Gute Waffe gegen Diabetes

21. Juni 2014: Joghurt gegen Diabetes

Im Senioren-Ratgeber, der ja aus demselben Haus stammt wie die hier allseits beliebte Apotheken-Umschau, können wir auch wieder die tollsten kritischsten Beiträge lesen. So wie in der Ausgabe 6/2014 auf Seite 12 mit der Überschrift „Joghurt gegen Diabetes“.

Satz 1:
„Gesundheit zum Löffeln: Fettarmer Joghurt senkt offenbar das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.“
Man beachte hier das hübsche Wörtchen „offenbar“. Um die Bedeutung dieses Wörtchens zu illustrieren, setze ich es mal in einen Allerweltssatz ein: „1 plus 1 ist offenbar 2“. Stört das Wort da? Und wenn ja, warum wohl? 🙂

Satz 2:
„Darauf deutet eine britische Langzeit-Untersuchung über elf Jahre hin.
Aha, das sind natürlich Informationen, die das  enorm glaubhaft und transparent (durchschaubar) machen. Ich meine – elf Jahre ist eine lange Zeit. Sicher hat man 2000 Personen in zwei Gruppen geteilt, alle haben elf Jahre lang streng vorgeschriebene Kost zu sich genommen, die sich nur im Joghurt-Gehalt unterscheidet. Oder aber diese untersuchten Menschen haben unter Anwendung eines Lügendetektors ihr Essen detailliert aufgeschrieben. Ohne Gedächtnislücken. Schade, dass mein Lieblingswort „Studie“ hier durch „Untersuchung“ ersetzt wurde.

Satz 3:
Auch Hütten- und Frischkäse mit wenig Fett haben demnach einen vorbeugenden Effekt.“
Das ist jetzt hochinteressant. Hat man die 2000 Versuchskaninchen (denn ob die Studien bei Menschen, Ratten oder Mäusen durchgeführt wurden, hat uns auch noch niemand verraten) nun auch noch zusätzlich zum Joghurt mit Hütten- und Frischkäse – alles supermager – gefüttert? Wie war das nun mit den 2000 Probanden (= Studienteilnehmern): 1000 bekamen keine Milchprodukte, 1000 dieselbe Nahrung aber zusätzlich Magerjoghurt, -Hütten und -Frischkäse? Oder bekamen 500 die tiereiweißfreie Ernährung, 500 Joghurt hinzu, 500 Hüttenkäse hinzu und 500 Frischkäse?

Satz 4:
Über die Gründe rätseln die Forscher noch.“
Echt? Das erstaunt mich aber nun. Ich rätsel nicht so sehr an den Gründen, sondern an der Durchführung. Ich möchte nämlich gerne mal 500 Joghurtkandidaten mit 500 Tiereiweißfrei-Kandidaten vergleichen. Aber das interessiert Forscher natürlich nicht. Und die Milchindustrie ist an diesen Untersuchungen und ihren objektiven Ergebnissen auch sicher ganz wertfrei interessiert.

Britische Untersuchung… An einer Universität, in einer Schule? Finanziert vom Staat, der Milchindustrie, einer veganen Vereinigung oder wie? Was glauben wir da wohl?

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Lange nicht mehr gelesen: die Apotheken-Umschau

3. Mai 2014: Beeren für unsere Gesundheit, schön teuer bitte

Wunderbeeren…

Im Diabetes-Ratgeber fand ich in der April-Ausgabe einen Artikel, dem ich ausnahmsweise mal stetig mit dem Kopf nickend zustimmen konnte.

