Endlich wieder… der Seniorenratgeber

1. Sep. 2016: Doppel-Effekt

Ich greife heute zurück auf das Editorial des Seniorenratgebers vom Juli 2016. Berichtet wurde dort, dass Gesundheit etc. besser sind, wenn Menschen im Alter mit einem Partner zusammenleben. Das ist nichts Neues. Die kleine Zwischen-Schlussfolgerung finde ich ein wenig abenteuerlich. So bekommen wir Dinge suggeriert, die eben durch nichts bewiesen werden. Frau Claudia Röttger schreibt als Chefredakteurin:

„Vermutlich hilft uns eine enge emotionale Bindung dabei, mehr auf uns zu achten.“ Hier war ich schon ein wenig unsicher. Man könnte genauso gut sagen, dass eine Zweisamkeit statt Einsamkeit die Stimmung hebt, was wiederum das körperliche Befinden positiv beeinflusst. Das ist auch weit weg von Esoterik und allgemein bekannt. Aber nein, sie fährt fort: „.. Vorsorgetipps vom Arzt oder Apotheker auch zu beherzigen und selbst langwierige Therapien durchzuhalten.“

Also wer das glaubt, scheint mir ein wenig einfach gestrickt. Vorsorgetipps vom Arzt oder Apotheker, nee, klar, die machen uns gesund. Sowas glauben, ist eine Sache. Aber so etwas zu schreiben, ist schon…. nun ja. Was soll man auch als überzeugte Apothekerin in einer von Apotheken finanzierten Zeitschrift sonst vielleicht sagen? Eine Lösung wäre – nichts. Einfach nur Fakten vorstellen 🙂

 

Angst vor den Keimen?

22. Feb. 2016: Sauber, sauber

So lautet die Überschrift eines kleinen Artikels im Senioren-Ratgeber vom Februar 2016, Seite 12. Und dann kommt’s:

„Messer, Reibe, Schäler. Küchenhelfer sollte man nach jedem Arbeitsschritt mit heißem Wasser und Spülmmittel abwaschen“. So empfohlen von Forschern aus den USA, denn Keime könnten sonst leicht von einem Lebensmittel auf das andere geschleppt werden.

Na, das ist doch endlich mal wieder eine Meldung nach meinem Herzen. Wir erfahren nicht, in welcher Klein- oder Großstadt die Forscher sitzen, wie sie das festgestellt haben, wer sie bezahlt hat – und vor allem wird ähnlich wie bei den Tests von Tastaturen mal wieder mit keinem Wort erwähnt, wie hoch die Krankheitsrate deshalb ist. Also wie viele Menschen sind denn in den letzten 10 Jahren an Keimen gestorben, die sie von ihrem Küchenmesser auf die Reibe verschleppt haben? Wie viele Personen sind deshalb erkrankt, sei es auch nur leicht? Oder sind die Keime zwar da, aber sie schaden niemandem?

Keime sind überall und wer Keime meiden will, sollte möglichst gar nicht erst ins Freie gehen und Essen auch nur aus sterilen Behältern mit Einmal-Strohhalm nuckeln. Es interessiert mich nicht die Bohne, wie viele Millionen Keime auf meiner Küchenreibe sitzen, solange mir nicht jemand beweisen kann, dass sie mir auch schaden 🙂

Eine tolle neue Essensrichtung!

Beim Frühstückskakao las ich den neuesten Senioren-Ratgeber (3/2015), gehört zum Verlag der Apotheken-Umschau 🙂 In der Rubrik Essen und Trinken werden verschiedene Essensrichtungen kurz erklärt. Eine, den Titel verrate ich noch nicht, erhält folgende Beschreibung (Seite 60):

„XXX setzt auf natürliche, vollwertige Nahrungsmittel. Stark verarbeitetes und industriell Gefertigtes sind tabu. Es ist eigentlich nur ein anderes Wort …“

Wie würden wir da ergänzen? Ich würde automatisch „für Vollwerternährung“ sagen. Aber der Seniorenratgeber ergänzt anders „.. ein anderes Wort dafür, regional und saisonal zu essen, am liebsten Produkte vom Erzeuger. Das haben bis vor 100 Jahren alle gemacht.“

Hä? Wie bitte? Klingeln irgend jemandem bei „vor 100 Jahren“ die Ohren? Mir auf jeden Fall. XXX steht übrigens für „Clean Eating“, das hier erklärt werden soll.

