Die Inkonsequenz

Ich liebe die Inkonsequenz, besonders beim Gendern. All die, die noch nicht völlig ihr Sprachgefühl abgeschaltet haben, schaffen es einfach nicht, das Gendern durchzuziehen. So lese ich heute in einer Programmankündigung der ARD (Hervorhebungen von mir; Quelle hier):

Es ist Sommer und wir sind Corona-müde. Ist die Pandemie nicht langsam vorbei? Für Menschen, die an Long Covid leiden, geht die Pandemie jedoch weiter. Aber: Es gibt immer noch keine evidenzbasierten Therapien, noch immer treffen sie auf hilflose Ärzt:innen, die in ihrem Praxisalltag mit dem komplexen Krankheitsbild überfordert sind. Noch immer fehlt eine Task-Force und koordinierte Grundlagen-, Therapie- und Versorgungsforschung. Einige Ärzte und Professoren behaupten sogar, die Krankheit sei in erster Line eingebildet, psychosomatisch.

Hat Eckart von Hirschhausen auch Long Covid? Nach der Akutinfektion Mitte März wurden bei einer Blutuntersuchung „micro-clots“ in seinem Blut diagnostiziert. Kleine Gerinnsel, vermutlich mitverantwortlich für Long-Covid. Er testet eine experimentelle Behandlung, die Blutwäsche, an sich selbst. Und er deckt auf: Mediziner beobachten seit kurzem ein Problem mit der mRNA-Impfung. Einige Menschen entwickeln durch die Impfung das Post-Vakzin-Syndrom, das Long Covid sehr ähnelt. Eckart von Hirschhausen ist davon überzeugt, dass diese unbequeme Wahrheit auf keinen Fall verschwiegen werden sollte.

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Bruker und Ernährungswissenschaftler

Nur weil Ernährungswissenschaftler heute einhellig etwas empfehlen, ist es nicht unbedingt verkehrt.

Und nur weil ein Schulmediziner etwas sagt, muss das auch nicht per se falsch sein.

Ich finde das merkwürdig, wie es aus bestimmten Ecken immer tönt: „Ach, die sind nur auf Geld aus, die Ärzte“, sobald ein Arzt, vielleicht sogar ein Facharzt etwas sagt, oder „Die Ernährungswissenschaftler haben keine Ahnung!“.

Das heißt nicht, dass ich alles blind glaube, was diese Menschen mir sagen. Aber ich gestehe ihnen erst einmal das bessere Wissen zu. Dass ich kritisch bleibe, ist natürlich – es gibt in jedem Beruf Scharlatane.

Ketzer-Ute sagt:
Und wenn Bruker viel früher gelebt und bewiesen hätte, dass die Welt eine Scheibe ist, würden dann jetzt alle Bruker-Anhänger immer noch überzeugt sein, dass wir über eine flache Erde laufen?

Zweifel sind immer erlaubt, sowohl an etabliertem Wissen als auch an überholtem oder nicht belegtem, nur plausiblem Wissen.

 

Ärzte, jaja

25. Apr. 2015: Ärzte…

Ärzte sind Verwalter von Feingefühl, ganz klar. Und die Heilung der Patienten liegt ihnen sehr am Herzen, das wissen die meisten von uns aus eigener Erfahrung. Heute stelle ich den Bericht meiner Freundin Monika vor, der Tag war Gründonnerstag.

Gestern am frühen Abend sah ich im linken Auge russige Schleier, schwarze Körnchen in Schwaden. Oha. Ich dachte erst, mir sei etwas ins Auge gekommen. Abends war es weg, spät abends hatte ich weiße Blitze. Heute Morgen blitzte es immer noch. Ich wurde doch etwas beunruhigt, im Internet nachgelesen. Ups, Netzhautablösung KANN das sein, nicht so lustig.

Ich bekam doch langsam Angst, habe mich nach Augenarztpraxen im Netz umgesehen. Die in meinem kleinen Ort: Geschlossen. Die erste im nächst größeren Ort ABC: Geschlossen. Die angegebenen Vertretungen hätten Anfahrten von zig Kilometern erfordert. Dann eine große Praxis in ABC, einfach zu erreichen: Ja, (nette Frau an der Rezeption), wäre besser, ich ließe das untersuchen.

Meine Kollegin hat mich gefahren wegen Tropfen usw.

