Senioren

29. Sep. 2016: Alter im Senioren-Ratgeber

Es ist immer wunderbar zu sehen, wie Vorurteile tradiert (d.h. weitergegeben) werden. Die Darstellung von älteren Menschen in der Werbung ist dafür ein besonders gutes Beispiele. Dort sehen wir nicht ältere Menschen, sondern das, was über ältere Menschen in den Köpfen von meist jungen Werbeleuten rumspukt. Wunderbar.

Aber auch Apothekerin Claudia Röttger, Chefredakteurin des Seniorenratgebers, zieht sorgsam eine Grenze zu den Menschen, die sie für alt hält. Der Satz, der mir Freude macht: „‚Zu alt für einen Umzug, zu alt, um mit Klavier anzufangen, zu alt für eine Digitalkamera…‘ Unser großes ABC für gesunders Altern ermuntert Frauen und Männer jenseits der 50 schon beim Buchstaben A, solche Sätze ein für alle Mal aus ihrem Kopf zu streichen.“

Über 50 – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Liebe Frau Röttger, ich kenne niemanden, der sich mit 50 (!!!) alt fühlt. Nicht einmal mit 60. Die Menschen um die 50 stehen meist im Berufsleben, hantieren mit all dem Technikkram begeistert wie die Jüngeren. Man muss sich nur mal auf der Straße umsehen, wie viele Menschen „ab 50“ ihre Smartphones für quasi lebensnotwendig erachten. Die Neues anfangen, die keine Lust haben auf olle Sprüche wie die von Frau Röttger.

Vermutlich muss sich Frau Röttger eilends von den 50-Jährigen abgrenzen, zu nahe rückt sie selbst an diese Grenze (auf dem Foto schätze ich sie mal auf Anfang 40). Aber warum muss sie ihre für mich offensichtlichen Probleme mit dem Älterwerden so auf die 50-Jährigen abwälzen? Menschen zwischen 50 und 60 (mindestens!) nehmen überall Führungspositionen und verantwortliche Stellungen ein. Und die sollen alle schon sagen „Zu alt für…“?

Ein Traum von Frau Röttger. Aber den kann sie gerne allein träumen.

Bitte erst nachdenken :-)

Es funktioniert gut, dass die Medien allseits die möglichen Probleme unterdrücken, die durch den Zuzug von ca. 1 Million Flüchtlingen in einem Jahr entstehen. Eine logische Folge ist meines Erachtens dann eine Gegenreaktion in der Bevölkerung, die nun eigene Gerüchte in Umlauf bringt. Ob das gezielt in Gang gesetzt wird oder nur Sensationslust ist: Ich habe keine Ahnung. Es wird Angst geschürt, was immer Machtausübung ermöglicht. Natürlich mache ich mir auch Gedanken ob der Probleme, die uns verschwiegen oder beschönigt werden, aber ich habe keine Angst vor dem morgigen Tag.

Heute nun wurde ich mit so einer Story konfrontiert. Eine Freundin, durchaus nicht leichtgläubig, schrieb mir eine erschrockene Mail:

Ich war gerade beim Augenarzt und habe von der Sprechstundenhilfe, mit der ich mich schon mal gerne unterhalte, erfahren, dass 800 Flüchtlinge in den nächstgrößeren Nachbarort kommen oder dort schon angekommen sind. Im Umkreis eines anderen größeren Ortes in meiner Nachbarschaft haben zwei Aldis geschlossen, weil die Flüchtlinge klauen oder im Laden Packungen aufreißen, sich im Laden hinsetzen und einfach essen und trinken, natürlich ohne Bezahlung. Einer machte den Wagen voll, fuhr an die Kasse, schubste die Kassiererin beiseite und sagte nur „Mama Merkel zahlen“. Und diverse andere Stories.

Was sind das für Geschichten? Ich konnte meine Freundin ein wenig aus ihrer Panik reißen, indem ich ihr ein paar logische Schlussfolgerungen und Gedanken mitteilte. Erstens ist das keine Horde von Mongolen aus dem 13. Jahrhundert, die im Moment nach Deutschland kommt. Es sind zum großen Teil Flüchtlinge mit Familie, die aus normalen Verhältnissen stammen. Okay, die Kultur ist eine andere – aber im Laden Packungen aufreißen, sich dort hinsetzen und den Inhalt essen, das ist nicht das, was Menschen überlicherweise berichten, die selbst den Orient einmal bereist haben.

