee, klar, so muss das sein.

Wobei sich da mein Unwohlsein gar nicht alleine gegen Schrot(t) & Korn wendet, die sich nur einem Trend anpassen. Tausend von sogenannten Food-Blogs – und die meisten entweder mit wirklich Banalem oder aber mit Dingen, die vor allem eins wollen: Auffallen durch neue Kombinationen und Verwendung der ausgefallensten Zutaten. Besonders tut sich für mich da ja die Clean-Eating-Szene hervor. Einfach das Label „Clean Eating“ drauf, „Superfoods“ dazu – und schon ist der Erfolg da.

Ich bin da deutlich bescheidener in meinen Ansprüchen, was ich lesen will. Rezepte von Menschen, die das auch wirklich gekocht und gerne gegessen haben. Eine Rarität :-).

Rezeptportale

8. Sep. 2016: Sie nerven mich

Ich kann sie nicht mehr sehen, diese ganzen Rezeptesammel-Portale im Internet. Was mich daran stört? Verschiedenes:

Es gibt keine Kontrollinstanz, d.h. es gibt nicht einmal annähernd eine Garantie, dass die Rezepte auch funktionieren.

Die schon mal in einem Artikel von mir erwähnte Selbstbeweihräucherung mit weltbeste, megalecker usw.

Die fehlende Kontrolle auch beim Schreiben. Lieblingsfehler in diesen Rezepten von Hobbyisten: kein Leerschritt zwischen Zahl und Einheit, also: 150g (falsch) statt 150 g (richtig). Warum haben diese Portale keine Vorgaben, was eingehalten werden muss? Antwort: Weil es ihnen egal ist. Ich vermute: Sie wollen nur riesige Mengen an Rezepten anbieten, viele Klicks bekommen (weil sie irgendwo damit Geld verdienen). Und für die beknacktesten Rezepte, sorry, finden sich immer ein paar Erstaunliche, die das nachgemacht haben und begeistert sind, selbst wenn in der Anleitung steht, dass 300 g Dinkel mit 600 g Wasser 10 Minuten geknetet werden.

 

Noch ein Bonbon

3. Sep. 2016: Nochmal der Seniorenratgeber

In der Juli-Ausgabe des Seniorenratgebes gibt es einen recht interessanten Artikel über Antibiotika (S. 32), ihre Wirksamkeit oder auch fehlende Wirksamkeit, die „Verschreibungswut“ mancher Ärzte, wogegen sie gut sind und so weiter. Antibiotika, so wird beschrieben, werden fälschlicherweise häufig bei Grippe und Erkältungen verschrieben, obwohl das sinnlos ist, denn diese Erkrankungen werden durch Viren verursacht, Antibiotika bekämpfen jedoch Bakterien.

Das war gut erklärt und habe ich mir fein merken können. Zwischenunterschriften sind z.B. „Antibiotika sind nach wie vor in viel größerem Maße hilfreich als schädlich“, „85% der verordneten Antibiotika werden von niedergelassenen Ärzten verschrieben“, „Auch Patienten können dazu beitragen, dass Antibiotika in Zukunft wirksam bleiben“, „Geduld statt Antibiotika – oft das bessere Rezept bei Erkältungen“. Dann gibt es noch ein paar Einnahmeregeln.

Dann kommt die grandiose Schlussfolgerung: „Lassen Sie sich regelmäßig impfen“, rät Fätkenheuer (Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie). Hä? Impfen? Ich dachte, es geht um Bakterien? Vermutlich meint er das, um das Immunsystem zu stärken und damit Bakterien erst gar keinen Einlass zu gewähren. Aber seit wann stärken Impfungen das Immunsystem? Ich vermute mal, er meint Grippeimpfungen, die niemals allgemein das Immunsystem stärken, sondern  (so wird zumindest behauptet) vor bestimmten Viren schützen.

Ich finde das schon abenteuerlich, wie da so Brücken geschlagen werden 🙂

Endlich wieder… der Seniorenratgeber

1. Sep. 2016: Doppel-Effekt

Ich greife heute zurück auf das Editorial des Seniorenratgebers vom Juli 2016. Berichtet wurde dort, dass Gesundheit etc. besser sind, wenn Menschen im Alter mit einem Partner zusammenleben. Das ist nichts Neues. Die kleine Zwischen-Schlussfolgerung finde ich ein wenig abenteuerlich. So bekommen wir Dinge suggeriert, die eben durch nichts bewiesen werden. Frau Claudia Röttger schreibt als Chefredakteurin:

„Vermutlich hilft uns eine enge emotionale Bindung dabei, mehr auf uns zu achten.“ Hier war ich schon ein wenig unsicher. Man könnte genauso gut sagen, dass eine Zweisamkeit statt Einsamkeit die Stimmung hebt, was wiederum das körperliche Befinden positiv beeinflusst. Das ist auch weit weg von Esoterik und allgemein bekannt. Aber nein, sie fährt fort: „.. Vorsorgetipps vom Arzt oder Apotheker auch zu beherzigen und selbst langwierige Therapien durchzuhalten.“

