Beipackzettel

18. Juli 2016: BOD

In diesem Fall steht BOD nicht für Books On Demand. Bei Books On Demand lautet das Prinzip grob gesagt: Bücher werden dann gedruckt, wenn sie bestellt werden.

In diesem Beitrag steht das „B“ als Stellvertreter für Beipackzettel, dieser kleine Papierwust, den wir in Medikamentenpackungen finden.

Beipackzettel sind ein ewiger Streitpunkt. Sollen wir sie lesen, um alles zu wissen, oder sollen wir sie nicht lesen, um nicht verunsichert zu werden? Diese Diskussion möchte ich im Augenblick einmal beiseite lassen. Mir geht es um ganz etwas anderes: Um das Papier.

Wer ein Medikament neu kauft, liest die Patienteninformation vielleicht. Wer ein Medikament längerfristig benötigt, bekommt es mehrmals verschrieben und jedes Mal ist in der neuen Packung ein neuer Beipackzettel. Nicht nur, dass niemand den Beipackzettel immer wieder liest – sie sind einfach hoch lästig. Sie sind sperrig in der Packung, verkomplizieren häufig die Entnahme der Blister.

Kreativer Vorschlag: Wie wär’s mit Medikamentenpackungen ohne Beipackzettel? Dafür stehen alle Beipackzettel einfach zugänglich im Internet. Natürlich gibt es auch Menschen, die kein Internet haben und die man nicht zwingen sollte, sich deswegen jetzt mit dem Internet zu beschäftigen, wenn sie das eigentlich nicht wollen. Aber man könnte Ärzte und/oder Apotheker dazu anhalten, Beipackzettel auf Wunsch im Internet abzurufen und dann dem interessierten Kunden auszuhändigen.

Man denke an all das viele Papier, das gespart würde! Außerdem wären Beipackzettel viel schneller aktualisiert. Man denke auch an die Flüche, die dem Äther erspart werden, wenn ein Angehöriger wieder wutentbrannt den überflüssigen Beipackzettel aus der 20. Packung von Medikament XYZ zurrt. Man denke auch an den volkswirtschaftlichen Nutzen durch Zeitersparnis, weil der Beipackzettel nicht mehr entfernt werden muss oder bei jeder Tablettenentnahme stört.

So ein Beipackzettel-on-Demand hätte auch den Vorteil, dass er in einer vernünftigen Schriftgröße ausgedruckt werden könnte – wenn sich dann jemand dafür interessiert.

 

Diabetiker-Mathematik

24. Juni 2016: Zählen macht Spaß

Der herkömmliche Diabetiker muss immer noch Broteinheiten zählen, egal ob er mit Tabletten oder – in schwereren Fällen – mit Insulin behandelt wird. Dieses Zählen finde ich persönlich einen großen Einschnitt in die Lebensqualität. Es ist aber natürlich immer noch besser, als sich Diabetes-Schäden zuzuziehen. Das kann ja bis zur Amputation von Gliedmaßen gehen, aber auch die Augen und die Nieren können Mikroschäden davontragen.

Mit einer vollwertigen und fettreduzierten/-freien Ernährung ist das nicht nötig. Wie ich von einem guten Freund weiß. Im letzten August hatte er noch einen Hb1Ac-Wert (das ist der Langzeit-Wert) von 13 (normal: unter 6) und einen Blutzuckerwert von 500 (normal: unter 100). Der Hausarzt wollte ihn sofort in die Klinik einweisen, aber er wollte es erst einmal mit einer „vernünftigen“ Ernährung versuchen. Er nahm fortan nur noch vollwertige Kost, 100% tiereiweißfrei und fast fettfrei zu sich. Schon im November war der Hb1Ac-Wert bei 10, im Januar bei 5,9 (muss sein: < 6,1). Bei der letzten Kontrolluntersuchung im Mai war dieser Wert 6,1 genau. Und die selbstgemessenen Blutzuckerspiegel liegen immer so knapp über 90. Seine erhöhten Fettwerte waren übrigens auch normal. Die Ärzte sind hochzufrieden, der Patient auch – denn er muss nicht zählen. Er isst munter, es schmeckt ihm. Einmal alle 4 bis 8 Wochen, wenn er mit Freunden essen geht, hält er sich an keine Regel. Das steckt die langfristige Ernährung gut weg.

