Seniorenkost

23. März 2012: Aufgepasst Senioren!

Ich weiß ja nicht, wie alt meine Leser so im Schnitt sind. Aber ich denke, der eine oder andere wird doch im Zielalter des hochattraktiven Magazins „Der Seniorenratgeber“ aus der Apotheke sein. Ein besonders schönes Stückchen Seniorenratgeber habe ich mir vom Februar aufbewahrt. Da gibt es nämlich 15 Fragen in Rateform zum Thema „Bewusst essen“. Zum Glück ist die Auflösung im selben Heft, ich wäre sonst sicher über die eine oder andere Frage schwer gestolpert.

Manche Fragen bieten Anlass zum Überlegen, die meisten aber sind völlig, sorry, idiotisch, so dass man schon ziemlich dämlich sein muss, daneben zu raten. Soweit gibt das auch einen Einblick davon, was die Redakteure dieses Blättchens von ihren Lesern halten, räusper. Zum Beispiel die hochintelligente Frage Nr. 5 auf Seite 4: „Schneller satt – ohne mehr Kalorien zu sich zu nehmen! Was hilft ganz gewiss dabei? (A) Ein Glas Sekt zur Vorspeise. (B) Ein Glas Bier zum Hauptgericht. (C) Ein Glas Wasser vor dem Essen“. Sehr schwierig, das hat ja Preisausschreiben-Niveau (natürlich nicht die Preisausschreiben von meiner Seite hihi). Also auf dem Niveau sind die meisten Fragen. So auch Frage Nummer 13?

„Krank durch Nahrung. Vor Kurzem erst war der EHEC-Erreger bestimmtendes Tagesthema. Welche Lebensmittel bergen das größte Infektionsrisiko?“

Ich bitte hier schon auf die geschickte Fragestellung zu achten. Angebracht wäre ja eigentlich die Vergangenheit, nämlich „Welche Lebensmittel bargen in diesem Skandalfall das größte Infektionsrisiko“. Aber nein, wir lernen durch diese geschickte Fragestellung als halb oder voll tüddelige Senioren gleich, was gefährlich ist. Hier die möglichen Antworten: (A) Tiefgekühlte, (B) Gebratene, (C) Rohe.

Ich wollte es nicht glauben, aber die Lösung lautet wirklich, ich habe es dreimal nachgelesen: (C) Rohe.

Gut, dass die Senioren es endlich wissen. Vorher wurde ihnen ja schon lange genug eingebläut, dass ihre alternden Verdauungsorgane vor Rohem wegen der Unverträglichkeit geschützt werden müssen. Aber ein bisschen Unverträglichkeit hat ja der eine oder andere mutige Senior vielleicht noch gewagt. Das wird er nun hoffentlich unterlassen, jetzt weiß er ja dank Seniorenratgeber: Das ROHE Essen ist eine Gefahr fürs Leben. Jawohl. Merkt euch dass, auch wenn ihr noch jünger seid :mrgreen:

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Wir sind alle Wissenschaftler…

Kommentar vom 26. Juni 2011: Berufe

Nicht nur im Internet tummeln sich lauter Menschen, die alles wissen. Zwar bin ich nicht in Facebook, aber durch einen Hinweis auf einen Thermomix-Verkauf habe ich mich vor drei Wochen dort in ein paar Kommentaren umgesehen. Interessante Dinge, die Leute so „wissen“. Da schreibt  Brigitte Rundholz, Moderatorin des Urkostforums: „Gottlob versteht man nichts [sic], wie man darauf reinfallen kann, Rohkost mit EHEC in Verbindung zu bringen, weiß der Geier. Es hat mit der monströsen Tierhaltung und mangelder [sic] Hygiene zu tun. Traurig traurig, dieser Schwachsinn.“ (Zum „sic“: Wenn ich ein Zitat abschreibe und der Autor Rechtschreibefehler macht, muss ich die als korrekter Zitator übernehmen. Damit die Leser aber nicht denken, ich bin zu blöde, einen einfachen Satz richtig abzuschreiben, kann ich das kleine lateinische Wörtchen sic in eckigen Klammern dahintersetzen, damit jeder sieht, wo der Fehler liegt..)

