Sklavenhalter gab’s nur früher?

11. Juli 2013 – Wortwahl

Wer Gmail hat, kennt das: Passend zu den Texten in der Mail erscheinen Links. Nun ist die Verbindung manchmal lustig. Hin und wieder erkenne ich den Grund für einen angezeigten Link, ein andermal bin ich überrascht.

So auch gestern als mir ein Link zu einem Pflegedienst angeboten wurde. Mache ich in meinen Mails einen so gebrechlichen Eindruck? 😉

Ich habe nachgeschaut und war entsetzt. Hier werden Menschen zu Sonderpreisen angeboten. Die Seite macht so auf  Nächstenliebe, und preist dann die Mitarbeiterinnen als Sonderpreis an. Bitte achtet auf den Unterschied: Es wird nicht die Leistung der Pflegekräfte zum Sonderpreis angeboten, sondern die Pflegekräfte selbst.

Da ist der Weg zur Zwangsprostitution und Sklaverei auch nicht mehr weit, wenn wir einen solchen Sprachgebrauch unkommentiert dulden. So wird hier geworben:

„Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach günstigen Pflegehilfen, freuen wir uns, Ihnen legal beschäftigte Pflegehilfen mit Grundkenntnissen in Betreuung und Sprache zum Sonderpreis von nur 1350 Euro mtl. je Pflegehilfe anbieten zu können.“ (hier).

Jeder darf sich dann auch gerne ausrechnen, was diese modernen Lohnsklaven wohl noch ausbezahlt bekommen.

Übrigens: Gefakete Begeisterungskommentare für dieses Unternehmen landen bei mir immer im Papierkorb. Es sei denn, die Begeisterung kommt von mir bekannten (!) Lesern. Netter Versuch 😈

Ich sehe was, was du nicht siehst

22. Juni 2013: Bessersehen

Spielen Kinder heute noch „Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist….“ ? Dies war meine Überlegung, als ich dies zur Überschrift des vorliegenden Artikels erkoren hatte. Der geht aber um etwas anderes:

Unter dem Titel „Bessersehen“ gab es in der Mai-Ausgabe der Apotheken-Umschau einen groß angelegten Artikel zum Bessersehen. Herausgefunden haben also die Wissenschaftler, dass das Leben in der Zivilisation den Bedarf nach Brillen steigert. So sagt Professor Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde an der Universität Tübingen: „Die Zunahme [der Weitsichtigkeit] in Asien hängt mit der Industrialisierung zusammen.“

Im ganzen Artikel steht dieser Satz im Hintergrund. Zurückgeführt wird diese Entwicklung auf Fernseher, PC und Smartphone. Hmmmm. An keiner Stelle taucht aber die Ernährung auf. Warum nicht?

In meiner persönlichen Entwicklung – die natürlich nicht repräsentativ ist – hat mit dem Umschwung auf die Vollwertkost, hier vor allem die tiereiweißfreie Variante, eine Verbesserung meiner Sehkraft eingesetzt. Neben dem vollwertigen Essen beherzige ich aber auch, was ich in Büchern zu Augentraining gelesen habe: Ich verwende meine Brille so selten wie möglich. Während ich (meine erste Brille bekam ich mit 17) während meines Studiums meine Brille von morgens bis abends trug und nur zum Lesen absetzte, trage ich sie heute ausschließlich zum Autofahren, und wenn ich ganz müde bin, eine Brille für die mittlere Distanz am PC. Gerade diese PC-Brille habe ich vor 10 Jahren noch viel nötiger gebraucht. Es ist auch keine „Alterssicht“, die hier einsetzt. Das ist ja immer das, was die Normalos mir gerne sagen, wenn ich stolz berichte, dass meine Sicht besser geworden ist und ich vor allem keine Lesebrille benötige: „Das ist die Altersweitsicht!“.

Mein Optiker – nicht ich – sagt dazu: „Das ist Quatsch.“ Eine Altersweitsichtigkeit lindert nicht die Kurzsichtigkeit, sondern setzt sich quasi oben drauf. Interessant, dass auch Eric seit konsequenter Umsetzung der Vollwertigkeit eine Verbesserung seiner Werte beobachten konnte.

Ich weiß, dass das nicht für alle gilt. Eine Freundin von mir hat trotz tiereiweißfreier Vollwertkost (wobei ich die nicht „kontrolliere“) und Rohkostphasen ihren Sehwert verschlechtert. Was ich aber diesem Artikel anlaste, ist, dass wie üblich bei der Industrialisierung die Kostverschiebung nicht einmal erwähnt wird. DAS wäre doch auch mal eine Überlegung wert, oder?

Eine Jugenderinnerung

25. Mai 2013: Sachbücher

Wie buchstabiert sich jemand, der Kaiser heißt? Kaiser, Kayser, Keiser, Keyser? Ich bin mir nicht sicher, aber der Herr K. meiner Jugend hieß wohl Kayser.

