Ketzerisches zur grünen Revolution

27. August 2012: Ketzerisches zur Gentechnik

Irgendwie kommt man als Vollwertler automatisch dahin, gegen Gentechnik zu sein, das geht mir ganz genauso. Ich mag aber keine Dinge, die automatisch gehen, sondern ich denke immer gerne selbst wieder darüber nach.

Auch beim Thema Gentechnik sind die Fronten verhärtet, Sachlichkeit, so erscheint es uns, ist kaum noch zu finden. Die Gegner präsentieren sich geschickt, und wenn man so sieht, wie einige Gentechnik-Firmen vorgehen, ist das skandalös.

Doch HALT! Nur weil Firmen brutal vorgehen, ist eine Sache an sich nicht schlecht. Ein Messer ist nicht an sich schlecht, weil es scharf ist, sondern weil es vielleicht jemand nimmt, um seinen Vater, seine Freundin, seinen Nachbarn damit aufzuschlitzen.

Was mir in den letzten Tagen häufig so durch den Kopf ging, ist die Geschichte mit den Kartoffeln, die in Deutschland gegen den Willen der Bauern eingeführt wurden. War die Kartoffel an sich schlecht? Hätte es polemische YouTube-Filme gegen die Kartoffel und die Vernichtung der deutschen Gersten-Esskultur gegeben, wenn das damals technisch möglich gewesen wäre? Habe ich mich in eine Denkschiene gegen Genpflanzen drängen lassen, nur weil es etwas Neues ist?

Der Mensch ist jeher misstrauisch gegen alles Neue. Das gilt vor allem für neue Dinge, die er nicht versteht. Das ist eine gesunde Strategie zur Lebenserhaltung, denn sonst wäre die Menschheit wahrscheinlich auch schon ausgestorben, wenn sie sich gleich gierig auf alles Neue stürzte. Ja, ein paar Menschen begeistern sich für das Neue und müssen riesige Überzeugungsarbeit leisten, bis es sich durchgesetzt hat. So bleibt dann manchmal Überflüssiges oder auch Gefährliches – zum Glück – auf der Strecke.

Nun muss ich mich doch kritisch fragen: Ist die Gentechnik per se wirklich so schlimm oder habe ich mich, eben misstrauisch gegen Neues, das ich nicht wirklich verstehe (!), einfach mit in den Sog der Anti-Gen-Propaganda ziehen lassen?

Nicht alle Befürworter der grünen Pflanzentechnologie sind geschäftstüchtige und seelenlose Halsabschneider oder gewissenlose Wissenschaftler. Wie kann es zu dieser Diskrepanz, diesem Aufeinander-Klatschen von Meinungen kommen? Sind die Deutschen so viel klüger als die Amerikaner und Kanadier (um zwei Beispiele zu nennen), dass hier ein so genfeindliches Klima herrscht, dort aber die Aufgeschlossenheit viel größer ist?

Vor wenigen Wochen hatten wir den Text eines Professors für Gentechnologie zu übersetzen. Irgendwie traf der mich mitten in mein „Denkherz“. Er hatte Argumente, die faszinieren. Zum Beispiel: Darf ich in einem Land, in dem Gentechnik politisch negativ bevorurteilt ist, mit dem Geld dieses Landes – durch das er ja als Professor bezahlt wird – noch in diese Richtung forschen? Und wenn nein, wo ist die Freiheit von Forschung und Lehre? Natürlich, so kann man entgegnen, Freiheit der Forschung darf nicht allen Übeln Tür und Tor öffnen. Richtig. Aber warum ist das Klima in Kanada solcher Forschung gegenüber viel offener? Nochmal: Sind die Kanadier alle dümmer als die Deutschen? Oder sind wir deutsch-verbohrt?

Auch folgendes Beispiel, das häufig für die Gentechnologie gebracht wird, ist nicht einfach vom Tisch zu wischen: Der Mensch hat immer schon in den Genpool von Pflanzen und Tieren eingegriffen, Wildpflanzen gibt es ja fast kaum noch (was wir bedauern dürfen, natürlich), warum JETZT plötzlich Halt machen? Warum ist eine verantwortlich geführte Genforschung so viel schlimmer als gezielte mechanische Züchtung? Weil die Gefahren größer sind?

Die Gefahren der Gentechnologie sind groß. Die Gefahren von Züchtungen im Allgemeinen sind aber immer groß, wie wiederum die Geschichte der Kartoffel zeigt: Hätte man vor einigen Jahrhunderten nicht noch eine wilde Sorte in Südamerika aufgefunden, so wäre Europa heute kartoffellos und viele Menschen wären verhungert. Auch diese Art von Überzüchtung ist daher nicht ungefährlich.

Ich bin immer noch nicht für Gentechnik. Aber ich bin offen für Argumente, ich möchte offen für Argumente sein und mich nicht politisch missbrauchen lassen von Menschen, die nur aus Machtgründen gegen Genforschung sind, nicht wirklich aus Gewissensgründen. Ich möchte mich vor keinen Karren spannen lassen, weder hier noch da.

