Eine tolle neue Essensrichtung!

Beim Frühstückskakao las ich den neuesten Senioren-Ratgeber (3/2015), gehört zum Verlag der Apotheken-Umschau 🙂 In der Rubrik Essen und Trinken werden verschiedene Essensrichtungen kurz erklärt. Eine, den Titel verrate ich noch nicht, erhält folgende Beschreibung (Seite 60):

„XXX setzt auf natürliche, vollwertige Nahrungsmittel. Stark verarbeitetes und industriell Gefertigtes sind tabu. Es ist eigentlich nur ein anderes Wort …“

Wie würden wir da ergänzen? Ich würde automatisch „für Vollwerternährung“ sagen. Aber der Seniorenratgeber ergänzt anders „.. ein anderes Wort dafür, regional und saisonal zu essen, am liebsten Produkte vom Erzeuger. Das haben bis vor 100 Jahren alle gemacht.“

Hä? Wie bitte? Klingeln irgend jemandem bei „vor 100 Jahren“ die Ohren? Mir auf jeden Fall. XXX steht übrigens für „Clean Eating“, das hier erklärt werden soll.

Aha. Vollwerternährung klingt zu angestaubt, irgendwie so… deutsch? Da muss was schickes Englisches her. Clean Eating. Klingt gleich so sauber, hygienisch und gesund. Und den Übergang zu saisonal und regional finde ich… berauschend 😉

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Ich rege mich mal eben kurz auf…

Donnerstagmittag liefert mein Bioladen aus. Ein prima Service. Ich kaufe häufig Weizen, Dinkel und Roggen dort – und auch mein Sechskorngetreide, alles lose abgepackt. Heute war wieder Sechskorngetreide an der Reihe.

Der Fahrer stellt es ab und sagt: Tja, diese Packung wird jetzt wohl die letzte sein, die sie bei uns bekommen.
Ich: Hä? Gibt es Ersatz?
Er: Nein. Das ist eine Folge einer EU-Verordnung.

Ich lasse es mir erklären. Auf alle Verpackungen müssen jetzt Allergen-Angaben und und und. Also nicht nur Inhaltsangaben. Aha. Sie führen jetzt auch weiterhin Sechskorngetreide – hübsch abgepackt vom Großhändler dennree.
Nein danke!

Und Weizen, Roggen? Der Laden bezieht den direkt von einem regionalen Bauern. Nein, sie führen wegen der Verordnung erst einmal überhaupt keine lose Ware mehr. Dann werden sie beobachten, wie sich das so entwickelt…

Der Bauer selbst, so der Fahrer, verkauft jetzt eben nur noch Großpackungen, aber nicht über diesen Laden. Für 20 kg Roggen, Weizen oder Dinkel – möglichst gleichzeitig – habe ich keinen Lagerplatz.

Was ist das für ein Irrsinn? Was soll denn in einem 5-kg-Papiersack Weizen schon drin sein außer Weizen??? Und welchem Allergiker mit Weizenallergie hilft es, dass auf dem 5-kg-Weizensack steht „Weizen“? Entweder weiß er von seiner Allergie, dann kauft er keinen. Oder er weiß es (noch) nicht – dann hält ihn der Aufkleber auch nicht vom Kauf ab.

Nichts gegen Zutatenlisten auf Fertigprodukten (obwohl da ein einfaches „Gift und Schrott“ reichen würde), aber auf Einzelprodukten? Lachhaft!!

Das heißt, ich werde nun noch mehr Getreide per Post bestellen müssen. Da komme ich dann auch nicht immer an die Portofreigrenzen. Das heißt, dank dieser EU-Verordnung muss ich nicht nur die Umwelt durch noch mehr Transporte belasten, sondern auch mehr Geld ausgeben. Oder mich Großhändlern wie „dennree“ ausliefern.

Ich würde gerne sagen „Mir fehlen die Worte“. Aber wie man sieht, fehlen sie mir ja doch nicht.

 

Sonnenblumenkerne aus Deutschland

21. Nov. 2014: Deutsche Sonnenblumenkerne

Dieser Artikel folgt gut dem Thema Regionalität von gestern 🙂

Vor einiger Zeit gab mir eine Leserin den Tipp, dass es eine Initiative Sonnenblumenkerne aus Deutschland gibt. Hochinteressant, fand ich sofort. Mehr dazu könnt Ihr hier lesen. Dort aber direkt zu bestellen, war mir auf Anhieb nicht ersichtlich. Also habe ich mich weiter umgesehen und stieß auf „Bringmirbio“ (hier). Der Versand wurde mir auch früher schon einmal empfohlen, ich hatte aber bisher keinen Bedarf. Also habe ich dort bestellt.

