Brief an den Arzt

Ich erinnere an meinen Beitrag zum eiskalten Wartezimmer: hier. Eigentlich wäre morgen der nächste Termin gewesen, aber ich habe lange drüber nachgedacht und dann einen Brief geschrieben, der ging dann heute in die Praxis.

Sehr geehrter Herr Dr. XXX,

wie Ihnen Ihre Mitarbeiterinnen sicherlich berichtet haben, habe ich Ihre Praxis letzte Woche verlassen, nachdem ich ca. 15 Minuten in ungeheizten Räumen mit offenem Fenster und offener Tür gesessen hatten, außerdem stand die Praxistür zum Flur ebenfalls offen, es herrschte starker Durchzug. Das bei einer Außentemperatur von 10°C, die im Wartezimmer wohl kaum höher war.

Ich hatte Schüttelfrost bis abends, eine triefende Nase und andere Erkältungserscheinungen.

Ich hatte den Termin auf den 14. Okt., also morgen verlegt. Ihre Mitarbeiterin hatte mir aber bei der Verlegung schon direkt gesagt, dass es ja dann „genauso sein wird“.

Übrigens hatte vor mir schon eine Frau, die einen Platz auf dem Flur hatte, um Schließen des Fensters gebeten, Antwort „Das dürfen wir nicht“.

Gut. Fenster und Türen müssen dann diese Woche auch offenstehen. Ich muss mich dem aber nicht aussetzen.

Ich habe lange mit mir gerungen, mich aber schließlich für meine Gesundheit entschieden. Da bei mir keine wirklich dringenden Untersuchungen erforderlich sind, möchte ich diesen Termin absagen. Sobald in Ihrer Praxis wieder die Möglichkeit besteht, sie genauso gesund zu verlassen, wie ich sie betreten habe, ist das sicher wieder eine Option.

Mit freundlichen Grüßen

Geburtstagsgedanken

In zwei Tagen, am 29. Mai, hat dieser Blog seinen 12. Geburtstag. Da ich die ersten Beiträge auf meine Webseite gestellt und dann alle mit 29. Mai datiert habe, kann ich auch heute den Tag als Geburtstag sehen und mir gratulieren. 😉

An meinem Blog kann ich meine Entwicklung und auch den Wandel bei meinen Lesern sehen. Von einer sehr konsequenten Vollwertlerin bin ich über tiereiweißfrei und Forks over Knives (vegan und sehr fettarm) zu einem angepassten Essensstil gekommen, der meiner heutigen Haltung eben eher entspricht. Das ist nicht grundlos passiert und in der Regel lasse ich meine Leser (ja, auch die Leserinnen, sozusagen die Leserschaft 😉 ) an meinen Gedanken teilhaben.

Das Interessante für mich – es interessiert immer weniger Menschen, was ich denke und was ich poste. Während sich anfangs die Kommentare nur so drängelten, von Zustimmung bis zur absoluten Ablehnung, wird heute recht selten kommentiert. Auch meine Abonnentenzahl ist gerade in der letzten Zeit deutlich abgerutscht.

Was sagt mir das? Irgendwo treffe ich nicht den Nerv der Zeit, was im Übrigen auch nie meine Absicht war. Vollwert ist out, egal was einige Glühaugenfans der Lahnsteinschen Kost so sagen. Essen und Ernährung ist wichtiger denn je und bei aller Lockerheit, die ich so gewonnen habe, kann ich dennoch häufig nur den Kopf schütteln. Gesundheitsberater nennt sich alles, was mal 3 Stunden dubiosen Fernlehrkurs besucht hat. Das beste Beispiel für mich war eine Gesundheitsberaterin, die fünf Portionen Obst und Gemüse für wichtig hielt und ergänzte „Es kann auch mal ein Obst aus der Dose sein“. Hmm, mildes Lächeln meinerseits.

