Zebrakuchen nach Formel

23. März 2016: Die Wilkesmannsche Formel

Mein Vater hat als Statiker viel mit Formeln gearbeitet. Ob ihm wohl die Formel seiner Tochter auch zugesagt hätte? Die schon länger angekündigte Formel folgt nun in Theorie und mit einem praktischen Beispiel.

Wilkesmannsche Formel zum Backen ohne Fett, Eier und anderes Tiereiweiß:
100 g Fett = 100 g gekochte rote Linsen
1 Ei = 40 g Stützcreme + 20 g Apfelmark (bei herzhaftem Gebäck: 50 g Stützcreme, kein Apfelmark)
Backpulvermenge verdoppeln
Wenn im Rezept Flüssigkeit zugegeben wird: diese um 10-20% verringern

Je nach Kuchen, das variiert aber, kann man die Mehlmenge um 10% erhöhen, statt die Flüssigkeitsmenge zu reduzieren.

Vorgehen: Nach Ausrechnen der alternativen Zutaten die Flüssigkeiten zuerst mischen, dann die trockenen Zutaten unterrühren.

Ja, so einfach ist das. Wichtig: Gebäck, das so gebacken wird, schmeckt häufig erst am nächsten Tag richtig gut. Und nein, die roten Linsen schmecken nicht durch 🙂 Versuche mit gekochten weißen Bohnen oder Kichererbsen waren auch erfolgreich, erfordern jedoch mehr Planung. Rote Linsen sind in 20 Minuten fertig gekocht und einsatzbereit! Wenn der Fettanteil im Gebäck sehr hoch ist, kann man auch nur 2/3 durch gekochte Linsen und 1/3 durch mehr Stützcreme ersetzen. Ein bisschen experimentieren kann gelegentlich noch Nuancen verbessern.

Die Formel habe ich überprüft für Rühr-, Knet- und Hefeteige. Weitere Versuche stehen an. Ob sie auch mit nicht-vollwertigen Zutaten funktioniert, kann ich nicht sagen.

Ohne Thermomix: Die flüssigen Zutaten in einem starken Mixer mischen, das erstmalige Rühren auf Stufe 3 dient nur dazu, dass die Masse nicht gleich spritzt. Das Einarbeiten der Mehlmischung kann man mit dem Handrührgerät, Rührbesen vornehmen.

Ich habe auf diese Weise schon etliche „herkömmliche“ Rezepte umgearbeitet, und es hat immer funktioniert. Mit der Zeit entwickelt man auch ein bisschen Fingerspitzengefühl, ob man die Eier mit etwas weniger Menge ansetzt. Ein normal großes Ei wiegt 60 g.

So richtig überzeugt hat mich nach mehreren Jahren der Tests vor allem der Butterkuchen ohne Butter. Der war nur lecker 🙂 Kleine Warnung: Dieses ist eine Alternative, kein Ersatz. Das heißt, die Backwaren sind sehr lecker, aber schmecken natürlich nicht nach Butter. So ist das mit Alternativen.

WARNUNG: Erzähle niemandem, dass der Kuchen ohne Ei, Fett oder Sahne gebacken wurde. Erzähle es schon gar nicht vor dem Servieren und auch nicht hinterher – sonst werden alle den Kuchen auf einmal „eigenartig“ finden. Das ist eine unumstößliche Ereignisfolge.

Zebrakuchen

Als ich den ersten Zebrakuchen nach einem Rezept von Dr. Oetker gebacken habe (Dr. Oetker Rührkuchen von A-Z“, 2012, Seite 272), habe ich der eigenen Formel noch misstraut. Mir erschien das alles zu „flüssig“, also habe ich die Wasserzugabe und auch die Backpulvermenge geringer gehalten. Mit dem Erfolg, dass der Kuchen zwar lecker war, aber nicht so hoch ging, wie ich das erhofft hatte. Ich habe das Rezept dann für eine kleinere Springform wiederholt, weil ich nicht so viel Kuchen essen kann 🙂 Diesmal habe ich die Formel exakt angewendet. Da klappte schon das Auftragen des Teigs deutlich besser. Am Ergebnis hat sich erstaunlicherweise nichts geändert, diese Formelkuchen scheinen wohl recht tolerant bei den Zutaten.

Rezept

Für eine 24-cm-Springform; nach einem Rezept aus dem Buch „Dr. Oetker Rührkuchen von A-Z“, Seite 272. Ich habe die Zutaten exakt umgerechnet nach der „Formel“, nur beim Backpulver habe ich gezaudert und bei der Flüssigkeit. Eine Wiederholung mit korrekter Berechnung, aber für die halbe Menge funktionierte auch, aber nicht unbedingt besser. Dabei habe ich allerdings für die dunkle Masse noch etwas Wasser und ein bisschen Süßungsmittel hinzugefügt.