Was sagen die Ärzte, die er grob von seiner Ernährung in Kenntnis setzte? Sein Diabetologe: „Oh, Sie haben so gute stabile Werte, da können Sie ja bald wieder normal essen!“  (Womit er vermutlich die übliche gezählte Diabetikerkost mit guter Fleisch- und Käseversorgung, alles in Magerstufe, meint.) Ein anderer Arzt klopfte ihm auf die Schulter, mitleidig und scherzte: „Wenn Ihnen danach ist, gehen wir mal richtig schön einen Burger essen!“ Okay, mein Bekannter mochte noch nie Burger. Aber jetzt, wo er Diabetiker ist, sollte er sich das nicht entgehen lassen. Statt ständig lecker zu essen, mit Kuchen, Aufläufen, Pizzen…. alles ohne zählen.

Dies fiel mir ein, als ich im neuesten Diabetiker-Ratgeber in den Rezepten blätterte. Der Snack vom 7. Tag: 150 g Erdbeeren + 1 Aprikose (50 g) + 20 g Vollkornkekse (ca. 2 BE). So ein Essen ist natürlich viel köstlicher in den Augen der behandelnden Ärzte als diese schrecklich karge fleischlose Kost.

Oh Manno…..

 

Die Schule des Lebens

29. April 2016: Wissenschaft – alles Humbug?

„Die Pharmaindustrie und die Ärzte wollen nur ans Geld, erfinden ständig Krankheiten und tun absichtlich alles, damit die Patienten nicht gesund werden.“

Ich kann’s echt nicht mehr hören, wie sich die Verführer damit brüsten und ihr krauses Gedankengut mit diesen Vorwürfen unters Volk bringen möchten. In Ermangelung eines überzeugenden Gottesbildes in unserer Zeit – so behaupte ich hier einmal provokant – finden sie immer wieder gläubige Anhänger. Alles, was die Wissenschaft beweist, ist verkehrt. Alle Studien sind geldgesteuert und so ein Heilsbringer kann natürlich beurteilen, was richtig ist und was falsch, ohne dass er das beweisen muss. Wer nicht (oder nicht deutlich sichtbar, räusper) Geld mit etwas verdient, hat mehr Recht in einer Sache, als jemand, der Geld damit verdient. Und was im Internet an dubioser Stelle gefunden und von dort zahlreich auf Blogs und Seiten kopiert wird, hat sehr viel mehr Gewicht, als das, was in wissenschaftlichen Büchern steht und mit viel Aufwand erarbeitet wurde.

Alle Ärzte sind Scharlatane, gehört auch in diese Rubrik. Immer wieder höre ich es, wie die Leute Ärzte als Nichtskönner diffamieren (keine Frage, das trifft für viele zu), aber ihren Heilpraktiker oder ihre Heilpraktikerin völlig unkritisch anbeten. „Meine Heilpraktikerin hat gesagt…“ und dann kommt häufig irgend ein Mist. Aber – ohne vernünftiges Gottesbild, wie gesagt – da gibt es endlich wieder etwas, an das „wir“ glauben können.

In meiner Erfahrung sind Heilpraktiker und ihre Zunft keineswegs besser als Ärzte. Nur geduldiger mit den Patienten vielleicht. Ihre Ausbildung? Hmmm, das liegt im Dunkeln. Bei einem Arzt weiß ich wenigstens, dass er mal studiert hat 🙂

„Schön“ ist auch, dass es immer wieder Ratgeber gibt, die sich ihre Weisheiten anlesen. Aus Youtube-Quellen, Internetseiten usw. Die werden dann plötzlich zu Experten für Krankheit XXX oder Fachleuten für Vitamin YYY. Ihnen ist es völlig egal, ob sie damit das Leben und die Lebensqualität anderer gefährden, weil sie sich entweder im eigenen Glanz wohl fühlen und in den nächsten Tagen dank ihrer bahnbrechenden Einsichten den Nobelpreis für Medizin auf sich zukommen sehen oder – weil sie das verschmähte Geld mit irgendwelchen Pülverchen verdienen.

Es ist plausibel für jeden, dass ein ausgefallener Zahn nicht nachwachsen kann. Aber eine Schilddrüse, die sich selbst teilweise oder ganz zerstört hat (eine Autoimmunerkrankung namens Hashimoto Thyreoiditis), soll sich auf einmal durch Änderung der Lebensführung regenerieren? Auf dieser „unsichtbaren“ Ebene wird besonders gerne Mist erzählt, weil der Laie es ja nicht wie im Fall des Zahns selbst „sehen“ kann. Wenn die Diagnose Hashimoto Thyreoditis korrekt gestellt wurde, stirbt der Kranke ohne Zufuhr des entsprechenden Hormons, langsam, langsam… Ist die Diagnose schlampig und somit falsch, mag eine Änderung des Lebens helfen. Das aber sind zwei Paar Schuh!