Eine längere Weile habe ich mal pausiert. Ich hatte einfach, wie es so schön heißt, „keinen Bock“. Derzeit bin ich nicht massentauglich: Ich bin nicht kontrovers genug, ich bin auch schon mal gemäßigt, ich folge nicht jedem Trend bei Foodblogs blind (d.h. weder erzähle ich ständig niedliche Anekdoten aus meinem Familienleben noch schmücke ich meine Rezepte mit 20 Fotos, von denen übrigens 15 eigentlich immer dasselbe zeigen).

Womit ich nicht sagen will, dass alle Foodblogs untauglich (für mich) sind. Aber ich scrolle immer rasch zum Rezept – das ganze „Glückliche Mutti“ oder was sich da so selbst-darstellt, will ich gar nicht lesen. (Ich demonstriere gerade keine Vorurteile, sondern Leseerfahrung 😉 ).

Was bedeutet das für mich? Sorry, nichts. Ich finde es interessant, wie viele Abonnenten ich habe. Früher habe ich auch mal die Zugriffszahlen regelmäßig angeschaut. Aber irgendwie lockt mich das auch nicht mehr.

Und bitte nicht missverstehen: Natürlich sind mir meine Leser und ihre Kommentare nicht egal. Auch wenn die Gruppe hier kleiner geworden ist, so ist sie mir quasi ans Herz gewachsen. Manchmal stolpern sogar immer noch Neulinge hier vorbei und bleiben.

Und danke an die, die dabei geblieben sind. Hier ist es mir egal, ob von den ersten Tagen an oder erst später. Schluss mache ich erst, wenn ich gar keine Lust mehr habe oder wenn die Zahl der Abonnenten und Leser auf Null gesunken ist.

In diesem Sinne: Man sieht sich 🙂

Was die Natur uns sagt

25. Sep. 2015: Rund und gesund

Es gibt Ernährungsrichtungen, deren Vertreter die Qualität ihrer Ansichtungen lautstark verkünden, teils mit wissenschaftlichen Belegen – und sie sind hager und spindeldürr. Mir geht da immer durch den Kopf: Ja, ist das normal? Wenn ich Filme von Naturvölkern sehe, so sind diese Menschen gut gebaut, sie haben Muskeln, sind schlank bis normal, aber keineswegs hager. Wenn schon zurück zur Natur, warum soll mir jemand ein Vorbild sein, der nicht dem natürlichen „Vor-Bild“ entspricht?

Jeder ist Ernährungsexperte

30. Juli 2015: Ernährungswarnungen  in den Medien

Was ist von kritischer Medienberichterstattung in Sachen Ernährung zu halten?

Leider nicht sehr viel. Abgesehen von ein paar wenigen wirklich kritischen Journalisten (wie z.B. Grimm) wird ja kaum recherchiert. Sensationen verkaufen, darum geht es. Und da verkauft sich natürlich besser, dass Phytin im Getreide gefährlich ist, als dass jeder sich eine Getreidemühle kaufen und selbst sein Getreide mahlen soll (das ist lästig für den Zuschauer und Leser).

Immer wieder werden uns natürliche Lebensmittel madig gemacht. Entweder das Getreide mit seinem Phytin, Lieblingskind der Beschimpfungen auch neuerdings der Honig – eines der natürlichsten Lebensmittel überhaupt, das wir noch unverändert in die Hand bekommen. Natürlich kennen wir alle den Aufdruck auf jedem Honigglas, dass Rohkost für Kinder unter 12 Monaten gefährlich ist und deshalb an Säuglinge kein Honig verfüttert werden darf. Herrlicher Blödsinn. Da hat mal wieder vor Jahren jemand einen falschen Zusammenhang in einem Einzelfall hergestellt, und jetzt steht das so da. Auf jedem Glas. Und deshalb muss das stimmen, denn es ist gedruckt!

Diese Beispiele gibt es mehr und mehr. Sprossen sind EHEC-verseucht – das wird dann auch sofort auf die heimischen Sprossenzuchten übertragen, egal was „damals“ wirklich passiert ist.