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Mellifera bittet um Unterstützung (Gentechnik)

Kommentar vom 16. Dezember 2012

Gerade erhielt ich eine Email von Mellifera. Ich bin dort Mitglied (www.mellifera.de), dort wird wertvolle Hilfe für Honig geleistet. Übrigens eine Organisation, die eine Empfehlung auch der GGB Lahnstein ist. Es folgt die Mail, die meiner Ansicht nach für sich spricht.

Am 7.12. 2010 wurden vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg, weit reichende Grundsatzfragen zur Gentechnik verhandelt. Wir sind stolz darauf nach vier Jahren Kampf nun mit dem Imker Karl Heinz Bablok vor dem obersten Gericht der EU zu stehen. Unser Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik hat bewirkt, dass über wesentliche Fragen der Koexistenz zwischen der herkömmlichen Landwirtschaft bzw. Lebensmittelerzeugung und der Gentechnik entschieden wird.

Der EuGH misst dem Verfahren besondere Bedeutung bei, denn es hat die mündlichen Ausführungen der Parteien mit der großen Kammer, die mit 13 Richtern zugleich besetzt ist, angehört. Die Richter haben die Argumente der Imker offenkundig sehr ernst genommen und die EU-Kommission sowie Monsanto mit kritischen Fragen des Verbraucherschutzes und der Schadensregulierung konfrontiert. Darauf konnten keine befriedigenden Antworten gegeben werden.

Weitere Information zur EuGH Verhandlung am 7. 12. 2010 sowie eine juristische Stellungnahme unserer Kanzlei Gaßner, Groth & Siederer (Berlin) finden Sie unter
http://www.bienen-gentechnik.de/gen/gen.news/news.gen.12/index.html
Über das Urteils des Bundesverfassungsgerichtes vom 24.11. 2010 finden Sie dort ebenfalls Informationen; insbesondere im Hinblick auf dessen Stellenwert für Imker.

+++ Rechtstreit wird am Bayrischen Verwaltungsgerichtshof fortgesetzt +++

Nach dem Urteil des EuGH wird der Rechtstreit am Bayrischen Verwaltungsgerichtshof jedoch weitergehen. Das bayrische Gericht hatte dem EuGH die nun behandelten Grundsatzfragen vorgelegt und wird nach dem EuGH Urteil in dem Streit zwischen Imker Bablok, dem Konzern Monsanto und dem Bayrischen Staat weiter verhandeln. Unser Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik wird weiter an der Seite von Imker Karl Heinz Bablok für die konkrete Umsetzung des Schutzes der Imkereiprodukte und die Durchsetzung von Schadenseratzansprüchen kämpfen.
+++ Wir sind auf Ihre Unterstützung angewiesen +++

In Anbetracht der Tatsache, dass es bei dem Verfahren nicht nur um Honig geht, sondern um viele Lebensmittel die von demselben Problem betroffen sein werden, bitten wir dringend um finanzielle Unterstützung! Einzelne Imker wären nicht in der Lage, solche Verfahren zu führen. Das von Mellifera e.V initiierte „Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik“ hat die Verantwortung für deren Finanzierung übernommen. Aus dem Rechtsstreit sind mehrere unbeglichene Rechnungen in fünfstelliger Höhe aufgelaufen. Um den Fortgang des Verfahrens nicht zu gefährden, sondern es qualifiziert weiter betreiben zu können, bitten wir dringend um finanzielle Unterstützung!

+++  Schutzhonig +++

Unser Schutzgeld wird nicht erpresst – kaufen Sie freiwillig „Schutzhonig“ unseres Imkers Karl Heinz Bablok!
Bablok ist als David gegen Goliath angetreten. Verbünden auch Sie sich mit ihm. Der Sonderverkauf dient der Finanzierung des Rechtstreites. Überweisen Sie € 25 für ein Glas mit 30 Gramm gentechnikfreien Honig und speziellem Etikett. Geben Sie Ihre genaue Postadresse bei der Überweisung an, der Versand erfolgt dann ohne weitere Bestellung dorthin.
Konto: 102 005 85 49   BLZ: 722 501 60
Sparkasse Donauwörth, Kontoinhaber: Karl Heinz Bablok.

+++ Notarielles Treuhandkonto für Zuwendungen +++

Freie Zuwendungen, für die leider keine Spendenbescheinigungen ausgestellt werden dürfen, überweisen Sie bitte auf das Treuhandkonto unseres Bündnisses.
Konto: 452 162 050   BLZ: 642 920 20
Volksbank Schwarzwald-Neckar, Kontoinhaber: Notar Maier, Oberndorf
Stichwort „GVO Rechtshilfe “

— Dies ist eine Nachricht von Mellifera e.V., D- 72348 Rosenfeld Fischermühle —

Herabgesetzte Lebensmittel

Kommentar vom 26. November 2010: Niemand will billige Bananen

Dieser Tage war ich beim kleinen Supermarkt um die Ecke einkaufen, mir fehlte ein Salat, außerdem wollte ich mit Bananen aufstocken, um etwas für diverse Eissorten einzufrieren. Gerade für Eis und Shakes ist es ja besser, wenn die Bananen etwas reifer sind. Rechts neben dem großen Obst- und Gemüseregal stehen immer ein paar Kisten mit weniger schönen Dingen. Ich wusste nicht, ob die zum Wegwerfen oder Verschenken oder wozu auch immer gedacht waren. Also fragte ich die Verkäuferin, die dort gerade frische Ware einräumte: „Das sind die alten, fleckigen Bananen, die gibt’s zum halben Preis.“ Ich staunte, für meine Augen sahen die nämlich gar nicht so schlecht aus. Normalerweise lasse ich die frischen Bananen extra liegen, damit sie etwas süßer fürs Eis werden. Okay, ein paar braune Stellen, reif, aber noch keinesfalls „hinüber“ – wobei die zum Süßen in der Rohkost ja gerade besonders vorteilhaft sind.