Aha. Vollwerternährung klingt zu angestaubt, irgendwie so… deutsch? Da muss was schickes Englisches her. Clean Eating. Klingt gleich so sauber, hygienisch und gesund. Und den Übergang zu saisonal und regional finde ich… berauschend 😉

Sonntags mit der Apotheken-Umschau

1. März 2015: Nudeln mit Zwiebelgemüse

In der A-Ausgabe Februar 2015 der Apotheken-Umschau entdeckte ich ein Rezept, das mich faszinierte (S. 90). Sofort dachte ich: Das geht auch vollwertig, und das geht auch ohne Fett! Daraufhin habe ich es in meiner VWK-FoK-Gruppe in Facebook zu einer Aufgabe gemacht. Die Mitglieder der Gruppe bekamen entweder das Originalrezept, um sich auch etwas dazu auszudenken, oder meine Version, wenn sie noch Anfänger im „Umwandeln“ waren. Auch Muffinluff hat an dieser Aktion teilgenommen, ihr Rezept hat sie bereits vorgestellt, nämlich: hier. Faszinierend, wie eine Vorgabe zu so unterschiedlichen Lösungen führt.

Ich fand das Ergebnis meiner Variante sehr lecker. Normalerweise bereite ich Nudeln mit Soße zu – hier war alles gemischt, aber nicht viel Soße. So können „normale“ Rezepte prima unsere Küche bereichern.

Linguine mit Zwiebeln und Radicchio

6710

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Studien, ja gerne!

24. Oktober 2014: Studien und Apotheken-Umschau

Also ich habe in den letzten Jahren viel darüber geschrieben, wie – und hier habe ich die Apotheken-Umschau und ihre „Unter-Blätter“ gerne als Beispiel genommen – Studien sinnlos vorgestellt, schlecht interpretiert und gar nicht hinterfragt werden.

Dafür muss ich mich entschuldigen. Ich las nämlich den Seniorenratgeber 10/2014 und stieß auf Seite 8 auf eine überaus wichtige Meldung:

„Bei einer Langzeitstudie mi 16.000 älteren Frauen stellten die Wissenschaftler unter den Nussgenießerinnen eine bessere geistige Fitness fest.“

Ey, ich sag’s doch immer! Mir soll noch mal einer kommen und sagen, ich solle endlich weniger Nüsse essen. Diese Studie hat Recht, ich bin dem Seniorenratgeber dankbar, dass er das veröffentlich hat. Es interessiert mich auch nicht, was hier mit ältere Frauen gemeint ist, ich zähle mich mal kurz dazu. Es interessiert mich auch nicht, warum das nicht an Männern oder Kindern getestet wurde. Hauptsache ist doch, dass das Ergebnis der Studie meine Vorlieben kräftig unterstützt.

Und entschuldigt bitte, wenn ich ein bisschen unverständlich klinge – ich habe mir gerade mit gutem Gewissen den Mund mit Nüssen vollgestopft 🙂

Wechseljahre… in der Apotheken-Umschau

27. September 2014: Wechseljahre

Gerne schimpfe ich ja über die Apotheken-Umschau (A-U), und letztlich wurde mir noch vorgeworfen, es sei unverständlich, wieso ich mich über eine Zeitschrift ereifere, die von der Pharmaindustrie bezahlt werde und Bild-Zeitungsniveau habe.

Dazu möchte ich erst einmal kurz hier Stellung nehmen. Die Apotheken-Umschau finanziert sich aus Werbung – Werbung von der Pharmaindustrie, richtig – und von den Apotheken, die für jedes Exemplar 50 Cent bezahlen müssen (Quelle: Wikipedia, Stichwort Apotheken-Umschau). Das ist aber etwas anderes, als wenn sie von der Pharmaindustrie bezahlt wird. Natürlich entsteht dadurch eine gewisse Abhängigkeit, aber wer wird denn auch von einer Apotheken-Umschau erwarten können, dass sie gegen Pharmazie eingestellt ist? Das ist so, als würden Leser meines Blogs erwarten, dass ich die Vollwertkost verteufle. Und eine gewisse Einstellung bedeutet auch nicht gleichzeitig ein niedriges Niveau. Ich sehe das also durchaus etwas differenzierter.