Endlich mal jemand, der klar macht, dass diese ganzen Wunderdinge wie Goji, Acerola, Aronia usw. vielleicht als frische Früchte einen guten Gehalt an Vitalstoffen halten, wir den entsprechenden Bedarf aber mit heimischem Obst und Gemüse genauso gut decken können. So lese ich daher mit großer Freude Sätze „Zudem weisen Experten seit Langem darauf hin, dass Vitamine und Pflanzenstoffe ihre gesundheitsfördernden Kräfte am besten entfalten, wenn sie in ihrer natürlichen ‚Verpackung‘ konsumiert werden – also als ganze Frucht und nicht zu Säften, Pulvern oder Kapseln verarbeitet.“

Ah, das ist schön, wenn ich mich mal von konventioneller Seite unterstützt sehe 🙂 Auf den hohen Preis dieser Früchte wird ebenfalls hingewiesen. Und dann folgt noch ein Artikel über die Nebenwirkungen – was uns die Versandhäuser natürlich gerne verschweigen. Um mal die bekannten Goji-Beeren herauszupicken: Es gibt Hinweise, dass Goji-Beeren das Blut verdünnen. Nicht gut für Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, weil die Wirkung dieser Präparate dann verstärkt wird.

Außerdem wird noch auf den möglichen Schadstoffgehalt dieser Früchte hingewiesen, weil eine Belastung nicht ausgeschlossen werden kann, da nur stichprobenweise überprüft wird.

Autorin ist Dr. Sabine Haaß, die wohl regelmäßig für den Diabetes-Ratgeber schreibt, mir aber bisher noch nicht aufgefallen ist. Ihr sei heute mal mein Dank gesagt 🙂

„Es duftet von den Bohnen“ und Beitrag Nr. 17

12. Dez. 2013: Kaffee

Eine Unterzeitschrift der Apotheken-Umschau ist der Senioren-Ratgeber, auch eine Lieblingslektüre von mir 🙂 Chefredakteurin Claudia Röttger (Apothekerin) strahlt uns im Editorial der Ausgabe 11/2013 vorn an. Kaffeezeit ist die Überschrift ihrer Einleitungsworte, die sie mit „Herzlich, Ihre Claudia Röttger“ unterzeichnet. Ich bin mir nicht so sicher, ob sie wirklich die Meine ist 😉

Sie führt nun aus, wie Mediziner den Kaffee weitgehend von gesundheitlichen Risiken freigesprochen haben. Hmmmm, waren das Mediziner oder forschende Wissenschaftler? Ich weiß da nur von vereinzelten Studien, deren Aufbau uns ja wie stets vorenthalten wird. Im Artikel weiter hinten im Heft werden auch Studien angeführt, die belegt haben (haha), dass Kaffee auch das Diabetes-Risiko senken kann. Ohne dass ich die Studie kenne, ist doch hier wieder gar nicht klar, ob hier wieder Korrelationen (zufällige Gemeinsamkeiten) mit Kausalitäten (ursächlichen Zusammehängen) verwechselt werden. Aber lassen wir das einmal dahin gestellt. Da Kaffee ja so ungefährlich ist, sind Entzugserscheinungen bei all den Kaffeetrinkern, die ihn absetzen, sicherlich Einbildung. Was sicher auch eine Kaffee-Industriestudie, ups, eine wissenschaftliche Studie sicher bald beweisen wird.

Nun komme ich zu meinem Lieblingsabsatz in Frau Röttgers Ausführungen, nämlich ihren abschließenden Worten: „Das hören wir gern!“ (Dass Kaffee nahezu harmlos ist.) Ich höre das jetzt mal nicht so gerne, mir ist das eigentlich egal, ich glaub’s eh nicht 🙂 „Was gibt es schließlich Schöneres, als einen Nachmittag mit Freundinnen, die man zum Verwöhnen gern hat, bei Kaffee und Kuchen zu verplaudern?“

Auch noch Kuchen. Ich denke nicht, dass Röttger hier an meine Kuchen denkt. Und auch diese Frage kann ich mit einem beherzten: „Oh, da gibt es jede Menge Schöneres!!!!“ beantworten. Ich will einmal gar nicht vom Frieden in der Welt sprechen, das ist etwas weit hergeholt. Und ich brauche jetzt auch keine Aufklärung darüber, dass dies eine Redewendung ist, die ich nicht so wörtlich nehmen soll(te). Ich nehme sie aber wörtlich, denn es gibt eine Menge Schöneres. Zum Beispiel bei schönem Wetter einen Spaziergang durch den Wald machen, mit Freunden ein gutes Gespräch führen, egal ob da etwas auf dem Tisch steht oder nicht, einen guten Job haben, in dem mir Arbeit Freude macht, ein gutes Buch lesen….