Und außerdem: Wenn diese Menschen sich so daneben benehmen würden (!), warum gehen sie zu einem Billigdiscounter wie Aldi oder wahlweise Lidl? Warum nicht zu Edeka und Rewe mit viel größerem Frischeangebot? Warum fallen sie nicht in die Bekleidungsgeschäfte ein und holen sich Kleidung, die den für sie hier herrschenden kalten Temperaturen gerecht wird?

Ich bin dann „extra“ noch zu Aldi gegangen heute Nachmittag. Hier vor Ort sind vor ca. 2 Wochen 250 Flüchtlinge untergebracht worden. Aldi war fast leer. Einige wenige durchweg deutsche Kunden. Keine leeren Regale, keine Kassiererinnen, die von schrecklichen Erlebnissen berichteten. Also eigentlich alles ganz normal. Ach nein, eine wichtige Begebenheit: Aldi hat noch deutsche Erdbeeren im Programm, was mein Begleiter mit leuchtenden Augen sah 🙂

Anschließend habe ich der Freundin berichtet, wie es hier im Aldi aussah. Sie hatte mittlerweile auch schon von Ortsansässigen erfahren, dass es sich bei den besagten 800 angekündigten Flüchtlingen ebenfalls um ein Luftgespenst handelt.

Daher meine Bitte: Glaube nur, was du selbst gesehen hast an üblen oder auch überschwänglichen Berichten. Wenn dir jemand etwas erzählt über Flüchtlinge, frage: Warst du selbst dabei? Und wenn die Antwort kommt: Nein, ich nicht, aber meine Nachbarin (oder wer auch immer) – vergiss es sofort wieder. Es ist mit großer Sicherheit ein Märchen. Denke immer daran: Die Flüchtlinge kommen zwar aus Ländern mit verheerenden Zuständen, aber aus einer Kultur, nicht aus einem abgeschiedenen Winkel mit seltsamen Verhaltensweisen. Wenn du dir sehr viel Sorgen machst, dann hoch mit dem Hintern und gehe zu einer Einrichtung und biete dich an, den Ehrenamtlichen zu helfen.

Natürlich, das sagte ich bereits, werden unter 1 Million Menschen nicht nur gut gesittete Bürger sein. Köln hat etwas weniger als 1 Million Einwohner und wie viele davon benehmen sich voll daneben? Wie viele davon findet Ihr sympathisch? Gibt es darunter Kriminelle oder nicht?

Dass es Fälle gibt, wo Flüchtlinge sich falsch oder gesetzeswidrig verhalten, das ist gar keine Frage. Aber übertragt das bitte nicht auf alle Flüchtlinge! Ich möchte auch nicht, dass ich daran gemessen werde, wie sich einige Deutsche im Ausland aufführen 🙂

 

 

Augen zu beim Autokauf

21. Feb. 2015: Tipps für junge Leute

Wenn ich besonders für eine bestimmte Gruppe Tipps gebe, dann heißt das ja, dass diese Dinge für andere Gruppen nicht so wichtig sind.

Beispiele: Schwangere sollten nicht schwer heben. (Alle anderen müssen das nicht so sehr beachten.) Herzschrittmacherträger sollten sich von bestimmten Geräten fernhalten (alle anderen müssen das nicht). Kinder sollten möglichst keine Messer anfassen, d.h. Erwachsene dürfen das schon.

Du bist noch keine 60 Jahre alt und willst ein Auto kaufen? Dann habe ich die richtigen Tipps für dich. Zumindest kann ich dir aufzählen, was für dich überhaupt nicht wichtig ist.

Nun bestehe ich ja immer bei anderen auf Quellenangaben. Daher gebe ich selbstverständlich auch meine an: Es ist die Ronsdorfer Wochenschau, Jahrgang 65, Nr. 6, 4. Feb. 2015.

Der illustre Artikel ist überschrieben „Checkliste für die Generation 60+ beim Autokauf“. Ich liebe schon den Titel, ist klar? Eine Generation umfasst in der Regel 25 Jahre. Hmmmm….