Also wer das glaubt, scheint mir ein wenig einfach gestrickt. Vorsorgetipps vom Arzt oder Apotheker, nee, klar, die machen uns gesund. Sowas glauben, ist eine Sache. Aber so etwas zu schreiben, ist schon…. nun ja. Was soll man auch als überzeugte Apothekerin in einer von Apotheken finanzierten Zeitschrift sonst vielleicht sagen? Eine Lösung wäre – nichts. Einfach nur Fakten vorstellen 🙂

 

Kaum auszuhalten, die Ökodingsbumser

25. Juni 2016: Ein besonders übler Berufsstand

In vielen Berufen gibt es Leute, die Unsinn verbreiten, ihre Arbeit schlecht machen und Menschen gefährden. Mir scheint der Anteil bei den Ökotrophologen leider besonders hoch. Zumindest bei denjenigen, die sich als Berater in den Medien hervortun.

Das heutige Beispiel ist Uwe Knop. Uwe Knop ist Diplom-Ökotrophologe und wird in einem Artikel der HörZu (28. Mai bis 3. Juni 2016) auf Seite 10 des öfteren zitiert. Er hat auch einen Ernährungsratgeber geschrieben mit dem Titel „Ernährungswahn“. Ich zitiere aus der HörZu:

„Für mein Buch habe ich über 1000 aktuelle Studien kritisch analysiert.“

Schön, schön. Nur: Was für Studien waren das? Waren das Studien, in denen Ernährung eine Rolle spielte, bezahlte oder unabhängige Studien, rein deutsche Studien, aktuelle Studien oder was? Und 1000 Studien kritisch analysiert, wow, das ist eine Leistung, die ja in einem Menschenleben nur schwer zu erbringen ist. Meist werden Meta-Analysen (das ist die Zusammenfassung von Studien in einer „Ober-Studie“) an maximal 30-50 Studien erbracht. Dazu gehört dann auch immer ein wissenschaftlicher Exkurs, welche Studien wegen fehlender Wissenschaftlichkeit gar nicht erst aufgenommen wurden, wo die Gemeinsamkeiten sind und wo die Unterschiede. Gerade im Gebiet Ernährung, wo es ungeheuer schwer ist, wirklich subjektive Vergleich aufzustellen (wer kontrolliert die Studienteilnehmer, dass sie langfristig die Wahrheit sagen?), wäre doch eine echte Kritik angebracht. Ups, da habe ich etwas übersehen. Es steht gar nicht dort, dass wissenschaftliche Studien analysiert wurden.

Erstaunlich ist auch, wie die Zahl der Studien bis zum Bericht in der HörZu gewachsen sind. In einem Interview  (hier) hat er noch andere Zahlen: „Ich bin Ernährungswissenschaftler und habe von 2007 bis 2010 mehr als 500 Studienergebnisse kritisch analysiert, mehr als 200 davon sind die Basis des Buchs.“

Sein Fazit ist bemerkenswert und wird natürlich vom Gros der Bevölkerung gerne gelesen:

„Es gibt keinen Beweis für gesunde oder ungesunde Lebensmittel. Daher ist mein Rat ganz pragmatisch: Wer gerne Chips isst, kann das ruhig tun. Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, vor Chips zu warnen. Allerdings auch keinen, sie explizit zu empfehlen.“

Ehrlich, mir kommt bei so viel gefährlichem Unsinn die Hutschnur hoch. Wenn ich denke, was ich alleine in den Jahren meiner vollwertigen Ernährung habe am eigenen Körper an Zugewinn beobachten können, was ich bei Freunden und Bekannten Dramatisches habe an Aufschwung beobachten dürfen: Da kotzt mich das an. Ist Herr Knop vielleicht ein Zögling von Udo Pollmer? Wundern würde es mich nicht. Menschen, die selbst einfach die Essenssau rauslassen wollen, suchen sich dafür pseudowissenschaftliche Beweise.

Natürlich verkauft sich ein Buch, das wissenschaftlich den Lesern suggeriert, dass sie sowieso immer das Richtige essen, wesentlich besser als ein Buch, das zur gesunden Einstellung zum Essen anhalten möchte. Nun ja, die Bücher verkaufen sich laut Amazon wirklich blendend, so bleibt Herrn Knop reichlich monetäre Masse, um sich das zu kaufen, was er dann wahllos in sich hineinstopfen möchte. Aber Vorsicht: Nicht jeder ist ein Helmut Schmidt, der auch bei ungesundester Lebensweise ein hohes Alter bei klarem Verstand erreicht.