Frau Röttger, ihres Zeichens Apothekerin, hat man übrigens für den Seniorenratgeber ein wenig „aufgeweicht“. Die modische schwarze Brille hat man ihr gelassen, aber die dunkle Haarpracht, die sie deutlich strenger aussehen lässt, durch eine blonde ersetzt. Hmmm…

Ein Gedicht zu Ton

Das eingebildete C

Ich bin ein c, so klar und so rein,
Will niemals ein d oder e nicht sein
Und auch kein f, das versteht sich von selbst.
Egal wie du’s wendest, drehst oder hältst.
Ich bin so schön und klinge so fein
brauche sonst niemand, bin gerne allein.

Hey altes c, rufen die anderen Töne im Chor,
du willst allein sein? Wie stellst du dir das vor?
Sei nicht so blöde, sei nicht so’n Snob!
Denn eines ist sicher, wir sagen’s dir vor’n Kopp:
Allein bist du gar nichts, erst mit uns wird’s schön.
Denn nur gemeinsam
sind wir Melodien

Was zeckt denn hier?

11. November 2013: Kauft euch eine Klapperschlange

In der Apotheke-Umschau Ausgabe B Okt. 2013 erfahren wir Wichtiges: Klapperschlangen halten Zecken in Schach. Die Wald-Klapperschlange frisst pro Jahr 2500 bis 4500 infizierte Zecken, und schränkt somit die Borreliose ein.

Gibt es auch nicht infizierte Zecken und wie erkennt die Wald-Klapperschlange sie? Das wird uns nicht verraten. Und der Tipp, den ich euch nun gebe, ist auch von mir, völlig innovativ: Packt eine Klapperschlange in eure Hand- oder Hosentasche und die bösen Zecken werden Reißaus nehmen!

Und schnell hier noch ergänzt: Auf der rechten Seite erfahren wir wieder enorm Neues: In Bio-Müsli ist weniger Süße (hier ist wohl Zucker gemeint) als in konventionellen Produkten. Aber ehrlich, liebe Leser und Leserinnen – da mache ich mir nicht viel Sorgen. Die Zuckerindustrie, die sicher auch einen Bio-Rohrzuckerzweig hat, wird schon dafür sorgen, dass sich das bald angleicht.

Ach so….

24. Oktober 2013 Kurzinfos zu Vitamin B12

Wie gut, dass wir die Apotheken-Umschau haben: Jetzt brauchen wir uns um die Versorgung mit Vitamin B12 keinerlei Sorgen mehr zu machen. In ihrer A-Ausgabe vom 1. Oktober 2013 steht auf Seite 25 „Obst und Gemüse enthalten außerdem Folsäure und Vitamin B12. Die Vitalstoffe sollen ebenfalls vor Knochenbrüchen schützen. Negativ wirkt sich Rauchen aus.“ 🙂 🙂 🙂

Ich bin gespannt, ob da in der nächsten Ausgabe eine Korrektur kommt. Dann habe ich die Tage meinen veganen Neffen M. einmal wieder getroffen. Seine Mutter hatte mir ja erzählt, dass er die B12-abgebende Zahncreme benutzt. Ich fragte ihn natürlich sofort, wie er damit zurecht kommt. Merkwürdiger Blick über den Tisch. „Äh….“. Die Mutter erklärt: „Sie schmeckt ihm nicht!“. Also scheint sie gewöhnungsbedürftig im Geschmack. Ich erwähnte dann noch, dass ich sie wegen des Fluoranteils ablehne. Mutter ganz erstaunt: „Ach, da ist Fluor drin?“. So etwas überrascht mich, denn M.s Mutter ist keineswegs unkritisch. Aber das Lesen der Inhaltslisten geht in der Eile doch schnell mal an einem vorbei….

