Sei, was du sagst

13. April 2012: Hier geht’s um öffentliche Äußerungen

Wer sich erinnert – ich selbst erinnere mich nur noch vage 🙂 -, weiß noch, dass von gewissen Seiten vor gut zwei Jahren über Amazon eine Schmutzkampagne gegen mich gefahren wurde: Belästigung per Telefon und Email, verleumderische Internetartikel usw.

Das ist nun alles Schnee von gestern. Aber im Internet steht es unter meinem Namen immer noch ganz oben! Damals hat mich das mitgenommen, heute habe ich dazu gelernt. Wenn mir jemand – nett gemeint – mitteilt, dass irgendwo über mich hergezogen wird, egal wie, schaue ich gar nicht hin. Selbst wenn ich mich 5 Minuten ärgere, ist das zu viel verplemperte Lebenszeit. Dinge, die im Netz stehen, bleiben dort, ich kann also praktisch nichts unternehmen, wenn ich nicht reich bin und über ein Heer von Anwälten verfüge, selbst dann ist der Erfolg mäßig. Ich bin mir einfach dessen bewusst, dass ich nicht nur viel im Netz schreibe, sondern dies auch noch mit vollem Namen und Adresse tue. Das heißt, ich muss mir einfach darüber im Klaren sein, dass jeder Satz „gegen“ mich verwendet werden kann. Das Risiko gehe ich gerne ein. Erstaunlich, dass mich noch nicht ein Heer von Ärzten, Bäckern und Ökotrophologinnen mit Rechtsanwaltsdrohungen überschüttet hat. Da kommen solche Albernheiten eher aus ganz anderen Ecken, wo ich nur staunen kann 😉

Auch Pseudos schützen nicht immer im Netz. Es sollte also jeder wissen, der irgendwo in einem Blog oder einem Forum ein Sätzchen schreibt, dass dies woanders aufgegriffen werden kann, nicht immer freundlich. Man kann dann natürlich, wenn man Betroffener einer solchen Schmährede ist, sich wahnsinnig drüber aufregen, sich etwas drüber aufregen oder drüber stehen und mit den Achseln zucken. Man kann dem Verfasser, der einen schmäht, auch mit dem Rechtsanwalt drohen – heute auch sehr beliebt 🙂 Als ich damals den Ärger hatte, sagte meine Anwältin: „Wenn du zu viel Geld hast, mach was. Der Erfolg ist aber ziemlich bescheiden, denn was einmal im Netz steht, ist drin auf lange Zeit. Und meist wird das Verfahren dann wegen Nichtigkeit auch noch niedergeschlagen.“ Da ich nicht zu viel Geld habe, habe ich’s gelassen – und nie bereut. Wer mich ein wenig kennt, wer auch nur ein Buch von mir gelesen hat, weiß, was er von mir zu halten hat. Was soll’s da, wenn zwei Jahre lang Unsinn über mich im Netz steht?

Wer nun aber noch nicht so ein dickliches Fell wie ich entwickelt hat: Dem sei dies hier einfach nur ein Hinweis. Auch wenn ein Blog oder ein Forum noch so einen wohnstubenähnlichen Eindruck macht: Solange es kein geschützter Bereich ist, kann es JEDER lesen und JEDER was draus machen.

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Kommentieren auf dem Blog

Kommentar vom 16. Februar 2011: Warum erscheint mein Kommentar nicht direkt?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in Blogs mit Kommentaren umzugehen. Je nach Provider gibt es da auch kleine Unterschiede. Für mich, die ich in WordPress blogge, gibt es vier Möglichkeiten:

  1. Ich sperre alle Kommentare
  2. Ich lasse Kommentare nur nach Freischaltung zu
  3. Ein erster Kommentar eines neuen Kommentators wird von mir freigeschaltet, danach kann er seine Einträge immer sofort einstellen.
  4. Alle Kommentare erscheinen unkontrolliert.

Nummer 1 finde ich völlig dem Sinn von Blogs entgegengesetzt. Ein Blog lebt doch davon, dass viele der Leser und Leserinnen auch mitmachen. Einfach nur etwas in die Welt hineinposaunen und Kommentare verbieten? Dafür sind mir meine Leser auch viel zu wichtig.