Eigentlich ist am gesündesten, was industriell bearbeitet wurde, denn in allen anderen Lebensmitteln lauern schreckliche Gefahren: BAKTERIEN allen voran. Nun ja, ich bin offenbar eine Gefährdung für die Menschheit, wie übrigens viele Menschen – denn ich kann ohne Bakterien gar nicht leben. Dann diese schrecklichen Hemmstoffe in Getreide und Nüssen. Nüsse darf man ja auch nur eingeweicht essen, sonst bringen die uns um. Dass die Hemmstoffe in  Nüssen allenfalls für Tiere in Eichhörnchengröße leichte Wirkung zeigen, müssen wir nicht erwähnen.

Aber, aber, nicht kirre machen lassen. Es gibt ja auch eine Positivliste. So fördert Schokolade das Denken, Kaffee ist gesund, wenn wir es nicht übertreiben, auch ein Stück gutes Fleisch schadet nicht (Zitat von einem Arzt), und wer möchte schon ganz ohne Zucker leben?

Genau, wer möchte das denn außer mir?

 

Was ist meine Mission?

23. März 2015: Mission Impossible

Eine Erkenntnis, die ich nicht alleine für mich gewonnen habe, ist: Keine Mission in Sachen Vollwertkost! Die Leute wollen es nicht hören und wir machen uns damit keine Freunde. Wir werden lästig.

Das ist so. Ich selbst gebe schon mal einen kleinen Hinweis – einmal, zweimal, dann ist gut. Wenn kein Interesse besteht, sage ich nicht mehr: Du könntest dein Rheuma mit tiereiweißfreier Kost völlig beseitigen. Nein, ich halte das für mich.

„Wir“ schütteln darüber den Kopf. Wir meinen es doch so gut, wir wissen es besser, warum nur wollen die Kranken nicht lernen?

Ein Grund, den viele auch schon erkannt haben, ist, dass manche ihre Krankheit schätzen. Sie brauchen sie. Wobei ich das jetzt nicht so plump meine in dem Sinne von „Sie wollen sich interessant machen, sie wollen dadurch Zuneigung erzwingen“. Nein, ganz so einfach ist es nicht, auch wenn es diese Fälle natürlich gibt. Krankheit ist auch ein Weg, sich selbst auszudrücken, um sich selbst etwas zu vermitteln. Krankheit ist eine Diskussion mit sich selbst. Krankheit kann ein Lehrmeister sein. Wobei wir mit der Interpretation bei anderen vorsichtig sein sollten 😉 Ich finde auch nicht, dass es immer anzuwenden ist. Denn die Frage, warum ein 4-jähriges Kind an Leukämie erkrankt, lässt sich kaum damit beantworten. Wann immer wir krank werden, lohnt aber die Frage: Warum jetzt und warum gerade das?

Warum noch können Menschen „verbohrt“ bei ihrer Ernährung bleiben? Eine interessante These ist, dass gerade Männer in der Entfernung von der gewohnten Ernährung eine Abwendung von der eigenen Mutter sehen und sie daher irrational verteidigen.

Es gibt aber noch einen Grund, der ist ganz einfach: Egal, was wir einem Kranken sagen, er hält seine Ernährung für wichtiger als alles andere. Wie kann das sein? Nun, es gibt für jeden einen Punkt, an dem er sagt: Nee, also da kann ich mit diesem Essen so gesund sein, wie ich will – das ist es mir einfach nicht wert. Das kannst du dir nicht vorstellen? Dann überlege einmal, was du sagen würdest, wenn herausgefunden würde, dass man die beste Gesundheit dadurch bekommt, dass man jeden Tag 3 Liter Weizensaft trinkt, in den mindestens 20 Ameisen verarbeitet wurden. Ich persönlich würde wohl auf die blendende Gesundheit verzichten und die zweitbeste Gesundheit wählen 😉

Dann gibt es auch Leute, die gerade einen Ernährungsstil für sich gefunden haben und nun uns missionieren wollen. Und diese sind das beste Beispiel dafür, wie überaus nervig das ist. Diese Freunde oder Bekannten sind von ihrem Wissen genauso überzeugt wie wir von unserem. Und nun erzählen sie uns beispielsweise dreimal am Tag, dass eine eiweißreiche Kost wirklich Wunder für die Gesundheit tut. Wir „wissen“, das ist Blödsinn… aber sie „wissen“ das auch. Denn dank Internet gibt es heute quasi für jede Behauptung auch Belege aus mehr oder weniger wissenschaftlicher Hand.

