Brief an den Arzt

Ich erinnere an meinen Beitrag zum eiskalten Wartezimmer: hier. Eigentlich wäre morgen der nächste Termin gewesen, aber ich habe lange drüber nachgedacht und dann einen Brief geschrieben, der ging dann heute in die Praxis.

Sehr geehrter Herr Dr. XXX,

wie Ihnen Ihre Mitarbeiterinnen sicherlich berichtet haben, habe ich Ihre Praxis letzte Woche verlassen, nachdem ich ca. 15 Minuten in ungeheizten Räumen mit offenem Fenster und offener Tür gesessen hatten, außerdem stand die Praxistür zum Flur ebenfalls offen, es herrschte starker Durchzug. Das bei einer Außentemperatur von 10°C, die im Wartezimmer wohl kaum höher war.

Ich hatte Schüttelfrost bis abends, eine triefende Nase und andere Erkältungserscheinungen.

Ich hatte den Termin auf den 14. Okt., also morgen verlegt. Ihre Mitarbeiterin hatte mir aber bei der Verlegung schon direkt gesagt, dass es ja dann „genauso sein wird“.

Übrigens hatte vor mir schon eine Frau, die einen Platz auf dem Flur hatte, um Schließen des Fensters gebeten, Antwort „Das dürfen wir nicht“.

Gut. Fenster und Türen müssen dann diese Woche auch offenstehen. Ich muss mich dem aber nicht aussetzen.

Ich habe lange mit mir gerungen, mich aber schließlich für meine Gesundheit entschieden. Da bei mir keine wirklich dringenden Untersuchungen erforderlich sind, möchte ich diesen Termin absagen. Sobald in Ihrer Praxis wieder die Möglichkeit besteht, sie genauso gesund zu verlassen, wie ich sie betreten habe, ist das sicher wieder eine Option.

Mit freundlichen Grüßen

Ein Gastbeitrag aus der Praxis

11. Dez. 2015: Ein ärztlicher Gastbeitrag

Meine Frau hat seit vier Jahren Diabetes, war aber eine Weile mit den Werten völlig okay. Sie leidet aber seit dieser Zeit an Atemnot, die sich ständig verschlimmert hat. Vor vier Jahren waren ihre Lungen okay. Ich bin’s leid und bin schließlich mit zu dem Arzt in die Praxis gegangen.

Es ging u.a. darum, dass meine Frau bis Montag nur gekochten Haferbrei mit geriebenem Apfel essen soll und Diabetes-Medikamente nehmen, weil der Diabetes sehr heftig ist und das die schnellste Art ist, ihn runterzubringen. Habe ich den Arzt (Facharzt für Allgemeinmedizin) gefragt, ob der Hafer gekocht sein muss? „Also der wird gekocht.“ Ist das medizinische wichtig? „Also die Verträglichkeit ist besser.“ Ist das MEDIZINISCH von Bedeutung? „Die meisten Leute vertragen ihn so besser.“ Noch eine Runde drauf „Ist es m-e-d-i-z-i-n-i-s-c-h von Bedeutung?“Na, das schmeckt doch nicht.“. Ist die Frage so schwierig zu beantworten? Also medizinisch gibt’s da nix gegen. Aha…

Der Arzt würde meine Frau am liebsten eine Woche stationär unterbringen, um sie auf Diabetes und Herz durchchecken zu lassen. Zuerst war ich dafür. Also er empfiehlt eine Klinik in XXX, die sind spezialisiert auf Diabetes. Da gibt es auch Vorträge, was diese Krankheit bedeutet, Diätberatung und wie man mit BE umgeht. Meine Frau, ausgebildete Krankenschwester, muss unbedingt in einer Runde von absoluten Laien sitzen und sich anhören, was Diabetes bedeutet. Sie hat ja keine Ahnung. Ich hätte schreien können. Klar, haben die auch Kardiologie, aber eben nicht spezialisiert. Oder sie geht in YYY in die Kardiologie, die machen auch Diabetes, aber spezialisiert sind sie nicht.

