Einmal Rastalöckchen, bitte

Manchmal bin ich froh, dass ich nicht mehr jung bin. Erstens muss ich in bezahlten Texten nicht gendern (Was hätte ich gemacht, wenn der Auftraggeber es verlangt hätte? Wie weit hätte ich mich korrumpieren lassen?) und zweitens muss ich immer milde lächeln, wenn ich die Pro-Argumente höre. Gerne werden dann alle, die das Gendern ablehnen, in die Ecke – pensioniert, älter – gedrückt. Ja, ist denn das, was ein emeritierter Professor sagt, von Vornherein schlechter als das, was ein Mittdreißiger von sich gibt? Wobei ja nicht einmal alle jungen Leute dafür sind, 75% der Deutschen wollen sich die Sprache nicht verunstalten lassen.

Ja, wie schön, das Etikett „älter“ hänge ich mir dann gerne um. Bitte schön, versucht doch eure Gegner mit den albernsten Argumenten mundtot zu machen.

Ich bin gespannt, wie diese radikalisierte Minderheit nicht nur die Medien, sondern auch die Bevölkerung zwangsvergendert. Oder ob sich doch der gesunde Menschenverstand durchsetzt? Dasselbe gilt ja für Cancel Culture und, mein Lieblingsthema neuerdings, kulturelle Aneignung. Was noch Alberneres habe ich selten gehört. Wann endlich verbannen wir die Kartoffeln aus Deutschland, denn wenn ich als Europäerin nicht mexikanisch kochen „darf“, dann auch kein Gemüse aus Südamerika essen. Dort wurde von den Europäern ja brutalstens unterdrückt. Passt also ins kulturelle Aneignungsschema.

Schade, dass meine Haarpracht für Rastalöckchen nicht reicht. Wäre sonst meine Lieblingsfrisur.

Werbung

Shitstorms und mehr

Ich gestehe, wenn ich den Namen Sahra Wagenknecht gehört habe, habe ich die Augen immer himmelwärts gedreht. Ich bin keine Anhängerin der Linken. Vor ein paar Tagen schickte mir eine Freundin ein YouTube-Video mit Sahra Wagenknecht. Ich hab’s mir komplett angehört und etwa 100 mal mit dem Kopf „JAJAJA“ genickt. Einzig bei der Interpretation der Coronazahlen stimme ich nicht komplett überein – aber der Rest über Liberalität in Deutschland und ob ich auch was sagen darf, was die AfD beklatscht, finde ich umwerfend gut.

Die Videos „allesdichtmachen“ kann ich nicht beurteilen – ich habe sie nicht gesehen. Aber den Eindruck habe ich auch bei 90% derjenigen, die sich darüber aufregen. Das ist die moderne Art der Recherche und sich Informierens: Ich lasse mir von Dritten sagen, was in der Welt los ist, und übernehme auch gleich ihr Urteil. Spart mühsames Denken. Deshalb habe und hatte ich auch kein Urteil zu diesen Videos. Aber darum geht es auch nicht wirklich, sondern um den Umgang damit. Und den hat Wagenknecht vorzüglich dargestellt.

Außerdem mag ich ihre ruhige Art des Vortrags ohne große emotionale Kopfwäsche. Anschauen lohnt!