Ich lese die A-U regelmäßig und ich habe bisher nicht finden können, dass sie im Niveau unter den üblichen Tageszeiten liegt, die z.B. auch gerne Statistiken und Zahlen ohne Hintergrund oder mit falschen Interpretationen vorlegen. Und auch angeblich niveauvollere Zeitungen und Zeitschriften machen vor solchen journalistischen Patzern keinesfalls Halt.

Gelegentlich tauchen in der A-U auch Reportagen auf, die ich persönlich für erhellend und ausgewogen halte. Nicht immer schreibe ich dann: Aufgepasst, die A-U hat mal wieder einen vernünftigen Artikel. Das macht einfach nicht so viel Spaß, als das Messer der Ironie an einen Artikel anzusetzen oder auch mögliche Neuinterpretationen von Zahlen anzubieten.

Gerade in der Ausgabe vom 15. September 2014, die ich gestern im Briefkasten vorfand (eine Freundin bringt sie mir regelmäßig vorbei), fand ich wieder einen solchen Artikel. Das Thema ist „Wechseljahre“ und ich hatte mich innerlich schon auf Konfliktmaterial eingestellt 🙂 Zu meiner Überraschung fand ich einen wiederum recht ausgewogenen Artikel vor. Schon die Fotos auf der Vorderseite sind nicht so schlimm, wie ich sie bei diesem Thema gewohnt bin (faltenlose Frauen). Okay, natürlich sitzen sie bei einem Milchkaffee und einem Stück Pflaumenkuchen zusammen. Okay, natürlich sind sie zurechtgemacht, haben perfekte Zähne und gefärbte Haare. Aber ihre Gesichter sind nicht völlig aus der Altersgruppe entfernt, und auch kleine Altersflecken an den Händen deuten auf ein „echtes Alter“.

Auch inhaltlich geht das so weiter. Zum ersten Mal habe ich etwas gelesen, was ich selbst so erfahren habe: Dass nämlich nicht die meisten Frauen an Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen usw. leiden, sondern einige. Das ist ja ein großer Unterschied. Ganz ausdrücklich steht dort, dass die meisten Frauen ohne Beschwerden diesen Lebensabschnitt durchlaufen. Ein Zitat als Beispiel: „Jetzt ist es für Frauen besonders wichtig, sich viel zu bewegen und vollwertig zu ernähren.“ Okay, es ist nicht „unser“ Begriff der Vollwertigkeit, aber das Wort wird genannt!

Es gibt einige Dinge, wo ich widersprechen würde. Aber wo würde ich das nicht? 😉 Insgesamt aber hebt sich der Artikel positiv von vielem ab, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.

Ernährung in der Apotheken-Umschau

26. September 2014:  Ernährung ist wichtig,

…. weiß auch die Apotheken-Umschau jetzt (A-Ausgabe September).

Die September (A-)Ausgabe der Apotheken-Umschau ist eine wahre Fundgrube. So viele Studien werden (mal wieder falsch oder gar nicht interpretiert) vorstellt. In einem Artikel stolperte ich über eine interessante Aussage zum Zusammenhang von Ernährung und Akne. Ich zitiere den Abschnitt und … na, was fällt euch auf???

„Dass die Art der Ernährung bei Akne eine wichtige Rolle spielt, habe man lange Zeit unterschätzt. Laut Gollnick liegt das an einem Fehler einer US-amerikanischen Studie von 1969. Diesen habe man erst nach über 30 Jahren entdeckt. Heute wisse man, dass vor allem der übermäßige Konsum von Kohlenhydraten Auswirkungen auf die Haut hat. Das gilt zum Beispiel für stark gezuckerte Frühstücksflocken oder Fast Food – ‚alles, was die Bauchspeicheldrüse unter fürchterlichen Stress bringt‘, sagt Gollnick.“ (Professor Dr. med. Harald Gollnick, Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie der Otto-von-Guericke-Universität).

Ich finde das beachtlich, dass jemand heute – im Jahr 2014 – den Begriff „Kohlehydrate“ so munter verwendet, ohne zwischen stark bearbeiteten und natürlichen Dingen zu unterscheiden. Aber noch 45 Jahre, und die Prof. Gollnik und die Apotheken-Umschau werden das auch entdeckt haben 🙂 Wobei ich Gollnik nicht Unrecht tun möchte, vielleicht ist der Satz aus dem, äh, Zusammenhang gerissen.

Gewalt

22. September 2014: Wir lernen etwas über Frauen und Gewalt

Frauen sind gewaltbereiter in Beziehungen als Männer. Jawohl. Eine britische Studie hat es bewiesen.