Als erstes kam eine Voruntersuchung (völlig sinnlos, jetzt meine Sehschärfe zu testen, oder?). Am Ende erhielt ich Tropfen ins Auge. Wobei mich der Arzthelfer schon komisch ansah, als ich auf die Frage nach dem Hausarzt antwortet: „Ich habe keinen“.

Ich kriege ja schon immer einen Anfall, wenn ich Tropfen ins Augen kriege. Der Typ hat vier Mal versuchen müssen, weil ich weggeschnackt bin. Nach 15 Min. noch mal Tropfen ins Auge von der Frau an der Rezeption, das ging schon besser. Weiter warten.

Dann kam ich endlich zur Ärtzin. Noch mal erhielt ich Tropfen. Ich sagte ihr: „Ich bin sehr empfindlich mit meinen Augen“ Sie sagte leicht vorwurfsvoll: „Ja, sehr!!!“ und fuhr fort „Ich setze Ihnen jetzt für die Untersuchung eine Kontaktlinse ein.“ Ich: „Kontaktlinse? Auf keinen Fall!“ „Ja, aber so kann ich sie nicht untersuchen“. Ich: „Dann eben nicht“.

Sie: „Da müssen Sie aber was dran tun an Ihrer Angst!“ Ich: „Können Sie nicht so gucken?“ Sie: „Nur  grob“.

Dann hat sie mit so einer Lampenlupe von außen geguckt. Gefäße in Ordnung, soweit sie sehen konnte, alles top. Ich habe gefragt, ob niedriger Blutdruck die Ursache sein könnte (ich habe so Werte derzeit um 85/58 mmHg, alles unter einem Oberwert von 90 ist klinisch niedriger Blutdruck). Ja, könnte von niedrigem Blutdruck kommen. Wenn ich nochmal so etwas hätte, müsste ich aber sofort in die Augenklinik – da würden sie zwar auch die gleiche Untersuchung machen, ich wäre aber direkt vor Ort. Und:

„Da müssen Sie aber etwas dran tun an Ihrer Angst! Sie werden älter, da kommen so Untersuchungen jetzt öfter, Darmspiegelung und so!!“
Ich: „Ich bleibe einfach gesund und sterbe dann.“ Sie guckte mich hilflos an. Ich bin nach Hause gefahren. Nach den Feiertagen werde ich Augenarztpraxen anrufen und fragen, wer diese Untersuchung ohne direkten Augenkontakt machen kann.“

Über dieses Erlebnis habe ich lange nachgedacht. Warum ist es, dass Ärzte meinen, Patienten seien Maschinen, die so funktionieren müssen, wie sie – die Ärzte – das erwarten und an der Praxistür locker ihre natürlichen Reflexe ablegen? Es ist völlig normal, dass man fremde Leute nicht einfach an seinen Augen rumfummeln lässt und zusammenzuckt, wenn etwas ins Auge kommt. Warum hat die Ärztin nicht nach einer Möglichkeit gesucht, die Netzhaut anders zu untersuchen, früher ging das doch auch? Ich selbst war vor Jahren mal in einer Notfall-Augenklinik wegen einer Schnittverletzung im Auge, da gab es keine Kontaktlinsen. Da die Ärztin ja mit den Tropfen schon festgestellt hatte, dass Monika scheinbar empfindlicher ist als ihre anderen Patienten, warum hat sie sie nicht behutsamer auf das Thema Kontaktlinsen hingewiesen, statt sie schon in der Hand zu halten? Warum hat sie Monika nicht gefragt, ob es einfacher sei, wenn sie – Monika – sie sich selbst einsetzt? Warum hat sie mit Monika nicht die Möglichkeit von Beruhigungsmitteln besprochen? Die einzige Sorge dieser Ärztin – so erzählt mir Monika auch – war, dass sie mehrmals sagte: „Ich muss das aber hier eintragen!“ Klar, um sich im Zweifelsfall aus der Verantwortung zu schleichen.

Monika sagte mir außerdem: „Ich vermute, es ist eine Kombination meines Blutdrucks mit dem Wechsel meines Jobs. Ich sitze jetzt viel länger am PC, der Lichteinfluss ist sehr ungünstig und ich muss ständig auf den Bildschirm schauen, das war früher anders.“

Aber der Herr Doktor hat gesagt…

24. Apr. 2015: Heilpraktiker

Früher glaubten die Leute an den Arzt im weißen Kittel. Einige tun das immer noch. Auf die wird in „fortgeschrittenen“ Kreisen herabgeblickt. Wer sagt „Mein Arzt hat gesagt…“ wird müde belächelt. So weit, so gut.  Meine Meinung von Ärzten ist auch nicht besonders gut.