Ich bin auf anderen Blogs ja auch zu Gast und habe festgestellt, dass mich das nervt, wenn mein Kommentar nicht direkt sichtbar ist. Dann habe ich das Gefühl, da wird nie ein richtiges Gespräch daraus. Denn der Blogersteller sitzt ja nicht den ganzen Tag am PC und wartet nur auf meine Kommentare. Da vergehen Stunden, manchmal Tage bis zur Freischaltung. Abgesehen davon, dass mir das auch zu lästig wäre. Und: Meine Kommentatoren verhalten sich in der Regel so, dass es nichts zu beanstanden gibt. Die ganz wenigen Ausnahmen halte ich auf andere Weise in Schach 🙂

Die dritte Möglichkeiten ist die auf meinem Blog geltende. Das heißt, wenn jemand sich zum ersten Mal auf meinem Blog zu Wort meldet, muss derjenige warten, bis ich es durchgelesen und genehmigt habe. Dadurch kann ich Blogspam, Werbe-Kommentare usw. aufhalten.

Nummer 4 ist mir dann doch zu „gefährlich“. Ich habe keine Lust, dass stundenlang irgendetwas auf meinem Blog zu lesen ist, was reine Werbung ist oder Parolen verbreitet, die mit Recht und Gesetz nicht viel gemeinsam haben.

Nun gibt es einige Kommentatoren, die schon bemerkt haben werden, dass ihre Kommentare trotz Erstfreischaltung eine Weile in der Warteschlange hängen. Woran liegt das?

Es gibt noch andere Möglichkeiten, Kommentare auf die Wartehalde zu schicken. Zum Beispiel kann ich festlegen, wie viele Links ein Kommentar enthalten darf, bevor er auf „Warten“ gesetzt wird. Anfangs hatte ich das bei drei Links, ich habe das aber mittlerweile auf noch niedriger gesetzt. Auch dies, weil mir teilweise die Werbung dann – auch wenn sie nicht immer als solche gemeint ist – zu stark wird.

Eine weitere wichtige Methode ist es, einen Kommentar dann aufzuhalten, wenn gewisse Stichwörter auftauchen. Das gibt mir einmal die Möglichkeit, unangenehme Charaktere (das heißt solche, die sich nicht an meine Blogregeln zu Höflichkeit und Respekt orientieren) fernzuhalten, und außerdem auch, zum Beispiel politisch radikale und verfassungswidrige Beiträge herauszufiltern. Andere Blogs haben damit schon reichlich Erfahrung gemacht, aus denen ich gelernt habe.

Journalisten und Blogger

Kommentar vom 21. Januar 2011: Prisma

Letzte Woche las ich genüsslich das Prisma, die wöchentliche Beilage zur Tageszeitung. Da gibt’s ja immer ein kleines Editorial, von schwankender Qualität. Diesmal musste ich es natürlich lesen, denn es geht um’s Bloggen.

Hui, da hat aber jemand einen dicken Hals auf die Blogger 😉 Ich empfinde den Artikel als recht aggressiv und frage mich: Warum sich so aufregen? Nur weil einige Journalisten absoluten Schwachsinn schreiben, behaupte ich doch auch nicht, dass Zeitungen überflüssig sind. Im Gegenteil, ich möchte morgens nach dem Frühstück nicht schon mit der Nase über dem PC hängen. Und auch wenn ich heute oft die Aufrichtigkeit und die Recherchefähigkeiten vieler Journalisten leider in Zweifel ziehen muss, so ist das Medium Zeitung auch wichtig, weil es eben nicht so flüchtig ist wie eine Website.

