Die Körnerfreaks

Kommentar vom 20. März 2011: AOK-Aktion

Auch wenn ich nicht Mitglied der AOK bin, kann ich doch sicher an deren Programmen teilnehmen? Ein aufmerksamer Leser schickte mir den Link zu einem Online-Zeitungsartikel zum neuen Frühjahrsprogramm der AOK. Es ist ja soooo sensationell (gähn), die AOK ruft zu drei vegetarischen Wochen auf: Fleisch und Co. sollen nicht nur aus dem Kühlschrank raus, nein, auch aus dem Kopf! Wow!

Rezepte dazu gibt es natürlich auch, und sie wurden zusammengestellt von AOK-Ernährungsberaterin Simone Mühling. Bitte fragt mich nicht, wieso sie für diese Funktion qualifiziert ist, vermutlich gehört sie zum Heer der nimmermüden Ökotrophologinnen 🙂 Ich weiß ja nicht, ob sie selbst diesen Artikel verzapft, ups, ich meine natürlich: verfasst hat oder jemand anderes, aber er ist voller wertvoller Erkenntnisse. So wusste ich ja noch gar nicht, das ich grobgestrickte Pullover tragen muss. Wie Ihr aus meinen Videos wisst, ist das nicht so mein Stil. Und auch meine Getreidemühle ist eher ein HighTech-Gegenstand als etwas, an dem ich drehen kann. Ihr wundert euch? Nun denn, hier bitte das Zitat: „ein paar grundsätzliche Bemerkungen zum Thema Vollwertkost: Auch heute noch fällt vielen bei diesem Stichwort in erster Linie der Körnerfreak im grobmaschigen Strickpullover ein, der ständig an der Getreidemühle dreht.“

Das ständige Drehen an der Getreidemühle erinnert mich irgendwie an einen Hamster im Laufrad. Was ich nur so toll finde: Wer hat denn wirklich diesen Artikel geschrieben? Dieses Bild des Vollwertlers stammt aus den 80er Jahren, das kennt doch heute kaum noch einer. Was aber nicht heißt, dass es sich offenbar doch wieder lohnt, es NOCH einmal aufzuwärmen. Merke: Vorurteile werden auch dadurch verbreitet, dass man sie abstreitet, aber kurz noch mal erwähnt. So im Stil „Ich habe ja nichts gegen blablabla, aber…“. Nun die AOK räumt natürlich mit diesen Vorurteilen gründlichst auf!

Wie tut sie das? „Die angebotenen Rezepte werden auch Skeptikern zeigen, dass vegetarische Ernährung nicht nur gesund ist, sondern sehr schmackhaft sein kann – und von Körnern mitunter weit entfernt ist.“ Warum muss eigentlich immer wieder erwähnt werden, dass vegetarische Ernährung sehr schmackhaft sein kann? Als ob alle nicht-vegetarische Ernährung automatisch schmackhaft ist. Als ich noch nicht-vegetarisch und nicht-vollwertig aß, kannte ich dennoch genügend Essen, das ich keineswegs schmackhaft fand. Wieso wird also immer so getan, als ob vegetarisches (vollwertiges) Essen lecker sein KANN, aber es erst einmal nicht ist? Diese Art der Formulierung ist die Verstärkung eines Vorurteils, nicht ihr Abbau. Ich sage immer gerne: Die Sprache ist eine der schärfsten Waffen!

Ich weiß auch nicht so recht, warum es so wichtig ist, dass Vollwertkost weit weg ist vom vollen Korn. Denn das schmeckt lecker und ist nebenbei auch noch gesund. Merkwürdig….

Ich darf einmal die beiden Rezepte nennen, die die Skeptiker begeistern sollen? „Tomaten-Pilz-Omelette oder Brokkoli-Gorgonzola-Topf„. Grandios, oder? Fällt euch was auf? Sicherlich – in beiden Rezepten natürlich Tiereiweiß. Und ich wüsste auch nicht, dass Tomaten und Brokkoli jetzt gerade Saison haben. In meiner Einfachheit dachte ich immer, Wurzelgemüse hat derzeit Saison. Wäre eine „Möhren-Kartoffel-Pfanne indisch“ oder eine „Linsensuppe mit frischen Möhrenstreifchen“ nicht sogar noch gesünder, saisonal und auch etwas phantasievoller als diese ewigen Vegetarier-Omelettes?

Falls Frau Mühling, die Rezeptfee, diesen Artikel je lesen sollte: Ich möchte Ihr auf den Kopf zusagen, dass sie keine Vegetarierin ist. Und wenn – dann allenfalls eine Puddingvegetarierin, denn einen solchen Blödsinn lässt sich niemand einfallen, der wirklich was von gesundem und leckerem Essen versteht.