Da auch die beste Ernährung kein absoluter Garant für ewige Gesundheit ist, werden diese Missionare sich sofort bestätigt fühlen, wenn wir mal ein Zipperlein bekommen. „Das wäre dir mit 10 Eiern zum Frühstück nicht passiert!“ Und dabei strahlen sie gesund (noch gesund?), denn das Trickreiche und Wunderbare am menschlichen Körper ist ja, dass er gelegentlich auch malträtiert extrem gesund daher kommt. Ich sage nur – Helmut Schmidt und rauchen.

Ich bin nach wie vor überzeugt, dass die tiereiweißarme Vollwertkost – ob mit oder ohne FoK – eine der besten Ernährungsformen ist, weil sie mir (!) geholfen und für mich (!) die besten Argumente hat. Deshalb versuche ich Interessierten auf dem Weg zu helfen. Aber genauso wie ich nicht mit der Eierschlacht bedrängt werden möchte, bin auch ich zurückhaltend geworden – mehr denn je.

Bin ja nur dummer Patient

26. Jan 2015: Ein Dialog

Dies ist nicht erfunden. Ich war dabei und konnte zuhören:

Gesprächsteilnehmer sind A und B. A ist 52 Jahre alt, nimmt 3 Blutdruckmittel und einen Stimmungsaufheller. Sein Rücken ist kaputt (kommt von der körperlichen Arbeit, sagen die Ärzte) und schwer übergewichtig. Sein Lieblingsspruch „Ich bin eine fleischfressende Pflanze“. B. ist 62 Jahre alt, nimmt keine Medikamente und fühlt sich außer einer harmlosen Nierenzyste gut. Er lebt vollwertig-tiereiweißfrei.

A: Ja, ich nehme jetzt morgens und abends je eine Tablette Amlodipin und eine Ramipril und abends noch eine Diazepam und eine Bisoprolol.
B: Ich nehme nichts.
A (mit triumphierendem Lächeln): Aha! Und wann hast du dich denn zum letzten Mal vom Arzt durchchecken lassen?

Gut, was? Heute wissen die Ärzte eben besser als die Menschen selbst, ob jemand sich gesund fühlen darf 😉 Gut auch, dass das viele Patienten mittlerweile auch glauben.

Ein Gast-Märchen (Teil 1 von 2)

24. Juli 2014:  Ein Vollwertmärchen in 2 Teilen: Teil 1 (Gastbeitrag)

Märchen von einem, der auszog gesund zu werden

Es war einmal … So beginnen Märchen. Und dies ist ein Märchen. Denn Märchen gehen für die Helden immer gut aus. Das Leben schreibt andere Geschichten.

Es war einmal ein glückliches Paar. Zumindest war es meist glücklich, denn sogar im Märchen gibt es hin und wieder Fälle, in denen das verliebte Paar höchst unzufrieden mit- oder gar sehr ärgerlich aufeinander ist. Das macht aber nichts, denn so ein Paar lässt sich für gewöhnlich nicht durch ein paar kleine Widrigkeiten trennen (und im Märchen schon gar nicht!) – sie machen sie sogar stärker.

Eines Tages erkrankte der Mann. Er ging zum Arzt. Dieser führte verschiedene Untersuchungen durch und setzte schließlich eine gewichtige Miene auf; er schaute ein wenig mitfühlend und auch sehr wissend, denn er war ein studierter Mensch und kannte sich in seinem Metier sehr gut aus. Er wusste alles über diese Krankheit, was das Studium an einer angesehenen Universität ihm nur hatte beibringen können. Mit Fug und Recht konnte er von sich behaupten, er sei Experte auf dem Gebiet der menschlichen Gesundheit.