Die Sonnenblumenkerne selbst sind sehr, sehr lecker. Kleiner, als wir sonst gewohnt sind. Nett rund 🙂 Der Preis ist auf Anhieb nicht gerade günstig, aber ich habe verglichen: Sonnenblumenkerne aus Europa liegen beim gleichen Kilopreis (6,38 Euro). Da kann ich auch deutsche kaufen!

Der Versand mit Bringmirbio klappt fantastisch, ich kann mir sogar einen Liefertag aussuchen. Auf Beschwerden – es ging bei mir um 2,70 Euro, also wirklich keine Riesensumme – wurde freundlich reagiert.

Unbedingt eine Empfehlung, sowohl für die Sonnenblumenkerne als auch für den Online-Shop.

Preise für Trockenfrüchte

Gestern nahm ich gedankenverloren in einem Drogeriemarkt mit Bioabteilung zwei Päckchen getrocknete Aprikosen in die Hand, ich hatte sie für ein Rezept eingeplant. 2 x 200 g. An der Kasse hörte ich: 8 Euro und irgendwas. Wie bitte? Ich war sicher, die Dame an der Kasse hatte sich vertan. Nein, hatte sie nicht. Ich habe den Kauf storniert und die Päckchen zurückgebracht ins Regal. Wahrhaftig, da stand 4,49 Euro (oder so ähnlich) dran! Das entspricht einem Kilopreis von über 22 Euro. Ich bin aber sicher, dass ich vor wenigen Wochen noch 2 Euro und ein paar Gequetschte bezahlt habe.

Abends bekam ich den neusten Newsletter von Jallaldor (ich bestelle da meine grünen Rosinen) und dort stand auch, dass wegen schlechter Ernte die Aprikosenpreise immens angezogen haben, ebenfalls für tunesische Datteln.

Also wer noch Aprikosen zum alten Preis sieht und sie schon mal gerne verwendet: Jetzt zuschlagen 😉

Den Dummen was schmackhaft machen

12. September 2014: Wir lernen Fremdwörter 😉

Heute stelle ich das Wort „Euphemismus“ vor. Wikipedia erklärt es so:

„Ein Euphemismus […] ist ein sprachlicher Ausdruck, der eine Person, eine Personengruppe, einen Gegenstand oder einen Sachverhalt beschönigend, mildernd oder in verschleiernder Absicht benennt.
Aufwertende, mäßigende oder vertuschende Formulierungen kann man – auch unbewusst – aus verschiedenen Motiven verwenden, wobei auch mehrere gleichzeitig zum Tragen kommen können: In erster Linie will man bestehende Tabus und soziale Normen nicht brechen, Anstößiges umgehen, Gefühle von Sprecher und angesprochener Person schonen oder aus Eigennutz täuschen, tarnen oder Aufmerksamkeit wecken.“

So weit, so gut. Oder auch nicht. Am 19. August 2014 fand ich in der Anzeige der Sonderangebote eines dennree-Supermarktes ein wunderbares Beispiel:

„Bio-Wiener Würstchen-Zwerge
Buchonia
vom Schwein, geräuchert, mit Joghurt verfeinert, 2 x 6 Stück“

Egal, wie man jetzt zum Fleisch steht: „mit Joghurt verfeinert“ ist meines Erachtens ein feiner Euphemismus für „gestreckt“ 🙂

Geburtstag, aber nicht meiner :-)

18. August 2014: Geburtstag

Gestern, am 17. August 2014, hatte meine Verbindung zu Lebegesund (hier) Gemüse und Obst Geburtstag. Gelegenheit, ein kleines Fazit zu ziehen:

  1. Die Qualität der Lieferung ist unter Berücksichtigung natürlicher Schwankungen ausgezeichnet. Die Dinge sind offensichtlich wirklich frisch gepackt, was der Salat eindeutig beweist – der hält sich bei mir entweder in Klimaprima-Dosen oder jetzt im Biofresh-Abteil des Kühlschranks bis über eine Woche.
  2. Die Lieferungen sind abwechslungsreich, die Verpackungen sind sehr gut, zweimal war eine Gurke „gerissen“, ansonsten alles top. Selten hat mal ein Apfel einen Fleck.
  3. Die Mengen sind nicht immer exakt richtig für mich, das kann aber natürlich auch daran liegen, dass ich in einer Woche mehr, in einer anderen Woche einmal weniger esse. Manchmal ist es knapp, manchmal zu viel. Mit einer guten Kühlmethode gleicht sich das aber auf die Dauer aus.
  4. Der Kundendienst ist hervorragend. Änderungswünsche werden immer freundlich berücksichtigt. Zusatzbestellungen ohne Porto sind stets möglich. So bestelle ich mittlerweile auch den Apfelessig bei Lebegesund. Er ist etwas schärfer als mein bisheriger (von dennree), das ist nur eine Sache der Gewohnheit.

Das Einzige, was ich zu bemängeln habe, ist, dass die Salatkisten nicht unbedingt Rohkost geeignet sind. Schon mal sind Bohnen dabei oder auch Zwiebeln. Wer ausgiebig Rohkost isst, wird bald wegen erhöhter Geschmacksempfindlichkeit sehr vorsichtig beim Zwiebelverzehr sein. Und Bohnen muss ich eben auch kochen. So gerne ich auch Bohnen esse, würde ich mir da eine Rohkost-Salatkiste wünschen. Andererseits kann ich mir natürlich auch meine Dinge selbst zusammenstellen. Das finde ich aber immer nie so spannend wie den Überraschungsfaktor. Wobei ich freitags schon immer sehen kann, was für die nächste Woche geplant ist.

Die Planung stimmt in Einzelteilen nicht immer mit dem Kisteninhalt überein, was wetterbedingt gut erklärbar ist. Dann liegt jedes Mal ein Zettel mit einem Hinweis bei. Regelmäßig werden auch kleine Präsente beigelegt – Kekse, Holundersaft, Apfelaufstrich, das sind einige Dinge, an die ich mich erinnere. Okay, für einen Vollwertler sind die jetzt nicht unbedingt geeignet, aber hier zählt der nette Gedanke.

Regelmäßig gibt es auch Aktionen – auf diese Weise konnte ich einmal die pürierten Tomaten probieren, die ich mir im nächsten Winter bestimmt bevorraten werde.

Mein erster sehr guter Eindruck, den ich schon mal geschildert habe, hat sich voll bestätigt. Das Eintreffen der Kisten (kleine Obst-, kleine Gemüse- und kleine Salatkiste) ist immer ein Highlight der Woche 🙂 Die drei Kisten kosten 39,95 Euro, sind somit portofrei und reichen für 2 Personen eine Woche.

Honig und vegan

14. August 2014: Veganer und ihr Honigproblem

Eine Imkerin machte mich die Tage auf einen Beitrag auf der PETA-Webseite aufmerksam. Sie ist eine verantwortungsbewusste Imkerin und meinte „Da macht sich wieder einmal Halbwissen breit.“ Das stimmt. Ich frage mich, ob diese Menschen, die hier die Bienen angeblich vertreten, neben ihrem Halbwissen wenigstens zu Hause jede Getreidemotte mit der Hand vorsichtig einfangen und nach draußen tragen, sich den Mücken zum Fraß vorwerfen und Fliegen liebevoll ein Fliegarium aufbauen. Die Imkerin verwies mich auch auf zwei Kommentare, die auf schöne sachliche Weise das Halbwissen offenlegen. Dies möchte ich hier in Auszügen vorstellen.

Den ganzen PETA-Artikel findet Ihr: hier

8 Gründe, die verdeutlichen, warum Honig nicht vegan ist
Eine vegane Ernährung ist frei von allen Produkten, für die Tiere ausgebeutet und getötet werden. Die meisten Menschen wissen heute, dass Tiere für die Produktion von Fleisch, Fisch, Milch und Eiern gequält und geschlachtet werden. Doch viele Verbraucher fragen sich, was falsch daran sein könnte, Honig zu essen? Die folgenden 8 Gründe verdeutlichen, warum Honig nicht vegan ist, warum Bienen ihren Honig nicht freiwillig hergeben und warum viele der unterschätzten Insekten dabei sterben.
Honig als Lebensmittel verursacht großes Tierleid bei den ganz Kleinen
1. Auch Bienen werden in der Massenzucht gehalten und ausgebeutet
2. Bienen werden bei der Honigproduktion oft verletzt oder getötet
3. Königinnen erreichen nur einen Bruchteil ihrer natürlichen Lebenserwartung
4. Bienen brauchen ihren Honig selbst
5.Bienen arbeiten hart für IHREN Honig
6. Das Bienensterben geht uns alle an
7. Panikmache erleichtert den Diebstahl
8. Honig von glücklichen Bienen?

