Ketzerisches zur Essenstoleranz

18. Oktober 2012: Intoleranz ist angebracht!

Tolerant sein ist heute ja unbedingt angesagt. Jede Meinung muss gleichwertig sein, jeder muss ein Individuum sein bis in die letzte Körperzelle, bloß keine Ähnlichkeiten bitte, wir sind alle so verschieden, dass es keine allgemeinen Regeln für alle gibt. Also schon gar nicht bei der Ernährung. Toleranz heißt dann auch, dass jeder die für ihn geeignete Ernährung finden kann.

Dieser Toleranz stelle ich mich völlig intolerant entgegen. Es gibt nicht 500 Ernährungsformen, und schon gar nicht eine für jeden Weltenbürger, die dann nur für diese Menschen richtig sind. Es gibt nämlich so etwas wie Biologie. Das heißt, jeder menschliche Körper besteht aus Zellen, die sich alle von denselben Grundstoffen ernähren, die wachsen und sich teilen, oder manchmal auch nicht mehr teilen.

Wenn ich dann zum x-ten Male lese: Jeder muss für sich die richtige Ernährung finden! kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Wenn jeder von uns eine eigene Ernährung braucht, wieso verdauen wir dann alle gleich? Wieso gibt es nur eine Art, den Darm zu entleeren? Wieso benutzen wir (fast) alle eine Toilette? Wieso wächst niemandem ein Finger nach, der abgehackt wurde? Keiner würde behaupten, dass ein künstlicher Darmausgang einfach eine individuelle Eigenheit eines Menschen ist. Keiner würde behaupten, dass Verdauung bei jedem Menschen anders funktioniert und daher jeder seinen Weg zu seiner eigenen Verdauung, seine eigene Toilette finden muss.

Ich behaupte: Ja, es gibt eine optimale Form der Ernährung. Vielleicht gibt es zwei, vielleicht auch drei Möglichkeiten. Industriezucker und Auszugsmehl, da bin ich sicher, gehört nicht dazu. In anderen Regionen der Erde mag die Vollwertkost vielleicht auch eine Alternative haben. Hier in Europa, hier für uns in Deutschland, gibt es keine Alternative. So unterschiedlich sind wir nicht, auch davon bin ich überzeugt.

Genauso bin ich überzeugt, dass jeder grundsätzlich Vollwertkost verträgt. Wer sie nicht verträgt, macht etwas falsch (das können Kleinigkeiten sein), schleppt noch Altlasten mit sich herum usw. Kleine Varianten – ja. Aber Low Carb, eiweißfreiche Ernährung, Urkost und wie sie sich alle nennen – vergiss es, versuche es mir nicht zu verkaufen. Keine Chance. Null Toleranz 🙂 Mag sein, dass du mit einer anderen Ernährungsweise schneller an Gewicht verlierst. Länger gesund, da gehe ich jede Wette ein, bleibst du mit ihr nicht.

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Low carb Diäten ade!

Kommentar vom 9. September 2009: Eine neue Studie 🙂

Da ich heute etwas in Eile bin, hatte ich gestern schon einen Beitrag vorbereitet. Aber im RGA wurde heute wieder so eine tolle Studie vorgestellt, dass ich mich nochmal hingesetzt habe. Der andere Beitrag kann noch warten 🙂

Überschrift „Wenn Diät krank macht“
Und darunter:
„Forscher haben festgestellt, dass bei kohlenhydratarmer Kost das Herzinfarkrisiko höher ist.“

Im Prinzip geht es um Kostversuche mit Mäusen. Die Zeitung hat sich diesmal richtig Mühe gegeben, der Text nimmt eine halbe Seite ein. Das ganze Blablabla im Artikel ist relativ uninteressant. Das Fazit ist aber so schön, so kurz und knackig, dass ich es den Lesern und Leserinnen dieses Blogs nicht vorenthalten möchte. Viele Jahre arbeiten Forscher in Teams oder auch alleine unter Einsatz ihrer Freizeit, ihres beruflichen Engagements an so einem wichtigen Projekt wie der Ernährung. Als guter Forscher benutzt Anthony Rosenzweig vom Beth Israel Deaconess Mediacal Center in Boston natürlich eine Schwabbelformulierung wie „es scheint…“. Davon sollten wir uns nicht täuschen lassen und bitte darunter die bahnbrechenden neuen Erkenntnisse  entdecken, die er als Resümee zieht:

„Es scheint, dass eine ausgewogene Ernährung in Kombination mit regelmäßiger Bewegung das Beste für die meisten Menschen ist.“

Genau das hat meine Oma auch immer gesagt! Aber die kam nicht in die Tageszeitung.