Also erst einmal wird uns erklärt, wie mobil die älteren Menschen sind. „Jeder dritte Neuwagenkäufer in Deutschland ist bereits 60 Jahre und älter“. Nur so nebenbei: Das könnte auch einfach bedeuten, dass die Jugendlichen Gebrauchtwagen kaufen, räusper.

Da gibt es nun eine Broschüre eines Projekts zum „altersgerechten und klimabewussten Autokauf“. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Mir entgeht die Logik….

Dann wird es spannend, es geht an die Fragen, die die 60+ler sich beim Neukauf eines Autos stellen sollen: Ein- und Aussteigen testen. Okay, das macht Sinn – das weiß man ja, dass ältere Mensch nicht alle noch sehr gelenkig sind.

Jetzt wird es interessant für die Jüngeren unter meinen Lesern: Es ist offenbar völlig egal, ob Ihr die Fußpedale bequem erreicht, ob der Abstand zum Lenkrad ausreichend bleibt, ob Ihr einen guten Überblick über die Verkehrssituation habt. Denn es wird ja den 60+lern ans Herz gelegt, was sollte es da die Jüngeren kümmern? Auch das Ablesen der Instrumente – egal, wenn Ihr unter 60 seid. Ihr dürft raten. Die 60+ler sollten auch drauf achten, dass sie im Nachtmodus etwas lesen können. Die Jungen brauchen das nicht, die fahren vermutlich blind?

Dann kommt der wichtigste Hinweis (bitte daran denken, es gilt für die Über60jährigen:): „Nehmen Sie sich Zeit und legen Sie sich nicht vorab auf ein Modell fest.“ Das leuchtet ein, dass dieser Ratschlag für jüngere Menschen als 60 völlig irrelevant ist. Ihr Jüngelchen und Mädels, immer schön hurtig das Auto kaufen und schon vorher haarklein für euch festlegen, was Ihr wollt. Flexibel könnt ihr ja noch werden, wenn ihr jenseits der 60 seid… wie man liest 😉

Die Tafel

Den Begriff „Tafel“ kennt wohl jeder. Es sind Einrichtungen z.B. von den Kirchen, die meist mit ehrenamtlichen Mitarbeitern noch brauchbare Lebensmittel in Restaurants, Bäckereien, Supermärkten usw. sammeln und an Bedürftige weitergeben. So weit, so sehr gut.

Da ich mich mit dem Thema nicht weiter beschäftigt habe, überraschte es mich sehr, als mir letztlich jemand von dem Berechtigungsausweis für die Tafel erzählte. Hmmm, hatte mein Gegenüber sich geirrt?

Nein, es stimmt wirklich! Man braucht einen Einkommensnachweis bzw. eine ALG-II-Bescheinigung und muss, so las ich an einer Stelle, auch noch den Personalausweis vorzeigen.

Ist das wirklich zu fassen? Wie weit wird unser Leben noch bürokratisiert? Und was ist die Begründung? Warum muss jemand erst den Stempel „Ich bin arm“ aufgedrückt bekommen, bevor ihm geholfen wird? Als einzige Begründung dafür fällt mir „Missbrauch“ ein.

So ein Berechtigungsschein soll also verhindern, dass zur Ausgabestelle Menschen kommen, die nicht wirklich auf diese Hilfe angewiesen sind.

Da frage ich mich: Wer würde das denn sein? Ein Millionär, der sich dort sein Essen holt, weil er noch reicher werden will? Menschen aus dem Gutbürgertum, die einfach geizig sind?

Ach, Leute, macht doch einmal einen Punkt! Selbst wenn unter 1000 Tafelbesuchern einer Missbrauch betreibt, gibt es sicher andere Möglichkeiten, den einzuschränken oder begrenzt einfach zu tolerieren, statt Hundertausende noch mehr zu demütigen.

Ich bringe einmal ein Beispiel aus der freien Wirtschaft, wo das funktioniert. Der Online-Versand Land’s End bietet eine lebenslange Garantie. Das heißt, egal wie kaputt oder wie alt die Bekleidungsstücke sind, die ich zurückschicke – ich bekomme den Preis ersetzt. Auch dieses System klingt nach Ausnutzen, herrlich, jede Saison neue Klamotten, bezahlt durch die alten?