Zwei Kommentare (Link von der Imkerin) stelle ich ebenfalls in Auszügen vor. Es empfiehlt sich natürlich, beides vollständig zu lesen (hier).

Leider ist auch dieser Artikel sehr einseitig geschrieben, von jemanden der sich mit der Imkerei und den daraus gewonnen Produkten nicht beschäftigt hat. Nein, wir brauchen keinen Honig zum leben. Für die Süße nehmen mir Zucker der keine Inhaltsstoffe hat. […]
Man soll die Bienen nur noch wegen der Bestäubung halten!? Was für ein Quatsch! Wenn sich der Autor mal mit der Imkerei beschäftigt hätte, wüsste er das die Bienen nicht einfach so überleben. Das sie eine Menge Arbeit machen.
Hat der Autor sich mal über die Varroa, die Faubrut informiert ? Und wir halten die Bienen nur noch so, ohne „Lohn“ . Also hat der Bauer mit seiner Apfelbäumen seinen Gewinn an den Bienen, die wir nur so halten? Also halten wir uns auch die Kühe nur noch so, dass sie die Wiese abfressen, wir brauche ja kein Fleisch, und da wir alle dann uns nur vegan ernähren, müssen wir aber das Getreide was wir für den Frühstücksmüsli brauchen, mit der Hand selber ernten, damit die Ökobilanz des Müsli wieder stimmt. Denn der Mähdrescher und Traktor fährt auch nicht mit Wasser und macht bei der Ernte auch so manches Tier platt- Gruß Dirk

Noch sachlicher äußert sich ein anderer Imker, den ich hier leider auch aus Platzmangel nur in einem kleinen Auszug bringen kann. Hier empfehle ich ganz besonders die gründliche Lektüre des ganzen Kommentars:

Alternativen

Es gibt viele Menschen und Projekte, die sich mit artgerechter Bienenhaltung beschäftigen und sich dabei teilweise gegen die gängigen Imkerpraktiken richten. Der Verein 2010 Königinnen für das Ruhrgebiet sei genannt, Mellifera e.V.- Initiativen für Biene, Mensch, Natur, Die Bienenkiste von Erhard Maria Klein und Thomas Radetzki und der Weißenseifener Hängekorb von Günther Mancken.

Der demeter-Verband verbietet seinen Imkern das Beschneiden von Bienenflügeln und die künstliche Besamung von Königinnen. Völkervermehrung ist nur auf Grundlage des Schwarmtriebes und mit natürlich entstandenen Schwarmzellen und Weiseln erlaubt. Dem Winterfutter muss mindestens 10 % Bienenhonig beigefügt werden, eine ausschließliche Fütterung mit Bienenhonig ist anzustreben.

Auch unter den vielen Jungimkern, die heutzutage mit der Bienenhaltung beginnen, haben viele ein ausgeprägtes Bewusstsein für die (vermuteten) Bedürfnisse der Bienen. Die meisten von ihnen sind nicht aus wirtschaftlichen
Interessen zur Imkerei gekommen, sondern aus Interesse am Bienenschutz; geweckt durch die Medienkampagnen rund um das „Bienensterben“. Nicht selten finden sich unter ihnen gebildete Leute, die sich sehr um das Wohl ihrer Bienenvölker sorgen. Ich vermute, der stark verallgemeinernde und mit Halbwissen gespickte PETA-Artikel ist für sie ein Schlag ins Gesicht.

[…]

Konsequenzen

Jemand, der die Tierhaltung durch den Menschen ablehnt und sich aus ethischen Gründen vegan ernähren möchte, sollte in der Tat auf Bienenhonig verzichten. Für alle Anderen sollte der PETA-Artikel eher ein Aufruf sein, auf importierte Bienenprodukte zu verzichten. Die Haltungs- und Produktionsbedingungen hinter der ausländischen Ware sind für den Kunden / die Kundin undurchschaubar. Sie sind jedoch mit Sicherheit schlechter als beim Imker aus seiner / ihrer Nachbarschaft. 80 % des in Deutschland konsumierten Honigs stammen aus dem Ausland, lediglich 20 % werden von einheimischen Imkern und Imkerinnen produziert. (12)

Setzen Sie ein Zeichen, indem Sie Honig direkt vom Imker Ihres Vertrauens kaufen!

