Inflation

Vor mehreren Wochen tauchte das Wort Inflation zum ersten Mal in den Medien auf. Ich hatte noch nichts von Inflation bemerkt. Aber dann legte sie los. Ich frage mich, ob diese Medieninformationen manche Leute erst so recht anstacheln, ihre Preiseanzuheben? Die Preissteigerungen, die ich jetzt beobachtet habe (vor dem Ukrainekrieg), sind einfach losgelöst von realistischen Anhebungen. Es wird von einer Inflation von 5 Prozent gesprochen.

Ein Beispiel: Die Bäckertheke in unserem Bioladen. Da beobachte ich Preissteigerungen von rund 15 Prozent. Der Verkäufer sagte, ja, das sei ihnen auch aufgefallen, aber das käme vom Hersteller (also dem Bäcker, nehme ich an).

Gerade im Biosektor, der naturgemäß teurer ist als der Discounterbereich, finde ich das bedenklich. Man schraubt doch dadurch Kleinverdienern oder Familien bald die Möglichkeit ab, Bioware zu kaufen. Dann kaufen die Kunden eben demnächst ihre Bioware beim Discounter. Dort gibt es ja auch mittlerweile eine reiche Auswahl in diesem Bereich. Oder wir müssen einen Rückgang des Bioangebots allgemein beobachten. Das fände ich sehr schade, wenn nur noch „Reiche“ in den Bioladen gehen können.

Bio und ich

3. Oktober 2015: Bio? Im Moment … häufig: „Nein, danke“

Ich bin lange begeisterte Bio-Käuferin gewesen. Ich bin vom Prinzip der biologischen Landwirtschaft überzeugt. Da zahle ich gerne für Frischwaren den bis zu dreifachen Preis. Häufig schmeckt es auch deutlich besser als konventionelle Ware, zumindest ist es geschmacksgleich.

Das war einmal. Ich bin zusehends sauer auf das, was Bio-Bauern da so ihrem Massenpublikum andrehen. Ich beziehe mich hier nicht auf die Getreidehöfe, bei denen ich kaufe, sondern rein auf Obst und Gemüse, das ich vom Bioladen oder aus den Biocken im Supermarkt kaufe.

Vor ein paar Tagen wollte ich mir ein einfaches, schmackhaftes Mahl zubereiten: Kartoffeln, Kohlrabi und Möhren. Die sind alle so lecker, da braucht es nicht viel mehr. Beim Schnibbeln des Gemüses rutscht immer auch ein Stück in meine Esshand. Und da wurde ich richtig sauer: Die Kohlrabi schmeckte schon wieder nach nichts, die Möhre lag zwischen bitter und nichts. Die Kartoffeln habe ich roh nicht probiert. Wenn ich konventionelle Ware kaufe, so schmeckt die deutlich leckerer.

Die leckersten Mangos, die ich je gegessen habe, waren konventionell. Dasselbe gilt für Ananas, Spitzkohl, Äpfel, Möhren usw. Nun kann es ja nicht sein, dass die Genbearbeitung unserer Frischkost schon soweit fortgeschritten ist, dass Geschmackszutaten eingefügt werden 😉 Nein, Bio ist zur Massenware geworden. Die konventionellen (siehe Chiquita z.B. bei Nachhaltigkeit) Marken mühen sich um Qualität, die Bioware befriedigt ein gut verdienendes Publikum – das offensichtlich oft nur auf bio abfährt, ohne Sinn für Geschmack.

Ohne mich.

 

Vollwert und Rohkost sind Geisteskrankheiten

Kommentar vom 17. August 2009: Vollwertler? Rohköstler? Ab in die Psychiatrie!

Mein Kollege stieß mich heute auf einen Artikel im englischen Observer über Orhorexia nervosa. Was ist das? Wikipedia erklärt es so:

Orthorexia nervosa ist eine Essstörung, bei der die Betroffenen ein auffallend ausgeprägtes Verlangen danach haben, sich möglichst „gesund“ zu ernähren. Die Existenz eines solchen Krankheitsbildes wird vielfach bestritten. (Ich ergänze: NOCH bestritten).

Dazu fand ich in Stern online einen Test. Jede Frage, die ich hier mit „Ja“ beantworte, ist ein Zeichen dafür, dass ich in diesem Sinne krank bin. Und die  Sterndefinition wird schon konkreter:

Orthorektiker essen Vollwertkost [!], kaufen in Bioläden [!]und meiden Lebensmittel mit künstlichen Zusatzstoffen [!].