Nach einer kleinen schon leicht polemisch angehauchten Einleitung, zieht der Chefredaktuer Detlef Hartlap vom Leder: „Was Blogger nicht wahrhaben wollen: Das Internet hat sich […] zur übelsten Entprivatisierungsmaschine seit den östlichen Geheimdiensten entwickelt.“ Das wusste ich auch noch nicht, dass ich schlimmer bin als der KGB. Gut zu wissen 🙂 Oder anders herum, Herr Hartlap will wohl auch nicht wahrhaben, dass man nicht alle Blogger über einen Kamm scheren kann, genauso wenig wie alle Journalisten in einen Topf zu werfen. Dann kommt ein Satz, da habe ich laut gelacht: „Bei Zeitungen bleiben Stuss & Schund auf Reservate beschränkt (Boulevard, Yellow [Press; er meint: Regenbogenpresse]“. Schön wär’s, Herr Hartlap, wenn das stimmen würde. Dann würden ein Drittel meiner Blogartikel gleich unter den Tisch fallen, ich müsste sie nicht schreiben. Meine kleinen Funde stammen keineswegs aus der Frau im Spiegel, Tina oder wie sie sonst noch heißen, sondern gerne auch aus dem Hausblatt von Herrn Hartlap, dem Remscheider Generalanzeiger bzw. dem Prisma.

Es gibt blöde Blogs, das stimmt. Da wird einseitig dargestellt, argumentiert usw. Es gibt aber auch viele Blogs, die mit den Zeitungen gar nichts gemeinsam oder gegen sie haben, sondern einfach nur tagebuchartig durch anderer Leute Leben plätschern. Wem schaden die? Und dann gibt es auch viele Blogs, die Ungerechtigkeiten, Unwahrheiten und ähnliches aufdecken. Dabei arbeiten sie nicht gezielt gegen die Zeitungen, sondern es geht um gewisse Themen. Noch ein schöner Satz von Herrn Hartlap, der allen Bestrebungen vorarbeitet, doch endlich die Freiheit des Internets zu beschränken: „Die Freiheit des Internets hebt sich selbst auf, weil sie keiner Einschränkung unterliegt.“ Oder anders herum gesagt: Frei ist nur, wer eingeschränkt ist. Wie wär’s mit „alle Blogs verbieten“? Oder zum Beispiel beim Thema Ernährung nur solche Blogs zulassen, die sich guten Regeln unterwerfen, wie äh…. zum Beispiel den Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung? Oder wie soll die Einschränkung vonstatten gehen? Übrigens: Blogs mit verfassungsfeindlichem Inhalt sind eh nicht zulässig. Wieso brauchen also Blogs, die sich im Rahmen der Verfassung bewegen, noch Einschränkungen?

Hartlaps Schlussfolgerung: „So wird das Internet zum Symbol für das unbesiegbare Nichtbescheidwissen der Masse.“ Das „So“ steht ja als Ergebnis einer Schlussfolgerung, die der Chefredakteur leider für mich nicht schlüssig herbeigeführt hat. Da Informationen aus Zeitungen heutzutage häufig leider auch nur noch ohne eigene Nachforschungen abgeschrieben werden – das gilt natürlich auch für viele Internetinformationen, wie ich ja schon mehrmals aufgezeigt habe -, gilt das doch für die Zeitungsartikel genauso. Die Masse wird weder durch Zeitungen noch durch das Internet sehr klug oder verdummt. Der Schritt liegt weit vorher, nämlich zum Beispiel in der Schule, wo es gilt Menschen zu kritisch lesenden Menschen zu erziehen. Dies am Rande.

Und zum Schluss, ja da gibt es „uns Bloggern“ Hartlap noch mal so richtig: „Die Blogger aber, statt darüber [zu] klagen, arbeiten sich an den Zeitungen ab – ihrem Leitmedium, immer noch.“ Einmal stimmt das natürlich gar nicht, denn ich würde mal sagen, Herr Chefredakteur liest die falschen Blogs. Ohne dass ich ihm Einseitigkeit vorwerfen möchte, vielleicht ein wenig Einäuigkeit-Blindheit? 😉

Und zum anderen wundert mich das auch gar nicht, wenn Leute wie ein solcher Chefredakteur uns das Futter doch mit solchen antidemokratischen Thesen, die sich auch noch auf Unwissen stützen, griffbereit auf den Tisch legen 🙂