Oder, wenn Sie vegan leben möchten: Pflanzen Sie Pflanzen, die den Bienen Nahrung bieten!

Mit freundlichen Grüßen

Sebastian Höft

Erzeuger oder Händler?

28. Juli 2014: Ein Appell an meine Leser

Der Trend in der Vollwertkost geht zum Großhandel. Grauenhaft. Warum ist das so? Das ist Bequemlichkeit und Sparsamkeit an der falschen Stelle, so meine Meinung.

Gerade letztlich berichtete mir eine Leserin, dass sie früher von einem benachbarten Bauern Getreide gekauft hat, wunderbar keimenden Nackthafer. Nun muss sie ihr Getreide bei einer größeren Mühle kaufen, denn der Bauer hat wegen Rückgängen beim Getreideverkauf den Anbau eingestellt. Die Keimfähigkeit des Getreides von der Mühle (verschiedene Bauern aus der Region beliefern sie) ist schlecht.

Ich sehe in der Biobewegung durch die vielen Veganer, denen in vielen Fällen leider die Lebensmittelqualität an sich völlig egal ist, und das „hipp“ sein von bio, eine große Gefahr für die Vollwertigkeit unseres Essens.

Wieso das? wird der eine oder andere sich fragen. Je beliebter die Vollwertkost wird, umso besser für uns. Jetzt gibt es schon richtig preiswertes Getreide beim dm, bei dennree, bei Davert.

Dazu verweise ich noch einmal auf den Gastbeitrag zu dem Nackthafer von Davert. Genau dahin geht der Trend, das ist nämlich derselbe, der zur Einführung des Auszugsmehls geführt hat: Massenherstellung muss sein, Lagerfähigkeit muss erhöht werden usw. Aus der Perspektive des Handels völlig nachvollziehbar. Wichtig ist großer Ausstoß, guter Verkauf. Ich nehme das dem Handel nicht übel.

Habt ihr denn alle schon vergessen, wie Auszugsmehl zustande kam? Und genau derselbe Weg steht uns bevor, wenn dieser Trend sich fortsetzt.

Jeder, der sein Getreide nicht vom Erzeuger selbst kauft, macht sich schuldig. Ja, ich formuliere das so hart. In 30 Jahren reuig zurückzuschauen und zu sagen: Meine Güte, es gibt überhaupt kein keimfähiges Getreide mehr! hilft dann nicht.

Mein Bioladen kauft das lose Getreide bei einem Demeterbauern. Wie lange wird das noch sein?

Gut, Getreide beim Erzeuger ist nicht immer billiger, ist anfälliger für Befall (auch Mehlmotten essen lieber gutes Getreide), kostet Porto und belastet die Umwelt durch Transporte. Vor allem das letzte Argument ist ein wenig lächerlich, denn nur weil ich zu Fuß zum dm gehe, kriegt der seine Lieferung trotzdem nicht mit Handkarren serviert.

Und wer sich drei Pullover zur Auswahl vom Versand schicken lässt schon in dem sicheren Wissen, dass er ja nur einen behalten will, dann aber sagt: Nein, das Getreide mit der Post ins Haus liefern lassen, das ist umweltschädlich, hat das meiner Ansicht nach mit der Umwelt nicht ganz verstanden 😛

Eine neue Scheußlichkeit

26. Juli 2014: Tolle Backrezepte mit… Proteinpulver

Vielleicht ist dieses Pülverchen ja nur für mich neu und für den einen oder anderen schon eine bekannte Gruseltat 😉 Ich entdeckte es letztlich in Chefkoch-Rezepten

Proteinpulver

Das klingt schon so lecker, was? Dass Body Builder alles Mögliche essen, um übernatürliche Muskeln anzusetzen und dabei gleichzeitig ihre Gesundheit zu ruinieren, ist ja bekannt.