Mal wieder die Wechseljahre

11. Oktober 2013: Mythos Wechseljahre

Ich traute meinen Augen nicht – ein Artikel in der Apotheken-Umschau, der mal mit ollen Vorurteilen aufräumt. Seit langem „kämpfe“ ich ja schon gegen die Vorstellung, dass Frauen mit Beginn der Wechseljahre ein Bündel von Krankheiten und Nerven werden. In der B-Ausgabe der Apothken-Umschau vom September gab es nun einen Artikel mit obiger Überschrift. Ich bin ja gelegentlich misstrauisch und dachte schon: „Na, das wird ja wieder ein netter Käse sein…“. Und war dann ganz erstaunt. Auch eine blinde AU erwischt mal eine Korn-Studie 😉

Kurz zusammengefasst: Das was Frauen häufig als „Ach das sind die Wechseljahre….“ verkauft wird, ist in den meisten Fällen nur eine Kurve des Älterwerdens. Das heißt jetzt natürlich nicht, dass diese Beschwerden zwangsläufig mit dem Alter kommen müssen (es gibt ja keine Alterskrankheiten, wie schon Bruker sagte), aber es gibt eben für viele Beschwerden, die mit dem Alter ansteigen, in den Wechseljahren bei Frauen keinen besonderen Ansteig. Ausgenommen davon sind die Hitzewallungen.

Konkret nehmen wir einmal die Schlafstörungen: Mit wachsendem Alter nehmen die laut dieser Studie zu. Gleichmäßig, ohne dass sich bei den Wechseljahren ein Mehr an schlechtem Schlaf zeigt.

So dürfen wir dann auch endlich mal den Brukerschen Spruch „Frauen nehmen nicht mehr ab nach den Wechseljahren, was sie vorher nicht verloren haben“ zu den staubbedeckten Akten legen. Da hatte sich ja auch letztlich eine Leserin geäußert, die mit FoK (Forks over Knives) auch nach den Wechseljahren locker abgenommen hatte. Endlich, endlich, müssen wir Frauen uns nicht mehr anhören „Ach, das sind die Hormone“. Nä, nix da. Wir dürfen wieder schlechte Laune haben, ohne fürchten zu müssen, dass uns das mal wieder als Wechseljahrsbeschwerde untergejubelt wird. Ärzte können sich das mitleidige Lächeln aus dem Gesicht schmieren.

Aber genau gilt auch für Frauen: Vorbei die Zeit, wo Ihr die Wechseljahrsbeschwerden als Entschuldigung nehmen könnt. Ihr dürft wieder auf eure Ernährung, eure Lebensbedingungen usw. schauen, um zu entdecken, warum es euch vielleicht nicht gut geht. Das ist nicht so bequem, aber effektiver 🙂

Vielleicht steht der Artikel noch online? Ich fand ihn sehr interessant.

Manipulation durch Verschweigen

6. Juli 2013: Teilinformation

Schön finde ich immer, wie wir durch Teilinformationen zu braven Patienten manipuliert werden soll. In der Mai-Ausgabe der allseits geschätzten 🙂 Apotheken-Umschau gibt es in der Rubrik „Rat & Hilfe kompakt“ einen kleinen Artikel zur Darmspiegelung, Titel „Seltene Komplikationen“. Hier wird uns suggeriert, dass die Komplikationshäufigkeit weniger wichtig ist als die Chance der Krebsfrüherkennung. So heißt es dann:

„Bei fünf bis zehn von 10.000 Darmspiegelungen kommt es zu einer Darmblutung, die eine Krankenhauseinweisung erfordert.“