Und nun noch meine Quelle: hier

Eine schöne Belohnung

Kommentar vom 23. April 2010: „Zucker als Belohnung“

Ist das nicht eine tolle Überschrift? Zu finden am 21. April in meiner Tageszeitung. Es war im Lokalteil und handelte sich um eine Aktion, bei der Schüler einer Grundschule Apfelküchlein backen.

Eine Frau Dr. Scharwächter hatte den Kindern mehrere Theoriestunden zum Thema „gesunde Ernährung“ gegeben. Die Frau ist Patenschaftsärztin dieser Grundschule, welche Fachrichtung wird also nicht genannt. Und wo sie ihre Ernährungskenntnisse her hat, auch nicht. Wobei dies ein frevelhafter Gedanke von mir ist, habe ich etwa vergessen, dass Ärzte alles, einfach alles wissen? Der weiße Kittel heißt ja schon „allwissend“, oder?

Bei der Zubereitung der Apfelküchlein, deren Gesundheitswert mir jetzt so auf Anhieb nicht verständlich ist, aber ich bin ja auch nur eine Vollwertlerin, halfen dann auch noch Kochprofis aus Remscheider Restaurants. Die spendierten auch die Zutaten! Hoffentlich haben sie das Glutamat nicht vergessen.

Und wer steckt letztendlich hinter der Aktion? Die AOK. Eine Krankenkasse, oder wie man sagen könnte: eine aus der Reihe der Krankmacherkassen. Frau Dr. Scharwächter erspart uns auch nicht ihr revolutionäres Konzept: „Bevor die Kinder später zuckerkrank werden, wollen wir lieber frühzeitig das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung schärfen.“ Genial, nicht wahr? Und das mit Apfelküchlein, nicht etwa mit Salat oder einer netten Obstspeise. Und was die Kinder hier lernen, erfahren wir auch: „Obwohl die meisten Schüler noch nie zuvor einen Apfel geschält haben, schlagen sie sich erstaunlich gut.“ Da musste ich allerdings erst dreimal schlucken. Wieso ist das bedauerlich? Das klingt für mich so, als wenn die Kinder bis dato so klug waren, die Äpfel ungeschält zu essen. Aber das treibt ihnen Frau Dr. Scharwächter jetzt endlich aus. Bloß nicht die böse Schale mit in die wertvollen Küchlein tun. Übrigens: Die Äpfel für meine Kuchen sind stets ungeschält und haben meist auch noch das Kerngehäuse, darüber hat sich noch niemand beschwert. Vielleicht sollte ich auch mal in die Grundschule gehen, um Apfelschälen zu lernen?

Es gibt aber auch „gute“ Kinder. Eines erzählt z.B., dass es zu Hause hilft. Jan-Luca hilft immer bei den Rouladen. Prima!

Der letzte Absatz aber hat mich richtig böse gemacht. Deshalb zitiere ich ihn hier vollständig: „Dass sich am Ende trotzdem alle Nachwuchsköche Zimt und Zucker auf ihre Pfannkuchen streuen dürfen, haben sie sich verdient. [Frage: In was für Fett wurden die wohl gebraten? Mit welchem Mehl gemacht?] ‚Heute ist schließlich ein besonderer Tag‘, sagt Dr. Scharwächter.“

Ich frage euch: Was für eine Lehre in Sachen Ernährung können Kinder ziehen, wenn sie als Belohnung (!!!!) dann Zucker bekommen? Schade eigentlich, dass die gute Frau Dottore nicht gleich noch ein paar Zigaretten rumgereicht hat. Aber das kommt vielleicht erst im nächsten Stündchen, wenn die Kinder gelernt haben, wie man ein paniertes Schnitzel in Billigöl vom Discounter brät.

Was wissen Ärzte von der Galle?

Kommentar vom 26. März 2010: „Vigo und Gallensteine“

Wer meinen Vollwert-Lebenslauf kennt weiß, dass ich über eine Gallenerkrankung, nämlich Gallensteine, zur Vollwerternährung gekommen bin. Immer noch lese ich gerne alles darüber, was ich so finde. Das war auch ein Grund, warum ich mir die Vigo eingesteckt hatte, das Hauptthema zu Remscheid lautet nämlich „Die Gallenspezialisten“. Mein Lieblingsartikel steht auf Seite 3, „Gallensteine: Wen es treffen könnte und wie sie entstehen“.

Ich sag’s mal gleich ganz direkt: Ein Haufen Fehlinformationen wird uns hier serviert, garniert mit ein paar statistischen Wahrheiten, wie z.B. dass die meisten Gallensteine bei Frauen beobachtet werden. Dr. Andreas Leodolter, Chefarzt der entsprechenden Abteilung des Sana-Klinikums in Remscheid, weiß auch gleich etwas dazu zu sagen: „Man nimmt an, dass das hormonell bedingt ist“.