Liest man sich im Internet um, ist Proteinpulver – vor allem Whey Protein (Molkenprotein) – der Stein der Weisen in Sachen Eiweißversorgung. Mir schaudert…. ein aus der Molke gefiltertes Protein. Natürlich kann ich unter Molke (bereits ein Extrakt) vermutlich nicht einfach einen Haushaltsfilter hängen und dann bleibt das urgh-leckere Protein im Sieb zurück, das ich dann noch trockne.

In den Massen, in denen das verkauft wird, kann ich davon ausgehen, dass die Herstellung ein ganz klein wenig industrialisierter vor sich geht 😈

Ich zitiere mal eine Werbung: „Hochwertig, lecker und preiswert. Mit 92-95% Eiweiß ideal für Muskelaufbau geeignet“.

Was ich jetzt aber den absoluten Hammer finde, ist, dass jetzt schon damit gebacken wird… so ganz normale Kuchen und Plätzchen. Zu finden bei Chefkoch in reicher Zahl, vermutlich auch an anderen Stellen. Die Pülverchen gibt’s auch in Vanille und Erdbeergeschmack. Völlig natürlich selbstverständlich, und daher sind damit hergestellte Süßwaren auch besonders gesund.

Mein Lieblingsrezept sind die Erdbeer-Küsse in Chefkoch: Eine Mixtur köstlichster Dinge, die an keinem Baum, in keinem Beet wachsen (hier).

Bedenkt man, dass so ein Kilogramm Proteinpulver etwa 15 Euro kostet…. da sind die gestiegenen Dinkelpreise ja nix gegen.

Wer erfindet eigentlich solche Abartigkeiten? Ich habe so auf die Schnelle nichts zur Herstellung gefunden, könnte mir aber vorstellen, dass es sich hier einmal wieder mehr um ein „veredeltes“ Abfallprodukt handelt, bei dem gesundheitsbewusste Nixwisser begeistert zuschlagen.

Immerhin… selbst die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, nicht unbedingt bekannt für ihre industriefeindliche Einstellung, äußert Kritik an den Pülverchen – wenn ich dann in diesem Fall Wikipedia (hier) glauben darf.

Nacktgerste sollte keimen

14. Juni 2014 (sa) Nacktgerste von Davert

Nackthafer und Nacktgerste, die keimen – im Brukerischen Verständnis zumindest eine Bedingung für vollwertiges Getreide -, sind gar nicht so einfach zu bekommen. Nun hatte eine langjährige Leserin dieses Blogs (Hurra!!! 🙂 ) Nacktgerste von davert gekauft und die wollte und wollte nicht keimen. Also schrieb sie Davert an. Den Schriftwechsel möchte ich euch nicht vorenthalten:

Sehr geehrte Damen,
aus Ihrer Nackgerste wollte ich Sprossen herstellen, leider keimte von dem Getreide nicht mal 10%.
Ist es wärmebehandelt? Würde es nur entspelzt, sollte zumindest ein wesentlich größerer Anteil noch ohne verletzten Keim sein…
Danke für Ihre Antwort!
MfG

Die Antwort kam prompt:

Sehr geehrte Frau XXX,
vielen Dank für Ihr Interesse an unseren Produkten.
Da wir unser Getreide nicht als Keimsaaten verkaufen, garantieren wir grundsätzlich keine Keimfähigkeit.
Das Getreide wird in unserer Mühle gereinigt. Dabei kann der Keimling schaden nehmen, somit ist auch eine Keimfähigkeit nicht mehr gegeben. Des Weiteren ist es so, dass das Getreide, je nach Erntezustand, nachgetrocknet werden muss. Die Temperaturen sind dabei höher als 40°. Auch dies führt unter Umständen zu einer verminderten Keimfähigkeit.
Desweiteren ist es bei Nacktgerste und Nackthafer so, dass beide Getreidesorten ohne Spelze wachsen und entsprechend witterungsempfindlich sind und damit der Keimling schneller Schaden nehmen kann als es bei andere Getreidesorten der Fall ist.
Trotzdem handelt es sich bei alles Getreiden um vollwertige Produkte, die alle natürlichen Bestandteile enthalten.

Mit freundlichem Gruß
YYY

Verwaltung – Verbraucherservice

 Da bin ich ja nun beruhigt, dass mir endlich mal jemand erklärt, was vollwertig ist und dass es alle natürlichen Bestandteile enthält 🙂 Ich kann hier nur nochmals den Demeterhof Schwab empfehlen, bei dem ich den best keimendsten Hafer gefunden habe, den ich je gekauft habe.