Er war ein ehemaliger Kollege meines Großvaters mütterlicherseits. Der Großvater, ein Bahnbeamter, starb Ende des Zweiten Weltkriegs als Opfer einer Bombe, die ihm das Bein ausriss, ich habe das schon einmal geschildert. Unsere Großmutter lebte bei uns, sie hat meine Eltern erpresst, als diese jungverheiratet waren und von Wuppertal fortziehen wollten: „Wenn Ihr mich hier alleine lasst, bringe ich mich um!“. Das war heftig, und so war unsere Großmutter immer dabei, obwohl wir mehrmals umgezogen sind. Meine Mutter meinte später einmal, sie hätten nicht auf diese Erpressung eingehen sollen, aber das wisse man eben nicht, wenn man jung ist. Es war schon eine Belastung für die Familie, denn meine Großmutter war zwar eine liebe, aber durchaus auch schon mal nervige Frau. Meine Großmutter ist in diesem Zusammenhang wichtig, denn hätte sie nicht bei uns gelebt, hätte ich Herrn Kayser nicht so regelmäßig gesehen.

Herr Kayser war Junggeselle, damals galt dies noch als „merkwürdig“, was wir uns im Zeitalter der Singles heute nur schwer vorstellen können. Ich meine auch, er sei etwas jünger gewesen als meine Großmutter. Hatte er eine Schwäche für sie? Ich weiß es nicht.

Herr Kayser hatte einen Buckelansatz. Sein Gesicht war rot, und am besten würde ich jetzt sagen, er starb ja auch an einem Herzinfarkt, aber auch das weiß ich nicht mehr. Ebenso ist im Nebel der Vergangenheit geblieben, ob er oder meine Großmutter eher starb. Sein Haar war nicht mehr ganz dicht, dunkel eher, mit grauen Strähnen. Er schlürfte die Suppe ein wenig („das kommt vom Alleineleben!“, Zitat Mutter), aber war unserer Familie irgendwie verbunden. Er hatte eine große Nase aus der einige Haare herauswuchsen und er galt als ein wenig wunderlich – kein Wunder, so als schlürfender Single mit Nasenhaaren.

Ich freute mich, wenn Herr Kayser zu Besuch kam. Kinder sind ja mitunter ein wenig gefühllos, und so freute ich mich weniger über die Person Herr Kayser, sondern über seine Mitbringsel für uns Kinder. Ich weiß nicht mehr, was er meinen Geschwistern mitgebracht hat, aber ich bekam immer ein Buch. Das waren aber nicht irgendwelche Bücher, keine Märchenbücher, keine Romane, keine Weltliteratur. Es waren Sachbücher, großformatige Bücher mit Bildern und auf gutem, dicken Papier gedruckt. Ich glaube, er hat sie auch immer ein wenig meinem Alter vorausgekauft. Ich habe sowieso als Kind immer Bücher gelesen, die mindestens für 5 Jahre über mir gedacht waren. Sonst fand ich sie langweilig. Wie altklug 😉

Seine Sachbücher erklärten die Welt, waren naturwissenschaftlich orientiert. Viele Kinder außer mir hätten vermutlich die Nase gerümpft. Ich fand das toll. Vielleicht war es Herr Kayser, der bei mir die Wissbegier auf das Neue, das Technische, die Naturwissenschaft geweckt hat? Die Entstehung der Erde, was auf der Erde kreucht und fleucht, all das war in solchen bebilderten Büchern erklärt. Herrn Kaysers Mitbringsel waren immer vierfarbig bebildert, hatten aber trotzdem reichlich Text.

Als Herr Kayser uns nicht mehr besuchte – vermutlich weil er gestorben war -, habe ich von meinen Eltern ein Kosmos-Abonnement geschenkt bekommen. Da gab es jeden Monat ein Heft und außerdem jedes Vierteljahr ein Buch, ein Taschenbuch. Die ideale Fortsetzung von Herrn Kaysers Geschenken! Irgendwann habe ich die Reihe „Knaurs Buch der modernen Physik (Chemie, Psychologie, Biologie, Mathematik usw., ich weiß nicht mehr alle Titel) entdeckt.

KnaurMathe

Vielleicht war das erste Buch oder die ersten beiden Bücher aus der Reihe ja auch noch ein Kaysersches Geschenk? Auf jeden Fall habe ich mir als Schülerin die letzten Bücher dieser Reihe selbst gekauft und vieles von dem, was ich an wissenschaftlichem Wissen mit durch mein Leben getragen habe, kam aus dieser Reihe. Vom Erscheinungsdatum der ältesten Bände her kann es gut sein, dass der erste Band ein Geschenk von Herrn Kayser war.

Ein Kuriosium zu Herrn Kayser ist mir unvergesslich geblieben. Eines Tages, als ich wieder so ein Wunderbuch glücklich in der Hand hielt und durchblätterte, kam ich auf die Entstehung des Menschen. Und da war etwas abgeklebt, nämlich der nackte Oberkörper einer Frau. Das fanden meine Eltern lustig – nicht im hämischen oder gehässigen Sinne – und auch ich als Kind fand das bemerkenswert. Wir waren zwar zu Hause in Bezug auf Nacktheit keine Vorreiter (niemals wären meine Eltern auf die Idee gekommen, mit uns gemeinsam zu baden oder FKK zu befolgen), aber schon damals waren Fotos und Abbildungen nackter Menschen nichts Besonderes.