Ich bemerke da aber eine Verschiebung. Die sogenannten „fortgeschrittenen“ Kreise sagen heute „meine Heilpraktikerin (oder: mein Homöopath) hat gesagt…“ Da kriege ich eine Gänsehaut. Sicher gibt es gute Heilpraktiker, sicher mögen einige auch Dinge können, wo sie den Ärzten überlegen sind. Aber auch dort gibt es jede Menge Scharlatane… Heilpraktiker kann fast jeder werden. Aber wer hinterfragt wirklich das Können seiner HP? Meist hat man die über Empfehlung bekommen.

Meine Erfahrung mit Homöopathen aus eigener und „miterlebter“ Erfahrung ist auch durchwachsen und Vorsicht ist dort genauso gut angebracht! Der Arzt heilt häufig nicht durch seine Medikamente, sondern häufig nur über den Weißkittel-Placebo-Effekt, d.h. weil die Leute an ihn glauben. Warum sollte das bei Homöopathen anders sein?

Ärzte – ein Gastbeitrag

16. Juni 2014: Ärzte…

Nach meinem Beitrag vor ca. einem Monat über die Studie zum Thema Entfernung der Gebärmutter bekam ich die Zuschrift einer Leserin, die ihren Unmut gerne äußern wollte, es aber für einen Kommentar zu lang fand. Sie genehmigte mir das freundlicherweise… und brachte dann noch ein paar Beispiele, was ihr mit Ärzten widerfahren ist. Sie meint, es passt nicht, ich finde schon 🙂 Wobei ich weiß, dass nicht alle Ärzte „so“ sind – aber zu viele!

Und natürlich sind es immer die Frauen selber schuld. Sie sind ja einfach zu dumm. 😉
Aber vielleicht ist es für die Frauen, die dann den offenbar höheren sozialen Schichten angehören, auch einfacher, mal mitten im Quartal mal eben den Frauenarzt zu wechseln. Bzw mehrere Meinungen einzuholen. Kassenpatienten warten teils monatelang, bis ein Termin frei ist. Und sobald man privat versichert ist, sieht das oft anders aus.
Und nein, es ist natürlich nicht so, dass Kassenpatienten anders behandelt werden. Natürlich nicht. Jeder hat ja eine freie Arztwahl.
Ich bin im Krankenhaus mal in die „kassenärztliche“ Abteilung geraten, da wurde ich gar nicht mehr angehört. Das muss man operieren, das machen wir an dem Termin und tschüss. Dann hat jemand meine Akte gesehen – oh, privat versichert – Sie sind hier falsch, gehen sie in den Flur xy. Aha. Da saßen nur drei Patienten, da wurde sich dann Zeit genommen, mit mir diskutiert, nicht mehr über meinen Kopf hinweg entschieden – und ich wurde auf meinen Wunsch hin nicht operiert.
(Frauen-)ärzte können einen auch schön unter Druck setzen … eine solche Dame hat mich verbal ziemlich fertig gemacht, als sie hörte, dass ich Kinderwunsch habe und noch KEINE Vitaminpillen nehme. Ihr letzter Satz war: Und wenn Sie dann schwanger sind, dann MÜSSEN sie das und das nehmen, das ist Pflicht, zum Wohle des Kindes. Das wird notfalls über Ihren Kopf hinweg entschieden. Aha. Meine Ernährung hat sie nicht interessiert. Danach habe ich noch mitbekommen, wie sie eine andere Frau verbal fertig gemacht hat, um dann anschließend mit gutschigutschi und Arm-um-die-Schulter-leg ihre Meinung bei ihr durchzusetzen.
Danach habe ich den Arzt gewechselt. Den hat meine Lebensführung interessiert.  Und der meinte nur, dass viel zu viel Angst gemacht wird. Aha? Es gibt sie, die anderen Ärzte, aber man muss sie suchen. Manche sind leider in Privatpraxen versteckt. Andere oft terminlich extremst ausgebucht.
Aber es sind ja alle Patienten gleich und es ist natürlich immer der Patient – hier die Frauen – schuld.
Sie waren einfach zu dumm.


