Kleidung und Gewissen

Kommentar vom 21. März 2010: „Faire Kleidung“

So zentral die Ernährung für unser Wohlbefinden auch ist, so ist es doch auch wichtig, andere Aspekte im Leben mit etwas Nachdenklichkeit zu gestalten. Deshalb fand ich gestern einen Artikel im RGA (20. März 2010) mit dem Titel „Kleidung fair kaufen – aber wie?“ auch mal wieder einen Lichtblick in der Tageszeitung. Leider finde ich auf der für meinen Geschmack etwas unübersichtlichen Webseite des RGA (http://www.rga-online.de) weder den Artikel noch eine Suchfunktion.

Auf die Einführung in die Problematik folgt ein kurzer Abriss, warum fairer Handel auch bei Kleidung wichtig ist (z.B. Kinderarbeit) und dann eine kleine Rubrik „Was der Kunde beim Einkauf von Kleidung selbst tun kann“: auf eine lange Lebensdauer achten (Second-Hand-Läden, Tauschbörsen), in Geschäften nach der Produktionsweise erkundigen, bei Basisgarderobe auf faire und ökologische Produkte achten, Infos von Organisationen lesen, die fairen Handel unterstützen.

Es steht jetzt nichts aufregend Neues in diesem Artikel, aber mir gefällt es, dass dieses Thema auch mal wieder ins Bewusstsein gerückt wird. „18 Kilogramm kauft jeder Bundesbürger pro Jahr – das ist Weltspitze“, so heißt es schon im ersten Absatz. Darauf wird am Ende auch wieder Bezug genommen, indem zu geringerem Kleidungskonsum und zum Kauf von Qualität eher als Billigware aufgefordert wird. Das entspricht ja auch dem, was von guter Ernährung zu erwarten ist. Wobei ich es auf Anhieb lustig fand, den Kleidungskonsum in Gewicht zu messen. Ganz  fair finde ich das nicht, denn in einem warmen Mittelmeerland kaufe ich schon wegen der dort herrschenden lauen Temperaturen weniger. Für einen dicken Wintermantel, den ich für die neuen deutschen Wintertemperaturen brauche, kann ein Nordafrikaner viele T-Shirts kaufen. Andererseits frage ich mich, wieso wir dann die Bewohner Sibiriens in unseren Käufen übertrumpfen? Gehe ich in Zukunft in den nächsten Laden und wende mich an eine Verkäuferin: „Ich hätte gerne 200 g gelbes T-Shirt, 250 g Sommermantel und 175 g Leinenjacke“?

Spaß beiseite. Ich finde eine Angabe wie 18 kg ohne Erläuterung sinnlos. Ich habe nämlich keine Ahnung, wie viel meine Kleidung wiegt. Hätte mir der Artikel erzählt, wir lägen mit 18 kg Kleidung pro Jahr bei den sparsamsten Kleidungskäufern im Weltdurchschnitt, hätte ich das genauso geglaubt. Hier liegt für mich ein Schwachpunkt des Artikels, weil die Redaktion sich nicht die Mühe gemacht hat, einen doch recht abstrakten Punkt durch gute Beispiele zu illustrieren.

Sensibel gemacht für diese Dinge wurde ich vor mehreren Jahren durch das Buch „Die Billig-Lüge“ von Franz Kotteder. Als regelmäßige Lands End-Kundin hatte ich daraufhin, angespornt von der Lektüre, an Lands End geschrieben. Ich erhielt sogar – das wundert heute ja schon fast – eine Antwort, dass sie auf Einhaltung der Gesetze achten und auch regelmäßige Inspektionen vornehmen, damit Schwangerschaftsschutz etc. gewährleistet ist. Im Laden um die Ecke würde ich das allerdings nicht versuchen, da handle ich mir mit so einer Frage garantiert nur leere Blicke ein. Insoweit mein Tipp: Lieber an die Hersteller der Lieblingskleidung oder bei Kauf im Versand an die entsprechende Abteilung des Versandhauses schreiben.

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