Mit seiner gewichtigen Miene setzte er nun zu einer Erklärung für seinen Patienten an: „Tja. Nun muss ich Ihnen leider die traurige Mitteilung machen, dass die Krankheit, die Sie befallen hat, unheilbar ist. Sie haben mir ja auch gesagt, dass schon andere Familienmitglieder vor Ihnen daran litten. Es ist ganz eindeutig so, dass Sie nur ein weiterer Fall in dieser Reihe sind. Sie werden lernen müssen, mit der Krankheit zu leben, denn sie wird Sie den Rest Ihres Lebens begleiten.“

Der Mann machte ein erschrockenes Gesicht. Aber eigentlich hatte er so etwas schon befürchtet. Trotzdem war es ein Schock, diese Nachricht direkt ins Gesicht gesagt zu bekommen!

Der Arzt lächelte milde; er wusste aus Erfahrung, dass die unwissenden Patienten anfangs immer geschockt reagierten. Sie wussten ja nicht, was er wusste; dass nämlich die Krankheit sehr gut in den Griff zu bekommen war. Es bedurfte lediglich der Einnahme einer bestimmten Medizin. Auch das würde fortan für den Mann ein Teil des Lebens sein – aber es war doch nur ein kleines Übel, das in Kauf zu nehmen sich lohnte. Denn immerhin konnte man dadurch beinahe so wie vor der Krankheit weiterleben!

Er klärte seinen Patienten also auf und dem Mann fiel ein Stein vom Herzen. Nur ein kleiner natürlich, denn er wusste auch etwas – zum Beispiel von vielen anderen Menschen mit derselben Krankheit, bei denen es nicht mehr reichte, die Medizin als Tablette einzunehmen. Irgendwann käme der Tag, an dem er würde beginnen müssen, sich Spritzen zu geben.

Er sprach den Arzt darauf an. Da dieser ein sehr ehrlicher Mensch war, der sein Gegenüber nicht im Unklaren lassen wollte, gab er zu, dass er nicht dafür garantieren könne, dass es nicht so käme und auch noch, dass er nicht sagen könne, wieviel Zeit bis dahin vergehen würde.

Der Mann fügte sich also in sein Schicksal. Was blieb ihm auch anderes übrig?

Seufzend erhob sich von dem bequemen Stuhl, in dem er das Gespräch mit dem Arzt geführt hatte. Er schüttelte dem Mediziner die Hand und bedankte sich. Für einen kurzen, einen sehr kurzen Moment, schoss ihm die Frage durch den Kopf, wofür er sich eigentlich bedankte. Doch der Gedanke war sofort wieder verloren, denn im selben Augenblick sagte der Arzt: „Meine Helferin wird Ihnen noch ein Rezept ausschreiben. Halten Sie sich peinlich genau an die Einnahmeempfehlung! Dann wird es Ihnen gut gehen und Sie können unbeschwert weiterleben.“ Er lächelte zur Verabschiedung und nahm sich vom Tisch seiner Helferin die nächste Krankenakte, um zu sehen, wem er als nächstes helfen konnte.

Sehr traurig ging der Mann nach Hause, wo die Frau, die den Mann – wir erinnern uns an den Beginn des Märchens – ja sehr liebte (denn das musste sie, sonst wäre sie nicht glücklich mit ihm gewesen), sehr bang wartete.

Sie getraute sich nicht nachzufragen, aber das war auch nicht nötig, denn das Gesicht ihres Mannes sprach Bände. Das Herz wurde ihr schwer vor Kummer, denn auch sie wusste etwas über die Krankheit, die ihr Mann schon vermutet hatte, bevor er zum Arzt gegangen war. Die Krankheit würde nicht die einzige bleiben. Viele schlimme Folgen würde sie noch haben, und die Medizinforschung würde dafür sorgen, dass er ein langes Leben, erfüllt mit Krankheit und Medikamenten, haben würde.

Die Frau wurde noch trauriger als der Mann, denn die Frau wusste noch mehr. Doch ihr war klar, dass ihr Mann ihr niemals zuhören würde, wenn sie versuchte, dieses Wissen mit ihm zu teilen. Ganz zu schweigen davon, ob er überhaupt die Möglichkeit in Betracht ziehen würde, dass die Frau mit ihrem Wissen recht haben könnte, und gar nicht zu reden davon, ob er dieser Möglichkeit eine Chance geben würde!