Und das ist nur die Spitze des Eisberges … aber das andere passt nicht zu Deinem Beitrag …… ein Arzt im Krankenhaus, der mir etwas von subjektiven Schmerzen erzählt hat, während ich vor Schmerzen fast die Wände hochgegangen bin, weil nach einer Weber-B-Fraktur OP derselbe Gips angelegt worden ist, der vorher drum war – nur mit zusätzlichem Verband drunter, was natürlich stark auf die Wunde drückte … der Arzt, der mir Eisenpräparate verschrieb, weil ich ja schon früher damit Probleme hatte, obwohl meine Eisenwerte normal waren … der Arzt, der meinen ausgekugelten Ellenbogen operieren wollte und auf nachbohren hin meinte, das sei eine 50-50-Entscheidung und sie operieren da immer … das KH, das meinte, dass die Gelenkkapsel alleine zusammenwächst, aber das Aussenband müsse genäht werden und das andere KH, das bei derselben Sache meinte, die Gelenkkapsel müsse operiert werden, das Außenband wächst alleine zusammen … aha … die Ärztin, der es bei einer Eiterbeule meines Sohnes nur noch wichtig war, dass ich auf eigenen Wunsch nicht gegen Tetanus impfe und dann nicht weiter behandelt hat … deren Mann aber die fehlende Behandlung bemerkte und uns noch hinterher gelaufen kam (immerhin) … die Gemeinschaftspraxis, wo die Frau meinte, ich solle nach dem Wochenende wieder kommen, da sei ihr Mann da, da müsse man nichts machen (ich wusste, es war Gürtelrose) und der Mann, der dann am Montag meinte, das sei Gürtelrose und das müsse ich jetzt durchmachen, für Gegenmaßnahmen sei es jetzt zu spät … (was ein Glück für mich war – die Gürtelrose hatte sich auch so nicht weiter ausgebreitet) …… da kriegt man fast Lust, selber Medizin zu studieren, nur, um sich selber behandeln zu können ….

Ein wichtiger Geburtstag

Kommentar vom 25. Oktober 2009: Der Anfang eines neuen Lebens

Den heutigen Blogeintrag möchte ich E. widmen. E. ist Mitte 50 und hat heute Geburtstag. Er schrieb mir vor ein paar Tagen in Zusammenhang mit meinem Preisausschreiben: Er leidet seit 5 Jahren an einer schweren rheumatischen Erkrankung, die ebenso lange mit Kortison behandelt wird. Von Bruker ist er beeindruckt und hat sich vorgenommen: So, an meinem Geburtstag fange ich ein neues gesundes Leben an – ich werde die tiereiweißfreie Vollwertkost nach Bruker beherzigen.

Sicher ist sein Arzt begeistert von so viel Eigeninitiative und Schwung?
E. schreibt: Alle Ärzte sagen mir, dass das keinen positiven Einfluss auf meine Erkrankung haben werde.
Was sind das für Ärzte, die einem Patienten so den Mut nehmen, EGAL was sie von der Sache an sich halten? Vollwertkost ist eines ganz gewiss nicht: schädlich. Warum lassen sie ihm dann nicht den Schwung? Haben sie Angst, dass er von ihrer vermeintlich ärztlichen Kunst unabhängig wird?

Sicher sind E.s Familie, Freunde und Bekannte beeindruckt von seiner Entschlusskraft und entschlossen, ihn nach besten Möglichkeiten zu unterstützen, denn sie finden das „Experiment“ ungeheuer spannend und hoffen, dass sie bei gutem Verlauf auch für sich etwas dazu lernen können?
E. schreibt: Da er gerne Essen genieße, habe er mittlerweile Übergewicht. Und so sage ihm seine Familie jetzt schon, dass er das nicht durchhalten werde, denn er könne allem widerstehen, nur nicht der Versuchung.
Was sind das für Familienmitglieder, die einem schwer erkrankten Angehörigen gleich von vornherein den Mut zu nehmen versuchen, so als ob sie einem Menschen, der mit Gehhilfen läuft, die Krücken wegtreten? Warum unterstützen sie ihn nicht? Warum sagen sie nicht: Das ist ja eine tolle Idee, dann brauchst du vielleicht gar keine Medikamente mehr, erzähl uns doch bitte mehr davon, damit wir dir helfen können, falls du mal einen schwachen Tag hast? Haben Sie Angst, dass er wieder gesund werden könnte?