Äh, ja, wäre schön, wenn es so wäre – aber eine kleine Begründung außer der eigenen Überzeugung „ich weiß alles“ wäre schon schön. Ich habe auf die Schnelle auch nicht herausgefunden, was denn Frau Rondholz so von der beruflichen Herkunft her ist, dass sie sich da so lautstark meldet. Da sie allerdings eine Konz-Anhängerin ist – der vom Steuerfachmann zum Ernährungsexperten mutierte -, kommt sie vermutlich auch von einer ganz anderen Seite. Nichts gegen Quereinsteiger, ich bin auch keine gelernte Ernährungsexpertin. Aber ich stütze mich auf ein fundiertes Paket deutlich nachgewiesenen Wissens, wie Bruker, Schnitzer, Kollath, Campbell usw. Ich zweifle auch an EHEC-Vermutungen, wie jeder hier weiß. Ich bin für kritisches Lesen öffentlicher Verlautbarungen. Ich würde mich aber nicht hinstellen und sagen: „EHEC ist alles Quatsch. Das ist nur eine Folge passiven Rauchens“. Das hätte dann ungefähr das Niveau der Aussagen von Frau Rondholz. Es hätte ihr besser angestanden, so meine ich, ihre Weisheiten nicht als Aussagen, sondern als Fragen zu formulieren.

Wie gesagt, Frau Rondholz schmückt sich nicht mit einem Titel, der auf irgendeinene beruflichen Hintergrund schließen lässt. Da sind die Amerikaner schon besser. Ich habe vor Jahren mal Lektorat für das Nexus-Magazin gemacht, in dem gerne Themen jenseits des Mainstreams aufgegriffen werden. Dadurch habe ich eine sehr feine Nase dafür bekommen, was ein wenig…. äh, eigenartig ist. Ich bekomme das Magazin netterweise immer noch zugeschickt. Und in der Juni-Ausgabe entdeckte ich nicht nur das Essener Brot als einlagerungsfähige Dosenware, sondern auch den Artikel eines Amerikaners. Worum es in dem Artikel ging, weiß ich gar nicht mehr. Aber die Amerikaner sind schlau, sie wissen, dass wir ohne Qualifikation und Sachkenntnis nicht auftrumpfen können. Der Artikel war unterzeichnet mit: XXX, freier und autodidaktischer Wissenschaftler.

🙂

Sondermeldung Ehec

Neuste wissenschaftliche Studien haben endlich die Erregerquelle gefunden: Es ist das Vollkornbrot in Kombination mit Biokartoffeln und selbstgezüchteten (!) Gerstensprossen. Aber unsere Wissenschaftler haben auch schon ein Gegenmittel gefunden: Kartoffelpüree instant von der Firma M***i, garantiert ohne Naturstoffe, entweder als Infusion, Injektion oder oral. Als Einlauf soll es nicht ganz so gut wirken. Auf jeden Fall ist es empfehlenswert, es in Rinderbrühe derselben Firma anzurühren. Hilft auch prophylaktisch bei Zufuhr 2 x täglich!

Glaubt Ihr nicht? Macht nix, ich finde das liegt so ungefähr auf demselben Niveau wie die Meldungen, die uns nun täglich erreichen, wo 80jährige zu Sprossenfans werden.

EHEC – Das Killerbakterium steht vor deiner Tür!

Kommentar vom 26. Mai 2011: EHEC oder HUS – das Killerbakterium

Leider habe ich vor lauter Schreibfieber im Text Virus geschrieben. Eine Leserin machte mich darauf aufmerksam, dass EHEC ein Bakterium ist. Bitte in diesem Sinne lesen – der Tenor des Ganzen bleibt ja unverändert!

Die Ferienzeit naht. Woran ich das merke? Nun daran, dass die Viren wieder auftauchen. Jedes Jahr, regelmäßig zur saure-Gurkenzeit tauchen sie auf. Gefährlich sind sie, es sterben Menschen und wenn wir nicht aufpassen, sind wir bald alle tot, zerfetzt von den aggressiven Viren.