Wir werden als Erstes im Dunkeln darüber gelassen, ob dies auf eine Erhebung zurückgeht oder ob solche Krankenhauseinweisungen meldepflichtig sind. Dies wurde in einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums festgestellt, so heißt es. Niemand aber sagt uns, wie die Zahlen in dieser Studie erhoben wurde, nicht einmal über welchen Zeitraum. Wir vermuten: ein Jahr. Es könnte aber theoretisch auch ein Monat sein :-). Gehen die Zahlen auf Arztmeldungen zurück? Pflichtmeldungen, oder eine Umfrage? Eine Umfrage in Krankenhäusern? Und werden alle Ärzte, bei denen es zu einer Darmblutung kommt, ehrlich zugeben, dass hier ein Arztfehler vorliegt? Das wird uns nämlich auch nicht gesagt, dass eine Darmblutung – zumindest meines Wissens – ein Fehler ist und nicht etwas, dass mal gerade so passieren kann. Auch wird uns nicht verraten, welche Konsequenzen diese Darmblutungen haben. Ach ja, und wie viele Darmblutungen treten auf, die einfach mal nicht ins Krankenhaus überwiesen werden??

„Bei etwa acht von 10.000 Untersuchungen wird die Darmwand verletzt“

Sind das jetzt acht Fälle zusätzlich zu den fünf bis zehn oben genannten Fällen? Davon gehe ich aus, denn sonst wäre anders formuliert. Das sind dann schon insgesamt 13 bis 18 Fälle von Komplikationen, also praktisch doppelt so viele, wie uns der Artikel einreden möche. Eine ehrliche Ansage wäre gewesen: „Bei etwa 13 bis 18 von 10.000 Untersuchungen kommt es zu Komplikationen, davon 5-10 Blutungen mit Krankenhauseinweisung und ca. 8 Perforationen.“

Was uns auch verschwiegen wird, ist, dass eine Perforation nicht einfach eine Verletzung ist. Verletzung klingt so nach „Hautabschürfung“. Bei einer Perforation wird die Darmwand durchstoßen. Das ist einer Bekannten von mir bei einer Darmspiegelung passiert. Ein paar Tage hing ihr Leben an einem Faden, dann durfte sie ein Vierteljahr mit einem künstlichen Darmausgang leben. Diese Konsequenzen werden ebenso verschwiegen. Wenn ich das mal auf die Einwohner von Remscheid (ca. 118.000) hochrechne, ist das ein Verhältnis von etwa 95 Bürgern mit Perforation. Wohlgemerkt: Ich nehme diese Zahl nur zur Veranschaulichung, „was das bedeutet“, ich gebe die Zahl nicht an, um zu sagen, dass 95 Remscheider Darmblutungen mit Perforation erleiden, denn sie gehen ja nicht alle zu einer Darmspiegelung. Aber 95 Bürger in einer kleinen Großstadt wie Remscheid sind schon eine unübersehbare Gruppe! In einer Millionenstadt wie Köln wären das um die 1000 Menschen. Vernachlässigbar?

Jetzt kommt das Zuckerstückchen:

„Komplikationen gibt es selten, und Präventionsexperten halten sie für vertretbar, weil der Nutzen dieser Untersuchung groß sei: So können zum Beispiel Vorstufen von Darmkrebs entdeckt und oft gleich entfernt werden.“

Hier möchte ich nur zwei Punkte hervorheben: (1) Unbedingt erforderlich wäre hier eine Zahlenangabe, wie viele Krebsvorstufen bei 10.000 Untersuchungen entdeckt werden. Wenn das nur eine wäre – wo stünde da die Verhältnismäßigkeit? (2) Wie viele der entfernten Vorstufen hätten denn wirklich auch zu Krebs geführt? 1 von 10.000? 1 von 3? Da gibt es nämlich auch durchaus Zahlen, die besagen, dass ähnlich wie bei Prostatakrebs im Anfangsstudium der Durchschnittsmensch die Krebsentwicklung „statistisch“ gar nicht mehr erlebt.

Wohlgemerkt, dass mich niemand missversteht: Wieder einmal geht es mir hier darum aufzuzeigen, wie wir durch unvollständige Informationen manipuliert werden. Ich stelle hier nicht die Darmspiegelung an sich zur Diskussion, auch wenn ich persönlich das Risiko nicht eingehen werde.