Natürlich hat er Mitstreiter. In einem Video habe ich mich gefreut … so gesund sehen die drei aus. Knob schützt noch die relative Jugend – wie lange noch?

 

Diabetiker-Mathematik

24. Juni 2016: Zählen macht Spaß

Der herkömmliche Diabetiker muss immer noch Broteinheiten zählen, egal ob er mit Tabletten oder – in schwereren Fällen – mit Insulin behandelt wird. Dieses Zählen finde ich persönlich einen großen Einschnitt in die Lebensqualität. Es ist aber natürlich immer noch besser, als sich Diabetes-Schäden zuzuziehen. Das kann ja bis zur Amputation von Gliedmaßen gehen, aber auch die Augen und die Nieren können Mikroschäden davontragen.

Mit einer vollwertigen und fettreduzierten/-freien Ernährung ist das nicht nötig. Wie ich von einem guten Freund weiß. Im letzten August hatte er noch einen Hb1Ac-Wert (das ist der Langzeit-Wert) von 13 (normal: unter 6) und einen Blutzuckerwert von 500 (normal: unter 100). Der Hausarzt wollte ihn sofort in die Klinik einweisen, aber er wollte es erst einmal mit einer „vernünftigen“ Ernährung versuchen. Er nahm fortan nur noch vollwertige Kost, 100% tiereiweißfrei und fast fettfrei zu sich. Schon im November war der Hb1Ac-Wert bei 10, im Januar bei 5,9 (muss sein: < 6,1). Bei der letzten Kontrolluntersuchung im Mai war dieser Wert 6,1 genau. Und die selbstgemessenen Blutzuckerspiegel liegen immer so knapp über 90. Seine erhöhten Fettwerte waren übrigens auch normal. Die Ärzte sind hochzufrieden, der Patient auch – denn er muss nicht zählen. Er isst munter, es schmeckt ihm. Einmal alle 4 bis 8 Wochen, wenn er mit Freunden essen geht, hält er sich an keine Regel. Das steckt die langfristige Ernährung gut weg.

Was sagen die Ärzte, die er grob von seiner Ernährung in Kenntnis setzte? Sein Diabetologe: „Oh, Sie haben so gute stabile Werte, da können Sie ja bald wieder normal essen!“  (Womit er vermutlich die übliche gezählte Diabetikerkost mit guter Fleisch- und Käseversorgung, alles in Magerstufe, meint.) Ein anderer Arzt klopfte ihm auf die Schulter, mitleidig und scherzte: „Wenn Ihnen danach ist, gehen wir mal richtig schön einen Burger essen!“ Okay, mein Bekannter mochte noch nie Burger. Aber jetzt, wo er Diabetiker ist, sollte er sich das nicht entgehen lassen. Statt ständig lecker zu essen, mit Kuchen, Aufläufen, Pizzen…. alles ohne zählen.

Dies fiel mir ein, als ich im neuesten Diabetiker-Ratgeber in den Rezepten blätterte. Der Snack vom 7. Tag: 150 g Erdbeeren + 1 Aprikose (50 g) + 20 g Vollkornkekse (ca. 2 BE). So ein Essen ist natürlich viel köstlicher in den Augen der behandelnden Ärzte als diese schrecklich karge fleischlose Kost.

Oh Manno…..

 

Degenerierte Gesellschaft

Heute Morgen, WDR 2, so zwischen 5 und 6:15 Uhr, kam eine Meldung zu den verfallenden Milchpreisen. Was kann man dagegen tun, fragte die Moderatorin. Antwort: Mehr Milch kaufen. Was damit tun? Eine Expertin gab Rat: Man kann damit z.B. auch baden – 3 bis 4 Liter vollfette Milch ins Badewasser, das ist wunderbar.

Wenn in einer Gesellschaft Lebensmittel – von der Herkunft dieser Milch von gequälten Kühen will ich hier gar nicht sprechen – zum Baden empfohlen werden, damit die Preise nicht fallen, ist etwas ganz, ganz verkehrt.

Mir dreht sich da alles.

 

Kinder werden Vegetarier

8. Apr. 2016: Meine Familie… und Ich

Die Zeitschrift „Meine Familie & Ich“ ist bekannt, weil sie an den Supermarkt-Kassen ausliegt. Ende letzten Jahres habe ich mich entschlossen, das Magazin zu abonnieren, weil da manchmal wirklich hübsche Ideen enthalten sind, die ich relativ problemlos in der Vollwertküche umsetzen kann. Leider gibt es auch Begleittexte 😉

Da gibt es eine Rubrik „Besser Leben – Gesunde Ernährung“, und in der Mai-Ausgabe geht es um den Umgang mit Kindern und Ernährung. Der kleine Artikel „Plötzlich Vegetarier – ist das okay?“ zog natürlich sofort meine Aufmerksamkeit auf sich.

