Forks over Knives – nicht mehr für mich

10. Sep. 2015: Abschied von Gabel statt Skalpell / Forks over Knives

Hiermit distanziere ich mich von FoK als Ernährungsform. Das Prinzip der Fettvermeidung/-reduzierung finde ich nach wie vor lobenswert, darauf wird in der Vollwertkost nicht genug Wert gelegt. Dies ist ein Beitrag, den ich zuerst in der Gruppe „https://www.facebook.com/groups/VWKundFOK/“ veröffentlicht habe.

John McDougall gehört zur FoK-„Truppe“. Ich habe mir sein Buch „The Starch Solution“ gekauft, weil ich mir davon Anregungen versprach (ISBN 978-1-62336-027-6). So ein Reinfall! Jede Menge Toastbrot wird dort verarbeitet, Zucker auch. Hier einmal die Zutaten als Beispiel für ein typisches Rezept: „2 cups confectioners‘ sugar / 1/4 cup Wonderslim Wondercocoa Fat-Free Cocoa Powder / 1/4-1/3 cup soy milk / 1/4 teaspoon pure vanille extract.“ Hier ist nichts mehr Natur.

Auch das Buch „The China Study Quick & Easy Cookbook“ von Del Sroufe (ISBN 978-19406381-3) überzeugt mich nicht. Ganz wenige Anregungen, viele Fertigzutaten. Die Rezepte auf der Homepage von Forks Over Knives machen mir häufiger Bauchschmerzen als Freude.

Fett runter! fand ich von Anfang an gut. Ganz ohne Fett? Ist das nötig? Die Frage blieb mir. Ich selbst habe konsequent FoK 6 Monate gemacht, sogar auf den Honig habe ich verzichtet, was ja aberwitzig ist. Während es mittlerweile bis nach Amerika gedrungen ist, dass Zucker / Fructose aus Obst anders zu bewerten ist als dieselben Stoffe in isolierten Produkten, hat sich das beim Honig nicht herumgesprochen. Aber nicht nur ich, sondern auch ein guter Freund hat aus Gesundheitsgründen FOK konsequent betrieben, um sein Gewicht abzusenken und den Blutdruck zu kontrollieren.

Ich habe  keinen Unterschied gespürt. Allerdings konnte ich in der Zeit ein paar tolle Rezepte entwickeln, die auch ohne Tierprodukte superlecker sind. Andere Dinge (Soßen, viele Hauptspeisen) schmecken mir auch nach 6 Monaten fettfrei nicht wirklich. Ich habe in dieser Zeit einen immer stärker werdenden Fleischhunger verspürt, für mich stets ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Auch Richtungen der FoK, wo man große Mengen Kohlehydrate (Bananen, Reis, Kartoffeln usw.) verzehren soll, sind für mich nicht natürlich. Ich kenne Fleischgelüste nur aus der Rohkostzeit, nicht aber bei tiereiweißfreier Vollwertkost! Bei meinem Freund ist es noch dramatischer – er hat kein Gramm abgenommen, keines seiner Blutdruckmedikamente kann er verringern, seine Blutwerte sind schlechter geworden, und zwar auch gerade noch die Blutfette!

Die Hauptgestalten der FoK – Campbell and Barnard – predigen Whole Food (natürliche Nahrung), akzeptieren aber in den Rezepten jede Menge verarbeiteter Industriekost. Ähnlich wie bei sektenartigen Auswüchsen von Ernährung hierzulande werden keine Misserfolge berichtet.

Die Vollwertkost für Gesunde ist nicht einmal tiereiweißfrei. Der Abschied von den Tierprodukten kann meiner Ansicht nach – wohlgemerkt: bei Gesunden! – ausschließlich ein moralisch/ethischer, niemals ein wirklich natürlicher sein. Die überwiegende Mehrzahl der Naturvölker greift immer zu Tierprodukten.