Worüber ich heute gelegentlich nachdenke: Wer erinnert sich noch an Herrn Kayser? Kinder hatte er nicht, ich glaube auch sonst nicht viele nahe Verwandte. Wenn meine Geschwister und ich eines Tages nicht mehr denken…. dann ist auch die letzte Spur von Herrn Kayer von der Erde verschwunden. Und wer klebt heute schon noch nackte Frauenoberkörper mit weißem Papier ab?

Ein Pferdefuß der Ebooks…

4. Mai 2013: Ebooks und Konsorten

Wer meinen Blog bzw. mich kennt, weiß, dass ich für technische Dinge ein großes Herz habe. Meine Küche erinnert mich immer so ein wenig an das Inventar von Science Fiction-Filmen etwas älterer Entstehung 😉 Aber alles Neue muss ich auch nicht haben.

So sehe ich den Sinn von Ebooks nicht ein. Ob ich mir nun ein Ebook-Lesegerät (Ebook Reader) oder ein entsprechend ausgerüstetes Smartphone oder was auch immer kaufe – ich habe keine Lust, Bücher jetzt elektronisch zu lesen. Erstens kann mir keiner erzählen, dass es für die Augen gut ist (auch wenn ich gerade gestern in einem Artikel in der PC-Welt las, dass Ebooks für die Augen besser sind als herkömmliche Bücher), immer diese Bestrahlung des Textes von hinten zu bekommen, der Kampf mit dem Licht – auch wenn er gering ist. Zweitens kann ich darin nicht so gut blättern. Da ich den lieben langen Tag bereits am Schreibtisch sitze und einen Bildschirm vor Augen habe, möchte ich wenigstens beim Lesen mal was anderes beäugen.

Dies ist eine reine persönliche Einstellung, ich kenne auch Leute, die erst völlig gegen diese Reader waren und jetzt begeistert drauf umgestiegen sind und nichts vermissen.

Das mag ja alles sein.  Aber letztlich ist mir so ein richtiger Pferdefuß der Ebooks aufgefallen. Ich bin vermutlich nicht die Erste, die das bekrittelt, aber ich habe diesen Punkt noch nirgendwo erwähnt gesehen: Ebooks könnt ihr nicht weiterleihen. Das Ebook ist an das entsprechende Lesegerät gekoppelt. Wenn die Entwicklung bei Ebooks ähnlich ist wie bei Song-Dateien, darf man so ein Ebook vielleicht auch nur noch 2 mal anschauen und dann ist der Zugriff verwehrt? Der Satz „Du, ich habe gerade so ein tolles Buch gelesen, das kann ich dir mal leihen!“ verlieht jeglichen Wert.

Vielleicht findet Ihr, liebe Leser, das überspitzt, aber ich finde, so treibt auch das Ebook die Menschen noch mehr in die Isolation, in die Einsamkeit. Ich muss ja dann alles kaufen (abgesehen vom kostenlosen Angebot) und kann es nicht teilen. Auch das ist eine Mentalität, deren Entwicklung ich nicht gut finde. Teilen ist schön, teilen ist wichtig. Mein Lieblingsbeispiel dazu ist immer: Als ich Kind war und wenn wir eine Tafel Schokolade geschenkt bekamen, wusste jeder von uns, wie viel er abbekam: Einen Riegel und zwei Stück. Lächerlich, heute einem Kind einen Riegel Schokolade anzubieten, da muss es schon die Tafel sein. Und nun hortet dann jeder seine Bücher, gibt sie nicht mehr weiter, lässt  sie auch nicht mehr liegen. Ein Buch in der Hand kann auch ein netter Einstieg für eine Konversation zwischen Fremden sein. Wer will sich aber neben sein Gegenüber drängen, um aufs Ebook zu schielen und dann über das Buch zu reden?

Ein Argument ist auch, die Wälder würden geschont, weil ja keine Bäume mehr abgeholzt werden. Also da würde ich eher auf Recycling-Papier für den Buchdruck setzen …. oder wer glaubt denn, dass so ein Kindle aus natürlichen Zutaten zusammengemixt wird? Plastik vorne, Plastik hinten, Elektronik in der Mitte. Ob das nun für die Welt besser ist oder schlechter… keine Ahnung, ich habe noch keine Berechnungen gesehen. Und wer behält das Plastikding jahrelang, ohne die neuste Ausgabe zu erstehen?

Mit einem Ebook mache ich mich auch noch energieabhängiger, denn wenn der Akku leer ist, kann ich nicht mehr lesen. Dadurch, dass viele alte Werke kostenlos sind, wird der Wert der Literatur sinken: Was umsonst ist, hat den Nimbus des „taugt ja nichts“.

Die Nichtverleihbarkeit von elektronischen Lesegeräten und Dateien statt Büchern gibt mir am meisten zu denken. Zwar gibt es Möglichkeiten, auch diese Dateien weiterzugeben, aber je weniger die Nutzer technisch versiert sind, umso unwahrscheinlicher werden sie das machen. Dann sind Bücher also geräte- und firmengebunden. Ich weiß nicht, ob wir da heute die Konsequenz schon wirklich bis in die letzten Winkel ausloten können.