Bedrohte Arten

16. September 2012: Aussterben…

In der August B-Ausgabe der Apotheken-Umschau gab es wieder eine kleine Statistik, als Quelle ist aufgeführt: The IUCN Red List of Threatened Species 2012.1. Und zwar heißt es: „Von knapp 64000 untersuchten Tier- und Pflanzenarten sind fast 10.000 vom Aussterben bedroht – darunter 41 Prozent der Amphibien und 25 Prozent der Säugetiere.“

Nun klingt das auf Anhieb wirklich erschütternd. Meine Güte…. aber bevor wir nun wieder einmal in Sack und Asche gehen, uns an die Brust klopfen und rufen „Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa“ (kurz: Alles meine Schuld), möchte ich diese Zahlen einmal hinterfragen. Denn wie immer: So nackt können sie gut oder schlecht sein, wir wissen es nicht. Ja, vermutlich sind sie auch nicht gut. Aber ich möchte nicht vermuten müssen, ich möchte wissen!

Hier die Fragen, die ich mir stelle:

  • Wer hat entschieden und auf welcher Grundlage, welche Tier- und Pflanzenarten untersucht wurden?
  • Wie viele Tier- und Pflanzenarten gibt es insgesamt?
  • Wie nah ist die Zahl, um die es geht, wirklich an den 10.000? Sind es 9900 oder 8900?
  • Wie viele Tier- und Pflanzenarten entstehen im selben Zeitraum neu?
  • Für welchen Zeitraum gelten diese Zahlen?
  • Gibt es Vergleichszahlen von vor 10, 20 oder 50 Jahren?
  • Wie hoch ist die Zahl, der Tier- und Pflanzenarten, die normalerweise aussterben? Die Frage ist nicht so eigenartig, wie sie sich vielleicht liest. Auch Dinosaurier sind ausgestorben.
  • Wann gelten Arten als ausgestorben, wenn es gar keine Exemplare mehr gibt oder auch, wenn sie z.B. nur noch im Zoo leben?
  • Warum sterben diese Tier- und Pflanzenarten? So zwischen den Zeilen wird uns ja quasi suggeriert, dass es wieder einmal der Mensch ist, der Schuld daran ist (das mag durchaus sein, aber das möchte ich dann belegt sehen!).
  • Warum werden die Pflanzen hier völlig vernachlässigt?

Warum immer diese leeren Zahlen? Warum wird uns der Zutritt zu echten, nützlichen Informationen verwehrt? Ich fände die Antworten auf diese Fragen z.B. 100 mal interessanter als den nachfolgenden Artikel „Sommerkäse von der Alp“ 🙂

Neue Brote, immer wieder

10. September 2012: Eiweißbrot

Seit einiger Zeit gibt es ja dieses schreckliche Eiweißbrot. Vor drei oder vier Monaten hätte ich beinahe einen Artikel darüber verfasst, es lädt ja unbedingt zur Satire ein. Aber irgendwie ist mir immer wieder etwas dazwischen gekommen. Aber siehe da: Selbst der Verlag der Apotheken-Umschau warnt in einem Kurzartikel in seiner September-Ausgabe davor, genau wie in einem ihrer anderen Ratgeber. Wobei hier weniger der hohe Eiweißgehalt als der Kalorien- und Fettgehalt bemängelt wird. Nun gut, ich kann von der AU nicht zu viel erwarten 😉 Interessant finde ich auch die folgende Kritik: Diese Brote seien pappig und klebrig. Hihi, wen wundert das? Die Verbraucherzentrale (Bayern) rät dann zu eiweißhaltigem Belag wie Ei oder Hüttenkäse. Och wie schade, da hätte sich so eine überflüssige Verbraucherzentrale fast mal verdient gemacht, da lassen sie dann wieder unreflektiert nachgeplapperten Unsinn ab.

Vor allem merken sie eins dabei nicht: Sie unterstützen nämlich unterschwellig wieder dieses Eiweißbrot, weil sie ja durch den Hinweis quasi sagen: Naja, das MEHR an Eiweiß ist schon gut. Schade um all die Rheumatiker, Allergiker und Gichtkranken, die so weiter in die Irre geführt werden.