So nachzulesen in unser aller Lieblingsblatt, der Apotheken-Umschau, A Ausgabe September, Seite 6.

„Gegenüber ihrem Partner verhalten sich jüngere Frauen häufig aggressiver als Männer – in Worten und Taten“. Um das festzustellen, haben englische Wissenschaftler 1104 Studierende „zu ihrem Verhalten gegenüber Partnern und Freunden befragt.“ […] „Je kontrollierender die Frau war, desto häufiger kam es bei beiden Geschlechtern zu körperlicher Gewalt. Die Männer neigten eher gegenüber anderen Männern zu Aggressionen.“

Ist das nicht wieder spannend? Einmal frage ich mich, warum denn hier gerade nur Studierende befragt wurden. Auch wüsste ich gerne, wie viele von den 1104 Befragten Männer, wie viele Frauen waren. Dass das ausgewogen war – kann ich nur vermuten und hoffen. Was ich aber besonders lustig finde, ist, dass die Ergebnisse aus Befragungen stammen.

Eine andere mögliche Interpretation, statt einfach die Frauen als aggressiver darzustellen, wäre auch, dass Männer sich der Aggressionsproblematik gegenüber Frauen bewusst sind und sie daher nicht so schnell zugeben. Was ist im übrigen mit „kontrollierende Frauen“ gemeint? Solche, die – lapidar gesagt – zu Hause die Hosen anhaben, oder solche, die die Jackentaschen ihrer männlichen Partner durchzusuchen?

Auch fände ich es wünschenswert, die körperliche Gewalt zu stufen. Ist ja vielleicht doch ein Unterschied, ob ich schnell – sagen wir einmal nach 5 Minuten – bereit bin, meinen männlichen Partner ein Kissen an den Kopf zu werden, während er mir nach 10 Minuten mit der Brechstange eins über die Rübe gibt? Dann wäre ich auch schneller aggressiv, räusper….

Ach ja, die Vorstellung von wissenschaftlichen Studien und ihren Ergebnissen in den normalen Medien bleibt ein Kreuz, weil die Journalisten offenbar ihre Gehirne vorher ins Tiefkühlfach zur Ruhe gelegt haben.

Ich senke mein Risiko!

18. September 2014: Kein Schlaganfall mehr!

Im Seniorenratgeber vom September las ich auf Seite 9 einen kleinen Artikel mit der Überschrift „Bunt gegen Schlaganfall“. Demnach haben chinesische Wissenschaftler festgestellt, dass „schon 200 Gramm mehr Obst am Tag – zum Beispiel ein Apfel – […] das Schlaganfall-Risiko um mehr als 30 Prozent [senken]“.

Ey, das ist ja super. Nee, ich meine echt gut.

Wenn ich zum Beispiel ein Schlaganfallrisiko von 50 % habe (ich will ja nicht gleich aufs Schärfste gehen), kann ich mit einem (größeren) Apfel mehr am Tag das Risiko auf …. ja, auf was denn senken? Auf 20 %? (einfach 30 % abziehen) Auf 35 %? (Von den 50 % kurz 30 % runternehmen, also 30 % von 50 % = 15 %). Ich nehme mal an, gemeint ist der zweite Rechenweg. Ist aber egal, schön ist das auf jeden Fall.

Wenn ich nun mit meinem 35 %-Risiko noch einen Apfel mehr am Tag esse, habe ich nur noch ein Risiko von 24,5 %.
Die große Frage an Mathematiker ist nun: Wie viele Äpfel muss ich essen, um mein Risiko auf 0 % zu senken? Nach 24,5 % kommen 17,15 %, dann 12 %, dann 8,40 %, dann 5,88 %, dann 4,11, dann 2,88, dann 2,0; 1,41; 0,98; 0,69; 0,48; 0,34; 0,24; 0,17; 0,12; 0,08; 0,06; 0,04; 0,03; 0,02; 0,01; 0,014; 0,009; 0,006; 0,004; 0,003; usw. Also bei 27 Äpfeln bin ich ja praktisch bei Null. Wer sich noch an die Mathematik erinnert: So richtig Null wird das in der Theorie nie, aber wir sind ja praktisch denkende Menschen.