Bohrt man nach, woher diese selbsternannten Experten ihr Wissen beziehen, so kommt dann gerne, dass sie in der „Schule des Lebens“ gelernt haben. Wenn ich diesen Ausdruck – nur ein Ersatz für dünnes Wissen und fehlende Ausbildung – noch einmal lese, krieg ich Pickel. Trotz guter vollwertiger Ernährung 😉

Ich habe im letzten Jahr gesehen, was die Schulmedizin tun kann an Stellen, wo die Ernährung einfach zu spät kommt. Leben retten, Lebensqualität drastisch erhöhen. Mit Ärzten, die sich sichtbar um das Wohlbefinden ihrer Patienten kümmern. Die ihren Beruf ernstnehmen. Ja, ich weiß, dass vieles im Argen liegt. Aber gelegentlich wünsche ich mir, dass all diese Quacksalber und ihre Anhänger wirklich einmal krank werden. Dann schauen wir mal, ob sie Schmerzen lieber aushalten oder nicht vielleicht doch ein Schmerzmittel nehmen, ob sie sich nicht doch lieber kurieren lassen, als Seen von Wildkräuter-Smoothies zu trinken. Eine gute Vorbeugung (z.B. durch Ernährung) ist die eine Sache – aber wenn es für Vorbeugung zu spät ist, hilft diese Maßnahme nicht mehr. Wenn ich Karies habe, weil ich meine Zähne nie geputzt habe, wird das Loch im Zahn nicht dadurch aufgefüllt, dass ich anfange jetzt zu putzen.

Natürlich ist es im Krankheitsfall z.B. besonders wichtig, diese „Vorbeugemaßnahmen“  dann parallel zur Schulmedizin auch zu pflegen, Ernährung umstellen, „Zähne putzen“ usw. Und es gibt leider auch Erkrankungen, deren nahezu perfekte Linderung durch alternative Maßnahme von der Schulmedizin einfach nicht anerkannt wird. Das ist aber häufig einfach Betriebsblindheit, nicht immer böser Wille und nicht immer Geldgier. Ich habe einen dieser Schwachmaten-Ärzte erlebt, der seinen Horizont partout nicht erweitern wollte. Aber Geld war hier keine Grund, einfach Denkbequemlichkeit oder was auch immer. Es gibt eben in vielen Berufen Leute, die ihr Handwerk nicht so recht verstehen. Dieser Arzt hat sich um seinen Patienten gesorgt und getan, was er nach seinem Wissensstand für das Beste hielt.

Es ist heute schwerer denn je, sich gut zu informieren, weil die Informationsflut so breit ist. Ich habe schon vor Jahren auf die fehlende Solidität eines gewissen Zentrums hingewiesen – aber es ist nicht auszurotten, davon wird ohne Ende zitiert. Möglichst mit dem Kommentar „Nun, nicht alles, was sie sagen, ist falsch“.

Kritisch bleiben ja, gut. Aber bitte wirklich kritisch bleiben und nicht nur etwas glauben, weil jemand etwas erzählt, das gerade im Moment gut gefällt.

Diabetes im Ratgeber

26. März 2016: Eine Studie

Weisheit aus dem Diabetes-Ratgeber, 3/2016, Seite 6:

„Werden Diabetes-Patienten im Krankenhaus behandelt, bleiben sie durchschnittlich zwei Tage länger als Nicht-Diabetiker. Das ergab eine Studie aus Kalifornien (USA).“

Mal ganz abgesehen davon, dass wir wie üblich weiter keinen Einblick in die Studie bekommen: Wieso wird ein US-amerikanisches, ja ein kalifornisches Ergebnis so formuliert, als sei es eine Weisheit für die ganze Welt? Wer das nur flüchtig liest und nicht nachdenkt, könnte meinen, dass gelte auch bei uns. Vielleicht tut es das, vielleicht auch nicht. Korrekt aber müsste die Meldung heißen:

„Werden amerikanische Diabetes-Patienten im Krankenhaus behandelt, bleiben sie durchschnittlich zwei Tage länger als Nicht-Diabetiker. Das ergab eine Studie aus Kalifornien (USA).“

Folic acid

4. März 2016: Folsäure

Endlich einmal wieder bietet mir die Apotheken-Umschau einen erwähnenswerten Artikel. Wobei die A-U in diesem Fall für nichts zu belangen ist, sie gibt ja nur wieder, was Wissenschaftler so planen. Wissenschaftler planen auch schon mal gerne Schafe mit zwei Köpfen…