Wenn das so wäre, wäre Land’s End schon bankrott. Sind sie aber nicht. Ich alleine kenne den Shop seit ca. 15 Jahren. Offenbar gibt es „normalen Anstand“. Es gab wohl auch eine Fernsehsendung (schon Jahre her), wo sie zugaben, dass sie bei offensichtlichem Missbrauch über längere Zeit den Kunden aus der Kartei streichen, d.h. nicht mehr beliefern (wenn ich das richtig in Erinnerung habe).

Dass gerade Kirchen einen Ausweis verlangen… da möge jeder für sich drüber nachdenken. Ich verweise da gerne auf die Jahreslosung 2015: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ Vermutlich hat Christus „uns“ auch nur mit Berechtigungsschein angenommen, oder habe ich mir da etwas falsch gemerkt?

Wenn ich eine Tafel leiten würde und hätte den Verdacht, dass da jemand Missbrauch betreibt, würde ich denjenigen ansprechen. Dann vielleicht (!) um einen Nachweis bitten. Oder aber „Verdachtsfälle“ zur Mitarbeit „verdonnern“.

Außerdem möchte ich gerne einmal eine Statistik 🙂 sehen, wie oft überhaupt Missbrauch festgestellt wurde – oder ob der nur in den Köpfen der Organisatoren herumgeistert.

Eigene Erfahrungen in einem ähnlichen Bereich lassen mich ebenfalls bezweifeln, dass Organisatoren wissen, was das Leben ist. Vor meinem Umzug letztes Jahr habe ich viele Möbelstücke weggeben müssen. Die karitativen Einrichtungen wollten kein einziges Stück nehmen, nein, ihre Klienten nähmen das nicht. Aha.

Wieso, bitte schön, konnte ich dann sämtliche Möbel (!) über Ebay noch für Geld verkaufen? Und das war keineswegs immer nur für 1 Euro! Dass ich einige Teile doch noch auf den Sperrmüll geben musste, lag einfach daran, dass ich zu lange gewartet hatte, bevor ich sie in Ebay angeboten habe. Aber auch hier: Abends habe ich die Sachen an den Straßenrand gestellt, am nächsten Morgen war von den Möbeln nichts mehr da.

Lest auch einmal die Mails zu diesem Thema, die ich gestern mit einem Freund (R.) dazu austauschte (Erlaubnis zur Veröffentlichung eingeholt):

Ich: Wusstest du, dass man einen Ausweis braucht, um an einer „Tafel“ Essen zu bekommen? Ich wusste das nicht. Gibt’s in Deutschland nix mehr ohne Amt???

R: Nee, wusste ich nicht, aber ich habe mich schon gewundert, wie die da „Missbrauch“ verhindern

Ich: Würdest du zu einer Tafel gehen? Was glaubst du denn, wie viele Leute wirklich Missbrauch betreiben? 

R: Inzwischen glaube ich viel… Meine Cousine berichtete auch mal ganz stolz, sie ginge zur AWO, da gäbs Pizza für 1 Euro. Und sie war/ist NICHT Hartz IV.

Ich: Ja und? Was glaubst du, wie oft sie das macht? Und ob sie das erzählt oder wirklich häufig hingeht?

R: Keine Ahnung weil wenig Kontakt. Aber wahrscheinlich nicht mehr. Nun, ich glaube ja, dass das keiner einfach so erzählt, aber da gehe ich eben von mir aus.

Ich: […] Das Prinzip von Land’s End ist dir demnach vertraut. Wieso funktioniert das bei dem angeblichen Hang der Menschen zum Missbrauch?

R: Keine Ahnung 🙂 Ich kenne aber auch so Auswüchse, dass wenn es irgendwo etwas billig oder kostenlos gibt, das Hirn teilweise aussetzt…

Ich: Billig ja, kostenlos eher nein (da werden die Leut‘ misstrauisch). Wo sind denn diese Auswüchse konkret? Bei einmaligen Sonderangeboten, aber nicht bei Dauerangeboten. – Ich fasse dann mal zusammen: Du hast eine Cousine in deinem Verwandten- und Bekanntenkreis, die sich bei der AWO (angeblich) Pizza für 1 Euro holt. Du warst nicht dabei, du weißt nicht, wie oft sie das macht.
Richtig? 🙂

R: Richtig!

