Alles ganz easy, ey

11. Dezember 2011: Glutamat freigesprochen

Die Welt Online konnte es am 9. November 2011 endlich belegen: Der natürliche Geschmacksverstärker hat ein schlechtes Image – zu Unrecht, wie Studien zeigen. Glutamat steckt in den gesündesten Lebensmitteln.

Ja, jetzt stehen wir Nahrungsmittelpuristen aber ganz schön dumm da, nicht wahr? STUDIEN belegen nämlich, dass Glutamat ganz prima ist, denn es ist schon in der Muttermilch. Und das berühmte Chinarestaurant-Syndrom – alles nur Einbildung. Das ist jetzt WISSENSCHAFTLICH bewiesen.

Ich bin ja mein Leben lang immer dankbar gewesen, dass die Wissenschaft teils anders tickt als meine eigene Erfahrung. Anfang 20 quälte ich mich damit herum, dass ich unbedingt abnehmen wollte. Ich war mit meinen 175 cm Körpergröße und einer Konfektionsgröße von 40/42 völlig normal – aber ich hatte nicht mein Idealgewicht, bei weitem nicht. Ich dachte zwar, ich hätte vielleicht einen schwereren Körperbau und das könnte einen gewissen Unterschied machen, aber hahaha, da wusste es die Wissenschaft besser: Alle Knochen sind gleich schwer, und egal, wie gut ich aussah – ich war einfach übergewichtig. Dass sich in meinen jugendlichen Augen vor dem Spiegel meine Figur unappetitlich in die Breite zog, muss ich nicht noch erwähnen? Und so geriet ich, auch dank der Wissenschaft, in einen Strudel von mehreren Diäten, die u.a. mein Hunger- bzw. Sättigungsgefühl für große Teile meines Lebens ruiniert haben. Danke, liebe Wissenschaft. Wenige Jahrzehnte später wurde wissenschaftlich aufgedeckt, dass es – potzblitz! – wahrhaftig Gewichtsunterschiede aufgrund unterschiedlicher Körperstrukturen gibt. Umsonst diätet… aber was soll’s, die Wissenschaft deckt ja täglich neue Dinge auf, die den einen oder anderen Menschen oder gar ganze Menschengruppen in die Krankheit treiben.

Ups, was ich da für hässliche Dinge sagen. Es geht hier auch bitte nicht ums Gewicht (dazu demnächst mehr, also die Kommentare dazu noch schön im Kopf behalten), es geht um ein Beispiel dafür, was Wissenschaft fürs praktische Leben bedeuten kann.

Der Artikel kommt auch gut zur Sache. Und so fragte sich der britische Journalist Alex Renton bereits 2005 bei der letzten heftigen Glutamatdiskussion: „Wenn Glutamat wirklich so schädlich ist, warum haben dann nicht alle Asiaten Kopfschmerzen?“ Die Frage ist etwa auf demselben Niveau wie „Wenn Rauchen wirklich so schädlich ist, warum sterben dann nicht alle Raucher an Lungenkrebs?“ Übrigens – eine wirklich interessante Frage 🙂

Welt Online gibt uns auch eine feine Antwort: „Zu den wichtigsten Würzsoßen der asiatischen Küche gehören nämlich die Fischsauce und die Sojasauce und beide enthalten Glutamat. Die Fischsauce […] wird traditionell aus Sardellen und ähnlichen kleinen Fischen hergestellt. Während der etwa 18 Monate dauernden Fermentierung entstehen die für den Geschmack wichtigen Aminosäuren, Peptide und Aromastoffe.“ Noch ein kleines Zitat, um die Perfidie der Argumentation aufzudecken: „Der immer wieder verteufelte Geschmacksverstärker Natriumglutamat ist ein lebenswichtiger Naturbaustein“, sagt der Münchner Allergologe Dr. Peter Schnabel, Experte für Gewürze und Kräuter.“

Schon etwas aufgefallen? Hier werden einmal wieder mehrere Dinge durcheinandergebracht. Es wird nicht unterschieden zwischen natürlichem Glutamat und künstlich hergestelltem. Und wenn für uns ein Argument ist, dass Glutamat nicht schädlich sein kann, weil die Chinesen es ja vertragen (tun sie das übrigens wirklich?) – dann kann es auch nicht sein, dass es Lactoseintoleranz wirklich gibt, denn ich habe keine (nur 75 % der Weltbevölkerung…).

