Beipackzettel

18. Juli 2016: BOD

In diesem Fall steht BOD nicht für Books On Demand. Bei Books On Demand lautet das Prinzip grob gesagt: Bücher werden dann gedruckt, wenn sie bestellt werden.

In diesem Beitrag steht das „B“ als Stellvertreter für Beipackzettel, dieser kleine Papierwust, den wir in Medikamentenpackungen finden.

Beipackzettel sind ein ewiger Streitpunkt. Sollen wir sie lesen, um alles zu wissen, oder sollen wir sie nicht lesen, um nicht verunsichert zu werden? Diese Diskussion möchte ich im Augenblick einmal beiseite lassen. Mir geht es um ganz etwas anderes: Um das Papier.

Wer ein Medikament neu kauft, liest die Patienteninformation vielleicht. Wer ein Medikament längerfristig benötigt, bekommt es mehrmals verschrieben und jedes Mal ist in der neuen Packung ein neuer Beipackzettel. Nicht nur, dass niemand den Beipackzettel immer wieder liest – sie sind einfach hoch lästig. Sie sind sperrig in der Packung, verkomplizieren häufig die Entnahme der Blister.

Kreativer Vorschlag: Wie wär’s mit Medikamentenpackungen ohne Beipackzettel? Dafür stehen alle Beipackzettel einfach zugänglich im Internet. Natürlich gibt es auch Menschen, die kein Internet haben und die man nicht zwingen sollte, sich deswegen jetzt mit dem Internet zu beschäftigen, wenn sie das eigentlich nicht wollen. Aber man könnte Ärzte und/oder Apotheker dazu anhalten, Beipackzettel auf Wunsch im Internet abzurufen und dann dem interessierten Kunden auszuhändigen.

Man denke an all das viele Papier, das gespart würde! Außerdem wären Beipackzettel viel schneller aktualisiert. Man denke auch an die Flüche, die dem Äther erspart werden, wenn ein Angehöriger wieder wutentbrannt den überflüssigen Beipackzettel aus der 20. Packung von Medikament XYZ zurrt. Man denke auch an den volkswirtschaftlichen Nutzen durch Zeitersparnis, weil der Beipackzettel nicht mehr entfernt werden muss oder bei jeder Tablettenentnahme stört.

So ein Beipackzettel-on-Demand hätte auch den Vorteil, dass er in einer vernünftigen Schriftgröße ausgedruckt werden könnte – wenn sich dann jemand dafür interessiert.

 

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Beipackzettel bald ohne Panik

Kommentar vom 21. Juli 2009: Beipackzettel

In der Tageszeitung  als Aufmacher heute „Beipackzettel verunsichern Patienten.“ Dann kommt einiges darüber, dass die Patienten nun ihre Mittel nicht mehr nehmen, weil sie von Nebenwirkungen lesen, die sie nicht bekommen wollen. Was ich ja ganz ehrlich eine vernünftige Einstellung finde. Ein guter Arzt würde zum Beispiel zu einem Bluthochdruckpatienten sagen: „Ach, das Mittel hat Ihnen zu viele Nebenwirkungen? Das kann ich verstehen. Gehen wir also Ihren Blutdruck einmal von der Ursache her an, und doktern nicht nur an den Symptomen herum. Sie wissen es vielleicht nicht, aber Bluthochdruck ist eine zivilisations- und somit ernährungsbedingte Krankheit, der Sie aber nicht hilflos ausgeliefert sind….“ Und so weiter. Wobei ich nicht den Ärzten die Schuld alleine in die Schuhe schieben will, viele Kranke lieben ihre Krankheiten, sie wollen gar nicht gesunden, denn das bedeutet Arbeit an sich selbst. Schmerz zum Beispiel ist ein gesundes Zeichen des Körpers, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wenn ich jetzt jedes Mal, wenn ich einen Schmerz verspüre, eine Tablette schlucke – nehme ich die Warnzeichen nicht mehr wahr. Genauso die viel gepriesenen Blutdruckmittel: Die Symptome sind weg, und der Kranke muss sich nun vermeintlich keine Gedanken über die Lebensführung machen. Würde er die Mittelchen weglassen, da würde er sehr viel schneller bereit sein, sein Leben umzustellen, weil ihm der Körper ganz klar macht, dass es da etwas gibt, was aus dem Ruder geraten ist.