Überschrift: „Folsäure-Politik gescheitert“. Im englischen „British Medical Journal“ wird berichtet, dass zwar 20 Jahre bekannt ist, dass Folsäure Missbildungen bei Säuglingen verhindern kann, Schwangere dennoch nicht genügend Folsäure zu sich nehmen. Ob das jetzt stimmt oder nicht – lassen wir das einmal dahingestellt. Die Schlussfolgerung ist wunderbar: „Die Forscher erklären die Folsäure-Politik der EU für gescheitert und fordern, neue Maßnahmen zu überdenken – etwa Lebensmittel verpflichtend mit Folsäure anzureichern.“

Das ist doch wunderbar, künstliche Vitamine, Jod, Fluor und nun auch noch Folsäure in die Lebensmittel packen, die dann allerdings kaum noch Lebensmittel, sondern allenfalls Nahrungsmittel sind, so wie Astrronautennahrung. Impfpflicht, Zwangszugaben in Lebensmiteln, was kommt als nächstes? Guckt mir ein Gesundheitskommissar über die Schulter, wenn ich mir die Zähne putze, damit ich die Volksgesundheit durch ungenaues Schrubben nicht schädige? Ganz abgesehen davon, dass die Folgen einer Überdosierung mit Folsäure bei Nichtschwangeren überhaupt nicht angesprochen werden, haben die Erde und die Lebensmittel wohl wichtiger zu diskutierende Aspekte als gerade die Folsäure. Da greife ich gerne auf die ansonsten ja recht abgenutzte Begriffswelt der Gen-Technik zurück, oder künstliche Düngung, Massentierhaltung mit den Antibiotika-übersättigten Futtermitteln und und und. Warum nicht erst einmal dafür sorgen, dass Schwangere wieder echte Lebensmittel bekommen, statt den üblichen Nahrungsmittelschrott noch weiter zu vergiften?

Fortsetzung mit der Reha-Klinik

1. Feb. 2016: Brief an die Klinikgruppe der Reha-Klinik

Ich stellte bereits den Gastbeitrag zu einer Reha-Klinik vor. Am 11.1. hat derjenige einen Brief an die Leitung der Klinikgruppe geschrieben. Eine nichtssagende Antwort kam dann 2,5 Wochen später. Ihr könnt dieses Schreiben am 4. Feb. auf diesem Blog lesen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

XXX war vom 8.12. bis zum 30.12.2015 in einer Ihrer Kliniken zur Rehabilitation. Von ärztlicher und pflegerischer Seite war alles bestens, sowohl was die Kompetenz als auch was die Freundlichkeit anbetrifft. Dies fand XXX so, und auch ich sah das bei meinen Besuchen bestätigt.

Aber, und jetzt kommt ein großes Aber: Alles, was das Essen in Ihren Kliniken betrifft, ist kontraproduktiv für die Gesundheit, speziell für Herzkranke, die häufig auch an Diabetes leiden. Als ich mich über das Essen beschwert habe, bekam ich die Antwort: Das wird zentral von der Klinikgesellschaft geregelt.

Daher wende ich mich heute an Sie.

Als ich XXX gebracht habe, habe ich mir ein Mittagessen bestellt. 8,60 Euro für ein vegetarisches Gericht namens „Bandnudeln mit Mandelpesto“. Was war es? Spaghetti in einer öligen Soße, ein unappetitlicher Berg auf dem Teller (s. Anlage 1).

MöhneseeKlniik (1) Nudeln

Ich konnte das nicht essen, nicht so sehr wegen des Aussehens, sondern wegen des Geschmacks – und ich war hungrig! Ich habe XXX immer samstags besucht, dem Eintopftag. Die Eintöpfe sahen schon gruselig aus. Ich habe mir mein Essen dann – Böses ahnend – immer mitgebracht.

Die armen Vegetarier dort bekommen am Donnerstag immer eine süße Hauptspeise mittags. Wieso gehen Sie davon aus, dass Vegetarier gerne Süßes als Hauptspeise essen (auch „toll“ für Diabetiker, die vegetarisch essen möchten)? Die anderen beiden Wahlmöglichkeiten hatten niemals eine süße Hauptspeise. Veganer haben dort gar keine „Essensüberlebenschance“.

Die Salatbar war okay – abgesehen davon, dass die Schüsselchen die Größe von Fingerhüten haben. Bei meiner 8,60-Euro-Mahlzeit habe ich gefragt, ob es auch Salatschüsseln in vernünftiger Größe gäbe? Antwort: „Wenn Ihnen das nicht reicht, können Sie gerne zwei nehmen.“ Ich nahm drei und es war eigentlich immer noch nicht genug. Mal ganz abgesehen davon, dass das Dressing natürlich süß war – mit Sicherheit nicht mit Honig gesüßt.

Herzkranke sollen viel Obst und Gemüse essen. Dazu wird man durch Ihre Menüangebote nicht angeregt. Auch die Empfehlungen zur Salzmenge (1 Teelöffel pro Tag!) werden weder durch die Speisen noch den Salzstreuer am Tisch gefördert.