Ich: Und aufgrund dieser Einzelerfahrung, die nicht durch persönliches Erleben untermauert ist, schließt du, dass kostenlose Angebote für Essen höchstwahrscheinlich missbraucht werden? 🙂

R: UTE!!!!!!!!!!!!!!!!

Ich: Zweite Frage:Was stört dich daran, dass die Cousine das Essen umsonst bekommt? Wenn ich mich recht entsinne, wird die AWO nicht durch Steuern (also dein Geld) und erst recht nicht die kirchliche Tafel von dir mitgetragen? :-))

R: Ihre Einstellung dazu…

Ich: Also sollten Armuts-Ausweise ausgegeben werden, weil dich die Einstellung deiner Cousine stört? Wohlgemerkt: Weil dich eine Einstellung stört, die dich aber keinen Cent kostet, sollen Hundertausende noch mehr gedemütigt werden, weil sie jetzt auch noch beim Bettelessen einen Nachweis brauchen?
Nimm mir das bitte nicht übel 🙂 Ich versuche einfach dahinter zu kommen, was wirklich dahinter steckt. […] Wenn ich dich nicht kennen würde, würde ich sagen: Du bist nur neidisch, weil sie sich traut, sich so ne Pizza zu holen, während du es nicht tust 😉 Ich glaube auch nicht, dass die AWO irgend jemandem eine Pizza verwehren musste, weil deine C. eine genommen hat.

R: Nein, daraus sollte für keinen Menschen eine Demütigung entstehen, niemals. Müsste eh nicht sein, diese „Armenspeisung“, aber das ist ja nochmal ein anderes Thema!

 

Und wie … bist du?

10. Oktober 2014: Forever young…

„Ich bin 56 Jahre jung…“

Mir kommt’s hoch, wenn ich so etwas lese. (Anmerkung für Leser, die glauben, dass ich mich jetzt aufrege: Dieser Satz ist ein Stilmittel zum deftigen Einstieg in das Thema, räusper….)

Auf eines können wir schon wetten: Jemand, der sagt: ich bin xx Jahre jung – ist alles andere als jung 😉 Und derjenige hat wohl auch Probleme damit, sein biologisches Alter zu akzeptieren?

Ich finde zwar nicht, dass ich jedermann mein Alter auf die Nase binden muss. Deshalb habe ich das in meinen Büchern auch nicht angegeben. Sonst geht ja gleich die Altersschublade auf, nö, danke. Dennoch käme ich nie auf die Idee, davon zu sprechen, dass ich Jahre jung bin.

Wer das sagt, will vermutlich damit andeuten, dass er im Herzen jung geblieben ist. Lassen wir das mal so stehen, ob das erstrebenswert ist oder nicht – aber ist das nicht ein Armutszeugnis, wenn man das sagen muss? Bin ich jugendlich dadurch, dass ich rufe „Ey, hey, Ihr Zwanzigjährigen, ich bin jung geblieben, da müsst Ihr nicht erschrecken, wenn ich euch jetzt sage, wie alt ich bin… also in Jahren, ich bin ja jung, ich bin  genauuuuu wie Ihr!!“ Oder bin ich jugendlich dadurch, dass ich mir die neuste Mode um den Leib wickle?

Ich kann noch so oft und auf noch so viele Weise rufen: „Hey, ich bin noch ganz taufrisch“ – wenn die anderen das anders sehen, hilft auch mein Gerede nicht. Auch verstehe ich nicht, warum man überhaupt „jung im Herzen“ sein muss. Ich bin in meinem Herzen hoffentlich einfach „die Ute“, weder jung noch alt. So ist mein Wunsch.