Die Frau war tieftraurig und wusste sich nicht zu helfen, denn sie wollte keinen Streit mit ihrem Mann. Doch ihre Meinungen in dieser Sache waren ganz und gar gegensätzlich, und es würde es auf einen Streit hinauslaufen.

Teil 2 könnt Ihr morgen lesen.

Wir legen die Vollwert mal flach!

25. März 2013: Vollwert taugt nix, denn Ute hat Husten!

Wir Vollwertler sollten Gesundheit vertikal, nicht horizontal betrachten!

Was meine ich damit? Vertikal bedeutet senkrecht und horizontal bedeutet waagerecht. Ich hätte auch sagen können: Seht die Vollwert und ihre Folgen intrahuman und nicht interhuman 🙂 Und nachdem ich euch mit meinem halben Fremdwortschatz eingedeckelt habe, möchte ich zur Sache kommen.

Das hören wir ja immer wieder: „Wie, XXX ist Vollwertlerin und hat dennoch Brustkrebs bekommen? Da kann die Vollwert nichts taugen“. Oder: „YYY hat regelmäßig Pickel und isst tiereiweißfrei?“ Mal abgesehen davon, dass ich die Tiereiweißfreitheit hier bezweifle: „Das darf nicht sein, also taugt die Vollwert nichts?“

Vollwert ist, und das wiederhole ich gerne immer wieder, keine Garantie für Gesundheit, weil auch andere Faktoren hinzukommen. Wobei ich mich dagegen wehre, dass alles, was ich an Unpässlichkeiten bekomme, gleich laienpsychologisch auseinandergelegt wird 🙂 Gesundheit ist neben allen wichtigen Faktoren wie Ernährung, Bewegung und Lebensweise auch ein Erbteil unserer Ahnen, eine genetische Vorprogrammierung, aus der es das Beste zu machen gilt. Wobei ich betone: Wir sollten das Beste draus machen – fehlerlos wird niemand. Immer wieder sehen wir ja gerade auch Beispiele für ungesundes Leben und langes Leben: Hier sei einmal wieder Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt angeführt. Mich wundern ja manchmal auch die Hollywood-Schauspieler, die mit Stress und sicher nicht vorbildlichem Essen locker die 90 Jahresgrenze erreichen, derweil die Vollwertlerin nebenan vielleicht schon mit 75 Jahren gestorben ist.

Ist jetzt Rauchen doch gesund? Ist es jetzt doch egal, wie und was wir essen, es spielt letztendlich keine Rolle?

Meine Antwort auf diese Frage ist ein deutliches: Nein. Natürlich ist Rauchen nicht gesund und ganz bestimmt hat die Ernährung einen ungeheuren Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden.

Der Fehler bei diesen Überlegungen liegt darin, dass Menschen miteinander verglichen werden. Da es aber so viele Hunderte und Tausende von Faktoren gibt, die letztendlich unser Leben bestimmen, ist dies – wenn wir nicht riesiges statistisches Material zur Verfügung haben – der falsche Ansatz. Wir müssen ausschließlich auf ein Leben, nämlich vorwiegend unser eigenes schauen. Ich nehme Zeitpunkt X, da bin ich auf die Vollwert umgestiegen. Was hat sich geändert? Bei mir selbst fällt mir spontan ein, dass ich praktisch keine Gallenbeschwerden mehr habe (obwohl ich „normal“ esse), dass meine Haut viel besser geworden ist. Dennoch hat sich bei mir nicht der automatische Gewichtsverlust oder das automatisch Einpendeln des Gewichts eingestellt. Vollwert-Hardliner behaupten dann mal wieder, ich hätte etwas verkehrt gemacht. Da kann ich mittlerweile nur noch gähnen. Ich kenne viele Vollwertler, die mit der tiereiweißfreien Vollwert nicht alle ihre Beschwerden beseitigen konnten. Aber alle, die ich ernst nehmen kann, stellen selbst bei Zweifeln nach Befragen fest, dass sie deutlich gesünder sind als vorher. Dass vielleicht ihre Nachbarn trotz Grillabenden mit Billigfleisch (vermeintlich) gesünder sind, mag sein. Aber das ist doch egal. Nehmen wir Vollwertlerin Florinda. Seit sie umgestiegen ist, hat sie kaum noch Heuschnupfen, wiegt aber immer noch 10 kg zu viel. Ihre Nachbarin Doris erfreut sich einer gertenschlanken Figur, hat (momentan) auch sonst keine großartigen Beschwerden und lacht sich bei den Nachbarschaftsgrillabenden immer halb kaputt über Florinda: Die isst kein Fleisch, bringt sich ihren Salat mit und passt trotzdem nicht wie Doris selbst in Größe 36.

