Glaube nichts, was du gerne glaubst!

24. Juni 2012: Fernsehgucken macht pervers

Das sage ich jetzt nicht, weil ich keinen Fernseher habe 🙂 Der Grund für meine Überschrift ist: Ich beobachte, wie das Fernsehen genau wie das Internet gläubig vereinnahmt wird.

Ein Beispiel: Vollwertler sehen Fernsehfilme, in denen gesagt wird, dass Zucker in Maßen gesund ist, dass Tiereiweiß wichtig ist, dass Diabetes und Allergien auf genetischen Veranlagungen beruhen.

Zurecht lachen sie sich entweder ins Fäustchen oder regen sich über diese Verdummung auf. Sie gucken kritisch.

Das kritische Gucken hört aber sofort auf, sobald das Fernsehen einen Skandal aufreißt, der die Gutmenschen-Seele berührt. Sweat-Shops in Indien – drei Monate lang kaufen die Gutmenschen keine T-Shirts mehr. Orangensaft: Kinder werden beim Arbeiten mit dem Spritzen der Früchte vergiftet und verkrüppelt – drei Monate wird kein O-Saft mehr gekauft. Erst ist es die Baumwolle, dann sind es die gespritzten Orangen, die Bananen, die Kakaonibs, die Erdbeeren. Entrüstung macht sich in alternativen Kreisen breit.

Hatten sie gerade z.B. noch einen total netten Shop für T-Shirts entdeckt, der gute Qualität verkauft, mit viel Service und drum und dran, heißt es jetzt plötzlich: „Nein, dort kaufe ich nicht, die haben keine Baumwolle mit Gutmenschen-Siegel! Ich kaufe meine T-Shirts jetzt lieber bei Lidl, die haben nämlich dieses Siegel.“

Kleine Shops gehen so auf die Dauer kaputt und Herr Lidl lacht sich ins Fäustchen. So ein Gutmenschen-Siegel lässt sich nämlich kaufen und am meisten verdient daran mal wieder… der Zwischenhandel. Und ihre Botschaft, die die kleinen Shops vernichten könnte, verbreiten die Gutmenschen natürlich über ihren PC. Wo wird der denn hergestellt, haben sie sich das einmal gefragt?

Zurück aber einmal zu dem Fernsehbericht. Warum werden solche Filme, die an die emotionale Gutmenschenseite appellieren, so völlig kritiklos angeschaut? Warum wird dort nicht die gleiche kritische Messlatte angelegt wie bei einem Film über die Güte von Zucker, Kaffee und Fleisch?

Letztlich erhielt ich einen Link zu einem Film über eine Tierseuche in Deutschland, die teils auf Landwirte übergeht und nicht wirklich ernstgenommen wird. Abgesehen davon, dass der Fernsehbericht nicht wirklich in die Tiefe ging, fielen mir die Trickaufnahmen am Anfang auf. Die Reporterin geht zum Beispiel durch ein Labor …. andererseits ist vom Rest der Aufnahme ganz klar, dass sie NICHT in diesem Labor ist. Wer alles hat das gemerkt? Wieso konnte das Team die Bauern 5 Jahre beobachten, oder wurden da auch Situationen nachgestellt?

Es kann nicht jeder durch die Welt reisen und sich stets vor Ort davon überzeugen, dass alles mit rechten Dingen zugeht, leider. Wir sind auf Informationen über andere angewiesen. Aber immer wieder sehe ich, dass Berichte mit einer gewissen Tendenz (je negativer, umso „besser“) gierig und völlig unkritisch aufgenommen werden. Wenn ein Fernsehbericht über die schädliche Wirkung des Baumwollanbaus gezeigt und gleichzeitig Bio-Baumwolle als gut dargestellt wird, dann möchte ich auch wissen, wo die Stolpersteine der Bio-Baumwolle sind. Und ob da wirklich auch die kritische Seite beleuchtet wurde. Es ist einfach, aufrüttelnde Sendungen allzu bereit zu glauben, wenn sie „die böse Industrie“ anklagen. Aber die kritische Messlatte sollte dort genauso hoch, nein sogar noch höher angelegt werden, als bei offensichtlich dummen Aussagen in einer Sendung. Warum sollte die Kritik hier noch eher bereit stehen? Weil wir alles lieber glauben, was in unser Weltbild passt. Da heißt es dann besonders vorsichtig sein!