Es ist wunderbar, wie einmal entstandene Mythen immer und immer wieder neu produziert werden, durchgekaut und nochmal veröffentlicht. Also erst einmal sollen die Eltern das tolerieren, „aber den Teenagern auch erklären, dass es so schwerer ist, sich ausgewogen zu ernähren, vor allem bei veganer Kost“.

Wieso ist eine vegetarische Ernährung so schwierig? Ich meine, was ist so furchtbar daran, wenn man krankheitsauslösende Faktoren wie übermäßiges Tiereiweiß schon als Teenager aus seiner Ernährung streicht? Wieso ist das nicht ausgewogen? Ich finde das herrlich, dass die heutige Ernährung mit Fertignahrungsmitteln und überzüchteten Industrieprodukten als „ausgewogen“ gilt. Seit wann hat je ein Vegetarier Mangelerscheinungen gehabt, wenn sie ihm nicht jemand angedichtet hat (wie die beliebte Frage bei Eisenmangel: Ah, sind Sie VEGETARIER???)?

Natürlich ist es nicht so toll, wenn die Nahrungsumstellung zum Vegetarismus / Veganismus nur darin besteht, dass man alles vom Tier weglässt, aber den Rest der Ernährung unverändert lässt. Aber ob man als Puddingvegetarier oder als Normalesser mit 50 Jahren einen Herzinfarkt bekommt, ist dann ja dann für den einzelnen auch egal, aber Vegetarier und Veganer haben dann wenigstens ihren Teil zum Abbau der Massentierhaltung getan 😉

 

Es ist übermäßig

25. Feb. 2016: Übernormal gesund

Heute kam der Artikel mir „unter die Augen“, obwohl Recherchen zeigen, dass der Ausspruch schon aus dem Dezember 2015 stammt.

Bundesärztepräsident Montgomery (der sich eigentlich immer durch merkwürdige Sprüche hervortut) sagte, um die deutsche Bevölkerung zu beruhigen (die wird ja derzeit überhaupt bis zur Betäubung beruhigt):

„Flüchtlinge sind übernormal gesund.“

Mir geht’s gar nicht drum, ob das stimmt und nur eine weitere Beruhigungskampagne ist, sondern ich erfreue mich einfach an der Wortkombination „übernormal gesund“. „Über“ vor ein Wort gestellt ist meist negativ: Eine Schildrüsenüberfunktion ist eine Krankheit, übergroß zu zu groß, übereifrig nervt die anderen, überflüssig muss ich nicht erläutern, die Beispiele lassen sich endlos aneinander reihen.

Jetzt haben wir etwas Übernormales. Das für sich heißt schon – nicht mehr okay, denn es ist oberhalb der Normgrenze im Gegensatz zum Unternormalen, das liegt darunter. Also wenn Marlenes Augen übernormal groß sind, ist das kein Kompliment, sondern man denkt eher „hmmmm….“. Es gibt auch Übergrößen für Schuhe. Und jetzt gibt es Übergrößen für Gesundheit.

Soll ich das so verstehen, dass es eine Gesundheit gibt, die so stark ausgeprägt ist, dass sie quasi wieder etwas Negatives ist? Eine Übergesundheit, wie ein Über-Ich. Oder aber ich muss annehmen, Herr Montgomery weiß nicht, wie man präzise formuliert. Er hätte ja sagen können: „Die Flüchtlinge sind überdurchschnittlich gesund“. Das hätte ich verstanden. Ob ich es geglaubt hätte, ist eine ganz andere Frage. Aber die armen Flüchtlinge mussten nicht nur ihr Land verlassen, jetzt sind sie auch noch mit übernormaler Gesundheit gestraft. Sie sind nicht 100% gesund, sondern 110% oder 120% gesund. Bei Augen kenne ich das, da gibt es eine Über-Sicht. Was aber ist ein übernormaler Blutdruck, normaler als normal?

Machen wir uns nichts vor – „gesund“ ist ein Begriff, den es nicht im Übermaß geben kann. Wer gesund ist, hat keinerlei Krankheiten, das lässt sich nicht mehr steigern (Steigerung gibt es allenfalls untereinander: A ist gesünder als B). Niemand ist gesünder als gesund. Gesund ist ein unerschütterliches 100% gesund. Wie weit ist denn die Gesundheit in Deutschland abgesunken, muss ich mich dann als nächstes fragen, dass ein gesunder Mensch übernormal gesund ist? Das heißt, in Deutschland ist „normal gesund“, wer mindestens ein schweres Leiden hat? Wer das wiederum als Ärztepräsident als Definition für „gesund“ hinnimmt, hat wohl doch vielleicht seinen Beruf verfehlt und hätte besser eine Karriere als Architekt für übergroße Bauten begonnen.

Aber vielleicht ist Montgomery’s Satz einfach nur übernormal bescheuert?