Frau Baumbach’s Weisheiten, Folge xxx

Kommentar vom 12. April 2010: „Frau Baumbach steigert sich“

Vor wenigen Tagen schon hatte sich ja Frau Baumbach mit einer Kolumne zur Ernährung deutlich positioniert. In der Samstagsausgabe des RGA (10. April 2010) wurde sie nun zu Tipps zur gesunden Ernährung interviewt, denn als Ökotrophologin weiß sie, „worauf man wirklich achten soll“. Wenn ich auch keine Anhängerin der Schulmedizin bin, finde ich dennoch, dass ein Mediziner, der viele Patienten gesehen hat, dazu bessere Auskunft geben kann – nichts gegen Ökotrophologen. Aber nun verfolgen wir dieses Interview doch lieber einmal mit Spannung.

Schon die erste Frage und die erste Antwort geben vor, wohin die Reise geht. Die Interviewerin möchte nämlich von unserer kompetenten Beraterin wissen, welche Lebensmittel auf jeden Fall einen Platz in der gesunden Ernährung haben müssen. Man beachte bitte bei der folgenden Antwort die Reihenfolge, die ich unverändert (ist ja ein Zitat) übernommen habe:

„Im Grunde alle Grundnahrungsmittel, sprich – natürliche Lebensmittel wie Eier, Milch und Milchprodukte, Fleisch und Fisch, Getreide, Pilze, Nüsse, Pflanzenöle (Omega-3), Gemüse und Obst sowie Wasser.“

Faszinierend auch die Verwendung des Begriffs „natürlich“. Was ist an Milchprodukten (ich denke da an ein Erdbeerjoghurt, das zählt ja auch dazu, oder auch nur die Milch) noch natürlich? Und warum kommen die Pilze noch vor dem Gemüse? Auch das Getreide hätte ich nicht vor das Gemüse und Obst gesetzt.

Die nächste Frage ist kurz und knackig: „Was ist Gift?“ Schade, dass ich nicht gefragt wurde. Es ist so einfach: Zucker, Auszugsmehl, industriell verarbeitete Produkte usw. Aber Frau Baumbach legt sich da nicht so gerne fest. Sie steht vermutlich kurz vor einer politischen Karriere, so sehr drückt sie sich vor einer eindeutigen Antwort, hier sei nur ein Teil herausgegriffen: „Esse ich täglich Burger, wirkt sich dieses auf lange Sicht sicherlich schädlich aus, was bei gelegentlichem Verzehr doch sehr unwahrscheinlich ist.“ Wobei sie den Begriff „gelegentlich“ im Gegensatz zum „täglich“ nicht genau festlegt. Der Rest der Antwort ist so verschraubt formuliert, dass ich ihn meiner Leserschaft nicht zumuten möchte. Die nächste Frage klingt so, als sei ein Teil des Interviews unter den Tisch gerutscht: „Was ist der durchschnittliche Tagesverbrauch, der nicht überschritten werden sollte?“ Wovon, frage ich mich. Zucker? Garnelen? Burger? Frau Baumbach hat die Frage verstanden: „Eine Faustregel gibt es nicht.“ Ach nein? Wie wär’s mit: kein Zucker, kein Auszugsmehl, kein Industrieöl, kein Saft/gekochtes Obst usw.? So schwafelt sich sie auch noch noch weiter einen ab. Sie kommt dann auch mit so hilfreichen Dingen einher wie „… dass die optimalen Mengen für Kohlenhydrate zwischen 35 und 50 Prozent [sic] für Eiweiß zwischen 15 und 30 Prozent und für Fett bei 30 bis 45 Prozent der täglichen Energieaufnahme liegen.“ Nee klar. Ich sitze immer gerne mit Taschenrechner und großer Lebensmitteltabelle in der Küche und rechne aus, was ich mir da  gerade brutzle, während vermutlich der Bratling in der Pfanne schwarz geworden ist, bis ich endlich raushabe, ob ich ihn überhaupt noch essen darf. Vitalstoffe werden hier natürlich auch nicht erwähnt, iwo. Die Verwendung des Wortes „Vitalstoffe“ wäre auch gefährlich, die arme Frau Baumbach könnte denn gar noch für eine Orthorektikerin gehalten werden.

Übrigens finde ich auch sehr bemerkenswert, was die Unterüberschrift aus Frau Baumbachs Aussage über die Grundnahrungsmittel herauszieht. Lasst euch das bitte mal gut über die Zunge rollen, vergleicht es mit ihrer Aussage und schaut mal, wie es die Redaktion dann noch mal verdreht hat:

„Mit Fisch, Fleisch, Nüssen, Pilzen oder Obst kann man nichts falsch machen.“

Einspruch, euer Ehren 😉

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