Vielleicht komme ich eines Tages noch dazu, dass ich Jungsein für den Idealzustand halte. Bisher ist es keineswegs so. Denn mit der körperlichen Jugend, um die es meistens geht, egal wie viel von der Jugend im Herzen gesprochen wird, ist doch auch immer eine fehlende Reife verknüpft. Wieder 20 sein? Nö, danke. Wie unsicher war ich damals, schüchtern, ungeduldig und was weiß ich nicht noch. Ich habe doch hart an mir gearbeitet, damit ich aus diesem Kokon schlüpfen konnte bzw. das Schicksal (nennen wir es einmal so) hat Hand angelegt und mich zu der Frau gemacht, die ich heute bin. Soll ich mich da in meine unfertige Form zurückwünschen? Muss ich allen 20-Jährigen zurufen: „Huhuuu, ich bin genau wie Ihr!“ Na, die werden sich bedanken, denn für sie sind alle über 40 doch eine „graue Masse 🙂

Das Tierreich

7. Juli 2014: Häufig hört man, Tiere sind besser als Menschen….

Wie der eine oder andere Leser vielleicht noch weiß, füttere ich auf meiner Terrasse eine Streunerkatzenfamilie, mittlerweile schon in 3. Generation (also ich bin immer noch in der ersten Generation 🙂 ) Viele der Tiere, die ich kannte, sind verschwunden. Ich weiß nur, dass es in der jetzigen Gruppe drei gestreifte Tiere gibt. Von den Gestreiften ist eine besonders groß und kräftig. Wenn sie kam, traute sich kaum sonst einer hin. So eine Art Herdentier, ein Alphamännchen, neben dem andere keinen Platz haben.

Vor einigen Tagen schon bemerkte ich, dass Alphamännchen humpelte. Ich schaute genauer hin: Er hält das linke Hinterbein immer vom Boden hoch. Aha, in einen Dorn getreten oder so? Ich hoffte, dass der Kater sich bald erholen würde. Erst vor wenigen Tagen habe ich einmal noch genauer hingeschaut: Da ist mehr als nur ein Trittfehler. Entweder ist die ganze oder die halbe Pfote einfach weg. Puuuuh, das arme Tier!

Letzten Samstag saß ich hier unten, ich bemerkte Unruhe auf der Terrasse und schaute, ob noch Futter da lag. Ja, eine der beiden kleinen Gestreiften war da, sie ist immer sehr schüchtern. Der verletzte Kater kam, offensichtlich hungrig. Und da passierte, was noch nie passiert ist: Es gab Streit, die Kleinere machte Drohgebärden – und die Große flog in Panik auf ihren drei Beinen davon.

Natur ist nicht grausam. Deswegen war ich nicht entsetzt, ich habe nur gestaunt. Das ist normales Tierleben, nicht zu verurteilen, auch nicht zu begrüßen. Ich dachte nur: Ja, es gibt grausame Menschen. Dennoch bin ich froh, dass ich ein Mensch bin, denn ich kann Mitleid empfinden, und das sogar für Nichtartgenossen.

Ich weiß, dass diese Aussage provoziert. Heute ist es „modern“, dass Tiere von vielen als den Menschen überlegen dargestellt werden. Dem kann ich mich nicht anschließen. Es gibt Menschen, die grausam sind – das sind Tiere nie, stimmt, sie sind nur „natürlich“, selbst wenn Katzen mit einer armen kleine Maus spielen, deren Herz rast, bevor sie getötet wird. Ich weiß auch, dass es Geschichten von ergreifender Zuneigung zu anderen oder alten Tieren gibt. Das ist aber nicht die Regel. Tiere sind einfach, wie sie sind. Sie reflektieren nicht über sich und ihre Handlung. Und deshalb bin ich froh, ein Mensch zu sein, denn ich kann über meine Fehler nachdenken und im Streben zu einer höheren Ethik auch ändern.

Altersdiskriminierung

23. Mai 2014: Ageism

Ageism (englisch für Altersdiskriminierung) ist ein gutes Mittel, um Dinge an den Mann und vor allem an die Frau zu bringen. Zaubercremes, tolle OPs, das liegt auf der Hand und lässt sich schnell durchschauen.

