Brotverbrauch der Deutschen

Kommentar vom 26. November 2009: Der Verband Deutscher Großbäckereien e.V. informiert

In der Apothekenumschau finde ich eine kleine Meldung:

„Im vergangenen Jahr hat jeder Deutsche im Durchschnitt 56 Kilogramm Brot verzehrt. Eingekauft wurde wesentlich mehr,  nämlich 85 Kilogramm.“

Aha, und was ist mit den restlichen 29 Kilogramm passiert? Uns fällt da natürlich sofort Wegwerfen ein, aber Vorsicht: Das ist hier nicht gesagt. Und das missfällt mir ja schon einmal wieder. Mit so zwei kleinen Zahlen kann ich viel mutmaßen, weiß aber nichts. Heruntergerechnet auf die Woche hieße dies, dass jeder Deutsche im Durchschnitt – also auch Leute mitgerechnet, die kaum Brot essen, und die Gruppe ist ja gar nicht so klein – 1,07 kg Brot in der Woche isst. Mannomann, das schaffe ich nicht! Und als Vollwertlerin gehöre ich ja zu denen, die als Vielbrotesser verschrieen sind. Das ist also alles schon mal wieder sehr eigenartig. Kurzmitteilungen mögen ja nett sein, aber sie sollten informieren, nicht verwirren.

Dann habe ich mal die Homepage dieses Verbands aufgesucht. Da gibt es eine Menge Infos und wie nicht anders zu erwarten, wird natürlich zwischen ausgemahlenem Mehl und Vollkornmehl kein Unterschied gemacht. Nicht, dass ich das erwartet hätte – eine Großbäckerei hat nicht viel Spaß am schnell verderblichen Vollkornmehl und schon gar nicht am selbst mahlen. Auf der Homepage wird uns eine heile Bäcker-Welt vorgehalten, wo alle Bäcker ohne Schimmelschutzmittel backen (was aber vorher mit dem Mehl passiert ist, bevor es die Bäckerei erreicht, verrät uns niemand).

Der absolute Hammer sind ja die Verbraucherinfos, die teils direkt aus einem Vollwertbuch hätten entnommen sein können. Unter der Überschrift Getreide, Mehl und Brot sichern täglichen Nährstoffbedarf“ werden uns hier Vitamin- und sonstiger Vitalstoffgehalt (das Wort Vitalstoffe wird nicht benutzt) hochgelobt. Die Bedeutung von Getreideprodukten als Quelle für die Versorgung des Menschen mit Eiweiß wird häufig unterschätzt. Die Stärke-Kohlenhydrate aus Getreide stehen ernährungswissenschaftlich als Basis für die Energieversorgung auf der Empfehlungsliste.“ Und auch zum Vitamin B wissen die Großbäcker etwas zu sagen: Getreide, Mehl und Brot sind eine wertvolle Quelle für viele dieser Funktionsstoffe: Insbesondere als maßgebliche Lieferanten der zur B-Gruppe zählenden Vitamine, wie z.B. das ‚Nervenvitamin‘ Thiamin, das maßgeblich an der Gewinnung von Energie aus der verspeisten Nahrung beteiligt ist und außerdem einen wichtigen Botenstoff im Nervensystem des Menschen darstellt“.

Leider, leider erzählten die so auskunftwilligen Großbäcker uns nicht, dass in dem gerade von ihnen mit Begeisterung verwendeten Auszugsmehl außer Stärke nix mehr drin ist. Und wenn ein Mensch, der noch nie etwas davon gehört hat, was mit einem Getreidekorn auf seinem Weg von der Ähre bis zum hellen Weizenbrötchen passiert, das liest – warum sollte er misstrauisch werden?

Wenn das noch die Homepage der Bäckerinnung wäre, dann würde ich noch die Schultern zucken und denken: ‚Naja, die kleinen Bäcker, sie meinen es gut und wissen es nicht besser, und es gibt auch sicher einige außer den Vollkornbäckern, die ihr bestes tun‘. Aber gerade die Großbäcker, denen es nur noch um Massenware geht, nehmen jetzt den Gesundheitsmund so voll. Das ist dreist, um es gelinde auszudrücken.

Selbst nachlesen könnt Ihr den ganzen Krempel hier: klick