Habt Ihr Euch eigentlich schon mal gefragt, warum bestimmte Ärzte oder Wissenschaftler als Experten aufgeführt werden? Ich frage mich das schon, wenn ich Artikel lese: Wieso gilt gerade dieser Arzt, dieser Wissenschaftler als Experte für das besprochene Thema? Was weiß denn ich, ob der angeführte Experte nicht in Wirklichkeit eine rechte Null ist? 🙂

Den vollen Artikel könnt Ihr natürlich auch genießen: hier und danke an Eric, der mich auf diesen Artikel aufmerksam machte.

Werbung

Die Tiefkühltruhen im Supermarkt

Kommentar vom 7. Januar 2011: Tiefkühlschock

Kurz vor Weihnachten überlegte ich mir, dass das Weihnachtsfest eine gute Gelegenheit ist, mal ein besonderes Eis aufzutischen. Erdbeer- und Himbeereis – das wäre jetzt toll. Allerdings kaufe ich zu dieser Jahreszeit keine frischen Erd- oder Himbeeren, das geht mir völlig gegen den Strich. Das aber ist der Punkt, wo ja mal die Tiefkühlkost ihre Berechtigung hat, die Ware wird erntefrisch eingefroren, die Bedenken sind mäßig – für einen kleinen Luxus zwischendurch. Für den Bioladen war es auch schon zu spät, also machte ich eine meiner selten gewordenen Streifzüge durch einen normalen Supermarkt, von dem ich weiß, dass er drei ganglange Tiefkühltruhen, von beiden Seiten begehbar, besitzt.

Ich ging alle Seiten ab: Eiscreme und Fertigpizzen dominierten die Tiefkühlkost ohne Frage. Ich war ja lange nicht mehr an einer Tiefkühltruhe, und konnte nur staunen. Oben an den Truhen waren große Leuchtbänder, die mir zeigten, was in den Truhen ist. Prima, da brauche ich nicht die Nase in jede Pizzatruhe zu hängen.

Dreimal ging ich an den Truhen entlang. Pizza, Pizza, Pizza, Pizza, Fertiggerichte, Kuchen, Kuchen, Kuchen, Eis, Eis, Eis, Eis, Eis, Fleisch, Fleisch, Fleisch, Brötchen, Baguettes, Baguettes, Gemüse, Eis, Eis, Eis. Ups. Gibt es kein Obst mehr? Schließlich hatte ich die geniale Idee, meinen Blick mal auf die eine kleine Gemüseabteilung zu werfen. Oh ja, da lag das Obst, beim Gemüse: Schlaffe drei Sorten, Erdbeer, Himbeer und gemischte Früchte. Immerhin, zwei Sorten, die ich gesucht hatte. So griff ich freudig in die Truhe und schnappte mir zwei Beutel. Aber halt… wieso hatte ich plötzlich das Wort „Gesüßt“ vor Augen? Ich drehe beide Beutel mehrmals um. Wahrhaftig: Auf den Erdbeeren steht „Gesüßt“. Die Himbeeren inspiziert, na das sind als Inhaltsstoffe wenigstens nur Himbeeren enthalten! Auch die gemischten Früchte sind gesüßt.

Wie grauenhaft. Was kommt als nächstes? Glutamat und Aromastoffe in die Tiefkühlkost von Gemüse und Obst (ich spreche hier nicht von Fertigmahlzeiten!)? Das war vor wenigen Jahren noch anders. Woran ich auch wieder einmal gesehen habe, wie wichtig es ist, ab und zu in einem normalen Supermarkt achtsam die Gänge auf und abzugehen. Wenn man sich vorwiegend von Bioware ernährt, sieht man ja häufig die „normalen“ Entwicklungen kaum noch. Ich weiß (noch) nicht, ob dieser Supermarkt ein Einzelfall ist. Aber das werde ich mit Sicherheit in den nächsten Wochen erkunden!