Ei-Ei-Ei

23. Juni 2014: Ei-Ersatz

Meine Meinung zu Ersatz kennt Ihr ja 🙂 Ersatz ist nix gut, Alternativen sind gesucht. Dennoch stolpern wir im Internet immer wieder über alte Märchen: statt Ei nehmen wir Leinsamen, Sojamehl, Apfelmus. Wunderbar. Ich habe das alles ausprobiert – alles Käse, Mist, unsäglich unnützlich. Vor allem ist dann auch schnell klar: Das wird als Alternative angeboten und der Rezeptschreiber hat es nur irgendwo abgeschrieben, niemals selbst ausprobiert.

So las ich letztlich in einem Rezept, das für mehrere (!) Eier gedacht war, für Veganer den Tipp: 2 TL Backpulver und 1-2 EL Apfelmus. Hahaha. Das Gebäck möchte ich sehen – aber bitte nicht essen 😉

Im Internet ist alles möglich, auch gedankenlos abschreiben. Wenn Ihr also mal etwas lest, was euch etwas verwundert: Lieber nicht nachmachen. Lieber nachfragen, ob der Rezeptschreiber DAS wirklich ausprobiert hat. Und ohne Beweis lieber nicht glauben 😉

Kennt Ihr auch solche tollen Tipps, die schon beim Lesen dazu führen, dass eure Nackenhaare gen Himmel stehen? Immer her damit 😉

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Will kein Ei…

28. Nov. 2013: Reisbrei und Eier

Ja, Reisbrei, Hirsebrei und diverse gekochte Bohnensorten können Eier „ersetzen“. Wie viel aber nehme ich davon? Ganz feste kalkulieren lässt sich das nicht, weil wir immer auf die Konsistenz achten müssen: Soll es ein Rührteig werden, nehmen wir Öl, wie flüssig ist der Honig, wird es ein Hefeteig, ein Mürbeteig usw.?

Reisbrei und Konsorten helfen auch, den Fettkonsum geringer zu halten. Auch da heißt es ein wenig Experimentieren. Wenn ich an ein ganz normales Rezept gehe und es in diese Art der Vollwertkost umsetzen möchte, nehme ich mir folgende Richtschnur:

  • Ich halbiere die Fettmengen, halb nehme ich Öl, halb nehme ich ein Nussmus (manchmal Drittel ich auch und nehme gekochte Bohnen für das letzte Drittel)
  • Ein mittelgroßes Ei wiegt 60 Gramm, davon sind 20 g Eigelb. Ich nehme pro Ei etwa 60 Gramm Reis-/Hirsebrei oder gekochte Bohnen und 1-2 EL Wasser. Manchmal kombiniere ich es auch. Das muss man austesten! Schwierig wird es, wenn im Rezept nur Eischnee verwendet werden soll. Da nützt der schönste Reisbrei nichts, die Struktur geht nicht. Aber der Geschmack kann lecker werden, auch wenn die Struktur eine andere ist. Ich erinnere da an meine Zimtsterne. Okay, sie sind nicht weiß oben drauf, aber so lecker, dass ich da keine mit Eischnee benötige.

Eine neue Welt liegt vor uns

Kommentar vom 25. Dezember 2010: Eine neue Welt

In einer der letzten Telefonstunden fragte mich eine Anruferin: „Wie ersetze ich Eier am besten im Kuchen?“ Ich antwortete spontan: „Einfach die Eier weglassen.“ Meine Gesprächspartnerin war etwas verblüfft. Dann konnte ich ihr noch ein paar Dinge aufzählen, die gemeinhin als Ei-Ersatz gelten: 1 EL Kichererbsenmehl und 2 EL Wasser pro Ei, 1 EL Apfelmus pro Ei, Butteranteil deutlich erhöhen, mehr Backpulver nehmen. Ich selbst backe Kuchen eher nur noch mit Hefe. Die Frage aber brachte mich zum Grübeln.

Ich denke, da steckt etwas Grundsätzliches  in dieser Frage. Mir scheint, die Frage ist einfach falsch, auch wenn ich sie mir selbst häufig gestellt habe und gelegentlich noch stelle.. Es gibt auf der Welt sagen wir einmal 100.000 Kuchen und Torten. Davon backen wir in unserem Leben, wenn es hochkommt, 200 Sorten. Der Durchschnittsmensch wohl eher nur 10-20. Warum aber sind wir so verbohrt darauf eingefahren, genau die Kuchen zu backen, in die Eier reinkommen? Warum probieren wir nicht einfach andere Kuchen, die ohne Eier auskommen, bis wir welche gefunden haben, die unsere alten Lieblingskuchen im Liebesgrad locker ersetzen können?

