Was kommt auf mein Tellerchen?

8. Dez. 16: Seit einiger Zeit…

Wer meine Rezepte regelmäßig verfolgt, weiß es bereits – ich habe kleine Mengen Tiereiweiß und Fett (Butter und Öl) erneut in meine Ernährung eingeführt. Die absolute (oder zumindest fast absolute) Streichung dieser Dinge hat mir keine Vorteile gebracht und ich kenne auch niemanden persönlich-überprüfbar, der wirklich einen Nutzen davon hatte. Wer gewisse Krankheiten hat wie Allergien oder Rheuma kommt um die 100%ige Tiereiweißfreiheit nicht herum, wenn er keinen Auschlag oder Schmerzen bekommen möchte, das ist auch klar.

Meine Überzeugung nach reiflichem Austesten und Lesen entsprechender Seiten trifft das „Mittelmaß“, das heißt, dass ich überzeugt bin, dass für klinisch gesunde Menschen eine extreme Ernährung, die bestimmte „natürliche“ Bestandteile komplett ausschließt, nicht erforderlich oder förderlich ist. Für mich heißt das mehr denn je, dass veganes und Rohkost-Essen reine moralische oder sonstige Entscheidungen sind, die aber nicht wirklich von fundiertem Wissen vom Gesundheitsnutzen geprägt sind. Veganer sind gesünder als Nichtveganer – eine These, die immer noch umstritten ist. Aber selbst wenn es so wäre: Wer hat den Gesundheitszustand von Veganern mit dem von Vollwertlern (nicht einmal tiereiweißfrei) verglichen, wirklich fundiert nachgewiesen? Wer hat vegane Vollwertkost mit tiereiweißhaltiger Vollwertkost in nennenswerten Zahlen verglichen? Meines Wissens niemand. Die einzelnen beziehen ihr „Wissen“ aus persönlicher Erfahrung im kleinen Kreis (was leider häufig zur Überzeugung „Nur das ist richtig!“ wird) oder aus Büchern und YouTube-Filmen einzelner Ärzte oder mit Überzeugungskraft auftretenden Laien.

Esselstyn empfiehlt für Herzkranke völlig fettfreie Ernährung, auch ohne Nüsse. Gemüse habe genug Fett. Ach ja? Ich möchte das nicht ausprobieren (bin eh nicht herzkrank). Vor einigen Wochen sah ich im Interview eine deutsche Ärztin, die unbedingt die Zufuhr großer Mengen Kokosöl empfahl, leider habe ich ihren Namen vergessen. Also wer abnehmen wolle, solle das Kokosöl am besten esslöffelweise zu sich nehmen. Auch das möchte ich nicht ausprobieren.

Auch ich habe die Phase durchlaufen, in der ich die tiereiweißfreie Vollwertkost oder auch die sehr stark fettreduzierte Vollwerternährung konsequent verfolgt habe, weil sie mir plausibel erschien. Das tut sie nicht mehr, zu löchrig sind die echten Beweise. Brukers Erkenntnisse sind teils einfach vom Faktenwissen überholt, die Erfolgsbeispiele von FoK rühren einerseits daher, dass Normalesser nach Ernährungsumstellung gesunden – wer würde das von einer solchen Ernährung nicht?, echte Langzeiterfolge sehe ich dort nicht nachprüfbar. Die Beispielgeschichten sind leider teils medizinisch nicht haltbar. Da rückt der Glaube die Ergebnisse vielleicht wieder einmal zurecht, wie das ja leider in der Wissenschaftsgeschichte häufig so ist, was ich auch durchaus bereit bin, Dr. Bruker zu unterstellen.

Auch ich habe diese Phase gehabt, wo ich überzeugt war, dass Menschen, bei denen die Vollwertkost nicht die gewünschten Erfolge bringt, eben nicht „richtig vollwertig“ essen. Ich habe da einmal eine Frau sehr mit vor den Kopf gestoßen. Ich denke nicht, dass sie hier noch mitliest, weil sie sehr verärgert war über meine bohrenden Fragen (die sie nur zu gut kannte), aber wenn ja, so möchte ich mich für diesen leichten Starrsinn entschuldigen. 🙂

Vollwertkost ja, „So natürlich wie möglich“, unbedingt. Ich kehre nicht zu den Fleischtöpfen zurück, nicht zu den Sahne- oder Butterbergen, wie sie teils in der tiereiweißfreien Ernährung zelebriert werden. Ich esse deutlich fettarmer als früher, das finde ich gut. Ich esse nicht sehr viel Tiereiweiß (keine Eier, kein Quark oder Joghurt, weil dies Eiweißschleudern sind, keine Milch), aber kleine Mengen heben die Essensqualität einfach an. Schon ein Esslöffel Sahne im Frischkorngericht macht einen Unterschied, den nur ein gehäufter Esslöffel Cashewnussmus annäherend erreichen kann – vom Geschmack ganz zu schweigen.