Konfrontation mit dem Sterben

18. April 2013: Der Tod

Tante Mine und der Tod

Tante Mine gehörte quasi zur Familie. Sie war  Haushaltshilfe bei meiner Großmutter gewesen, wenn ich mich recht entsinne. Sicher bin ich mir aber nicht. Tante Mine wohnte in Olpe, das ist in der Nähe von Attendorn. Meine Großmutter hatte einige Jahre in Attendorn gelebt, als ihr Mann – Beamter – dort bei der Eisenbahn gearbeitet hatte. Ihr Mann starb Ende des Zweiten Weltkriegs fast 20 Jahre vor seiner Frau. Der Teil von Attendorn, in dem sie gelebt hatten, liegt jetzt unter einer großen Talsperre.

Auch nach dem Tod meiner Großmutter – die bei uns gelebt hatte – besuchte uns Tante Mine einmal, vielleicht auch mehrmals im Jahr. Früher habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wie ihr Vorname wohl im Personalausweis stand. Wilhelmine? Vermutlich. Ich glaube, Tante Mine war mal verheiratet, aber der Mann war auch gestorben. Tante Mine, selbst recht schlank, hatte auch eine Schwester in Olpe. Die Schwester hatte ein Café und war rundlicher. Ich erinnere mich, dass wir mal in diesem Café waren und dann jemand ein Schwarzweiß-Foto von den beiden Schwestern gemacht hat: Tante Mine das graue Haar aus dem Gesicht gekämmt und lose am Hinterkopf zusammengesteckt, freundlich lächelnd. Die kleinen geplatzten Adern auf ihrer Nase waren auf dem Foto nicht zu sehen. Die Schwester hatte kinnlanges blond gefärbtes Haar und keine besonders guten Zähne.

Eigenartig, welche Erinnerungen wir pflegen und welche wir bewahren. Ich sollte mal meine Geschwister befragen, was sie zu Tante Mine ergänzen können.

Auf jeden Fall kam Tante Mine immer mit dem Zug, sie konnte nicht Autofahren und sie war ja auch schon sehr alt. Nun ist für Kinder und Jugendliche jeder alt, der aus der Generation der Eltern kommt. Da Tante Mine aber Haushaltshilfe bei meiner Großmutter war, war sie vermutlich wirklich alt.

Ich hatte nie eine besondere Meinung zu dieser Nenntante. Gibt es den Begriff heute noch? Es bedeutet einfach, dass ich mit der Tante, auch wenn ich sie so nenne, nicht blutsverwandt bin. So war das hier. Meine Schwester hat mich nach Geburt ihres ersten Kindes gefragt, ob ich Tante genannt werden will oder ihr Kind mich beim Vornamen nennen soll. Ich entschied mich für den Vornamen, und bin heute froh darüber. Ob es etwas mit dem Schicksal von Tante Mine zu tun hat?

Wenn Tante Mine mit dem Zug kam, als meine Eltern in Wuppertal wohnten, holte meine Mutter sie mit dem Auto vom Bahnhof ab. Bis zum Haus meiner Eltern waren es etwa 12 km, die Busverbindung nicht besonders gut und es war ein Zeichen der Zuneigung, dass meine Mutter ihre Nenntante mit dem Auto abholte. Genauso holte mich meine Mutter vom Wuppertaler Hauptbahnhof ab, wenn ich als Studentin mal ein Wochenende von Köln nach Hause kam. Das war in meinen beiden autolosen Jahren.

Irgendwann hatte ich das Faktum im Hinterkopf notiert, dass Tante Mine gestorben war. Ich war nicht besonders traurig, denn ich kannte sie ja kaum und mein Verhältnis zu ihr war neutral. Die jährlichen oder halbjährlichen Besuche würden eben ausfallen und wir würden noch seltener von Olpe sprechen. Die Umstände ihres Todes wusste ich nicht, auch nicht die Ursache. Wozu auch?

Dann war es wieder einmal soweit, ich wollte meine Eltern besuchen. Ich rief an und fragte, ob sie mich vom Bahnhof abholen könnten? „Ja,“ sagte meine Mutter, „ich komme, ich hole dich ab“. Sie stieg nicht extra aus, denn die Parkplätze waren knapp und so hatte es sich eingebürgert, dass ich aus dem Bahnhofsgebäude kam, mich umschaute und in den dunkel-rostbraunen Wagen meiner Mutter einstieg. An diesem Tag war der Beifahrersitz aber besetzt, ich setzte mich auf die Rückbank. Mit weichen Knien und ich wusste nicht, wo mir der Verstand blieb. Denn auf dem Beifahrersitz saß Tante Mine und plauderte munter vor sich hin. Da ihr Verhältnis zu mir genauso neutral war wie meines zu ihr, verwickelte sie mich in kein Gespräch, fragte mich nichts. Ich saß auf der Rückbank und musste den Tod von hinten anschauen, mit grauem Haar, hinten leicht zusammengesteckt. Vermutlich auch mit kleinen geplatzten Äderchen auf der Nase.

