Brötchen à la Brioche und eine Story

21. August 2013: Brötchen-Rezept und Geschichte Nr. 56

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Brötchen mit Maishauch à la Brioche

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Geschichte Nr. 56

Es ist Nacht. Irgendwo knarrt eine Holzbohle. Das Mondlicht scheint durch das gardinenlose Fenster in einen Raum. In der Mitte des Zimmers steht ein großer Tisch mit vier Holzstühlen. Mehr kann man nicht erkennen. In der rechten Ecke ist ein kleines weißes Licht zu sehen. Ab und zu schiebt sich eine kleine Wolke über den Mond, je weiter er über den Horizont kommt, umso besser kann man erkennen, was auf dem Tisch liegt: Bestecke, vielleicht aus Silber, die im Mondlicht funkeln. Eine Glasvase, deren Rundung ebenfalls das Mondlicht reflektiert. Irgendwo im Haus schlägt eine Uhr: Es ist 2 Uhr nachts. Wenige Minuten später klingelt es im Raum, drringgg-drringg, viermal geht das so. Dann springt eine Maschine an, das ehemals kleine weiße Licht ist nun rot und beginnt zu flackern. Nach einer Weile macht es klick und klock… die Stimme einer Frau ist zu hören “Ja, hallo, ich bin’s, tut mir Leid, dass ich so spät anrufe, aber…. ich muss einfach mit jemandem reden” Pause. “Eine blöde Idee, jetzt anzurufen, aber ich wollte …”. Pause. Ein unsicheres “Ja, dann bis bald, und… äh, tschüss.”. Man kann hören, wie der Hörer aufgelegt wird. Das kleine Licht leuchtet nun stetig grün. Wenige Stunden später durchflutet das erste Grau den Raum, Vogelstimmen verkünden den neuen Morgen. Ein Radio plärrt los, irgendwo knallt eine Tür. Wasser fließt, ein Fenster wird geschlossen, Lichter gehen an.

Müde reckt sich die Frau. Ein Blick auf den Wecker. Fünf Uhr morgens. Sie springt auf. Draußen bricht der Tag an. Ein paar Vögel zwitschern schon und in der kleinen Ferienwohnung nebenan gehen noch weitere Lichter an und aus. Jetzt wird es wieder leise. Noch ein Blick auf die Uhr. Wieder wertvolle zwei Minuten verloren. Zwei Minuten, die sie für die Suche nach ihrer Tochter braucht. Wo kann sie nur sein? Verzweiflung schleicht sich ein. Wenn wir Ihre Tochter Amelie in den nächsten achtundvierzig Stunden nicht finden, dann… Er brach ab. Er, der Kommissar. Sie konnte und wollte den Satz einfach nicht zu Ende denken. Immer wieder ruft sich die Erinnerung in ihre Gedanken. Was wäre wenn? Ihre Tochter war noch am Leben, das fühlte sie. Ja, das fühlte sie mit großer Sicherheit. Nur wo? Wo? Wo… Ein Gedanke durchzuckt sie. Sie sucht ihren Geldbeutel. Nur noch ein paar Euro. Das Besteck auf dem Tisch, das war vielleicht aus Silber… Wenn sie es verkaufen würde… es könnte vielleicht reichen, um eine Zugfahrt nach München zu bezahlen. Hat Amelie nicht von einer virtuellen Bekanntschaft aus München erzählt? Sie kann in Gedanken hören, wie ihre Tochter sie zurechtweist. Mensch Mama, so redet heute doch keiner! – Ja, würde sie antworten. Weißt du denn eine bessere Bezeichnung? Die Deutschlehrerin in ihr kommt eben immer wieder durch. Sie schüttelt den Kopf, als würde sie sich selbst schelten. Sie hängt ihren Gedanken nach, dabei sollte sie lieber etwas unternehmen. Der Goldhändler ist frühestens um acht Uhr in seinem Laden… Bis dahin muss etwas geschehen! Sie überlegt, noch einmal ihre Nachbarn anzurufen. Aber heute Nacht… Nein, sie waren wirklich nicht begeistert gewesen, nachts geweckt zu werden. Aber wenn Amelie jetzt doch schon vor der Tür sitzt? Sie packt doch nie ihren Schlüssel ein… Noch ein kurzer Blick auf die Uhr. Drei Stunden ist der letzte Anruf jetzt her. Natürlich waren die Nachbarn verständnisvoll, aber die Abfuhr heute Nacht… Niemand glaubt mehr, dass Amelie noch lebt. Wie kann sie nur allen klar machen, dass Amelie noch lebt? Sie lebt!

Sie packt ihre Sachen zusammen. Viel hat sie nicht dabei. Schlafanzug und Zahnbürste hatte sie daheim gelassen. Es war einfach alles zu schnell gegangen. Ihr Handy schiebt sie mit einer flinken Bewegung in ihre rechte Hosentasche. Eigentlich war die Hosentasche viel zu klein dafür.

Ihre Jacke wirft sie sich über. Ihren Laptop zieht sie mit einer unachtsamen Handbewegung von dem kleinen Tisch. Der Akkustand leuchtet schon rot. Akkuladekabel war natürlich auch daheim. Klasse. Ein bisschen mehr Überlegung kann eigentlich nicht schaden. Für eine kurze Information würde es aber reichen. Goldhändler… Ah, sieben Uhr dreißig. Noch gut zwei Stunden. Sie packt ihren Laptop in ihre linke Hand und verlässt eilends die kleine Ferienwohnung. Der Schlüssel. Sie geht noch einmal schnell in die Wohnung. Wo hat sie ihn liegen gelassen? Ah, da ist er ja.

Das Auto steht gleich neben der kleinen Wohnung. Würde man sie in Remscheid vermissen? Dafür ist jetzt keine Zeit. Das Handy klingelt. Wer hat sie gesehen? Gestern? Ja… Sie steigt ins Auto. Ja, ich komme! Ein Blick auf die Uhr. So in einer Stunde etwa kann ich da sein. Gut. Bis dann. Der Motor springt etwas stockend an. Das kleine rote Auto braust davon. Eine Staubwolke bleibt zurück.

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