Das alles ist gesund – unbestritten. Bedenklich ist aber ihre Besessenheit, mit der sie die Regeln gesunder Ernährung an sich selbst anwenden. Essen und Einkaufen, Rohkost und naturnahe Anbaumethoden werden Menschen mit Orthorexie zum Lebensinhalt. Fast nur um diese Themen kreisen ihre Gedanken. Damit ist die Grenze des Gesunden  überschritten, findet Stephen Bratman. Der US-amerikanische Arzt war nach eigenen Angaben selbst so strikt. Er hat der Fixierung auf die richtige  Ernährung 1997 einen Namen gegeben: Orthorexie. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet, frei übersetzt, „der richtige Appetit“. Das Wort  erinnert an Anorexie, den medizinischen Namen der Magersucht. Die Ernährung wird zur Religion erhoben

Und der „Stern“ weiter:

Orthorektikern geht es nicht um die Menge, sondern um die Qualität dessen, was sie essen. Nicht um abzunehmen, haben sie Schnitzel und Pommes vom  Speiseplan gestrichen, sondern um einem Herzinfarkt vorzubeugen [! Anmerkung: Um abzunehmen, ist das Streichen dieser Nahrungsmittel offensichtlich ok. Aber nicht aus Gesundheitsgründen!]. Manche verzichten auf bestimmte Lebensmittel, um chronische Leiden zu lindern. [Anm.: Sachlicher Fehler: Viele lindern durch richtige Ernährung nicht ihre chronischen Leiden wie Allergien, Asthma und Rheuma, sondern heilen sie fast komplett.] Sie meiden vielleicht erst Milchprodukte [!], dann Weizen und schließlich alles, was Spuren von Soja enthält. Immer strenger werden die selbst auferlegten Regeln. Gleichzeitig wird es immer komplizierter und zeitaufwändiger, eine streng makrobiotische Mahlzeit zu planen, ökologisch korrekt einzukaufen oder den Vitamingehalt von Wirsing beim Kochen zu erhalten. Genuss und Freude treten zunehmend in den Hintergrund. Orthorektiker fühlen sich als Sachverständige in Ernährungs- und Warenkunde. Ob Rohkost, Vollwertküche oder veganes Essen [!] – einige erleben ihre Willenskraft in spirituellen Dimensionen. Nach einem Tag mit Sojasprossen und selbstgebackenen Amaranth-Keksen fühlen sie sich körperlich und geistig rein. Medizinische Lehrbücher kennen die Orthorexie nicht.

Noch wird hier betont, dass es nur um die Übertreibung geht. Aber wer bestimmt, was Übertreibung ist? Wer noch nie einen Rohköstler gesehen hat, findet das Essverhalten garantiert übertrieben. Der Stern nennt die gefährdete Gruppe beim Namen: Vollwertler (vor allem die, die wie ich auf Milch verzichten), Rohköstler, Veganer. Die Grenze, „uns“ in den kranken Bereich abzuschieben ist schwammig. Noch ist Orthorexie kein anerkanntes Krankheitsbild, aber wann werden die ersten Rohköstler in die Psychiatrie zwangseingewiesen? Das scheint lächerlich, aber wenn ich diese Dinge zum zweiten Mal lese, bleibt mir schon fast das Lachen im Halse stecken. Dann bringt der Stern noch einen Selbsttest zur Orthorexie:

  1. Denken Sie mehr als drei Stunden am Tag über gesunde Ernährung nach?
  2. Planen Sie Ihre Mahlzeiten mehrere Tage im Voraus?
  3. Ist Ihnen der ernährungsphysiologische Wert Ihrer Mahlzeit wichtiger als die Freude am Essen?
  4. Hat Ihre verbesserte Ernährung Ihre Lebensqualität verringert?
  5. Sind Sie in letzter Zeit strenger mit sich geworden?
  6. Verzichten Sie auf Lebensmittel, die Sie früher gerne gegessen haben, um nun die richtigen Lebensmittel zu essen?
  7. Steigert sich Ihr Selbstwertgefühl durch gesunde Ernährung? Schauen Sie auf Menschen herab, die sich nicht gesund ernähren?
  8. Fühlen Sie sich schuldig, wenn Sie von Ihrem Ernährungsplan abweichen?
  9. Sind Sie durch Ihre Ernährungsgewohnheiten gesellschaftlich isoliert?
  10. Haben Sie das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben, und macht es Sie glücklich, wenn Sie Ihrem Ernährungsplan entsprechend essen?

Die Fragen wirken auf den ersten Blick vielleicht eher oberflächlich und banal, welcher Vollwertler oder Rohköstler wird Frage 4, 5, oder 6 mit „Ja“ beantworten? Aber man stelle sich einmal vor, wie jemand anderes uns und unser Essverhalten bewertet. Natürlich wird uns z.B. in Frage 3 kein „Nein“ zugestanden – weil z.B. die Nicht-Vollwertler ja ständig unter dem Komplex leiden, dass wir (wie auch die Rohköstler) ständig „verzichten“. Dasselbe gilt für Frage 4 und 5 – wir verneinen das, aber die Umwelt wird das freudestrahlend mit einem Kopfnicken bejahen. Am besten ist Frage 6. Die Fragestellung ist ja schon suggestiv. Ich verzichte ja auf nichts, ich esse einfach Dinge nicht mehr, die ich früher gegessen habe, weil sie mir nicht mehr schmecken. Aber das wird ein Psychiater nach meiner Zwangseinweisung, der gerade sein Mittagessen in Form einer Portion Currywurst mit einem dicken Eis hinterher eingenommen hat, garantiert anders sehen, um es einmal übertrieben darzustellen.