Die Fahrt über die 12 Kilometer zum Elternhaus erschien mir ewig. Es ist ein besonderes Erlebnis hinter einer Rednerin zu sitzen, die schon mausetot ist. Es ist unheimlich. Es ließ mich an meinem Verstand zweifeln. Eines Tages ist sie dann zum zweiten Mal gestorben, für ihre Verwandten zum ersten Mal. Aber diese Fahrt mit einer Nichttoten hat sich mir auf immer eingefräst.

Wie steht’s mit den Falten?

22. Februar 2013: Falten und nun?

Dagmar Berghoff ist im Januar 70 Jahre alt geworden. Mir ist ihr – war ihr! – Gesicht von früher vertraut und so war ich ziemlich geschockt, als ich das maskenhafte Foto der jetzt 70-jährigen, blondgefärbten Berghoff sah. Sie gibt selbst zu, dass da „mit den Augen“ etwas falsch gelaufen ist. Mit den Augen? Ich habe schon in frühester Jugend mit Entsetzen beobachtet, wie sich fernsehbekannte Gesichter zu in Lächeln erstarrte Masken wandeln, weil einige Menschen das Alter aufhalten wollen. Die Sängerin klassischer Musik Anneliese Rothenberger war für mich ein richtiges Gruselbeispiel.

Zum Thema Falten sagt Berghoff nun: „Eine Frau, die sagt, dass sie ihre Falten liebt, lügt.“

Ich finde, da hat Frau Berghoff den Mund doch ziemlich voll genommen. Vielleicht liegt es daran, dass sie nur mit naturgemäß eitlen Menschen zu tun hat, wie sie in TV und Film-Welt herumlaufen. Wobei ich eitel gar nicht negativ meine. Das kommt wohl mit dem Beruf und gehört dazu. Außerdem hätte sie den Satz auch ruhig auf Männer erweitern können. Ich denke nicht, dass irgendein Mann ernsthaft seine Falten liebt. Männer neigen eher dazu, sie nicht zu sehen und sich für ewig jung zu halten 😉 (nur ein Scherz am Rande…).

Wie stehe ich selbst zum Thema Falten? Liebe ich meine Falten? Nein, ich liebe sie nicht. Warum sollte ich auch? Es gibt einige Dinge an mir, die ich nicht liebe. Aber STOP: Hier ist die böse Fußfalle. Wenn ich etwas nicht liebe, heißt das ja noch lange nicht, dass ich es – im Extremfall – hasse. Und das impliziert Frau Berghoff hier, als sei es ganz natürlich, dass wir Frauen, weil wir unsere Falten ja nicht lieben, die Falten bekämpfen.

Wenn ich alles auf dieser Welt bekämpfen wollte, was ich nicht liebe – da wäre ich von morgens bis abends mit Kampf beschäftigt. Zum Glück aber habe ich eine Gefühlspalette, die mehr zulässt als Liebe und Hass. Da ist zum Beispiel die Akzeptanz.

Ob ich das nun schön oder nicht schön finde, dass ich Falten bekomme: Das ist doch völlig egal. Sie kommen. Auch andere körperliche Erscheinungen des Älterwerdens kommen, ob wir sie wollen oder nicht. Ich finde nur: Je mehr wir krampfhaft versuchen, diese Zeichen zu vertuschen, umso lächerlicher machen wir uns. Mein Körper ist doch ein Spiegelbild meines Lebens. Habe ich Lachfalten, dann habe ich viel gelacht. Auch wenn ich die Lachfalten nicht mag. Habe ich Sorgenfalten, dann habe ich mich viel gesorgt. Das ist Teil meines Lebens. Habe ich Falten, die mir einen griesgrämigen Ausdruck verleihen, kann ich das nicht mehr ändern – aber ich kann meine Einstellung zum Leben jeden Tag überdenken und das Ruder umwerfen.

Wer in seinem Leben mehrmals kräftig zu- und wieder abgenommen hat, also quasi kräftig dem Jojo-Effekt gefrönt, weiß auch, wo das am Körper Spuren hinterlässt. Die muss niemand lieben. Aber sie sind ein Tagebuch: So hast du gelebt, und ich, dein Körper, erinnere dich daran. Lerne jetzt!

Nein, ich liebe meine Falten nicht. Insoweit hat Frau Berghoff recht. Aber ich hasse meine Falten nicht und ich würde keinen müden Euro dafür ausgeben, sie verschwinden zu lassen. Ich würde mich keines schmerzhaften körperlichen Eingriffs unterziehen, um sie zu glätten. Der Körper wird es mir nicht danken! Und auch meine Seele nicht. Denn ob ein Mensch am Ende im Körper einer vermeintlich 40-Jährigen oder einer 90-Jährigen stirbt: Das Sterben bleibt davon unbeeindruckt. Für mich ist es wichtig, im Frieden mit mir selbst zu leben. Daran arbeite ich. Ob ich dabei erfolgreich bin, wird sich zeigen. Es ist ein langer Weg. Aber ganz wichtig ist für mich auf diesem Weg, dass ich das Leben an sich akzeptiere und seine Spuren, die es an mir hinterlässt. Dass das für jemanden schwer nachvollziehbar ist, der kurz vor dem 30. Geburtstag in die „Hilfe, ich altere….“ Panik gerät, mag sein. Aber das Schöne am Älterwerden ist ja gerade, dass es uns begleitet. Es steht nicht plötzlich vor der Tür, wir haben Zeit, uns daran zu gewöhnen und mit dem Alter auch klüger zu werden. Keiner schläft mit glattem Babygesicht ein und wacht morgens auf, um in sein faltiges Spiegelbild zu starren. Dies war übrigens für mich einer der Gründe, mit dem Färben der Haare aufzuhören. Ich habe das noch keinen Tag bereut.