Ich packte also eifrig ein, fast zwei Kilogramm. Bezahlt habe ich 80 Cent. Zu Hause habe ich bis auf zwei Stück alle geschält, in Scheiben geschnitten und eingefroren. Dabei stellte ich fest, dass die meisten Bananen innen völlig in Ordnung waren. Einige hatten kleine Druckstellen, die sich leicht wegschneiden ließen. Während ich da so meiner Tätigkeit nachging, ließ mich der Gedanke nicht los: Wieso war dieser Karton mit Bananen nicht leer, als ich um ca. 14.30 Uhr kam? Gerade in diesem kleinen Markt kaufen viele Menschen, denen man ansieht, dass sie nicht viel Geld haben. Wieso stürzen die sich nicht auf diese tollen Bananen? Ich weiß zwar, dass es Menschen gibt, die partout nur Bananen mögen, die noch rübenartig sind. Ich war früher selbst so. Aber das trifft doch nicht für alle Menschen zu. Ähnliches gilt übrigens auch für die Angebote von Bäckern, die Brot nach 17 Uhr für den halben Preis verschleudern. Wird ihnen das aus der Hand gerissen? Mitnichten! Vielmehr ist es mittlerweile üblich, dass Bäckereien ab 17 Uhr (trotz Ladenschluss 18.30 Uhr) gar kein Brot mehr haben: Denn sie wissen, dass Reste abends weggeworfen werden müssen.

Ich habe für 80 Cent acht oder neun Bananen gekauft. Da zieht der Spruch „Wir leben in einem Land, wo Schokolade billiger ist als Obst und Gemüse!“ nicht mehr. Der stimmt nur, wenn wir so quatschig und verwöhnt sind, dass wir nur Obst und Gemüse der Klasse Ia zu essen bereit sind.

Ich frage mich: Warum sind solche Kisten nicht innerhalb von 10 Minuten leer gekauft? Warum bringt die Tageszeitung nicht einmal einen Bericht über diese Billigaktionen und wie wenig sie genutzt werden?

Wir brauchen uns dann auch nicht zu wundern, wenn die Gentechnik überall Einzug halten wird. Denn auch hier sind wir nicht nur eine Masse von Menschen, über deren Köpfe hinweg Profit gemacht wird. Wir bestimmen mit, was gekauft wird und was nicht. Wenn auch kleine etwas schrumpelige Äpfel, Bananen mit kleinen Flecken, Gemüse mit Druckstellen wenigsten in Billigaktionen blendend verkauft werden, ist doch der Druck, nur perfektes Obst und Gemüse anbieten zu können, viel geringer.

Schrot & Korn: Neues Layout

Kommentar vom 6. September 2009: Schrot & Korn im neuen Gewand

Schrott & Korn kündigte ja schon seit längerem an, dass sie sich äußerlich wandeln werden. Das haben sie getan. Die Werbung ist jetzt noch erschlagender als vorher, da kräftig in der Farbe im Kontrast zu den blässlichen Zeitschriftenartikeln. Da freuen sich die Anzeigenkunden sicherlich.

Nun gut, ohne Anzeigen kann heute keine Zeitschrift mehr leben. Aber muss es gleich so heftig sein, dass ich vor lauter Anzeigen-Farbe (knall-knall) nichts mehr lese? Was andererseits auch kein Verlust ist. Schrott & Korn sollte sich wirklich auch mal einen neuen Namen zu legen. Dieses „Korn“ im Namen muss ihnen doch weh tun, wo sie sich doch schon fast zu einer Wellness-Zeitschrift gemausert haben. Die Rezepte sind jetzt auch alle durchweg mit Zucker. HALT! Ich möchte nicht lügen: In einem Rezept wird eine Salatsoße mit einer Spur Honig angerührt.

Was unterscheidet die Schrott & Korn denn jetzt noch von einer Essen & Trinken? Nun, durch ihre Anzeigenkunden natürlich, die sich mit Beinamen wie Bio usw. schmücken. NOCH.

Wo sie sich in der Thematik (noch?) unterscheiden ist der vehemente Aufschrei gegen Gentechnik in Lebensmitteln. Das wird groß herausgestellt. Das wird sich ändern, sobald es ein „Gentechnik mit Biozeichen“ gibt. Oder wenn die Gentechnik-Hersteller endlich so viel Geld fließen lassen wie die Zuckerindustrie…. oh pfui, welch böser Gedanke 😉