Okay, ich esse also 27 Äpfel am Tag. Das sind 9 große Äpfel zu jeder Mahlzeit. Wohl eher statt jeder Mahlzeit, denn nach 9 großen Äpfeln sind wohl selbst Fresssäckchen satt. Das ist natürlich lächerlich, ja, klar – denn ob wir nun ein Schlaganfallrisiko von 2% oder 0,003 haben, macht in der Praxis nicht wirklich etwas aus. Also 8 Äpfel am Tag machen schon ziemlich gesund. Senken ein Schlaganfallrisiko von 50 % auf 2 %. Toll.

Und das Tollste ist – selbst wenn ich nur 3 große Äpfel am Tag esse (ich kann natürlich auch 1 Birne, 1 Apfel und 1 Stück Melone nehmen, das ist weniger eintönig) bin ich schon nur noch bei einem Restrisiko von 12 % statt 50 %. Das ist wirklich wunderbar.

Und das Wunderbarste ist, dass ich sonst meine Ernährung offenbar gar nicht ändern muss. Morgens Rührei mit Speck, danach ein Apfel. Mittags Chicken MacNuggets mit einem Cheeseburger und einem Apfel. Und abends dann Makrelen aus der Dose mit Bratkartoffeln und Spiegelei, zum Trinken ½ Liter Olivenöl und – bloß nicht vergessen! – ein Äpfelchen von 200 g.
Übrigens: Wenn mein Schlaganfallrisiko bei 100% liegt… reichen schon 2 Äpfelchen mehr, um auf diese Prozentzahl zu kommen!!

Womit ich nichts wirklich gegen diese Studie sagen will. Sicher senkt ein Mehrverzehr an Obst (und Gemüse) solche Risiken beträchtlich. Aber es ist immer ein Fehler, solche Ergebnisse isoliert und ohne Zusammenhang zu betrachten. Und das passiert sehr häufig bei der Übertragung von wissenschaftlichen Ergebnissen in die Laienpresse. Ein sehr schönes Beispiel aus dem Amerikanischen für die Verdrehung von wertfreien Resultaten findet Ihr z.B.: hier.

Unser Bundesgesundheitsminister

11. September 2014: Interview in der Apotheken-Umschau

Ey, diese September-Ausgabe (A-Ausgabe) der Apotheken-Umschau, ich raff es nicht, ist voller Bonbons für mich bzw. auch euch. Ihr werdet in den nächsten Wochen noch 3 Beiträge dazu finden. Hier kommt der erste, nämlich ein Interview mit Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Zum Verständnis dieses Interviewtextes erst einmal kurz etwas zu dem Begriff „Rabattverträge“. Wer den Begriff nicht kennt, kann sich bei Wikipedia grob schlau machen: hier http://de.wikipedia.org/wiki/Arzneimittel-Rabattvertrag. Kurzgesagt geht es darum, dass aufgrund von Verträgen von Krankenkassen mit Pharmaunternehmen günstige Preise vereinbart werden, was sich bei Verträgen mit wechselnden Pharmafirmen eben so äußern kann, dass die Patienten zwar denselben Wirkstoff, nicht aber dasselbe Präparat bekommen. Und die können sich optisch (und auch in einigen Eigenschaften, wovor die Krankenkassen leider immer die Augen verschließen, wie z.B. Bioverfügbarkeit) unterscheiden.

In dem angesprochenen Artikel geht es „über Reformen bei Kliniken, die Zukunft der Pflege und die Rolle der Apotheken.“ Da gibt es auf Seite 21 eine wunderbare Passage. Die A-U fragt: „Eine neue Studie zeigt, dass Farb- oder Formänderungen bei Tabletten die Therapietreue schwächen. Halten Sie trotzdem an den Rabattverträgen mit wechselnden Arzneimitteln fest?“

Der Minister antwortet:
„Ich glaube nicht, dass die Therapietreue unter den Rabattverträgen leidet“. Und dann reagiert er nicht weiter auf diese Frage.

Ich meine, das ist ja eine Antwort, die wirklich eines Ministers würdig ist. Er GLAUBT es nicht. Er hat keine Zahlen, nicht einmal verfälschte, er hat keine Argumente, er hat nur seinen Glauben. Es wäre schön, wenn er den dann in der Kirche gelassen hätte.
Da fehlen mir die Worte, echt. Ich glaube, ich bin im Wald…. (oder sitze ich doch in einem Zimmer?)
Das Zweitschärfste neben dieser völlig unqualifizierten Antwort aber finde ich, dass die A-U nicht nachhakt. Das ist nicht mal Schülerzeitungsniveau, sorry!