Apotheken-Betriebsverordnung

18. Juni 2012: Besuch in der Apotheke

Auch Vollwertler gehen gelegentlich in die Apotheke. Und sei es nur, um mal ein Schmerzmittel zu kaufen. Es gibt auch Menschen, die auf regelmäßige Medikamente angewiesen sind. Wer z.B. keine Schilddrüse oder einen Totalausfall der Schilddrüse hat, braucht regelmäßig Schilddrüsenhormon (L-Thyroxin) als Tablette.

Früher war das einfach. Meine Freundin F. erzählt mir gerne von ihrer netten Bedienung in der Apotheke, „wirklich nett ist die!“, sagt sie mir.

Die Zeiten sind allerdings vorbei, wo wir einfach in die Apotheke gehen und unsere wenigen Mittelchen kaufen können. Die netteste Bedienung wird sich wie ein Nervsack auf uns stürzen und uns mit Fragen piesacken, die wir als Eingriff in unsere Entscheidungsfreiheit und Privatsphäre empfinden. „Wozu wollen sie das denn nehmen?“ (Denk: Was geht die Kuh das an?). Oder „Welche Indikation liegt denn bei ihnen vor, dass der Arzt ihnen gerade dieses Mittel verschrieben hat?“ (Denk: Warum fragt sie mich das, nicht den Arzt, wenn sie an dessen Kompetenz zweifelt?). Vielleicht zerrt sie uns jetzt auch in die geheime Beratungsecke, dabei will ich gar nicht beraten werden, ich will KAUFEN.

F. riss die Augen erstaunt auf, als ich ihr davon berichtete: „Ach so! Und ich habe mich schon gewundert, warum die nette junge Frau, von der ich dir erzählt habe, jetzt immer so lästige Fragen stellt!“

Und was tue ich beim übernächsten Kauf? Des ganzen Gehampels leidig werde ich in einem Online-Shop kaufen und den Kopf schütteln über so viel Kundennerverei in der Apotheke. Dabei kann die arme Apothekenhelferin gar nix dafür: Sie erfüllt nur die neuste Apothekenbetriebsverordnung. Eine wunderbare Verordnung, die nicht nur mit solchen kleinen Nervereien die letzten Kunden aus den kleinen Apotheken ins Internet treiben wird. Toller Erfolg.

Besonders kleine Apotheken werden mit manchen Forderungen nahezu in den Ruin getrieben. Was in der Apotheken-Umschau (Juni A-Ausgabe) als „auf höchstem Niveau“ beschrieben wird, ist einfach praktischer Blödsinn. QMS (Qualitätsmanagementsystem) wird bald Pflicht für jede Apotheke. Das heißt, noch mehr Schreibkram ohne praktische Konsequenzen. Die AU beschreibt das netter. K., eine andere Freundin von mir, die in einer Apotheke in verantwortlicher Position arbeitet, hat mir aus praktischer Sicht erzählt, was das bedeutet. Für die eigentliche Apotheken-Arbeit, die sie gerne macht – nämlich echte, gewünschte Beratung – wird bald keine Zeit mehr bleiben. Dafür müssen endlose Listen über Dinge geführt werden, die seit Jahrzehnten völlig problemlos auch ohne solche Listen gewissenhaft ausgeführt wurden.

Welcher Hohn! Die Bürokratisierung in allen Ecken und Enden macht alles tot, bis es nur noch Riesenläden gibt, der Einzelhandel wird so plattgewalzt. Würde man gedanklich Verschwörungen nachhängen, könnte man Absicht dahinter vermuten. Monokulturen nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in allen anderen Bereichen. Auch kleine Arztpraxen, Notariate, Rechtsanwaltsbüros: Sie geraten ebenfalls unter Druck, schließen sich notgedrungen zu größeren Sozietäten zusammen. Ist das besser für den Kunden? No way!!