In Vorträgen in der Klinik erfuhr XXX, dass bei Herzerkrankungen nicht mehr als 2 x pro Woche Fleisch gegessen werden sollte. Es gab jeden Tag Fleisch (oder Fisch), wenn man nicht das käseüberladene und zuckerreiche (= fette) vegetarische Menü wählen wollte. Mal abgesehen von den dubiosen Aufschnitten am Abend.

Direkt vor dem Speisesaal stehen zwei Automaten: einer mit Softdrinks von Coca Cola bis zu (zuckrigen) Säften und prall gefüllt mit Süßigkeiten und Chips (nicht einmal Salzstangen, die wenigstens nicht so fettig sind) (s. Anlage 2),

Lecker1

der andere mit diversen Heißgetränken wie Kaffee, Kakao und Fertigsuppen (s. Anlage 3).

Lecker2

Ich finde das keine Methode, um Patienten zu motivieren, das Süße drastisch zu reduzieren und sich insgesamt gesünder zu ernähren. Dies ist nicht nur meine Meinung, sondern entspricht auch dem Stand der Wissenschaft, sowohl was die Empfehlungen der DGE (Deutschen Gesellschaft für Ernährung) als auch die der modernen amerikanischen Erkenntnisse (China Study, Forks Over Knives) besagen.

Neben dem Klinikeingang ist eine Art Kiosk, in dem man sich etwas zu essen kaufen kann. Die Mahlzeiten in der Auslage sind abstoßend, wenn man gesundes Essen gewohnt ist: fetttriefende Fleischspeisen in Brötchen gezwängt, mit Zuckerguss und Creme überquellende Kuchen. Immerhin, ein Lob: Es war mir möglich, ein trockenes Brötchen zu kaufen! Allerdings nur auf Nachfrage, ausgelegt waren sie nicht.

XXX hatte Zugang zu einem besonderen Aufenthaltsraum. Er wurde XXX am ersten Tag gezeigt und so konnte ich mir auch ein Bild machen: ein Tisch voller abgepackter kleiner Fertigkuchenstücke, eine Auswahl an Fruchtsäften (keine reinen Fruchtsäfte, also gezuckert) und ein Kaffeeautomat. Muss ich dazu noch etwas sagen?

Bevor man in die Klinik aufgenommen wird, erhält man ein Schreiben, in dem der Patient gebeten wird mitzuteilen, ob er eine besondere Ernährung benötig, z.B. als Diabetiker. Ich habe angerufen und mitgeteilt, dass XXX Diabetes hat. Mit welcher Konsequenz? Es gab keine. Es gibt keine fettarmen, salzarmen (nicht ungesalzenen), nicht einmal zuckerfreien Mahlzeiten dort. XXX war nach einer Bypass-OP in Ihrer Klinik. Jedem medizinisch Interessierten oder Kundigen ist bekannt, dass man nach einer solchen OP nicht nur körperlich mehrere Wochen benötigt, um sich zu erholen. Das heißt, XXX wäre völlig überfordert gewesen, von den Essensangeboten das Richtige auszuwählen. Und da ist XXX sicher nicht der einzige Mensch. Ich habe einfach darauf vertraut, dass mein mitgebrachtes frisches Obst XXX irgendwie über die drei Wochen bringt. Immerhin hat XXX deutlich abgenommen, da XXX häufig einfach gar nichts gegessen hat. Wir beide mögen keinen Eintopf, der aussieht wie Wirsingstücke in einer Wasserbrühe mit undefinierbaren braunen oder rosa Stückchen (s. Anlage 4, um ein Beispiel zu nennen).

Lecker3

Bei allem Verständnis für Wirtschaftlichkeit – so kann es doch nicht gehen. Was werden die meisten Patienten wohl an Eindrücken von gesunder Ernährung mit nach Hause nehmen: Das, was sie in einem Vortrag gehört haben, oder das, was sie mehrere Wochen lang jeden Tag und in Automaten und Aufenthaltsräumen zu essen angeboten bekamen?