Chemotherapien

14. Februar 2013: Ketzerische Gedanken zu Chemotherapien

Als der Homöopathie zugeneigt und beeinflusst von der alternativen Denkweise, auch von dem, was ich gehört und erlebt habe, halte ich Bestrahlungen und Chemotherapien eher für gruselige Erfindungen, die Leiden, nicht aber wirklich Leben verlängern.

Doch ab und zu höre ich dann Dinge, die machen mich nachdenklich. So sprach ich die Tage mit dem Fahrer meines Bio-Ladens über Süßigkeiten, ihre Auswirkungen aufs Gewicht (er ist selbst eher hager) und das manche Leute nicht einsehen, dass man fürs Abnehmen eben auch anders bzw. weniger essen muss. So kamen wir auf eine Tante seiner Frau zu sprechen, eigentlich war ihr Übergewicht das Thema gewesen: Vor etwa 2,5 Jahren wurde bei ihr ein Primärtumor an der Niere entdeckt, der schon in den ganzen Körper gestreut hatte, inklusive z.B. der Lunge. Die Ärzte machten keine Hoffnung, zwei oder drei Monate… vielleicht ein Vierteljahr?

Der Leiter der entsprechenden Klinik-Abteilung ist wohl offensichtlich ein sehr engagierter Mann, der noch mit den Patienten fühlt. Er schlug dann vor, dass sie trotz aller Aussichtslosigkeit eine Chemotherapie versuchen. Die Frau bekam dann wohl so einen rechten „Hammer“. Es half auch ein wenig, aber nicht komplett. Die Behandlung wiederholen? „Geht nicht“, sagte der behandelnde Professor, „dann würde sie an der Chemotherapie sterben.“ Also haben die Ärzte die Chemotherapie umgestellt und sie hat eine zweite Behandlung erhalten. Aber auch das konnte noch nicht alle Metastasen beseitigen. So wurden diese gezielt bestrahlt.

Die 70-jährige Frau lebt auch heute noch, bei 6 bis 8 Kontrolluntersuchungen wurden keine Schäden festgestellt. Es klang auch nicht so, als sei „ihr Leben nicht lebenswert“. Und die Ärzte auf der Station freuen sich immer, wenn die Frau zu Kontrolluntersuchungen zurückkommt: „Es ist für uns schön zu sehen, dass unsere Anstrengungen auch richtig Erfolge haben können!“

Mein erster Gedanke war „Naja, es gibt ja auch Spontanheilungen!“ Aber dann hielt ich inne: Halt! Genau das ist es ja, worüber Vollwertler sich ärgern, wenn sie von Gesundung durch Ernährungsumstellung berichten – dann hören sie häufig den Spruch: „Naja, in einigen Fällen geht das Asthma / die Gicht / das Rheuma ja auch von alleine zurück.“ Das ist ja genau dasselbe.

Das ist der Punkt, wo ich dann manchmal zurückschrecke. Solange ich es noch merke, dass ich Denkmuster verwende, die die „Gegenseite“ einsetzt, um meine Argumente platt zu machen, ist es ja gut und ich kann selbstkritisch mit meinem Gedankengut umgehen.

Ich bin nach wie vor kein Fan von Chemotherapien. Ich bin nur einmal wieder ins Nachdenken gekommen… und dabei habe ich noch keine endgültige Schlussfolgerung für mich gezogen.

Was natürlich die Vollwertkost als Ernährungsform für sich hat: Sie kostet nichts, ich muss nicht in die Apotheke, sie hat keine unerwünschten negativen Auswirkungen, ich kann sie wochenlang ausprobieren, ohne mir zu schaden. Sie erhöht die Lebensqualität und die Gesundheit, davon bin ich nach wie vor überzeugt. Dennoch möchte ich nie vergessen, dass auch die Schulmedizin ihren Platz hat. Ich möchte nicht in selbstgefälliges Nichtdenken verfallen, sondern für neue Gedanken offen bleiben, selbst wenn sie mir nicht gefallen.

