Her mit dem Kakao!

7. Apr. 2016: Kakao

Vor einer Weile schon konnten wir lesen, dass in Studien entdeckt wurde, dass Schokolade die Hirnfunktionen fördert. Schon damals ahnte ich, dass meine regelmäßigen morgendlichen Kakaos nur gut für mich sein können. Jetzt aber konnte ich lernen, dass auch meine Optik dadurch ungeahnte Verbesserungen erfährt, und das weiß ich aus dem Seniorenratgeber März 2016 (Seite 11):

Weniger Falten dank Schokolade

An der Studie nahmen 62 Frauen zwischen 43 und 86 Jahren teil. Bei Männern ist offenbar nix mehr zu retten, oder? Ich bin immer wieder erfreut zu sehen, dass Wissenschaftler so überhaupt keine Vorurteile haben, also sie denken zum Beispiel nicht, dass das Aussehen für Frauen eine andere Bedeutung hat als für Männer 😉

Wie steht’s mit den Falten?

22. Februar 2013: Falten und nun?

Dagmar Berghoff ist im Januar 70 Jahre alt geworden. Mir ist ihr – war ihr! – Gesicht von früher vertraut und so war ich ziemlich geschockt, als ich das maskenhafte Foto der jetzt 70-jährigen, blondgefärbten Berghoff sah. Sie gibt selbst zu, dass da „mit den Augen“ etwas falsch gelaufen ist. Mit den Augen? Ich habe schon in frühester Jugend mit Entsetzen beobachtet, wie sich fernsehbekannte Gesichter zu in Lächeln erstarrte Masken wandeln, weil einige Menschen das Alter aufhalten wollen. Die Sängerin klassischer Musik Anneliese Rothenberger war für mich ein richtiges Gruselbeispiel.

Zum Thema Falten sagt Berghoff nun: „Eine Frau, die sagt, dass sie ihre Falten liebt, lügt.“

Ich finde, da hat Frau Berghoff den Mund doch ziemlich voll genommen. Vielleicht liegt es daran, dass sie nur mit naturgemäß eitlen Menschen zu tun hat, wie sie in TV und Film-Welt herumlaufen. Wobei ich eitel gar nicht negativ meine. Das kommt wohl mit dem Beruf und gehört dazu. Außerdem hätte sie den Satz auch ruhig auf Männer erweitern können. Ich denke nicht, dass irgendein Mann ernsthaft seine Falten liebt. Männer neigen eher dazu, sie nicht zu sehen und sich für ewig jung zu halten 😉 (nur ein Scherz am Rande…).

Wie stehe ich selbst zum Thema Falten? Liebe ich meine Falten? Nein, ich liebe sie nicht. Warum sollte ich auch? Es gibt einige Dinge an mir, die ich nicht liebe. Aber STOP: Hier ist die böse Fußfalle. Wenn ich etwas nicht liebe, heißt das ja noch lange nicht, dass ich es – im Extremfall – hasse. Und das impliziert Frau Berghoff hier, als sei es ganz natürlich, dass wir Frauen, weil wir unsere Falten ja nicht lieben, die Falten bekämpfen.

Wenn ich alles auf dieser Welt bekämpfen wollte, was ich nicht liebe – da wäre ich von morgens bis abends mit Kampf beschäftigt. Zum Glück aber habe ich eine Gefühlspalette, die mehr zulässt als Liebe und Hass. Da ist zum Beispiel die Akzeptanz.

Ob ich das nun schön oder nicht schön finde, dass ich Falten bekomme: Das ist doch völlig egal. Sie kommen. Auch andere körperliche Erscheinungen des Älterwerdens kommen, ob wir sie wollen oder nicht. Ich finde nur: Je mehr wir krampfhaft versuchen, diese Zeichen zu vertuschen, umso lächerlicher machen wir uns. Mein Körper ist doch ein Spiegelbild meines Lebens. Habe ich Lachfalten, dann habe ich viel gelacht. Auch wenn ich die Lachfalten nicht mag. Habe ich Sorgenfalten, dann habe ich mich viel gesorgt. Das ist Teil meines Lebens. Habe ich Falten, die mir einen griesgrämigen Ausdruck verleihen, kann ich das nicht mehr ändern – aber ich kann meine Einstellung zum Leben jeden Tag überdenken und das Ruder umwerfen.

