Tim Mälzer revolutioniert die Ernährungswissenschaft

23. Januar 2012: Endlich wieder Ravioli aus der Dose!

Tim Mälzer ist nicht nur Koch, er ist jetzt auch unter die Wissenschaftler gegangen. In Zusammenarbeit mit einer Universität hat er jetzt den großen Test an 45 Teilnehmern gemacht. Und das Ergebnis ist natürlich hoch interessant.

Vorgestellt wird uns die Studie wie folgt:
„Weißbrot ist schlecht, Vollkorn ist gut. Pommes gehören verboten und Gemüse ist das einzig Wahre. Mit gesunder Ernährung wird ein gigantisches Geschäft betrieben. Es gibt viele angebliche Regeln. Eine ganze Industrie lebt davon. Die Sehnsucht, durch gutes Essen besser und länger zu leben, ist groß“. Und das Ergebnis? Schon der Weg dahin ist interessant.

„Zunächst bekamen alle die gleiche Kost, um den Stoffwechsel auf ein gemeinsames Level zu bringen.“ Ach ja? Was für Kost bekamen sie? Wenn wir nämlich die 45 Probanden mit Zivilisationskost zuknallen, kann die gesündeste Kost in den vier Wochen, über die der Test lief, gar nichts bewirken.

„Dann wurden die Männer in drei Ess-Gruppen eingeteilt: Hausmannskost (viel Fleisch, viele Kohlenhydrate, kaum Obst), Fast Food (Burger, fette Pommes) und mediterrane Küche (viele Vitamine und Ballaststoffe). In der Summe jedoch nahmen alle täglich die gleiche Kalorienmenge auf – 2900 Kilokalorien.“

Man beachte: Oben wird ja schon polemisch auf Vollkorn als angeblich gut verwiesen, schon die Überschrift lässt uns erahnen: Es ist gar nicht gesund, was wir für gesund halten. Aber halt… Wo ist denn in den drei Gruppen diejenige mit dem Vollkorn? Die ist gar nicht dabei 🙂 Sehr Ihr, wie geschickt hier manipuliert werden soll?

Der Professor – und als Wissenschaftler zweifeln wir nicht an seinen Worten – sagt: „Am Ende aber scheint egal, was auf dem Teller liegt. Professor Dr. Peter Nawroth, leitender Ärztlicher Direktor am Uniklinikum Heidelberg, stellt anhand der Blutproben fest: Die Werte aller Probanden zeigen nach vier Wochen keinerlei Abweichungen, unabhängig von Vitamin-, Fett- oder Ballaststoffgehalt ihrer Nahrung. Dieses Ergebnis würde sich laut Prof. Nawroth auch nach Monaten und Jahren nicht ändern.“

Es ist schön, dass Herr PROFESSOR Nawroth in die Kristallkugel schauen kann. Bekommt man diese Kugel bei der Verleihung der Professur gleich mit? Möchte er vielleicht einmal begründen, wieso sich das nicht ändert? Weil er das glaubt? Glaube kann zwar Berge versetzen, so heißt es in der Bibel, aber mir ist ganz neu, dass die Bibel Grundlage der Medizin des Uniklinikums Heidelberg ist. Da tun sich ja ganz neue Türen auf.

Und wo ist eigentlich bei diesen drei Essgruppen die gesunde Kost? Ich sehe da keine. Denn in der mediterranen Küche wird fröhlich Zucker & Weißmehl verzehrt. Was würde Herr Nawroth wohl zu den Werten meines diabetischen Bekannten M. sagen – ich stellte ihn vor einigen Monaten vor -, der dank Schnitzers Intensivkost seine horrenden Werte innerhalb weniger Wochen auf die Norm zurückgeholte und der trotz etwas gelockerter Kost (im Rahmen der Vollwert) immer noch hervorragende Werte hat?

Ich finde diese Manipulation einfach hochpeinlich. Ich fasse zusammen: Oben im ersten Absatz wird Vollkorn als gesund erwähnt und dann wird als Ergebnis verkündet, dass gesund Essen nicht gesünder macht. Und dass, obwohl nicht einmal die DGE-gemäße Vollwert getestet wurde.

Packend finde ich ja auch die Frage, wie die Glaubwürdigkeit der Probanden (das ist auch so ein schickes Wort, klingt gleich viel wissenschaftlicher als ‚Teilnehmer‘) überprüft wurde, dass sie wirklich nix zwischendurch aßen. Aber sorry, das hat der Professor sicher auch in seiner Kristallkugel überprüft.

„Ein gesunder Mensch kann essen, was er will. Es gibt keine Nahrung, die ihn noch gesünder macht. Derlei Versprechungen sind Verkaufsstrategien. ‚Verbote‘ von angeblich ungesunden Lebensmitteln sind Panikmache. Wenn die Kalorienmenge in der Summe stimmt, spricht nichts gegen eine Currywurst.“

Es ist unglaublich, jetzt wird wieder auf der Kalorienmenge rumgeritten. Und das aufgrund einer angeblichen Studie mit unüberprüfbaren Bedingungen. Aber Tim Mälzer ist nun glücklich, und das ist das Wichtigste, oder?

Ich könnte echt spucken, wenn ich so was lese. Dass Tim Mälzer allen möglichen Blödsinn macht, um im Gespräch zu bleiben, ist eines – dass er aber einen Mediziner findet, der den Käse auf solch unwissenschaftliche Weise mitmacht, lässt Schlüsse zu. Es gibt ja Patientenbeurteilungen im Internet. Im Grunde finde ich das eine sehr heikle Sache, weil da gezielt gemobbt werden kann. Dennoch konnte ich mir in diesem Zusammenhang ein kleines Lächeln nicht verkneifen, als ich die Beurteilungen zu Prof. Nawroth las: hier

Dank an die Leserin, die mich auf diesen Artikel (hier) aufmerksam machte.

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