  • 250 g gekochte rote Linsen (statt Öl)
  • 200 g Standardstützcreme (siehe Apfelmark)
  • 100 g Apfelmark (mit der Creme statt der 5 Eier)
  • 250 g Honig (statt Zucker)
  • 50 g Wasser (statt 125 g Wasser)
  • 375 g Weizen, fein gemahlen
  • 1 P Weinstein-Backpulver
  • 1 TL Natron (statt des „berechneten“ 2. P Backpulver)
  • 1 TL Vanillepulver
  • 2 EL Kakao, schwach entölt (20 g), gesiebt
  • 2 EL Pflanzenmilch (zusätzlich; Pflanzenmilch ist bei der Stützcreme beschrieben)

Apfelmark ist 100% Apfel – also kein Süßungsmittel, keine Konservierungsstoffe (danke an die Leserin für diesen Hinweis!).

Zubereitung im Thermomix. Ohne Thermomix geht es auch: Die flüssigen Zutaten kommen in den Mixer, der Rest wird mit dem Handrührgerät eingearbeitet.

Linsen, Stützcreme, Apfelmark, Honig und Milch im Mixtopf zu einer glatten Flüssigkeit verarbeiten (10 Sek./Stufe 3, 10 Sek./Stufe 5). Mehl, Backpulver, Natron und Vanille miteinander mischen, in den Mixtopf geben und verrühren (15 Sek./Stufe 5; Teig mit dem Spatel herunterdrücken; 10 Sek./Stufe 5). Bei mir wog die Masse 1240 g (ich kenne das Leergewicht des Mixtopfs und konnte daher den Inhalt ausrechnen). 620 g umfüllen. Kakao und 2 EL Pflanzenmilch in den Mixtopf geben und nochmals rühren (10 Sek./Stufe 5).

Den Boden der Springform mit Backpapier überspannen. Ofen (Heißluft) auf 160°C vorheizen.

Für das Zebramuster mit 2 Esslöffeln hellem Teig anfangen. In die Mitte der Springform geben. Auf den hellen Teig 2 Esslöffel von dem dunkeln Teig geben, leicht herunterdrücken. Vorgang wiederholen, bis der Teig aufgebraucht ist. Den Teig nicht allzu glatt streichen. Die Form in den vorgeheizten Backofen geben und 50 Min. bei 160°C backen.

Die Form auf eine Kuchenrost stellen, 10 Minuten so stehen lassen. Dann aus der Form lösen und auf dem Rost auskühlen lassen. Mit einem Schokoladenguss überziehen.

Ich hoffe, Ihr experimentiert viel und erfolgreich mit dieser Formel! Wenn Ihr Rezepte damit umarbeitet und veröffentlicht, bitte ich um einen Hinweis darauf, mit welcher Umrechnung / Formel Ihr gearbeitet habt. Ich habe mehrere Jahre dafür experimentiert und gebe sie Euch umsonst.

 

Leben und genießen

Kommentar vom 1. September 2010: Leben & Genießen

Die Rubrik „Leben & Genießen“ in der zweiten August-Ausgabe der Apotheken Umschau nahm es mit der Gesundheit ganz genau. Hier wird nicht nur Salat gepriesen, sondern auch der ungeheuer mutige Vorschlag gemacht „Salat als Hauptgericht“. Immer noch in der Hoffnung, in diesem Schmachtblättchen mal etwas Vernünftiges und Hilfreiches zu lesen, vertiefte ich mich in die Rezepte. Die Einleitung liest sich richtig mundwässrig, Vitamine und Mineralstoffe, Ingwer, Kresse, Baguette wird erwähnt. Rechts ein großes Foto vom „Sommersalat spezial“. Komische Pilze sind da drauf, finde ich. oder … was kann das weißliche Etwas dort sein?

Auf der nächsten Doppelseite werden 4 Rezepte vorgestellt. Ich lese die Zutaten und schlage die Zeitung zu. Mal wieder das Übliche.

Salat 1: 200 g Hähnchenbrust (die vermeintlichen Pilze)…. (nicht weitergelesen)

Salat 2: Kopf Lollo bianca, Frühlingszwiebeln, 100 g gekochter Schinken (nicht weitergelesen, allerdings fällt mein Blick dann noch auf Frischkäse (0,2 % Fett) und Magermilchjoghurt, würg)

Salat 3: 2 Eier (nicht weitergelesen)

Salat 4: Chinakohl, Cocktailtomaten, Peperoni, 200 g Nordseegarnelen, Blauschimmelkäse (nicht weitergelesen)

Dass einem normalen Publikum auch Salate mit Fleisch vorgeschlagen werden, ist mir schon klar. Aber warum ist da kein einziger Salat bei, der sich so liest, als würde er auch satt machen? Wo sind Möhren, Kohlrabi, Weißkohl? Warum Keniabohnen, und nicht normale weiße Bohnen? Das alles nennt sich „leichte Sommerküche“, wobei sich mir schon beim Lesen ein Stein in den Magen legt.

Ich esse jeden Tag Salat, manchmal sogar zweimal. Und ich werde davon satt, ohne dass er vor Fleisch, Eiern oder Käse zusammenbrechen. Komisch, nicht?