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Kleidung und Gewissen

Kommentar vom 21. März 2010: „Faire Kleidung“

So zentral die Ernährung für unser Wohlbefinden auch ist, so ist es doch auch wichtig, andere Aspekte im Leben mit etwas Nachdenklichkeit zu gestalten. Deshalb fand ich gestern einen Artikel im RGA (20. März 2010) mit dem Titel „Kleidung fair kaufen – aber wie?“ auch mal wieder einen Lichtblick in der Tageszeitung. Leider finde ich auf der für meinen Geschmack etwas unübersichtlichen Webseite des RGA (http://www.rga-online.de) weder den Artikel noch eine Suchfunktion.

Auf die Einführung in die Problematik folgt ein kurzer Abriss, warum fairer Handel auch bei Kleidung wichtig ist (z.B. Kinderarbeit) und dann eine kleine Rubrik „Was der Kunde beim Einkauf von Kleidung selbst tun kann“: auf eine lange Lebensdauer achten (Second-Hand-Läden, Tauschbörsen), in Geschäften nach der Produktionsweise erkundigen, bei Basisgarderobe auf faire und ökologische Produkte achten, Infos von Organisationen lesen, die fairen Handel unterstützen.

Es steht jetzt nichts aufregend Neues in diesem Artikel, aber mir gefällt es, dass dieses Thema auch mal wieder ins Bewusstsein gerückt wird. „18 Kilogramm kauft jeder Bundesbürger pro Jahr – das ist Weltspitze“, so heißt es schon im ersten Absatz. Darauf wird am Ende auch wieder Bezug genommen, indem zu geringerem Kleidungskonsum und zum Kauf von Qualität eher als Billigware aufgefordert wird. Das entspricht ja auch dem, was von guter Ernährung zu erwarten ist. Wobei ich es auf Anhieb lustig fand, den Kleidungskonsum in Gewicht zu messen. Ganz  fair finde ich das nicht, denn in einem warmen Mittelmeerland kaufe ich schon wegen der dort herrschenden lauen Temperaturen weniger. Für einen dicken Wintermantel, den ich für die neuen deutschen Wintertemperaturen brauche, kann ein Nordafrikaner viele T-Shirts kaufen. Andererseits frage ich mich, wieso wir dann die Bewohner Sibiriens in unseren Käufen übertrumpfen? Gehe ich in Zukunft in den nächsten Laden und wende mich an eine Verkäuferin: „Ich hätte gerne 200 g gelbes T-Shirt, 250 g Sommermantel und 175 g Leinenjacke“?

Spaß beiseite. Ich finde eine Angabe wie 18 kg ohne Erläuterung sinnlos. Ich habe nämlich keine Ahnung, wie viel meine Kleidung wiegt. Hätte mir der Artikel erzählt, wir lägen mit 18 kg Kleidung pro Jahr bei den sparsamsten Kleidungskäufern im Weltdurchschnitt, hätte ich das genauso geglaubt. Hier liegt für mich ein Schwachpunkt des Artikels, weil die Redaktion sich nicht die Mühe gemacht hat, einen doch recht abstrakten Punkt durch gute Beispiele zu illustrieren.

Sensibel gemacht für diese Dinge wurde ich vor mehreren Jahren durch das Buch „Die Billig-Lüge“ von Franz Kotteder. Als regelmäßige Lands End-Kundin hatte ich daraufhin, angespornt von der Lektüre, an Lands End geschrieben. Ich erhielt sogar – das wundert heute ja schon fast – eine Antwort, dass sie auf Einhaltung der Gesetze achten und auch regelmäßige Inspektionen vornehmen, damit Schwangerschaftsschutz etc. gewährleistet ist. Im Laden um die Ecke würde ich das allerdings nicht versuchen, da handle ich mir mit so einer Frage garantiert nur leere Blicke ein. Insoweit mein Tipp: Lieber an die Hersteller der Lieblingskleidung oder bei Kauf im Versand an die entsprechende Abteilung des Versandhauses schreiben.

Jetzt Grabsteine von GEPA

Kommentar vom 30. November 2009: Wenn Zeitunglesen bildet.

Wie sich hier ja schon herumgelesen hat, scheine ich die Zeitungen nur dazu zu benutzen, um eine Schüppe voll Ironie und Ärger über die meisten Artikel zu werfen. Heute erlebte ich mal ein erfreuliches Gegenbeispiel. Ich wurde nämlich durch einen kleinen Text auf etwas aufmerksam, dessen ich mir überhaupt nicht bewusst war. Was vielleicht daran liegt, dass ich in der guten Tradition meines Elternhauses auf Beerdigungen und alles, was dazu gehört, nicht viel Wert lege.