Es wird aber von der Marketingwirtschaft ganz allgemein ein subtiler Ageism betrieben, der uns einfach suggeriert, dass „alt sein“ immer schlecht ist. Gut konnte ich das in der Diskussion über die neuen Smileys finden. Ich erhielt dazu die (private, also nicht auf dem Blog veröffentlichte) Zuschrift eines Lesers, der schrieb:

„Wieso muss immer alles geändert werden! Ob gut oder schlecht, anders – neu muss es sein. Ich finde, dass unsere Zeit daran krankt. Ich werde die alten Smileys vermissen, diejenigen mit den rosa Bäckchen zum Beispiel fand ich so putzig. Vielleicht passe ich immer weniger in diese Zeit, ich werde ja auch immer älter!“

Diese Anmerkung war als Scherz gemeint, dennoch steckt da etwas Bedenkenswertes hinter.

Zu den Smileys kann ich nur sagen, ja die rosa-Bäckchen (heute 😳 ) gefielen mir auch gut. Ich denke ich weiß, warum sie das geändert haben – um jetzt in der Größe veränderliche = skalierbare Smileys zu erhalten. Früher rissen die schon mal Zeilen auseinander. Sie waren aber zeichnerisch viel, viel besser als diese neuen Plattitüden. Eine andere Leserin kommentierte , dass sie lieber die neuen Bildchen hat, statt nur die Strichmuster „:-)“ wie früher…

Fortschritt um jeden Preis ist nicht mein Ding. Und das hat nichts mit Alter zu tun. Das wird uns älteren Menschen – die ja immer früher in die Seniorenecke verfrachtet werden – nur eingeredet. Mit wachsendem Alter und größerer Einsicht nehmen wir natürlich neue Dinge kritischer unter die Lupe als eine Generation, die mit dem Wegwerfprinzip schon in der Wiege konfrontiert wurde. Hinterhältig wird uns eingeredet, dass jeder, der nicht alles Neue gleich jubelnd willkommen heißt, „alt“ ist, in die „alte Ecke“ gehört. Wobei vorausgesetzt wird, dass alt quasi „nutzlos“ bedeutet. Und so werden sich auch viele Menschen, die dank ihrer mit den Jahren gewonnenen Einsichten vielleicht nicht alles Neue gleich bejubeln, so unter Druck gesetzt, dass sie diese Meinung nicht mehr äußern, aus lauter Scham, dann in die „alte“ Ecke abgeschoben zu werden.

Jugendverfechter (häufig Menschen, die kurz vor dem modernen Seniorentum stehen und sich unbedingt von diesem distanzieren wollen) kommen dann gerne mit dem Argument: „Ach, das war schon immer so, auf die Jugend wurde von den Älteren heruntergeschaut, die Jugend strebt voran, und daran hat sich nichts geändert.“ Doch, daran hat sich etwas geändert. Denn heute haben neue, häufig lebensverändernde Technologien einen atemberaubend kurzen Lebenszyklus. Das ist nicht mehr mit den Zeiten zu vergleichen, wo sich 200 Jahre lang gar nichts änderte, wenn nicht die „aufmüpfige“ Jugend gewesen wäre.

Früher war es teils schwierig, etwas Neues einzuführen, weil die älteren Menschen lieber auf dem Alten beharrten. Somit war ein Filter geschaffen. Dieser Filter ist uns weggerissen worden, jetzt arbeitet der Filter geradezu anders herum: Alles, was neu ist, ist erst einmal „gut“. Das finde ich durchaus bedenklich. Gerade in Zeiten des raschen und stetigen Wandels ist es unsere Pflicht als Erwachsene, so finde ich, auch bewahren zu helfen, ohne Angst, dafür in eine negative Ecke abgeschoben zu werden.

Eine kleine Grippeimpfung gefällig?

5. Mai 2014: Impfen, Impfen, Impfen

Las ich doch im Seniorenratgeber (April 2014) einen schönen Artikel über „Masern mit 70“. Resümée: Weil Senioren Impflücken haben, sind sie für bestimmte Keime besonders empfindlich. Wobei die Tipps hier sich nicht, wie der Titel vermuten lässt, auf über-70-Jährige bezieht, sondern auf Menschen ab 60 Jahren. Welcher Rückschritt, wir hatten die Senioren doch schon bei ab 50 🙂