Oder Hermann X. Hat 10 Jahre vollwertig gelebt, sein Rheuma war verschwunden, dennoch starb er mit 67 Jahren an Lungenkrebs. Sein 75-jähriger Vetter Otto lacht sich bei der Beerdigung ins Fäustchen: Er raucht und hat Hermann schon um so viele Jahre überlebt!

Die einzige Frage, die ich mir hier stelle, ist doch: Wie wäre Florindas Lebensqualität ohne die vollwertige Ernährung? Sie würde mit ihren 160 cm genau wie jetzt in Kleidergröße 48 die Welt erobern, aber ihre Nase würde jucken, ihre Augen würden tränen und Taschentücher wären ihre ständigen Begleiter. Was wäre aus Hermann geworden, wenn er nicht mit 57 Jahren auf die Vollwert umgestiegen wäre? Gestorben wäre er nicht nur vielleicht Jahre früher, sondern sein Leben wäre bis dahin deutlich qualvoller gewesen, weil er sie nämlich im Rollstuhl verbracht hätte.

Und hier schließt sich der Kreis: Mit der vertikalen Sicht meine ich, dass wir die Vollwertwirkung am Blick entlang eines Lebens beurteilen sollen (vertikal), nicht daran, ob andere gesünder sind (horizontal). Wir schauen in den Menschen (intrahuman), und vergleichen nicht mehrere Menschen miteinander (interhuman). Denn ohne großes Zahlenmaterial ist dies unser einziger ernstzunehmender Anhaltspunkt.

Häme wartet auf dich!

2. November 2012: Sie lauern!

Vor einigen Wochen bekam ich einen interessanten Anruf einer Frau etwa mittleren Alters. Sie und ihr Mann ernähren sich seit ca. 7 Jahren vollwertig nach Bruker, sind auf tiereiweißfrei umgeschwenkt und wollen jetzt noch den Rohkostanteil von derzeit 50 auf ca. 70-80 % erhöhen. Von mir wollte sie wissen, was meiner Ansicht nach die ideale Ernährung ist, denn: es sei zwar einiges besser geworden, aber es gäbe eben ein paar Dinge, die würden nicht weggehen. Und, so stellte sich später im Gespräch raus, Bekannte und Verwandte würden auch immer sagen: Also du ernährst dich doch so gesund, dafür siehst du aber ziemlich alt aus! Und ganz gesund bist du ja auch nicht, und schau mal, die XXX, die lebt ganz normal, ist 75 Jahre alt und sieht jünger aus als du! (Das sind Fantasiezahlen von mir).

Da die Brukersche Ernährung mit hohem Rohkostanteil für mich die ideale Ernährung darstellt, konnte ich ihr nicht weiterhelfen. Ich fand nur die Psychologie der lieben Freunde und Verwandten hochinteressant. Sie lauern ja ständig darauf, dass die vermeintlich gesund Essenden endlich mal wieder krank werden.