Wer in seinem Leben mehrmals kräftig zu- und wieder abgenommen hat, also quasi kräftig dem Jojo-Effekt gefrönt, weiß auch, wo das am Körper Spuren hinterlässt. Die muss niemand lieben. Aber sie sind ein Tagebuch: So hast du gelebt, und ich, dein Körper, erinnere dich daran. Lerne jetzt!

Nein, ich liebe meine Falten nicht. Insoweit hat Frau Berghoff recht. Aber ich hasse meine Falten nicht und ich würde keinen müden Euro dafür ausgeben, sie verschwinden zu lassen. Ich würde mich keines schmerzhaften körperlichen Eingriffs unterziehen, um sie zu glätten. Der Körper wird es mir nicht danken! Und auch meine Seele nicht. Denn ob ein Mensch am Ende im Körper einer vermeintlich 40-Jährigen oder einer 90-Jährigen stirbt: Das Sterben bleibt davon unbeeindruckt. Für mich ist es wichtig, im Frieden mit mir selbst zu leben. Daran arbeite ich. Ob ich dabei erfolgreich bin, wird sich zeigen. Es ist ein langer Weg. Aber ganz wichtig ist für mich auf diesem Weg, dass ich das Leben an sich akzeptiere und seine Spuren, die es an mir hinterlässt. Dass das für jemanden schwer nachvollziehbar ist, der kurz vor dem 30. Geburtstag in die „Hilfe, ich altere….“ Panik gerät, mag sein. Aber das Schöne am Älterwerden ist ja gerade, dass es uns begleitet. Es steht nicht plötzlich vor der Tür, wir haben Zeit, uns daran zu gewöhnen und mit dem Alter auch klüger zu werden. Keiner schläft mit glattem Babygesicht ein und wacht morgens auf, um in sein faltiges Spiegelbild zu starren. Dies war übrigens für mich einer der Gründe, mit dem Färben der Haare aufzuhören. Ich habe das noch keinen Tag bereut.

Das Faltendiktat

Kommentar vom 7. Juli 2011: 40 Jahre Sonnenschein

Heute sprang mich in der Tageszeitung eine Anzeige an, die mir fast das leckere Frühstück wieder in die Schüssel fallen ließ. Wir können dort unter Familienanzeigen lesen:

40 Jahre Sonnenschein!
Zum Geburtstag, liebe XXX, alles Liebe und Gute!
[Foto von XXX einmontiert in eine Sonnenblume]
Endlich ist es nun auch für Dich soweit,
zum ‚Club der Greisinnen‘ angereist,
herzlich Willkommen bei uns Alten,
von nun an werden Falten dein Leben gestalten!

Happy Birthday und einen dicken Sack Gesundheit
YYY & Family
P.S. Bleib wie Du bist!

Zum dem horrenden Wunsch „Bleib wie du bist“ habe ich ja schon einmal etwas geschrieben. Jedoch zum Rest: Finden die Autoren das lustig? Glauben sie, sie zeigen hier Humor? Ich kann diesen Humor nicht teilen. Für mich ist das ein fatales Zeichen dafür, wie die Verachtung und Ächtung älterer Menschen in unserer Gesellschaft mittlerweile perfekt funktioniert, wie das ewige uns eingetrichterte „Senioren seid Ihr ab mindestens 50“ beste Früchte trägt. Machen wir uns doch klar, was Greise und Greisinnen sind. Egal, was wir darunter verstehen – ich sehe da nichts, was mich zum Lachen bringt. Warum machen sich die Leute, die vermutlich teils selbst nur knapp über die 40 sind zu „den Alten“ in einem Ton, der nichts Gutes verraten lässt? Das klingt so, als stünden diese Alten schon mit Köfferchen bereit, um sich freiwillig in die atomverseuchten Gebiete deportieren zu lassen, weil sie hier keinen wertvollen Beitrag mehr leisten können.