Essen nach Lebensalter

12. November 2012: Sag mir wie alt du bist, und ich sage dir, was du essen sollst/darfst

In der HörZu vom 19.10.2012 (Nr. 43) gibt es einen Artikel, der sich um das Essen nach Alter dreht. So gesehen also nach Lebensjahreszeiten. Es ist wieder eine solch wunderbare Sammlung von Vorurteilen und Ernährungsunfug, dass ich euch das nicht vorenthalten möchte. Die genannten Experten kommen natürlich von der Universität oder hochkarätigen Instituten, wie z.B. Karen Franz vom Institut für Ernährung und Prävention Dr. Gola in Berlin. Dieses Institut wird geleitet von Sabine Nitsche, Professorin und Diplom-Psychologin. Äh ja, gut. Weiter finden wir Angaben zu einer Diplom-Wissenschaftsorganisatorin und einer Kauffrau. Da habe ich doch gleich Vertrauen. Der zweite Experte ist Arved Weimann, Professor und Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie, also ein Chirurg. Ein Chirurg hat natürlich absolute Kenntnisse in Ernährung, denn schneiden müssen wir alle: Das Essen oder eben die Därme. Öhöm.

Gut, das war jetzt ein bissers fies und unsachlich, das weiß ich wohl. Nur: Mir fallen so Dinge einfach auf…

Im Einzelnen will ich gar nicht wiedergeben, was hier verbraten wird. Ich muss dann immer an Bruker denken, der für mich nachvollziehbar meinte, dass es völlig unverständlich sei, warum wir im Alter anders essen sollten. Schauen wir in die Natur… isst da, mal abgesehen von möglichem Zahnmangel, irgendein Lebewesen im Alter anders oder in einer bestimmten Altersgruppe anders als in der Jugend?

Ein paar kleine Perlen möchte ich als Zeichen dafür zitieren, welche negative Einstellung die Autorin Maike Petersen so vom durch-die-Jahrzehnte-Wachsen hat.

Ab 30: Folatsäure muss her für die Kinderproduktion. Immerhin weiß Franzen: „Zwar ist die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Quellen schlechter als aus tierischen, doch bei dauerhafter vegetarischer Ernährung gewöhnt sich der Körper daran, das Eisen besser zu verwerten, so Ernährungswissenschaftlerin Karen Franz“. Ach, sie ist Ernährungswissenschaftlerin? Wenigstens eine in diesem Institut 😉

Interessanter wird es in der Altersgruppe ab 40: „Auch wenn man sie noch nicht spürt: Die ersten Check-ups beim Hausarzt (ab 35, alle 2 Jahre) decken körperliche Schwachstellen auf.“ Ich mag diese kleinen Botschaften, die hier eingebaut werden: Mit 40 sind wir ja schon fast Krücken, daher regelmäßig Werte checken lassen! Viel Avocado sollen die Ab-40-Jährigen essen 🙂

Jetzt kommen wir zu den Menschen ab 50: Fettfisch, Hülsenfrüchte und Bulgur sind angesagt. Guten Appetit 🙂 Warum ist hier kein Vollkornbrot genannt? Immerhin gibt Karen Franzen wieder Vernünftiges in Bezug auf angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmitteln von sich: „Eine gesunde Vorsicht bei Werbung für Lebensmittel ist immer angebracht.“ Ansonsten findet natürlich der Abbau statt 😉

Und ab 60? Ey, da ist es ganz vorbei. Auf dem dazugehörigen Foto sehen wir natürlich Menschen, die die 60 weeeeit überschritten haben. Aber das ist so, wenn Autoren noch weit entfernt von einem bestimmten Alter sind. Ihnen fehlt dann die Einschätzungskraft fürs Alter. Und wir lernen: „Zugleich mehren sich aber auch gesundheitliche Einschränkungen. … Übergewicht und Gelenkschmerzen machen Bewegung beschwerlicher und damit auch das Einkaufen frischer Lebensmittel.“ Ey, hier wird einem das Älterwerden aber so richtig schmackhaft gemacht 😉

Krampfhaft wird sich bemüht, hier ein paar Vorteile des Älterwerdens aufzuzeigen, die aber natürlich stets von den körperlichen Unzulänglichkeiten, so scheint es durch, mehr als aufgewogen werden. Ich verstehe das nicht, wenn wir uns doch mit 30, 40 und 50 HörZu-gemäß ernährt haben – sollten wir dann nicht mit 60 topfit sein? 😉

Hübsch auch die Werbung rechts daneben (au au, das muss teuer gewesen sein, diesen ausgesuchten Platz zu bekommen): „Äterwerden ohne ernste Gedächtnisprobleme“. Ja, genau das hatte ich vor …. allerdings auch ohne diese Pillen 🙂

Elternnerven und Eltern nerven

22. Oktober 2012: Pädagogik in den Medien

Am Sonntag Morgen las ich den RGA (Remscheider Generalanzeiger) vom Samstag (21. Oktober), das ist so eine Art Frühstücksgenuss. Da gab es auf einer Seite mit praktischen Tipps Ratschläge, wie man billig innerhalb einer Familie per Handy telefonieren kann usw.

Da können wir jetzt drüber streiten, ob das wirklich pädagogisch gut ist, dass Kinder ständig erreichbar sind. Eltern sprechen dann gerne von Sicherheit. Dass dies aber auch eine Art Überwachung ist, beobachte ich immer wieder. Arme Kinder! Und wie soll ein Kind selbstständig werden und sich vom Elternhaus abnabeln, wenn es in einer fremden Umgebung ist (z.B. auf einem Schüleraustausch) und alle 10 Minuten oder halbe Stunde SMS tauscht oder sich über jede Kleinigkeit per Telefon beklagt?