So stehe ich heute da. Ich bin gespannt, wie es „mit mir“ weitergeht.

Habt Ihr die Apotheken-Umschau schon vermisst?

29. Januar 2012: Die meisten Menschen ernähren sich gesund, oder?

Wie wunderbar, die meisten Menschen kochen abwechslungsreich und gesund. Ihr glaubt es nicht? Oh, Ihr armen Unwissenden – die Apotheken-Umschau hat es doch herausgefunden! Auf ihrer letzten Seite der Dezember B-Ausgabe unten rechts sind nämlich die Ergebnisse der Online-Umfrage „Wie ernähren Sie sich“ in einem Balkendiagramm abgedruckt. Damit das Ganze auch dem Auge schmeichelt sehen wir hinter dem Balkendiagramm so eine Art Gemüsepfanne. Ein Wok? Gesund ist das Essen darin bestimmt, denn es ist völlig roh 🙂 Aber Fotografen halten wohl ihre Leser für etwas doof und versuchen ihnen einen Pott mit rohem Gemüse als Gekochtes zu verkaufen. „Hier, hier“ rufe ich da, „ich habe euch durchschaut“.

Kommen wir zum interessanteren Teil, den Ergebnissen: Nur 4,7 % der Befragten ernähren sich von „viel Fast Food und Süßes vom Bäcker“, 5,7 % „gehe[n] oft ins Restaurant“, 10,3 % essen „Irgendetwas Kaltes oder Fertiggerichte“ und proppere 79,3 % kochen wie beschrieben „abwechslungsreich und gesund“. Teilgenommen haben an dieser völlig sinnlosen Umfrage 1002 Menschen, bzw. Stimmen – wie die AU sie nennt.

Wir hatten ja letztlich schon eine kleine Diskussion über Umfragen und wie es dank Statistik möglich ist, auch aus verzerrten Umfragen repräsentative Ergebnisse zu gewinnen. Zu deutsch: Auch wenn ich nur Menschen in einem ganz bestimmten Stadtteil einer Stadt befrage, kann ich dank statistischer Methoden solange rechnen, bis ich die Fehler durch die Einflüsse dieses Stadtteils weggerechnet habe. Diese Entzerrung wurde hier wohl versäumt.

Natürlich fehlen auch hier wieder wichtige Angaben, z.B. ein Altersdurchschnitt. Es ist ja kein Geheimnis, dass unsere Großeltern viel häufiger selbst gekocht haben als ihre Enkel. Die Leser der Apotheken-Umschau sind vermutlich auch nicht gerade in der Pubertät 🙂 Ein Hinweis darauf? Mitnichten. Auch die Jahreszeit, in der diese Umfrage gestartet wurde, ist wichtig: Im August essen sicher mehr Menschen kalt als im Winter. Ganz zu schweigen natürlich von dem Defizit, dass nicht erklärt ist, was „sich gesund ernähren“ heißt. Und wer wird heute, wo überall bekannt ist, wie ungesund Fast Food ist, denn ankreuzen „Ich esse vorwiegend Fast Food“? Das gestehen sich die meisten Menschen doch auch bei einer Umfrage nicht zu.

Nun kann man sagen: „Naja, die Apotheken-Umschau ist natürlich keine Universitätsabteilung. An der Uni wird sicher viel sorgfältiger vorgegangen, da kann ich den Ergebnissen vertrauen.“ Man kann das sagen – ich sage das nicht. Die letztlich hier vorgestellte von einer Universität durchgeführte Umfrage ist um keinen Deut besser, egal wie viel Statistik-Vorlesungen die Ersteller besucht oder sogar selbst gegeben haben. Denn schon die Fragen gingen am Thema teils schräg vorbei. Da können die Damen und Herren dann später viel rechnen, das Ergebnis wird nicht besser. Auf wackligen Steinen kann auch die Statistik keinen erdbebengestählten Koloss bauen.