Ich habe dann mal nachgehorcht, was denn so besser geworden ist. Ein Beispiel: Der Mann hatte seit seiner Kindheit einen schweren Heuschnupfen, der mit Kortison behandelt werden musste, und dann mehrere Jahre Bluthochddruck, der ebenfalls medikamentös eingestellt wurde. Heute? Kein Kortison, kein Heuschnupfen, keine Blutdrucksenker, kein hoher Blutdruck. Und was sagen die Verwandten DAZU? Meine Gesprächspartnerin lachte, von dieser Seite aus hatte sie das noch nicht gesehen.

Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der mit seinen über 90 Jahren immer noch stark raucht und recht gut drauf ist, ist ja auch so ein Beispiel für „schlechte Ernährung macht ja nix“.

Es liegt da ein Grundirrtum vor: Natürlich ist die Vollwerternährung kein Allheilmittel. Ausgefallene Zähne kann sie auch nicht zurückzaubern. Sie kann aber eins: das Bestmögliche an Gesundheit an uns herausholen, was uns noch zur Verfügung steht und nicht durch vorherige Generation und eigene Fehler verdorben wurde.

Auf solche Vergleiche wie mit Helmut Schmidt oder anderen Omas/Opas, die ihr Leben lang geraucht – viel gegessen – viel getrunken haben und dennoch quietschfidel 150 Jahre alt wurden, müssen wir uns nicht, nein: sollten wir uns nicht einlassen. Da hilft es einfach, dass wir auf uns selbst schauen: Wie ging es mir vor 3 Jahren, vor 7 Jahren, und wie geht es mir heute? Wenn „die anderen“ das nicht sehen wollen, den Sprung ins Wohl(er)befinden, bitte schön. Sollen sie doch weiter glauben, sie hätten eine Konstitution wie ein Jupp Heesters oder ein Helmut Schmidt. Ich habe diese Konstitution nicht, das weiß ich – und deshalb bin ich froh, dass ich eine Möglichkeit gefunden habe, meine Gesundheit auf ihr (!) Optimum zu bringen und dabei gleichzeitig nur Lebensqualität hinzuzugewinnen, und keine zu verlieren.

Sondermeldung BLASENTEE

Sondermeldung: Blasentee ist modern!

Ist das nicht toll? Das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung wächst und wird von kommerziellen Unternehmen bestens gestützt. Ich kann es hier in unserer kleinen Großstadt beobachten: Blasentee-Geschäfte schießen wie Pilze aus dem Boden. Wer will da noch einen Döner, wenn es nebenan für nur 2,50 Euro einen halben Liter Blasentee gibt?

Das beeindruckt mich wirklich. War doch in meiner Jugend solcherlei Tee eher verhasst. Und wer hätte sich damals in aller Öffentlichkeit an einen Tisch gesetzt, mit gleichaltrigen Freunden, und Gesundheitstee getrunken, ohne was dazu zu essen.
Alleine in Remscheid gibt es jetzt vier Blasentee-Geschäfte, wo alle Welt an der Theke frisch gezapften Blasentee kaufen kann. Als das erste dieser Geschäfte öffnete, waren noch lange Schlangen zu beobachten.

Ein bisschen Sorge mache ich mir natürlich schon um meine Mitmenschen. Ich habe gehört, diese Welle ist von den Großstädten herübergeschwappt. Gibt es so viele Bakterien in Köln und Düsseldorf, das die ganze Bevölkerung nun nach diesem Getränke lechzt? Muss wohl. Vor allem junge Leute scheinen die erfolgreich angepeilte Zielgruppe zu sein. Die Läden sind sehr karg gehalten, meist in Pastellfarben.

Wird jetzt den Apotheken auch hier die Blase äh Butter vom Brot genommen? Beschwerden dieser Art habe ich noch nicht gehört. Aber selbst die Zeitschrift Focus ist aufmerksam geworden auf diese neue Welle. und wie immer, ach wie langweilig, wird alles Neue verdammt. Endlich kommt Gesundheit ins Haus und nur weil jetzt Blasentee einen englischen Namen hat, ist es mal wieder nicht gut genug für die deutsche Bevölkerung.

Ich plane den Aufstand. Ich lasse mir meinen Blasentee nicht nehmen, egal ob er Blasentee heißt oder Bubble Tea (im Focus hier)!