Mit freundlichen Grüßen

Gastbeitrag aus einer Reha-Klinik

29. Jan. 2016 – Reha-Klinik

Gestern habe ich XXX in die Reha gebracht. Die Einladung zu Kaffee und Kuchen umsonst habe ich abgeschlagen. Stattdessen durfte ich mir eine Wertmarke fürs Mittagessen kaufen. Es gibt immer drei Hauptgerichte, darunter ein vegetarisches. „Bandnudeln mit Kräuterpesto und Mandeln“ klang für mich verlockend und lecker. Etwas befremdlich fand ich die Hauptmahlzeit für Donnerstag: Grießpudding mit Pflaumen. Ich denke nicht, dass man es wagt, Nicht-Vegetariern einen Pudding als Hauptspeise vorzusetzen. Abgesehen davon, dass Grießpudding und Pflaumen sicher mit Zucker gesüßt sind. [Anmerkung: XXX ist Diabetiker]

Wir kamen in den Speiseraum. Ein Salatbuffet, daneben winzige Schüsselchen. Da die Hauptessenszeit schon vorbei war, habe ich gefragt, ob ich vielleicht einen richtigen Salatteller bekommen kann? Nö, alle sind zufrieden mit diesen Schüsseln, ich könne ja zwei nehmen. Ich nahm drei..

XXX schloss sich mir bei der Speisenwahl an. Er hatte nur ein Salatschüsselchenileinichen genommen. Wir hatten den Salat gerade angefangen, da kam der Hauptgang: Die Bedienung stellte dampfend vor uns auf den Tisch, was Ihr im Foto seht. Vermutlich mikrowellenerhitzt, denn die Hauptspeisezeit war ja vorbei, nur Neuankömmlinge dürfen später kommen.

Bandnudeln? Wusste gar nicht, dass die so aussehen. Ich probierte. Ölig-glitschig. XXX aß tapfer zwei Gabeln. Ich aß meinen Salat. Zum Nachtisch stand auf dem Plan „frisches Obst“. Toll! Es handelte sich hierbei um Äpfel der Sorte Golden Delicious. Das in der Hochsaison für Äpfel!

MöhneseeKlniik (1) Nudeln

XXX, halb verhungert, aß einen. Ich platzte bald vor Zorn, 8,60 Euro!! Vor dem Speisesaal zwei Riesenautomaten – einer mit Softdrinks und einer mit Süßkram. Nicht mal Salzstangen gab es dort! Wohlgemerkt: Dies ist eine REHABILITATIONSKLINIK.

Ich ging in die kleine Café-Ecke. Ich hatte mir nichts mitgebracht und war vor lauter Rage trotz der drei Fingerhütchen Salat ausgehungert. In der Auslage jede Menge triefig-süßer Kuchen. Darüber im Regal einige Teller mit Brötchen mit Schnitzel, Frikadellen oder anderen Fleischwaren. Nicht einmal ein schlichtes Käsebrötchen, was ich vor lauter Verzweiflung vermutlich noch gegessen hätte. Ich fragte nach einem trockenen Brötchen? Was darf’s sein, war die Rückfrage. Was haben Sie denn? Zum Beispiel Körnerbrötchen.. Ja, da griff ich gierig zu. Mit 50 Cent erstaunlich preiswert und schmeckte auch. Über die Vollwertigkeit habe ich mir keine Gedanken gemacht.

Eine freundliche Dame zeigte uns den Aufenthaltsraum für die „Station“. Auf einem Tisch lagen jede Menge eingepackte kleine Kuchen. Ein Kaffeeautomat, Sprudel (oha) und jede Menge Säfte im Riesenkühlschrank. Kostenlos für die Patienten.

Vom Chefarzt lag ein Buch im Zimmer aus, ein Geschenk des Hauses. Worin er die vollwertige Ernährung (wenn auch mit Milchprodukten und gelegentlich Fleisch) anpreist. Ich habe ihn gefragt, wie das mit meiner Erfahrung zusammenpasst?

Die Klinik gehört zu einer Kette, und diese Menüpläne gibt es jetzt für die ganze Kette, deutschlandweit. Und seit dieses fettige eklige (meine Bezeichnung) Essen eingeführt wurde, sind die Beschwerden auf Null gesunken. Der Arzt isst zu Hause Frischkornbrei… im Krankenhaus hat er ihn mal probeweise eingeführt, er musste ihn eimerweise wegschütten.

Nun ja, ich weiß nicht, wie sie dort das Frischkorngericht zubereitet haben. Wenn das mit derselben Liebe und Sorgfalt geschah wie bei den Hahaha-Bandnudeln wundert mich das nicht 😉

Am Montag kommt ein weiterer Beitrag zum Thema.

Ein Gastbeitrag aus der Praxis

11. Dez. 2015: Ein ärztlicher Gastbeitrag

Meine Frau hat seit vier Jahren Diabetes, war aber eine Weile mit den Werten völlig okay. Sie leidet aber seit dieser Zeit an Atemnot, die sich ständig verschlimmert hat. Vor vier Jahren waren ihre Lungen okay. Ich bin’s leid und bin schließlich mit zu dem Arzt in die Praxis gegangen.