Es gibt ein Video von McDougall, in dem er Tipps für die Ernährungsumstellung gibt. Kurz zusammengefasst:: Jedes Speiseöl ist Gift, aber keine Sorge, Zucker ist okay. (Aber von Honig wird abgeraten hahaha, dies allerdings nicht in diesem Video) https://www.youtube.com/watch?v=OF7Uanr-lYA

Mir ist das zu einseitig. Da stellt Neal Barnard eine Studie bei 19 Probanden als Beweis vor. Oha! Das ist lächerlich. So etwas kann allenfalls ein Test für eine echte Studie sein. Ich habe das dort kommentiert und auf die Studie eine Medizinjournalisten hingewiesen, dessen – absichtlich – getürkte, aber korrekt durchgeführte Studie ergab, dass mit regelmäßigem Schokoladenverzehr das Körpergewicht abgesenkt werden kann. Die Ergebnisse dieser Studie gingen um die ganze Welt, denn er konnte sie auch in anerkannten Zeitschriften veröffentlichen! Dieser Journalist hat auch sehr schön aufgezeigt, warum Studien mit kleinen Teilnehmerzahlen einfach nicht akzeptabel sind. Wobei Studien zu Ernährung immer schwierig sind, denn Hand auf’s Herz: Wie soll das kontrolliert werden? Geantwortet hat niemand auf diesen Kommentar.

Wenn wir mit offenen Augen umherschauen, und das sollten wir auch tun, wenn wir von etwas überzeugt sind, finden wir  durchaus überzeugende Studien, die nicht die komplette Fettfreiheit und die komplette Abkehr von den Tierprodukten empfehlen (um es noch einmal zu sagen: der ethisch-moralische Aspekt ist hier ein ganz anderer).

Für mich ist FoK endgültig unglaubwürdig geworden. Der Einfluss ist gut, aber der Rest – nein danke. Warum sind denn Vollwertler gesund, die durchaus Fette essen, aber keinen Zucker? Was ist mit der erwiesenen Zuckersucht? Wie kann mich eine Ernährung überzeugen, die auf die Einnahme von Vitaminen (Vitamin B12) angewiesen ist? Das ist eine Diät, keine Ernährung (der englische Sprachgebrauch macht hier keinen Unterschied).

Ich bin durch Zuckerlosigkeit und Auslassen von Auszugsmehl alleine durchaus gesünder geworden, nicht aber durch Weglassen von Fett, da hat sich bei mir nichts geändert. Was mein Freund erlebt hat, passt auch nicht ins FoK-Wunderbild.

 

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Die China Study im Film

14. Oktober 2012: Ein wichtiger Film

„Gabel statt Skalpell“ – Gesünder leben ohne Fleisch, DVD ab 6 Jahren, Laufzeit 92 Min + Bonusmaterial; Preis in Ebay zwischen 17 und 21 Euro.

Die Rezension habe ich, um ehrlich zu sein, mit halbem Herzen übernommen. Ich bin da irgendwie so reingerutscht und dachte: Naja, noch eine Pflicht… eigentlich kennst du die China Study ja gut. Ich habe sie gelesen, einige Jahre bevor sie in der deutschen Übersetzung erschien und war eine der ersten, die sie im deutschen Sprachraum populär angepriesen hat.
Ich hatte mir den heutigen Sonntag dafür vorgemerkt. 92 Min Film, meine Backe… das ist für mich als TV-Nichtbesitzerin ein Happen. Am späten Vormittag dachte ich: Jetzt oder nie, und außerdem kann ich mir das dann in verdaubaren Häppchen zu Gemüte führen.

Soweit die Vorgeschichte. Ja, und dann habe ich die DVD mit einer kleinen Toiletten-Pause an einem Streifen geguckt. Sie ist einfach so spannend!