Gerade Frage 9 ist natürlich völlig richtig. Das gesellschaftliche Leben wird uns schwer gemacht. Darüber klagen viele Vollwertler & Rohköstler – aber bin ich nur geistig gesund, wenn ich mir Pommes und Haribo hinter die Binde kippe?

Es ist alles nicht so lachhaft, wie es auf Anhieb scheint. Ich kann nur sagen: Wehret auch hier den Anfängen!

Niedrigerer Umsatz bei Bio

Kommentar vom 9. August 2009: Umsatzrückgang bei Bio

Tageszeitung (Remscheider Generalanzeiger) vom 8. August 2009:

„Verbraucher greifen in der Krise seltener zu Bioprodukten, zudem achten sie mehr auf die Preise als noch im Vorjahr, berichtet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Im ersten Halbjahr hätten Verbraucher für Biolebensmittel vier Prozent weniger ausgegeben. Zwei Prozent resultieren aus gesunkenen Preisen, zwei Prozent aus Absatzrückgängen.“

Die Zahlen akzeptiere ich mal als korrekt, weil sie nicht so wichtig sind. Ich frage mich allerdings, wieso der Rückgang jetzt auf die Krise zurückgeführt wird. Zwei Prozent weniger haben Verbraucher also Biolebensmittel gekauft. Das finde ich jetzt auch nicht so überaus dramatisch – andere Branchen haben ganz andere Rückgänge hinnehmen müssen. Vor ein paar Tagen las ich z.B., dass die Discounter sich weitere Rabattschlachten liefern und immer mehr Leute (wegen der Krise) dort einkaufen. Da finde ich zwei Prozent Käufe weniger im Biosektor, der ja im allgemeinen als teuer verschrieen ist, eher wenig. Das spricht für mich dafür, dass (bei all meinem Wehklagen über die Bioszene) die Biokäufer noch ein wenig mehr Sinn für Qualität beim Essen haben.

Gar nicht gefällt mir der erste Satz, der nicht zwischen Bio- und anderen Lebensmitteln unterscheidet. Subjekt des Satzes sind die Verbraucher (also egal ob Bio oder Nicht-Bio). Sie greifen weniger zu Bioprodukten. Alles klar. Und sie (die Verbraucher!) achten mehr auf die Preise. Das heißt, ALLE Verbraucher achten mehr auf die Preise. Hier wäre aber doch jetzt wichtig gewesen, einmal zu unterscheiden, ob jetzt auch die Bio-Käufer auf die Preishatz gehen. Oder konkreter gesagt: Wenn die GfK 1000 Verbraucher befragt hat – wie viele von den 1000 Verbrauchern waren regelmäßige Biokunden? Wie viele von den 1000 achten mehr auf die Preise? Und wie viele der Biokunden achten stärker auf die Preise?

Ich meine gelesen zu haben, dass die Deutschen besonders gerne zuerst am Essen sparen. Wobei das auch nicht ganz stimmt – sie sparen nicht am Döner oder den Pommes zwischendurch, wie ich immer mit Gruseln feststellen kann, wenn ich durch die Stadt gehe.

Wer einmal den Schritt zu Bio oder Vollwert gemacht hat, wird den Preiskampf bei Lebensmittel nicht mehr mit so viel Freude betrachten wie die „Normalbürger“. Dies finde ich durch diese Nachricht durchaus bestätigt. Aber es hätte natürlich dem allgemeinen Vorurteil gegen die Bio- und erst recht die Vollwertkäufer widersprochen, wenn der Artikel gelautet hätte:

„In der Krise achten Verbraucher vermehrt auch auf die Preise der Lebensmittel, wobei in Deutschland sowieso eine starke Tendenz zum Billiglebensmittel besteht. Die Lebensmittelbranche reagiert mit Preisreduzierungen, so sind sogar in der als teuer verteufelten Biobranche die Preise um 2 Prozent gesunken. Zusätzlich ist auch der Absatz mit Bioware um 2 Prozent rückläufig. Ob dies nun eine Folge der Krise ist oder eine Folge allgemeiner Biomüdigkeit aufgrund von Bioskandalen, die von der Presse gerne hochgespielt werden, wäre noch zu untersuchen. Auch hier zeigt sich einmal mehr, dass Biokäufern das Essen mehr wert ist, denn bei Verkäufen im Supermarkt (nicht bei den Discountern) ist der Absatz im gleichen Zeitraum um 5 Prozent zurückgegangen.“

(Wobei der letzte Satz jetzt mal einfach eine freche Behauptung von mir ist <G>).