Es ging u.a. darum, dass meine Frau bis Montag nur gekochten Haferbrei mit geriebenem Apfel essen soll und Diabetes-Medikamente nehmen, weil der Diabetes sehr heftig ist und das die schnellste Art ist, ihn runterzubringen. Habe ich den Arzt (Facharzt für Allgemeinmedizin) gefragt, ob der Hafer gekocht sein muss? „Also der wird gekocht.“ Ist das medizinische wichtig? „Also die Verträglichkeit ist besser.“ Ist das MEDIZINISCH von Bedeutung? „Die meisten Leute vertragen ihn so besser.“ Noch eine Runde drauf „Ist es m-e-d-i-z-i-n-i-s-c-h von Bedeutung?“Na, das schmeckt doch nicht.“. Ist die Frage so schwierig zu beantworten? Also medizinisch gibt’s da nix gegen. Aha…

Der Arzt würde meine Frau am liebsten eine Woche stationär unterbringen, um sie auf Diabetes und Herz durchchecken zu lassen. Zuerst war ich dafür. Also er empfiehlt eine Klinik in XXX, die sind spezialisiert auf Diabetes. Da gibt es auch Vorträge, was diese Krankheit bedeutet, Diätberatung und wie man mit BE umgeht. Meine Frau, ausgebildete Krankenschwester, muss unbedingt in einer Runde von absoluten Laien sitzen und sich anhören, was Diabetes bedeutet. Sie hat ja keine Ahnung. Ich hätte schreien können. Klar, haben die auch Kardiologie, aber eben nicht spezialisiert. Oder sie geht in YYY in die Kardiologie, die machen auch Diabetes, aber spezialisiert sind sie nicht.

Meine Frau scheut die Klinik. Ich war auch nicht mehr dafür. Arzt meint, Dyspnö könnte auch vom Diabetes kommen. Ich habe mindestens zwei-, wenn nicht dreimal gesagt. DIE ATEMNOT HATTE SIE AUCH IN DER ZEIT, ALS DIE DIABETESWERTE OKAY WAREN!!!!!!!

Also soll sie den Termin beim Kardiologen Dienstag doch besser wahrnehmen.

Dann ging es um das Blutzuckermessgerät. Ich habe rundheraus gesagt, dass meine Frau das erste in der Praxis umsonst bekommen habe, ob sie noch eines hätten? Na, die kosteten nicht viel und Privatpatienten bekämen das bezahlt. Ich gesagt: Meine Frau hat aber einen Selbstbehalt von 3500 Euro, da guckt man dann schon!!! Fand er nicht gut, weil er 2 Sätze weiter betonte, dass die ärztliche Verantwortung ihm wichtiger sei als (er meinte vermutlich das von meiner Frau, nicht sein) Geld. Mir ist die Gesundheit meiner Frau sicherlich auch wichtiger als Geld….

Dann kam er mit einem Leihgerät, seien aber keine Batterien dabei und ob es funktioniert, sicher sei er auch nicht. Auch kein Autocoding. Habe ich dann dankend über den Tisch geschoben.

Metformin und Januvia verschrieben. Und wenn die Apotheke das nicht hat? In Apotheke XYZ (15 Min zu Fuß, steil bergauf) ginge er davon aus, dass sie es hätten. Wir standen aber zufällig nicht vor XYZ. Wir sind dann in eine“neue“ Apotheke schräg gegenüber gegangen, 4 Schritte zu Fuß. Da bekamen wir ungefragt ein Gerät geschenkt und die Teststreifen für 27,50 statt 38 Euro (das ist günstig, ich hatte mich da schon erkundigt).

 

Krankenkassen

16. Okt. 2015: Privatpatienten

Wie wir alle wissen, gibt es mittlerweile eine Zweiklassenmedizin und die Privatpatienten können viel länger leben, weil sie von den Ärzten bevorzugt behandelt werden. Ich höre das oft genug, meist von Kassenpatienten, die angeblich 2000 Wochen auf einen Termin warten müssen, während Privatpatienten sofort einen bekommen und vieles andere mehr.

Offensichtlich kenne ich die falschen Ärzte. Ich bin seit Ende meines Studiums privat versichert – damals war es deutlich preiswerter für mich und einmal dabei, bleibt man ja bzw. mittlerweile kann ich gar nicht mehr wechseln, selbst wenn ich wollte. Als ich letztlich eine neue Zahnärztin wegen eines neuen Termins mit Beschwerden anrief, bekam ich einen Termin sehr kurzfristig, nur zwei Tage später. Am Telefon hatte mich niemand nach meinem Patientenstatus gefragt.