Mich langweilt das. Es langweilt mich sehr – allerdings hoffe ich, dass es mich nicht zu Tode langweilt 😉 Mittlerweile (ich begann diesen Beitrag am 25. Mai abends) sind 4 Menschen daran gestorben, morgens hörte ich von zwei Seniorinnen, eine starb mit 83 Jahren eindeutig an diesem Virus. Nun bin ich nicht der Meinung, dass es egal ist, ob ein Mensch mit 83 Jahren stirbt, gerne hätte die Seniorin noch länger leben können. Aber so rein statistisch haut mich das jetzt nicht vom Hocker, dass eine über 80 Jahre alte Seniorin an einem Virus gestorben ist. Das soll vorkommen.

Eine Schlagzeile jagt die andere, ein Experte übertönt den nächsten. Und am lautesten schreien die, die schon wieder Unheil größten Ausmaßes voraussehen. Da die europäische Bevölkerung noch schweinegrippegeschädigt ist, wird auch zur Vorsicht bei den Warnungen ausgerufen. Geschädigt sind wir insoweit, dass wir alle nicht krank geworden sind, obwohl wir uns nicht haben impfen lassen 😉

Gestern noch wurde vor Bio-Gemüse und Rohkost gewarnt. Heute nicht mehr, und schon wähnen die Nicht-Bioesser, dass dies eine Bevorzugung der Biobauern sei, weil bei denen alle negativen Dinge unterdrückt würden. Andere Experten (!) verbreiten die Ansicht, der Virus könne vielleicht absichtlich ausgesetzt worden sein. Da tippe ich auf den Enkel der 83-jährigen Seniorin, der durch eine Epidemie zu verbergen sucht, dass er so an das Erbe der reichen Oma kommt. Oder nicht? Osama Bin Laden ist ja nun leider tot, ihn können wir nicht mehr verantwortlich machen. Am Morgen des 26. Mai wissen wir mehr – es sind Tomaten, Gurken und Kopfsalat aus Norddeutschland, die dem Virus Bruttstätte sind, bevor er bösartig den Menschen überfällt. Um 13.30 Uhr stürmt der Kollege mein Büro: Salatgurken aus Spanien sind es schuld! Na, da brauche ich ja meine Kohlrabi aus deutschen Landen doch nicht mehr 5 Stünden zu köcheln.

Übrigens: Viren und Bakterien sind nicht bösartig, sie sind einfach ein Stück Natur. Und wenn wir so unnatürlich leben, dass ein leicht mutierter Virus gleich die Bevölkerung dezimiert, sollten wir vielleicht einmal darüber nachdenken, woran das wohl liegt. Denn, so las ich letztlich, Viren und Bakterien wollen zwar ihre Wirte nutzen, aber ihr Tod ist ja auch Entzug ihrer Lebensgrundlage. Auch ein interessanter Gedanke.

Vielleicht ist das jetzt wirklich mal ein gefährlicher Virus und ich werde es noch bitter bereuen, dass ich darüber gelästert habe? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass mir die ganzen Experten mit ihren Ebola-. Vogelgrippe- und Schweinegrippeviren gestohlen bleiben können. Natürlich bin auch ich in solchen Zeiten etwas vorsichtiger als sonst und werde – wenn ich es nicht vergesse – das Gemüse und Obst auch mal waschen. Ein bisschen Vorsicht schadet nie. Dass ich aber jetzt nur noch Ravioli aus der Dose oder 3-Minuten-Terrinen esse, weil sie so gesund sind (da mausetot) und meinen Rohkostanteil auf 3 % runterschraube, wird doch hoffentlich keiner von mir erwarten?

Schade, dass es nie Erhebungen in solchen Zeiten gibt, die aufschlüsseln, wie viele der durch einen Mikroorganismus irgendwann mal schwererkrankten Personen denn nun Vegetarier, Veganer, Rohköstler oder Vollwertler waren. Dass Zivilisationskost die Immunabwehr senkt, wissen wir.

Ich sehe dem Sommer mit Ruhe und gewaschenen Händen entgegen 🙂