Darum ging es in diesem Artikel nicht, ich habe mir erlaubt, etwas abzuschweifen 🙂 Ich las also den Artikel, bis kurz vor Ende. Da wurde dann beschrieben, welche Tarife für Jugendliche günstig sind. Und der Knüller für mich war (frei zitiert): „Wenn man für Teenager einen Vertrag abschließt, empfiehlt es sich, gleiche eine SMS-Flatrate hinzuzunehmen, die gibt es schon ab 10 Euro.“ Weiter geht’s mit wörtlichem Zitat, denn das habe ich mir gleich gemerkt: „Das ist vielleicht nicht pädagogisch sinnvoll, aber nervenschonend für die Eltern„.

Ach so. Ich hatte immer gedacht, Erziehung sei dafür da, Kinder lebenstüchtig zu machen. Ich wusste nicht, dass die geschonten Nerven der Eltern im Vordergrund stehen. Es ist übrigens auch für die Eltern wesentlich nervenschonender, nicht mit den Kindern an einem gemeinsamen Tisch zu essen und deren Tischsitten zu kritisieren, falls das nötig ist, sondern in getrennten Räumen zu speisen. Da können die Eltern sich nervenschonend gegenübersitzen und bei Kerzenschein nett plaudern, während die Abkömmlinge im Nebenzimmer wie Äffchen über dem Essen hängen und mit den Käsescheiben spielen. Viel, viel nervenschonender!

Ich könnte mehr Beispiele bringen. Ach ja, und so hat der Schreiberling das sicher nicht gemeint und ich sollte das mal wieder nicht so wörtlich nehmen? Doch, tue ich! Denn es zeigt, was für eine Tendenz heutzutage im öffentlichen Bewusstsein gefördert wird: Kinder haben und kriegen ja, aber bitte keine Arbeit damit haben….

Die Menopause

27. September 2012: Die Wechseljahre

Letztlich fragte hier eine Kommentatorin, inwieweit ich etwas weiß über die Einwirkung der Vollwerternährung auf den Verlauf der Wechseljahre, wie lange vorher man etwa mit einer Essensumstellung beginnen sollte usw. Ich habe dazu keine großen Erkenntnisse, was Bruker dazu sagt, gehört zu den Dingen, die ich bei ihm nicht so recht nachempfinden kann. Von einem bin ich überzeugt: Dass die Ernährung eine große Rolle spielt. Aber gerade beim Umgang mit den Wechseljahren gehört eine große Portion Lebensbedingung dazu – wie geht die Frau im Allgemeinen damit um, wie sehr lässt sie sich von allgemeinen Vorurteilen knechten usw.

Aber wo ich keine großen Erkenntnisse habe, so sagte ich mir, kann ich ja welche sammeln. Daher meine Bitte an alle vollwertig, am besten vollwertig-tiereiweißfrei ernährten Frauen, die in den Wechseljahren sind oder sie bereits hinter sich haben: Schreibt mir, wie das bei euch gelaufen ist, ob Ihr Ernährungserfahrungen gemacht habt usw. an wilkesmann@gmail.com

Je nach Anzahl der Einsendungen werde ich die Berichte zusammenfassend einstellen oder auch – wenn es viele sind – eine große Zusammenfassung erstellen.

Solche kleinen Erhebungen sind wichtig, auch wenn sie keinen wissenschaftlichen Wert haben. Mir persönlich bedeutet die Erfahrung von vielleicht drei Menschen, denen ich vertraue, mehr als eine Studie bei 9786 Teilnehmerinnen.

Die Wechseljahre sind im öffentlichen Bild lange Zeit mit sehr vielen Vorurteilen und Aburteilungen behaftet gewesen und sind es teilweise noch. Erstaunlich daher ein Bericht gerade auch noch in der Apotheken-Umschau, September A-Ausgabe, der wirklich mit vielen dieser Märchen aufräumt und betont, dass Frauen heute viel selbstbewusster zu dieser Lebenszeit stehen. Lustig an dieser Stelle nur, dass ein Paar im Bett gezeigt wird: Mann ist wohl im Wechseljahrsalter, grauhaarig. Die Frau an seiner Seite – und es geht in diesem Artikel um Frauen in den Wechseljahren! – ist blond, hat glatte Hände ohne Falten oder andere Alterszeichen und ist meines Erachtens maximal Mitte 30. Na gut, bei den Fotografen und Layoutern dieser Zeitschrift ist der Inhalt und das neue Selbstbewusstsein von Frauen wohl noch nicht angekommen 🙂

Wie gesagt, der Artikel liest sich erfreulich – dabei hatte ich schon gedacht: Apotheken-Umschau und Wechseljahre? Das wird ja wieder ein netter Käse werden… Wo wir gerade bei Käse sind: Über die Ernährung und ihren Einfluss auf den Verlauf der Wechseljahre wird kein Wörtchen verloren.