Ich weiß nicht, ob E. diesen Blog liest. Wie auch immer: Ich gratuliere ihm zu seinem Entschluss, den richtigen Weg zu gehen, gegen alle Kräfte, die sich ihm in den Weg stellen. Ich sende ihm Kraft und Zuversicht, meine guten Wünsche und ein bisschen von meiner Bockigkeit, die mir in ähnlichen Situationen schon häufig weitergeholfen hat. Und ich sende E. einen virtuellen tiereiweißfreien Geburtstagskuchen mit vielen leuchtenden Kerzen darauf!!

Happy Birthday E.!

Oh danke Frau Doktor!

Kommentar vom 20. August 2009: Geburtsanzeigen

Ein Arzt ist ein Dienstleister. Er bekommt Geld dafür, dass er sich um die Gesundheit seiner Kunden – oder wie sie im medizinischen Umfeld heißen – Patienten kümmert. Wenn er seine Arbeit gut macht, freuen wir uns. Wenn er seine Arbeit nicht gut macht, bleiben wir krank, werden kränker – oder sterben. Es gibt auch einige andere Berufe, die so viel Verantwortung für unser Leben tragen. Zum Beispiel ein Baustatiker. Der Planer eines Ampelnetzes in Großstädten. Eine Grundschullehrerin, die vielleicht den Grundstock dafür legt, welche freudige oder weniger freudige Einstellung wir zum Lernen bekommen.

Soweit, so gut. Dennoch herrscht bei vielen Menschen immer noch ein Arztbild im Kopf, das Ärzte zu Idolen stilisiert, denen es besonders zu danken gilt, wenn sie ihre Arbeit – so wie war das ja alle im Alltag tun – gut machen.

Ich bekomme daher immer einen Magenkrampf, wenn ich Geburtsanzeigen in folgendem Stil lese:

Wir freuen uns über die Geburt unser Tochter XXX.
31. August 2009 in München
50 cm, 2610 g

Ein ganz dickes Dankeschön für die medizinische Behandlung und die liebevolle Betreuung:
Praxis Dr. YYY, unserer Hebamme Frau ZZZ, und der Arztpraxis von Frau Dr. AAA.

Wobei ein nettes „Danke schön“ auch nie verkehrt ist. Ich bedanke mich auch, wenn ich in einem Laden nett bedient werde, von einer Verkäuferin, die eigentlich „nur ihren Job“ macht. Aber ich setze keine Anzeige dafür in die Zeitung.

Nie las ich in einer Hochzeitsansage ein Dankeswort an den bzw. die Standesbeamtin. Ein Danke an den Pfarrer für die Trauung. Wo ist ein Dank an die Lehrer, wenn ein schwieriger Schüler, eine schwierige Schülerin ihr Abitur geschafft hat?

Und erst recht las ich nicht die entsprechenden Texte in einer Todesanzeige:

Wir bedauern sehr, dass unser lieber Vater, Bruder und Onkel so früh aus dem Leben gehen musste.

Die Beerdigung findet am 20. August in der Friedhofshalle, Karl-Schubert-Straße 17 statt.

Wir erwähnen hier besonders Herrn Dr. XXX und seine Mitarbeiterinnen. Ohne ihre groben ärztlichen Kunstfehler und Behandlungsversäumnisse hätte unser Vater noch viele Jahre leben können.

Wir brauchen uns nicht darüber zu beklagen, dass Ärzte häufig arrogant und oberflächlich sind, wenn wir es ihnen durch  Überschwenglichkeiten leicht machen zu glauben, sie seien mehr als jemand, der seinen Beruf ernst nimmt.

Wechseljahre – das Frauenentwertungsthema

Kommentar vom 8. Juli 2009: Ausbildung zum Wechseljahrsberater, Teil 1

Ich schaue mir gerne Websites an, auf denen Ausbildungen zum Gesundheits- oder Ernährungsberater angeboten werden. Das verschafft mir immer so ein wohliges Gruseln, weil dort „natürlich“ die Vollwerternährung immer nur unter ferner liefen erscheint, der Name Bruker ist unbekannt (nehme ich mal die Lahnsteinsche Seite aus, aber das ist ja klar). Bei einem Institut (http://www.ife-brinkhaus.de) stieß ich aber dann auf einen echten Knüller: Wechseljahrberater/in mit Zertifikat.