Was für eine unverantwortliche Behauptung! Wir können bei Bruker sehr plausibel nachlesen, dass Gallensteine zivilisations-, d.h. ernährungsbedingte Erscheinungen sind. Was für mich schon dadurch bewiesen ist, dass ich nach der Kostumstellung kaum noch Probleme habe. Hormonelle Ursache ist natürlich viel bequemer für den Kranken: Da muss er nicht durch Überdenken seiner Lebensweise und Ernährung Verantwortung übernehmen, sondern kann sich zurücklehnen und bei einem Stück Torte sagen: Tja, meine Hormone, was soll ich machen?

Und auf die Frage, ob man sich überhaupt vor der Entstehung von Gallensteinen schützen kann, sagte der Facharzt: „Einen direkten Schutz gibt es nicht“.

Sagt der Mann absichtlich das Falsche, kennt er die Zusammenhänge nicht oder kann es wirklich sein, dass ihm Dr. Brukers Bücher nie als ernstzunehmende Lektüre in die Hand gekommen sind? Hat er jemals die Entwicklung von Gallenkrankheiten unter Vollwerternährung überhaupt nur einmal ausgetestet, bevor er seine Waffel hier so großartig aufreißt? Aber auch dieses „sich nicht schützen können“ ist natürlich herrlich verantwortungsenthebend. „Ich werde krank, aber Technik und der Onkel Doktor <gläubiger Blick bitte> werden es schon richten….“.

Ich habe dann die Vigo entsorgt. Sonst bekomme ich nämlich trotz gesunder Ernährung Probleme mit meiner Galle, die sich gerade krümmt vor Ärger 😉

Kinderfrühstücke von der AOK

Kommentar vom 25. März 2010: „Kinderfrühstück“

Apothekenbesuche sind doch immer wieder eine Freude, weil da viel Material herumliegt, das wir kostenlos mitnehmen können. Vierfarbig gedruckt, auf bestem Papier ist auch die Vigo, die aktuelle Apothekenzeitung der AOK Rheinland/Hamburg. Komisch, dass der Druck solch aufwändiger Zeitungen niemals als Sparfaktor in irgendwelchen Gesundheitsreformen auftaucht.

Vigo hat auch eine Kinderseite „Jolinchens Welt“ mit lustigen Bildern, Rätseln, Infos und Witzen. In der März-April Ausgabe gibt es dann ein Frühstück, das haha wie lustig „Frühlingshaftes Drachenfrühstück“ genannt wird. Warum Drachenfrühstück? Keine Ahnung. Auf dem Foto sehen wir ein blasses Kind, das mit blasser Hand einen Esslöffel dieses Frühstücks in den weit geöffneten Mund führt. Links steht „Mach mit!“. Das alles auf lindgrünem Hintergrund gedruckt, noch zwei kleine Fotos je von einem Apfel (natürlich ein Granny Smith) und einer goldgelben, aufgeblätterten Banane. Da hat die Werbeagentur ja wieder richtig zugeschlagen, so viel jugendliche Gestaltung…. ob die das umsonst machen oder für das Geld, das durch Krankenkassenbeiträge hart arbeitenden Menschen aus der Tasche gezogen wird?

Da ich heute masochistische Anwandlungen hatte, habe ich mir das Rezept für 2 Portionen durchgelesen:

1 Apfel, 1 Banane, 1 Mandarine, 1 EL Zitronensaft, 1 EL Haferflocken, 1 TL Leinsamen, 1 TL Honig, 1 EL Cranberries oder Rosinen, 200 g fettarmen Naturjoghurt (1,5 % Fett), 1/2 Tasse fettarme Milch, 1 EL gehackte Nüsse.

Bei so vielen fettarmen Zutaten wundert es mich wirklich, dass ein ganzer Esslöffel Nüsse verwendet wird. Hätte nicht ein Teelöffel für die lieben Kleinen auch gereicht? Warum eigentlich noch fettarmer Joghurt, es gibt doch auch diese wunderbaren Produkte mit 0,5 % Fett oder weniger.

Warum sind eigentlich die Krankenkassen immer die letzten, die gesundheitliche Erkenntnisse propagieren? Warum schon Kinder auf den Fettlos-Trip stoßen, statt sie mit natürlichen Lebensmitteln zu ernähren? Warum muss der Honig in das Müsli, warum können die Kinder nicht erst einmal probieren, ob ihnen ein Müsli auch so schmeckt? Ups, wie dumm von mir – mit dem sauren fettlosen Joghurt muss ich natürlich einen Geschmackspepp hineinbringen.

Unten auf der Kinderseite zwei kleine Witze. Damit die Kinder schon früh lernen, was sie vom fleischlosen = vegetarischen Essen zu halten haben, bekommen sie folgenden Witz serviert:

„Und Sie leben tatsächlich nur von Gemüse? Sie sind also ein ausgesprochener Vegetarier?“ „Ach Quatsch, ich bin Gemüsehändler“.

Wie witzig. Welches Kind wird da noch sagen: Ja, meine Eltern sind aber Vegetarier…