Also die Senioren haben Impflücken und bekommen deshalb Kinderkrankheiten. Kleine Anregung zum Nachdenken: Hätten die Senioren als Kinder einige Kinderkrankheiten bekommen, wie das früher üblich war, würden sie im Alter nicht daran erkranken. Aber das ist natürlich völlig Impf-blasphemisches Denken 🙂

Schön auch das Kästchen zu den Impfungen, die man ab 60 machen lassen sollte. Am besten gefällt mir ja die alljährliche Impfung gegen Grippe. Das wird ja wirklich immer so schön heruntergebetet, wie ein Rosenkranz. Es gäbe ja z.B. auch die Möglichkeit, Menschen ab 60 Jahren eine Ernährung zu empfehlen, die sie generell gesünder und weniger anfällig macht.

Typische Erkrankungen des Alters schwächen das Immunsystem der älteren Menschen. Immerhin – es wird nicht von Alterskrankheiten (die es nicht gibt, denn das Alter ist nicht notwendig mit Krankheiten verknüpft) gesprochen, sondern typischen Erkrankungen des Alters. Das mag ja sein. Ich lese die Liste mit Freude: Bluthochdruck, Arteriosklerose, Lungenleiden und Multimorbidität (= viele Krankheiten gleichzeitig). Mit Freude lese ich das deshalb, weil ich außer meinem Gallenleiden nix habe. Kommt aber bestimmt in den nächsten Tagen, den so ein Seniorenratgeber weiß das doch besser als ich 😉

Mal wieder die Wechseljahre

11. Oktober 2013: Mythos Wechseljahre

Ich traute meinen Augen nicht – ein Artikel in der Apotheken-Umschau, der mal mit ollen Vorurteilen aufräumt. Seit langem „kämpfe“ ich ja schon gegen die Vorstellung, dass Frauen mit Beginn der Wechseljahre ein Bündel von Krankheiten und Nerven werden. In der B-Ausgabe der Apothken-Umschau vom September gab es nun einen Artikel mit obiger Überschrift. Ich bin ja gelegentlich misstrauisch und dachte schon: „Na, das wird ja wieder ein netter Käse sein…“. Und war dann ganz erstaunt. Auch eine blinde AU erwischt mal eine Korn-Studie 😉

Kurz zusammengefasst: Das was Frauen häufig als „Ach das sind die Wechseljahre….“ verkauft wird, ist in den meisten Fällen nur eine Kurve des Älterwerdens. Das heißt jetzt natürlich nicht, dass diese Beschwerden zwangsläufig mit dem Alter kommen müssen (es gibt ja keine Alterskrankheiten, wie schon Bruker sagte), aber es gibt eben für viele Beschwerden, die mit dem Alter ansteigen, in den Wechseljahren bei Frauen keinen besonderen Ansteig. Ausgenommen davon sind die Hitzewallungen.

Konkret nehmen wir einmal die Schlafstörungen: Mit wachsendem Alter nehmen die laut dieser Studie zu. Gleichmäßig, ohne dass sich bei den Wechseljahren ein Mehr an schlechtem Schlaf zeigt.

So dürfen wir dann auch endlich mal den Brukerschen Spruch „Frauen nehmen nicht mehr ab nach den Wechseljahren, was sie vorher nicht verloren haben“ zu den staubbedeckten Akten legen. Da hatte sich ja auch letztlich eine Leserin geäußert, die mit FoK (Forks over Knives) auch nach den Wechseljahren locker abgenommen hatte. Endlich, endlich, müssen wir Frauen uns nicht mehr anhören „Ach, das sind die Hormone“. Nä, nix da. Wir dürfen wieder schlechte Laune haben, ohne fürchten zu müssen, dass uns das mal wieder als Wechseljahrsbeschwerde untergejubelt wird. Ärzte können sich das mitleidige Lächeln aus dem Gesicht schmieren.

Aber genau gilt auch für Frauen: Vorbei die Zeit, wo Ihr die Wechseljahrsbeschwerden als Entschuldigung nehmen könnt. Ihr dürft wieder auf eure Ernährung, eure Lebensbedingungen usw. schauen, um zu entdecken, warum es euch vielleicht nicht gut geht. Das ist nicht so bequem, aber effektiver 🙂

Vielleicht steht der Artikel noch online? Ich fand ihn sehr interessant.