Das Thema „Wechseljahre“ eignet sich wunderbar, um Frauen zu entwerten. Das fängt damit an, dass alte Männer sich nach jungen Mädchen umdrehen dürfen, ich aber gefälligst einen Partner immer unter den mindestens 5-Jahre-Älteren suchen muss. Auch Werbung für Frauen über 45 Jahren zeigt ganz klar, wie die Wechseljahrsfrau zu sein hat: ein wenig unmodisch in Bluse und weitem Rock, falsche blendende Zähne, eine gepflegte kinnlange Frisur, dezentes Makeup. Hilflos vor dem PC und am Handy, das Großmutterglück schon in den Augen.

Da passt es natürlich, dass es nun extra eine Ausbildung gibt, die uns arme Frauen durch die Wechseljahre begleitet. Wer sich erdreistet, die Wechseljahre als etwas Natürliches zu betrachten, das wie alle Altersphasen Vor- und Nachteile hat, wird bald eines besseren belehrt. In die Wechseljahre zu kommen ist Ih-Pfui, quasi eine Krankheit. Und was bringt da dieser Kursus?

  • Jede Frau kommt in die Wechseljahre und 90% davon haben Beschwerden.

Der erste Teil des Satzes ist so offensichtlich (wie „alle Menschen sterben“), dass wir natürlich gleich den zweiten Teil als Wahrheit mitschlucken. Oder? Wer sagt das mit den 90 %? Und was sollen das für Beschwerden sein? Ich kenne mehrere Frauen, die keine oder nur geringe Beschwerden gehabt haben. Aber ich kenne auch Frauen, die gerne Schwächen, die sie sich zugelegt haben, auf die Wechseljahre schieben.

  • Wechseljahre können dann für die Frauen mit einem hohen Leidensdruck verbunden sein.

Man beachte: Hier wird nicht von Leidensdruck oder Schwierigkeiten, sondern gleich von hohem Leidensdruck gesprochen. Da kann ich nur gegenhalten: Jede Lebensphase kann für Frauen und Männer mit einem hohen Leidensdruck verbunden sein, wenn sie sich z.B. gegen die Phase wehren. Das gilt zum Beispiel auch für die Pubertät bei Kindern, die nicht „erwachsen“ werden wollen und demzufolge besondere Probleme bekommen.

  • Die behandelnden Ärzte haben zunehmend weniger Zeit für eine intensive Aufklärung über den Hintergrund und die Behandlungsmöglichkeiten in den Wechseljahren.

Behandelnde Ärzte. Klar, was das heißt? Das heißt: Frauen in den Wechseljahren gehören zum Arzt. Zum Arzt gehe ich, wenn ich krank bin – also wird hier unterschwellig gesagt: Wechseljahre sind wie Krankheit. Dafür spricht auch der letzte Teil, nämlich die Behandlungsmöglichkeiten. Und natürlich gehen wir Frauen auch zu einem Arzt, nicht zu einer Ärztin. Männer wissen doch sowieso viel besser, was für uns gut ist. Sie kennen auch unseren Körper besser als wir selbst oder eine andere Frau. Oder?

  • Darüber hinaus wird in den Medien eine Fülle an widersprüchlichen Informationen zu diesem Themenkomplex veröffentlicht, die zu einer Verunsicherung der betroffen Frauen führen.

Verunsicherte Frauen, klar – wir Frauen neigen ja zur Verunsicherung. Da suchen wir was? Die starke Hand eines (männlichen) Arztes natürlich, die uns zeigt, wo’s lang geht und uns die Mittelchen geben, damit wir uns endlich nicht mehr so natürlich benehmen, ups, sorry, damit wir diese Beschwerden auch wirklich als solche wahrnehmen und bitte bitte mit IGeL-Leistungen auch noch medikamentös bekämpfen.

  • Die Veränderungen im eigenen Körper, im engsten Lebensumfeld und das wachsende Bewusstwerden über die eigene Endlichkeit macht professionelle Beratung erforderlich.

Veränderungen im eigenen Körper, ja, die gibt es. Aber was sind denn das für wechseljahrsbedingte Veränderungen im engsten Lebensumfeld? Werden wir jetzt vom Ehemann verlassen, weil der ein gebärfreudigeres Becken sucht? Sonst fällt mir dazu wirklich gar nix ein. Das wachsende Bewusstwerden über die eigene Endlichkeit erhalte ich auch, wenn ich mir sorgfältig meine Haut betrachte, denn gerade an der Haut sehen wir am Besten, wenn wir nicht mehr 20 sind. Das gilt natürlich auch für Männer. Jeder, der älter wird, bekommt dieses Endlichkeitsgefühl. Auch das weiß ich aus meinem Bekannten- und Freundeskreis. Das ist völlig normal – und muss doch nicht beraten werden.