Wobei ich mal gleich mit den Meckerpunkten anfange, und das ist wie so oft: die deutsche Bearbeitung. Der englische Titel „Forks over Knives“ ist wesentlich witziger als das Deutsche. Forks over Knives würde ich für diesen Film mit „Gabel statt Messer“ übersetzen, was viel deutlicher auf das Essen anspielt als der deutsche Titel, der mal wieder so typisch deutsch-lehrmeisterhaft die Menschen unterschätzt und denkt, wir sind alle so blöde, dass wir noch das SKALPELL brauchen, um zu verstehen, worum es hier geht. Im Bonusmaterial, wo die Texte mit deutschen Untertiteln unterlegt sind, habe ich auch gleich erkannt, welche Qualität die deutsche Übersetzung hat: Wer „glamorous“ mit glamurös“ übersetzt, hat kein Sprachgefühl und nimmt das erste beste Wort, was ihm über den Weg läuft. Wer „diet“ ständig mit „Diät“ übersetzt, übersieht, dass das Englische nicht zwischen Diät und Ernährung unterscheidet, das Wort „diet“ also beides bedeutet und in diesem Zusammenhang deutlich besser mit „Ernährung“ übersetzt würde. Und die Praxis einer Beraterin – die sie natürlich „office“ nennt – als Büro zu bezeichnen, zeugt einmal mehr: Es gibt immer noch Menschen, die glauben, dass zum Übersetzen ein Wörterbuch reicht 🙂

Der Film an sich versteht es sehr geschickt, die Schicksale einzelner Menschen mit wissenschaftlichen Fakten und Erkenntnissen zu verflechten. So wird die Wissenschaft nie langweilig und die Patientengeschichten werden nicht zu Werbespot-mäßig. Schön auch, wie das Leben von Campbell und Esselstyn parallel geführt den roten Faden für den Film hergeben.

Die Fakten dort sind wieder einmal beeindruckend und werden uns mit anschaulichen bewegten Graphiken lebendig vor Augen geführt. Es ist eine Sache, ob ich Zahlen lese, wie z.B. die Herzinfarktraten in den Jahren, als Norwegen während des Dritten Reichs gezwungen war, seine Tierprodukte nach Deutschland zu exportieren also praktisch tiereiweißfrei zu leben, nach unten sackten, und eine andere, dies in einer „wachsenden“ Balkengrafik direkt zu sehen.

Neben den Einzelschicksalen sind auch die Zahlengrundlagen sehr wichtig. Einzelschicksale kennen wir zur Genüge aus allen möglichen Foren zu Gesundheit. Ob es Rohkost, Logi-Diät oder Eiweiß-Diät ist – überall lesen wir Zuschriften von Begeisterten, die angeblich geheilt sind. Hier haben wir aber die Einzelschicksale eher als Bebilderung der wissenschaftlichen reichen Fakten. Die China Study ist eine der größten Ernährungsstudien, die je durchgeführt wurden.

Kurz wird auch die Bedeutung der Tierhaltung für die Umwelt an sich angerissen, sodass auch dieser Aspekt nicht vernachlässigt wird.

Der Film ist kurzweilig, bietet alle wichtigen Fakten, ich finde ihn sehr überzeugend. Diese Form von Dokumentation macht Spaß auf Gucken und Wissen, ich wünschte, es gäbe mehr davon.

Da Hauptthema des Films das Tiereiweiß ist, kann ich nicht erwarten, dass die Schädlichkeit von Zucker und Auszugsmehl im Mittelpunkt stehen. Sie werden aber ebenfalls erwähnt und wer offene Ohren hat, bekommt genug zu hören.

Das Bonusmaterial finde ich zu kurz geraten. Die Interviews sind nämlich sehr spannend, da hätte ich mir 10 Minuten pro Person gewünscht. Auf die Infos vom Filmteam und den Trailer hätte ich hingegen verzichten können. Einer der Interviewten ist Neal Barnard. Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an seinen beeindruckenden Vortrag über das Suchtpotential von Käse, den ich hier vor längerer Zeit vorstellte.

Wer diesen Film sieht und nicht seine Ernährung überdenkt, will nicht gesund bleiben oder werden. Wer die Fakten grob kennt, kann sie hier noch einmal auf nette Weise neu „lernen“. Wer noch nach einem schönen Geschenk für Verwandte und Freunde sucht, sollte hier zugreifen. Das ist Mission, die sein darf, ohne sich selbst zu ereifern.

Eine dicke Empfehlung!