Mit 40 stehen Frauen etwa in der Mitte ihrer zu erwartenden Lebenszeit. Wenn wir ab 40 zu den Alten zählen, waren wir dann vorher bei den jungen? Mitnichten. Ich würde nicht sagen, dass eine 30-jährige jung ist. Sie ist … „erwachsen“. Genau wie eine 45-jährige, eine 50-jährige. Und der Satz über die Falten ist ja wohl der Hammer an sich! Gibt es für XXX nichts anderes im Leben, als unter dem Diktat der Falten zu leben? Was ist an Falten so furchtbar, wenn es z.B. Lachfalten sind? Falten sind eine Landkarte unseres Lebens. Wer mit 70 Jahren noch keine Falte hat, ist unnatürlich. Ich würde nicht soweit gehen zu sagen, dass Falten erst schön machen – das ist das andere unsinnige Extrem. Aber sie gehören zu uns. Ich möchte mich doch nicht vor irgendeinem Teil meines Körpers gruseln müssen!

Falten sind auch Äußerlichkeiten. Wieso fixieren diese Gratulanten XXX alleine auf Altersgruppe und Äußerlichkeiten? Hat sie sonst nichts, das sie sich wünscht, das wir ihr wünschen können, das sie erreichen möchte, Neuland betreten? Beruflich wichtige Posten bekommen wir häufig auch erst, wenn wir über 40 sind (Professuren, leitende Stellungen, politisch führende Ämter). Das Leben ist ein Prozess nach vorne. Das Leben ist ständiges Lernen, solange unsere geistige Gesundheit es zulässt. Ich möchte keines meiner Jahre missen, ich möchte nicht noch einmal xx Jahre alt sein, weil ich dann alles an „Weisheit“ ja wieder verlieren würde, was ich mir hart erarbeitet habe. Das passt auch zu Aussagen zum Haarefärben. Wobei ich durchaus verstehen kann, dass Frauen sich die Haare färben, ich habe es selbst lange genug getan. Aber merken sie eigentlich, WAS sie sagen, wenn sie es so begründen: „Ich habe die ersten grauen Haare entdeckt, bin jetzt erst 40 und will noch nicht alt aussehen“. Alt aussehen liegt doch nicht an ein paar (!) grauen Haaren. Zum Haarefärben gibt es in etwa 4 Tagen einen eigenen Artikel.

Es gibt ein paar Konstanten im Leben, zum Beispiel dass wir alle sterben, dass wir alle altern. Das geht nicht nur uns so, sondern allen Lebewesen. Jedes Alter hat seine Nachteile, jedes seine Chancen. Ja, das gilt auch für ein hohes Alter, wenn wir das in Gesundheit erreichen können: Und daran „arbeiten“ wir ja mit unserer Ernährung! Machen wir uns doch endlich frei von diesem Zwang, mit 60 noch aussehen zu müssen wie eine 30-jährige, genauso wie von dem Zwang, mit 60 wallende Blümchengewänder tragen und ein überkrontes Gebiss zeigen zu müssen, während wir mit unseren Enkeln spielen, weil wir ja sonst nichts mehr zu tun haben.

Darf ich bitte älter werden?

Kommentar vom 3. März 2010: „Jugendliches Aussehen“

Vor ein paar Wochen unterhielt ich mich mit einer sehr guten Freundin über Geburtstage und Alter. Dabei stellten wir beide verblüfft fest, dass wir uns zwar theoretisch der Anzahl der Jahre zwischen uns bewusst waren, aber keine von der anderen jetzt auf Anhieb genau das Alter weiß, und nicht in Begriffen wie „meine ältere Freundin“ oder „meine jüngere Freundin“, sondern einfach als „meine Freundin“ denkt. Wir fanden das beide interessant und auch beruhigend.

Ich vergesse auch zusehends das Alter von Menschen, mit denen ich zu tun habe. Nicht etwa, weil ich vergesslich würde 😆 – ihre Geburtstage merke ich mir ja -, aber es interessiert mich nicht mehr, wie alt jemand ist, sondern nur: Wie verstehe ich mich mit demjenigen? Schwimmen wir auf derselben Wellenlänge? Haben wir ähnliche Bezugspunkte? Gerade die letzte Frage kann natürlich dann mit dem Alter parallel laufen, denn mit meinem 16-jährigen Neffen habe ich einfach durch meine Vergangenheit nicht so viele Bezugspunkte wie mit einer Schulfreundin. Manchmal habe ich aber auch mehr Bezugspunkte mit ihm als mit Männern in meiner Altersklasse, die von der Medienanschauung des Alterns geprägt sind.