Meine Frau scheut die Klinik. Ich war auch nicht mehr dafür. Arzt meint, Dyspnö könnte auch vom Diabetes kommen. Ich habe mindestens zwei-, wenn nicht dreimal gesagt. DIE ATEMNOT HATTE SIE AUCH IN DER ZEIT, ALS DIE DIABETESWERTE OKAY WAREN!!!!!!!

Also soll sie den Termin beim Kardiologen Dienstag doch besser wahrnehmen.

Dann ging es um das Blutzuckermessgerät. Ich habe rundheraus gesagt, dass meine Frau das erste in der Praxis umsonst bekommen habe, ob sie noch eines hätten? Na, die kosteten nicht viel und Privatpatienten bekämen das bezahlt. Ich gesagt: Meine Frau hat aber einen Selbstbehalt von 3500 Euro, da guckt man dann schon!!! Fand er nicht gut, weil er 2 Sätze weiter betonte, dass die ärztliche Verantwortung ihm wichtiger sei als (er meinte vermutlich das von meiner Frau, nicht sein) Geld. Mir ist die Gesundheit meiner Frau sicherlich auch wichtiger als Geld….

Dann kam er mit einem Leihgerät, seien aber keine Batterien dabei und ob es funktioniert, sicher sei er auch nicht. Auch kein Autocoding. Habe ich dann dankend über den Tisch geschoben.

Metformin und Januvia verschrieben. Und wenn die Apotheke das nicht hat? In Apotheke XYZ (15 Min zu Fuß, steil bergauf) ginge er davon aus, dass sie es hätten. Wir standen aber zufällig nicht vor XYZ. Wir sind dann in eine“neue“ Apotheke schräg gegenüber gegangen, 4 Schritte zu Fuß. Da bekamen wir ungefragt ein Gerät geschenkt und die Teststreifen für 27,50 statt 38 Euro (das ist günstig, ich hatte mich da schon erkundigt).

 

Krankenkassen

16. Okt. 2015: Privatpatienten

Wie wir alle wissen, gibt es mittlerweile eine Zweiklassenmedizin und die Privatpatienten können viel länger leben, weil sie von den Ärzten bevorzugt behandelt werden. Ich höre das oft genug, meist von Kassenpatienten, die angeblich 2000 Wochen auf einen Termin warten müssen, während Privatpatienten sofort einen bekommen und vieles andere mehr.

Offensichtlich kenne ich die falschen Ärzte. Ich bin seit Ende meines Studiums privat versichert – damals war es deutlich preiswerter für mich und einmal dabei, bleibt man ja bzw. mittlerweile kann ich gar nicht mehr wechseln, selbst wenn ich wollte. Als ich letztlich eine neue Zahnärztin wegen eines neuen Termins mit Beschwerden anrief, bekam ich einen Termin sehr kurzfristig, nur zwei Tage später. Am Telefon hatte mich niemand nach meinem Patientenstatus gefragt.

Ein Bekannter von mir muss regelmäßig zum Arzt wegen Kontrollen. Er sitzt im selben Wartezimmer wie die anderen Patienten, er wartet teils auch eine Stunde und mehr. Ihm hilft das Privatpatientendasein auch nicht.

Womit ich nicht bestreiten will, dass es durchaus Ärzte gibt, die einen Unterschied machen.

Letztlich las ich gar in einem Blog, dass die privaten Krankenkassen überhaupt für alles Übel in der Medizin (nun ja, wörtlich war es die Zweiklassenmedizin) verantwortlich sind. Wie bitte? Privatpatienten zahlen deutlich mehr als Kassenpatienten und von verschiedenen Seiten, die durchaus berufen sind, habe ich mir sagen lassen, dass vieles in der Medizin nur möglich ist, weil es Privatpatienten gibt, die eben reichlicher zahlen und so den Ärzten einen größeren Spielraum geben.

Aber solche Artikel werden sicher in einer Neidgesellschaft gerne gelesen. Würden die Kassenpatienten nämlich ALLE aufstehen und gehen, wenn sie länger als eine halbe Stunde warten müssen, könnten sie sogar ihre Ärzte erziehen. Das hat nix mit Kasse oder Privat zu tun.