Es ist fehlender Mut, es ist Bequemlichkeit. Anstatt uns die Welt der 100.000 Kuchen anzuschauen, beharren wir darauf, unsere 10 Sorten immer wieder zu backen. Und selbst wenn wir die Tür zur Vollwertwelt aufstoßen, schleifen wir die alten Kuchen mit. Neues ist fremd, vor Fremdem scheuen wir zurück.

Das ist etwas ganz anderes als der Verzicht, von dem so häufig gesprochen wird. Wenn ich auf etwas verzichte, fehlt mir etwas. Wenn ich aber solange suche, bis ich etwas finde, das selbst bei aller Andersartigkeit ebenbürtig ist, lege ich etwas beiseite, statt darauf verzichten. Das ist jetzt ein sehr abstrakter Satz, daher möchte ich das an einem Beispiel verdeutlichen:

Ein Mensch, nennen wir ihn ÖtziPlus, wohnte bisher in einem Wald mit vielen hohen Bäumen, seine Schlafstätte hatte er in Erdlöchern am Fuß der Bäume eingerichtet. Nun dringt kein Licht in diesen Wald, und ÖtziPlus, der weiß, dass er Licht zum Leben braucht, entschließt sich, diesen ungesunden Platz zu verlassen und an eine Stätte zu gehen, wo er mehr Licht bekommt. Nach einer längeren Wanderung gelangt er an einen herrlichen weißen Sandstrand, das Meer rauscht Tag und Nacht, die Sonne scheint milde und regelmäßig. ÖtziPlus ist tief beeindruckt, er merkt, wie das viele Licht seiner Haut, seinem Geist, seiner ganzen Person so gut tut. Er beschließt in dieser schönen hellen Welt zu bleiben. Zwei Palmen stehen an diesem Strand. ÖtziPlus geht sofort dorthin, buddelt sich ein Loch unterhalb einer Palme, um dort seine Schlafstätte einzurichten. Doch er schläft schlecht. Das Loch bleibt nicht unberührt wie in diem dunklen Wald, tagsüber weht die Brise vom Meer das Loch wieder zu, jeden Abend muss ÖtziPlus sich sein Loch neu buddeln. Nach ein paar Tagen gibt er auf.

Er geht zu einem nahe gelegenen Felsen, fängt dort an zu graben, vielleicht kann er dort sein Schlaferdloch einrichten? Doch schon 10 cm unter dem Sand beginnt der Felsen, auch hier kann er nicht schlafen. Er weiß, wie gut es ihm an diesem Sandstrand geht, doch er jammert immer noch seinem Erdloch hinterher.

Warum, so fragen wir uns, warum nimmt er nicht eine leichte Decke und schläft auf dem Sand? Warum legt er sich nicht an den Felsen, der von der Sonne am Tag gewärmt, ihm über Nacht die Wärme zurückgibt? Warum hängt er nicht eine Hängematte zwischen die Palmen, um im sanften Mondlicht, das er früher nie gesehen hat, im leisen Nachtwind Ruhe zu finden?

Nun, das kann er nicht. Er ist so voll mit seinen Bildern von Erdlöchern zum Schlafen, dass er nicht sieht, dass seine neue Welt ihm so viele andere Möglichkeiten bietet. Er sucht einen Erdloch-Ersatz statt eine Erdloch-Alternative zu entdecken.

Jeder, der sich mit Vollwerternährung beschäftigt, nickt mit dem Kopf, wenn ich sage: Mit der Einführung der Vollwert ins Essensleben lernen wir so viele essbare Dinge kennen, die wir vorher gar nicht kannten! Die Palette des Essbaren ist also deutlich größer. Warum aber sind wir dann so versessen darauf, immer wieder auf die alte Minipalette zurückzugreifen? Warum versuchen wir verzweifelt, den ollen Marmorkuchen nun auf Vollwert zu trimmen, statt vielleicht auf unsere Suche nach Neuem einen Kuchen zu entdecken, der mit Marmorkuchen nichts gemein hat – außer dass er uns genauso gut, ja, vermutlich noch besser schmeckt?

Mit dem Blick nach vorne können wir neue Geschmackserlebnisse gewinnen und unser Leben bereichern. Der Blick stets nach hinten in die alte Essenswelt blockiert.