Ich möchte hier schon sagen: Wechseljahre müssen nicht behandelt werden. Wechseljahre sollten wir einfach akzeptieren lernen, genau wie wir anderen Veränderungen einen Platz einräumen. Und übrigens: Wer konsequent vollwertig tiereiweißfrei, am besten 100 % tiereiweißfrei lebt, wird garantiert keine oder nur minimale Erscheinungen haben. Ich kann das nur behaupten, nicht belegen, da ich dazu keine Studien oder wissenschaftlichen Untersuchungen kenne (wer sollte die auch bezahlen? Die Industrie hat sicher kein Interesse daran!). Ich kann das nur aus meinem kleinen Bekanntenkreis als Erfahrung wiedergeben. Und dies auszutesten steht jeder Frau frei.

Morgen geht’s weiter….

Geh doch mal zum Arzt…

Kommentar vom 12. Juni 2009: Geh doch mal zum Arzt…

Seit ich meine Ernährung auf Vollwertkost umgestellt habe, bin ich kaum noch krank. Erkältungen waren schon fast ein Fremdwort für mich, über vier Jahre lang konnte mir kein Krankheitserreger etwas anhaben, egal wie viele Bazillenmutterschiffe um mich herumturnten. Am Pfingstmontag hat es mich erwischt. Da ich weiß, dass es neben den ernährungsbedingten auch die lebens- und umweltbedingten Erkrankungen gibt, hat mich das nicht sonderlich überrascht. Ich habe mir im ersten Halbjahr einfach zu viele Dinge abverlangt – da verlangt der Körper seine Zwangspause.

Nun bin ich keine geduldige Kranke. Nach einer Woche mit leichtem Fieber, Triefnase und Brüllhusten fand ich: Es ist genug. Mein Körper war anderer Meinung. Auch dieses abgeschlagene Gefühl, das den Arbeitstag zur Quälerei macht (Krankfeiern geht nicht), fand ich sehr nervig. Meine Mails an Bekannte und Freunde würzte ich mit täglichen Krankheitsinfos. Da bekam ich von einem lieben Freund eine besorgte Mail:

So langsam beunruhigt es mich, dass Dein „Unwohlsein“ so lange anhält. Vielleicht doch irgendeinen schnuckeligen Virus gefangen oder ein mieses Insekt hat miesgepiekt? Vielleicht doch einfach mal so nen ganz ordinären Arzt aufsuchen? Mal total durchchecken lassen? So von oben bis unten mit allem drum und dran? Einfach zur Beruhigung? Wenigstens zu meiner Beruhigung?

Ich war gerührt – aber auch geschockt. In was für einer Gesellschaft leben wir, wo es schon Sorge macht, wenn jemand eine kleine oder große Erkältung hat? Was für eine Arzthörigkeit ist das, wo ich ohne das „Ja-und-Amen“ eines Mediziners nicht mehr meinem eigenen Körpergefühl trauen soll?

  • Wenn ich einen Virus habe – kann der Arzt sowieso nichts machen.
  • Wenn ich Bakterien in mir trage – verschreibt der Arzt ein Antibiotikum, das kennt man zur Genüge. Jedes Medikament hat Nebenwirkungen. Antibiotika werden immer weniger wirksam, weil sie viel zu häufig verschrieben werden.
  • Wozu soll ich mich von oben bis unten durchchecken lassen? Da freut sich der Arzt (ich habe übrigens gar keinen Hausarzt), weil die Kasse klingelt. Wer lange genug aufmerksam lebt und seinen Körper gut beobachtet, fühlt, wenn er wirklich krank ist und wie schlimm.
  • Warum soll ich die Erreger mit Arzneimitteln totschlagen und meinem Immunsystem die Chance nehmen, mal wieder in Gang zu kommen? Von homöopathisch gebildeten Freundinnen habe ich jetzt mehrmals gehört: Sei froh, dass du endlich mal wieder Fieber hast! Das ist sehr wichtig fürs Immunsystem.

Wenn ich so krank bin, das mir mein Körper Zeichen gibt, dass er Unterstützung von außen haben möchte, gehe ich zu meiner Homöopathin. Wenn ich mir einen Arm breche, dann gehe ich zu einem Arzt oder einer Ärztin.