Ein Bekannter von mir muss regelmäßig zum Arzt wegen Kontrollen. Er sitzt im selben Wartezimmer wie die anderen Patienten, er wartet teils auch eine Stunde und mehr. Ihm hilft das Privatpatientendasein auch nicht.

Womit ich nicht bestreiten will, dass es durchaus Ärzte gibt, die einen Unterschied machen.

Letztlich las ich gar in einem Blog, dass die privaten Krankenkassen überhaupt für alles Übel in der Medizin (nun ja, wörtlich war es die Zweiklassenmedizin) verantwortlich sind. Wie bitte? Privatpatienten zahlen deutlich mehr als Kassenpatienten und von verschiedenen Seiten, die durchaus berufen sind, habe ich mir sagen lassen, dass vieles in der Medizin nur möglich ist, weil es Privatpatienten gibt, die eben reichlicher zahlen und so den Ärzten einen größeren Spielraum geben.

Aber solche Artikel werden sicher in einer Neidgesellschaft gerne gelesen. Würden die Kassenpatienten nämlich ALLE aufstehen und gehen, wenn sie länger als eine halbe Stunde warten müssen, könnten sie sogar ihre Ärzte erziehen. Das hat nix mit Kasse oder Privat zu tun.

Xylitol – Fortsetzung vom letzten Jahr

8. Juni 2015: Xylit – Xylitol: Der Selbstversuch

Ende November habe ich angefangen, einen Selbstversuch mit Xylitol zu starten, ich berichtete davon (hier): Dreimal täglich habe ich gründlich mit Xylitol gespült. Nun sind 6 Monate vergangen und ich kann mir ein Urteil darüber erlauben, was ich von Xylit halte.

Die Zähne waren sehr glatt, ohne Frage. Ich hatte den Eindruck, dass meine Zähne an ihrer empfindlichsten Stelle nicht mehr so leicht schmerzten, aber es war nicht völlig weg. Eine Weile hatte ich auch geglaubt, die Demineralisation an meinen oberen rechten Zähnen sei geringer geworden, dieser Trend setzte sich nicht fort, wenn er nicht überhaupt positiver Tagtraum war.

Vor ein paar Wochen nun bekam ich untypische Schmerzen an den Backenzähnen rechts unten. Die waren teils sehr unangenehm und ich begann doch, mir Sorgen wegen Karies zu machen. So habe ich dann für den 20. Mai noch schnell einen Nottermin wahrgenommen, bevor ich ein paar Tage wegfahren wollte. Eine neue Zahnärztin, die auf Anhieb einen sehr ruhigen (nicht 1000 Patienten) und kompetenten Eindruck machte. Sie hat sich u.a. die Zähne sorgfältig angesehen, eine Vitalitätsprüfung (Prüfung auf Empfindlichkeit / Leben der Zähne) gemacht und eine Röntgenaufnahme anfertigen lassen. Ergebnis: An den Zähnen selbst ist nichts (ein Stein plumpste mir vom Herzelein), aber ich habe eine chronische Zahnfleischentzündung. Das war ein Schock. Meine beiden Eltern und meine ältere Schwester hatten schwer Last mit Paradontose und ich habe immer alle Zahnärzte regelmäßig darauf angesprochen. Der vorige Arzt hat zwar auf die Bedeutung der professionellen Zahnpflege und Zahnpflege mit Zahnzwischenraumbürstchen etc. hingewiesen, aber nie erwähnt, dass ich da Probleme habe. Schon mal wieder eine große Enttäuschung in Sachen Arzt.

Ich habe nun die neue Ärztin auf die Zahnfleischentzündung angesprochen, wie das denn sein könne, ich würde doch seit längerem mit Xylit spülen. Pluspunkt für die Frau: Sie schlug schon mal nicht die Hände über dem Kopf zusammen. Xylitol, so erläuterte sie mir, hat eine gewisse Antikarieswirkung, aber auf Zahnstein und Parodontose überhaupt nicht, da helfe nur mechanisches Vorgehen. Sie empfahl mir noch einmal dringend die Zahnzwischenraumbürstchen und Zahnseide, außerdem das Elmex Gel. Ja, ich weiß, das ist mit Fluor… aber mir bedeuten meine Zähne sehr viel, und wenn selbst Ernährung und alle anderen Methoden nicht helfen, greife ich eben auch dazu.

Ein Urteil darüber, warum andere Menschen unter Xylitol wahre Wundergeschehnisse berichten, maße ich mir nicht an. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich leider nur berichten, dass in meinem Fall die Schulmedizin offenbar Recht hat, auch wenn mir das nicht gefällt 😉 Wenn meine Vorräte aufgebraucht sind, werde ich die Xylitol-Behandlung beenden.