Ein Horror ist es auch für mich, anderer Leute Alter zu schätzen. Ich haue garantiert daneben, auch schon mal um ein Jahrzehnt. Deswegen frage ich auch nie, für wie alt ich gehalten werde. Warum mein Gegenüber quälen? Als ich so um die 12 bis 15 Jahre alt war, wurde ich immer älter geschätzt, damals fand ich das toll. Später dann wurde ich auch schon einmal für deutlich jünger gehalten. Anfangs fand ich das schmeichelhaft. Mittlerweile sage ich mir: Ich sehe nicht jünger aus. Ich sehe genauso alt aus, wie ich bin. Allenfalls sehen andere Leute kränker oder mitgenommener aus als ich, das wird dann als „älter“ interpretiert. Oder jemand hatte Glück und führte ein „glatteres“ Leben als ich, das keine Spuren hinterlassen hat. Das wird dann mit gemeinhin als jünger aussehen bezeichnet.

Der Jugendwahn herrscht, das ist bekannt. Alle wehren sich dagegen, auch in den Medien. Erst erzählen sie uns, dass wir mit Würde älter werden sollen (was immer das heißt), und im gleichen Atemzug erfahren wir, wie wir es am besten anstellen, jugendlich bzw. jünger zu wirken. Die Falten müssen weg! Warum eigentlich? Jede Falte an mir erzählt eine Geschichte. Jede Stelle meines Körpers, weiß warum sie so aussieht und sich so anfühlt, wie sie es tut, einerseits natürlich auch als Folge des Älterwerdens, aber eben auch als Ausdruck meines Lebens. Wenn ich mein Gesicht liften ließe – wie würde das zu meinem „Ich“ passen? Wenn ich meine Falten mit Gift wegspritzen ließe: Wie erkenne ich mich dann im Spiegel? Was ist mit den Dingen, über die ich gelacht habe, an die ich mich mit Freude erinnere – werden die auch weggespritzt? Wer in seinem Leben häufig zu- und abgenommen hat, wird unweigerlich die Folgen an der Haut zu sehen bekommen. Wenn ich da jetzt den Chirurgen dran lasse, werde ich ein anderer Mensch? Verschwinden die Gründe für mein Ab- und Zunehmen?

Auch ich lerne Tag um Tag in diese Richtung Selbstbewusstsein zu erwerben, es ist ein stetiger Prozess und es gibt Rückfälle. Leider haben es die Medien und Meinungsmacher geschafft, dass ich auch nicht immer diese Selbstsicherheit meinem Körper gegenüber ausstrahle, wie ich sie an anderen Tagen durchaus empfinde. Es ist ungeheuer schwer, sich davon zu lösen. Vor allem gibt es natürlich auch die wichtige Seite, dass ich mir selbst gefallen muss. Das heißt für mich also nicht, dass ich der Meinung bin, Menschen ab 50 müssten in Jeans – karierter Hemd/Bluse – ärmelloser beiger Weste uniformiert und schmucklos durch die Gegend laufen. Bei der Kleidung, die ich auswähle, orientiere ich mich an meinem Geschmack, an Stücken, in denen ich mich wohl fühle. Das sind heute andere als vor 20 Jahren, denn ich bin eine andere Frau, als ich es vor 20 Jahren war. Bauchfrei, wie es 2008 modern war, habe ich nicht getragen. Nicht etwa, weil ich finde, dass das meinem Alter nicht entspräche, sondern weil ich weiß, dass ich mich nicht darin wohl fühlen würde. Wagemutige Dinge, mit denen ich als Studentin experimentiert habe, reizen mich heute nicht mehr, weil ich die Provokation durch die Äußerlichkeit nicht mehr suchen muss.

Weil aber viele Leute ein gewisses Alter mit gewissen Vorstellungen verbinden und uns sofort in eine enge Schublade stecken, kaum dass sie unser Alter wissen, übergieße ich auch nicht alle Infos über mich mit meinem Geburtsjahr. Warum sollte das wichtig sein? Gelten meine Worte mehr, wenn ich ein bestimmtes Alter habe oder nicht? Ist ein Film aus der Vollwertecke aussagekräftiger, wenn ich 20, 30, 40, 50, 60, 70 oder 80 Jahre alt bin?

Dies alles ging mir durch den Kopf, als ich die HörZu Nr. 7 durchblätterte und auf den Artikel „10 Tipps, die jünger machen“ las. Doch dazu mehr morgen 🙂