Die Überschrift des entsprechenden Artikels lautet „CDU fordert zertifizierte Grabsteine.“ Mein erster Gedanke war – oh nein! Das darf doch wohl nicht wahr sein, hier in Deutschland geht wohl gar nichts mehr ohne Bescheinigungen und Zertifikate, und die Remscheider CDU ist sich für nix zu schade, um ähnlich wie manche Bürgervereinigungen nur um Aufmerksamkeit zu buhlen. Dennoch las ich weiter, um mich in Ironie ergehen zu lassen.

Dann aber zeigte sich, dass hier doch etwas steht, was ich für bemerkenswert halte. Die CDU nimmt den Totensonntag zum Anlass darauf hinzuweisen, dass „ein großer Teil der [Grab-]Steine, die in Deutschland verwendet werden“ aus Indien kämen. „Dort herrschen miserable Arbeitsbedingungen auch Kinder müssten schwer schuften, heißt es in der Pressemitteilung.“ Und dann wird noch auf das Siegel „Xertifix“ verwiesen. Auf der entsprechenden Homepage gibt es schon einiges Interessantes zu lesen, die junge Organisation (Gründung 2006, wenn ich das richtig gesehen habe) informiert ausgiebig auch über Kinderarbeit: klick.

Fair Trade kann uns also durchaus durch das ganze Leben bis ans Ende und förmlich darüber hinaus begleiten 🙂

Eine gute Website

Kommentar vom 17. Oktober 2009: Ein Geschenk mit Folgen

Es ist schwierig, mir etwas zu schenken. Das werden alle bestätigen, die mir jemals etwas schenken wollten. Immer nur will ich Praktisches, und nicht noch mehr Nippes, um meine Regale damit zu füllen. Ich mag leere Regale 🙂 Mit einer Flasche schönem Speiseöl ist man bei mir immer auf der richtigen Seite (nein, das ist jetzt KEINE Aufforderung, mir etwas zu schenken hihi), und da gibt es auch immer wieder Geschenke, die mich auf neue Wege bringen. So bekam ich vor einigen Tagen eine hübsche kleine geflochtene Gewürzbox mit unter anderem: getrockneten Blättern der Currypflanze. Zwar ist Curry eine Gewürzmischung, aber es gibt eben auch eine Currypflanze. Faszinierend, wie Mr. Spock sagen würde. Dazu ein Heftchen „Kochen wie in Papua-Neuguinea“. Darin ein bisschen Informationen, einige Rezepte (die meisten leider zu fleischlastig), aber auch ein paar gute Ideen. Und mal wieder ein Rezept zum Currypulver selbst herstellen. Das ganze ist Fair Trade, nämlich El Puente – partnerschaftlicher Welthandel.

Dann habe ich mich mal auf der Website von El Puente umgesehen. Okay, sie würde vermutlich keinen Designpreis bekommen, aber sie ist klar aufgebaut und nach wenigen Sekunden hatte ich das System begriffen und mich im Shop umgesehen. Die Überschriften für die Lebensmittel sind etwas eigenwillig gewählt. Also ich würde Gewürze nicht unter Mahlzeit vermuten, und auch Nüsse und Trockenfrüchte nicht unter Snacks. Viele Dinge sind für mich nicht interessant, da viel Zucker eingesetzt wird. Aber es gibt auch viele Dinge, die für Vollwertler oder Rohköstler (sonnengetrocknete Weinbeeren) in Frage kommen. Beim Honig gibt es durchaus konkurrenzfähige Preise, ebenso bei den Weinbeeren und den Datteln.

Die einzelnen Posten enthalten noch einmal eine ganz genaue Information zum jeweiligen Artikel, teils mit Angaben zur Herstellung und auch mehr zu den Projekten, alles immer sehr klar dargelegt.

Leider habe ich die Curryblätter solo nicht gefunden 😦

Ich habe mir die Seite in die Favoriten gelegt. Bei aller Liebe fürs Regionale: Weinbeeren, Olivenöl und Kakao gibt es nun einmal nicht aus Deutschland, und als Bereicherung der Speisekarte sind sie natürlich auch schön. Und da muss ich ja nicht ständig bei Rapunzel und Konsorten einkaufen, sondern auch hier einmal einige schöne Projekte unterstützen.

Die Website findet Ihr hier: http://www.el-puente.de