Einwegbestecke

Irgendwie meine ich mich zu erinnern, dass Einwegbestecke und -geschirr verboten wurden. Aber es kann sein, dass es nur nicht mehr im nichtprivaten Raum gebraucht werden darf, dass es nur ums Geschirr ging oder dass das Datum des Inkrafttretens noch aussteht.

Prinzipiell begrüße ich diese Entscheidung. Dennoch – die heutigen Bestecke z.B. sind einfach superschön.

Lebensmittel im Müll

Kommentar vom 18. Mai 2011: Weltweit landet ein Drittel aller Lebensmittel im Müll

Der Titel meines Kommentars ist ein wörtliches Zitat aus dem Remscheider Generalanzeiger von gestern, also vom 17. Mai. Gekennzeichnet als Autor mit AFP. Ist das ein Mensch oder eine Agentur? Wer weiß das schon… Ich vermute mal eine Agentur, und der Artikel ist so belanglos, dass er ein guter Füller für die Vorderseite ist. Ich wusste gar nicht, dass schon Sauregurkenzeit ist.

Was mir als Erstes auffällt: Es werden die Begriffe Lebens- und Nahrungsmittel munter durcheinander geworfen. Journalistisch feines Arbeiten nennt man das wohl? Es sind ja nicht nur wir Vollwertler, die das zu unterscheiden wissen. Ich erinnere mich an die Anfänge meiner Arbeit als Übersetzerin, da war das mal am Telefon ein Diskussionsthema, dort wurde Wert darauf gelegt, dass wir in einem Text „food“ in einer Gebrauchsinformation für Patienten mit Nahrungsmittel übersetzen, und bitte keinesfalls mit Lebensmittel.

Ist das jetzt Wortklauberei von mir? Nein. Wenn ich nämlich diese Unterscheidung nicht treffe, kann ich das Ergebnis auch nicht bewerten. Unterschlagzeile: „Allein in Europa und Nordamerika verschwendet jeder Mensch bis zu 115 Kilogramm Nahrung pro Jahr“. Auch hier wird sprachlich wieder gehuddelt: Nahrung verschwenden ist auch, wenn wir uns 4000 Kcal zuführen, obwohl wir mit 1800 genauso gut hinkämen. Im Bemühen, sich nicht zu wiederholen, wurde jetzt also ein Synonym, ein bedeutungsgleiches Wort für „wegwerfen“ gesucht. Und voll in die falsche Kiste gegriffen. Es ist einfach ärgerlich, wie heute im Journalismus nur auf der Oberfläche geschrieben wird. Ist das egal? Nein, ist es nicht. Denn solcher Sprachgebrauch pflanzt sich dann ja fort, und wir werden immer ausdrucksärmer, weil alles dasselbe ist: ob wir verschwenden oder wegwerfen, ob wir Nahrungsmittel- oder Lebensmittel essen, ob wir verzehren, essen oder schlingen. Sprache bald degradiert zu simplen Piktogrammen.

Wenn ein Burger und drei Pakete Fertigkartoffelpüree auf dem Müll landen ist das für mich kein Skandal. Wenn aber ein Pfund Kartoffeln, das noch hätte gegessen werden können, weggeworfen wird, weil gerade so schöne neue Kartoffeln aus Ägypten uns anstrahlen, dann ist das für mich allerdings ein Skandal.

Unsere heißgeliebte Ministerin Aigner will aber jetzt dafür sorgen, dass die alltägliche Verschwendung des Wegwerfens gestoppt wird. Das liegt übrigens, so der Artikel im ersten Absatz, an den Verbrauchern, die schmeißen so viel weg. So so. Nee, stimmt, der Staat schmeißt nichts weg. Er verwaltet die Milch, das Getreide, den Wein in riesigen Bergen und Seen. Das ist sicher kein Verschwenden und kein Wegwerfen. Wie war das noch mit den Äpfeln, die tonnenweise ins Meer geschüttet wurde, weil sie niemand wollte? Gibt’s das heute nicht mehr?

Was tut die Frau Minister? Sie kündigt eine nationale Wegwerf-Studie an. HURRRAAAA!!! Eine Studie!!

Ich würde ja gerne mal Mäuschen in Frau Aigners Küche sein. Ob sie ihre Gemüsebrühe und ihr Kräutersalz auch selbst herstellt, um die Gemüseabfallproduktion zu reduzieren?

Wir werden zwecks Wachstum ständig auf Wegwerfen gedrillt. Beschwerte ich mich letztlich über ein verrostetes Abfallrohr, erklärte mir der Klempner: Na, nach 9 Jahren fährt Ihr Auto ja auch nicht mehr. Die Zyklen werden immer kürzer, in denen wir damit rechnen dürfen, dass Dinge halten. Aber wir bösen Verbraucher, wir sind es dann wieder alles Schuld mit den Lebens- und Nahrungsmitteln. Wir sollen bitte schön akzeptieren, dass unsere Autos nach drei Jahren auseinanderfallen – damit die Wirtschaft läuft -, aber die wunderbaren Müller-Milch-Produkte und Tütensuppen: aufbrauchen bis zum letzten Krümel ist angesagt!

Was für eine Perfidie! (Wikipedia: Als Perfidie (lat. perfidus = treulos, unredlich) beziehungsweise mit dem davon abgeleiteten Adjektiv perfide werden Handlungen einer Person oder Personengruppe bezeichnet, die vorsätzlich das Vertrauen oder die Loyalität einer anderen Person oder Personengruppe ausnutzen, um beispielsweise in geschäftlichen Beziehungen oder in militärischen Auseinandersetzungen einen Vorteil zu erlangen.)