Aber im Sinne dieses Artikels ist das nicht so, da gibt es nämlich nur die Alternative „Medikament nehmen – gesund werden“ gegenüber „Medikamente nicht nehmen – krank bleiben“. Meine Version wäre genau anders herum.

Ich will nun weiter gar nicht auf diesen Blabla-Artikel eingehen, der über eine Studie geht, die im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erstellt wurde. Nein, was ich hier wirklich erschütternd finde, ist der Zeitungskommentar von Wibke Busch. Überschrift „Verständlich“. Und dann geht’s auch gleich ans Eingemachte:

„Der medizinische Fortschritt ist ein Segen für die Menschheit.“

  • Sie sagt z.B. nicht „ist meiner Meinung nach…“, sie stellt das so als Wahrheit hin. Ich sehe das zum Beispiel anders. Der sogenannte (!) medizinische Fortschrift hilft in vielen Fällen nur Leiden verlängern und unterdrückt Symptome.

„Medikamente helfen, Leben zu retten und zu verlängern – bei allen Risiken und Nebenwirkungen.“

  • Also wem beim ersten Satz noch nicht die Tränen kamen, sollte jetzt aber langsam zum Taschentuch greifen. Haben wir nicht alle schon von den vielen Fällen gelesen, wo Medikamente Menschen umbringen und kränker machen als sie vorher waren? Es gibt kein Mittel ohne Nebenwirkungen, das bläuen schon die Pharmafirmen ihren Vertretern ein.

„Doch es sind gerade diese möglichen negativen Folgen, die insbesondere ältere Patienten davor abschrecken, ihre Pillen zu nehmen – mit teils lebensgefährlichen Folgen.“

Oh da sind sie endlich wieder, die älteren Menschen. Die sind ja alle so ein bisschen schwerfällig von Begriff, umständlich und verknöchert. Auf denen wurde jetzt wirklich schon länger nicht mehr rumgehackt, obwohl sich der tragische Fall in Menden natürlich schon der Ausschlachtung geöffnet hat. Ich habe eine gute Freundin, sie hat mit 86 Jahren schlimmes Rheuma bekommen. Cortison hat geholfen. Sie muss es jetzt lebenslang nehmen. Die Schmerzen sind besser, aber laufen kann sie noch nicht wieder richtig. Niemand hat sie jemals auch nur auf ihre Ernährung angesprochen.

„Beipackzettel sollten daher nicht noch zusätzlich verunsichern.“

Da können wir jetzt grübeln, was Frau Busch wohl meint. Denn irgendwie ist das ja doppelt – die bereits durch Angst vor Nebenwirkungen verunsicherten Senioren (und diese Angst können sie ja nur vom Studium des Beipackzettels haben, in der Tageszeitung, oh pardon, steht ja nichts darüber) werden durch die Beipackzettel zusätzlich verunsichert.

Es ist an der Zeit, Packungsbeilagen zu entwickeln, die jeder versteht – ohne in Panik zu geraten.“

Hat jeder schön mitgelesen? Hier kommt nämlich das echte Bonbon, wenn wir einmal weiter denken. Natürlich sollten Packungsbeilagen entwickelt werden, die jeder versteht, da stimme ich zu. Aber wie geht das mit Panikvermeidung? Wie schreibe ich „Die Einnahme des Medikaments kann zum Tode führen“ denn so, dass ich keine Panik verbreite? „Die Einnahme des Medikaments kann Ihre Angehörigen von einer Last befreien“ wäre ein schöne Variante. Wie schreibe ich panikfrei „Nach Einnahme dieses Medikaments über längere Zeit kann es zu schweren Leberschäden kommen“? Wohl kaum ist damit gemeint „Nach Einnahme dieses Medikaments fühlt sich ihre Leber genau so glücklich, als hätten Sie regelmäßig einen über den Durst getrunken.“

Es gibt nur eine Möglichkeit, wirklich solchen Sätzen die Panik zu nehmen: Wir lassen sie weg. Ist es das, was Frau Busch anstrebt? Mir scheint es fast so, denn sonst kann ich das nicht verstehen.

Übrigens: Kein Hersteller wird Nebenwirkungen aufführen, die nicht wirklich aufgetreten sind.