Neuer Tipp vom BUND

12. Juli 2014: Grillsaison

Immer noch bekomme ich den BUNDtipp Umwelt. Meistens nerven mich diese mit erhobenem Zeigefinger vorgetragenen Belehrungen. Es ist wie mit der Apotheken-Umschau, HörZu… aber auch eine Lesesucht. Den Tipp vom Juni möchte ich euch gerne weitergeben:

BUND-Ökotipp 9/2014
Veganes Grillen ist gut für Umwelt und Klima
In der Grillsaison steigt immer auch der Fleischkonsum. Die Produktion tierischer Produkte belastet jedoch Umwelt und Klima besonders stark. Die Erzeugung von einem einzigen Kilogramm Rindfleisch benötigt beispielsweise 15000 Liter Wasser und es werden dabei fast 30 Kilo Kohlendioxid ausgestoßen. Hinzu kommt, dass Nutztiere zumeist in riesigen Ställen unter nicht artgerechten Bedingungen gehalten werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) empfiehlt deshalb, beim Grillen vegane Lebensmittel auszuprobieren. Mittlerweile ist die Auswahl an veganem Grillgut beachtlich. Es wird auf Basis von pflanzlichem Eiweiß, etwa aus Soja, Tofu oder Seitan, hergestellt und ähnelt in Form und Geschmack verblüffend den Fleischprodukten. Es gibt vegane Schnitzel, Steaks, Brat- und Grillwürstchen, geräuchert oder mariniert. Grundsätzlich eignet sich auch Gemüse zum Grillen. Damit es nicht schwarz wird, sollte es vor dem Grillen mit Öl bestrichen bzw. mariniert werden. Besonders gut schmecken Maiskolben, Kartoffeln oder gefüllte Champignons. Selbst Spargel lässt sich mittels einer Grillklemme auf den Rost legen. Gemüsesorten wie Zucchini, Möhren oder Paprika werden am Besten klein geschnitten und in einer Edelstahlschale gegrillt. Um die Nährstoffe zu erhalten, muss das Gemüse bei niedrigen Temperaturen gegart werden.

Ah, dieser Hype um den Veganismus nervt mich. Und dann tischt man uns hier eine Weisheit auf, die ich vor 8 bis 10 Jahren schon als alten Hut gelesen habe. Es mag ja sein, dass es noch Leute gibt, die von der Umweltbelastung durch Tierzucht noch nichts wissen – aber die haben dann auch garantiert diesen besserwisserischen Newsletter nicht abonniert. Ich finde ja immer so toll, dass es vegane Produkte gibt, die verblüffend ähnlich den Leichen-, äh Fleischprodukten schmecken. Und dann ähnlich. Nä danke, ich will nix, was irgendwie ähnlich schmeckt. Ich will entweder etwas, das ganz anders und leckerer oder einfach leckerer schmeckt. Solange ich das nicht gefunden habe, bleibe ich lieber beim Original. Wer sich nämlich jahrelang einredet, die Sojawürstchen schmecken ihm, weil sie ja ähnlich wie Würstchen schmecken, wird das nächste Mal, wenn er wieder ein Würstchen isst, denken: Puh, die schmecken aber besser, dabei bleibe ich wieder.

Auch hätte es nicht geschadet, wenn wir schon von mit Öl bestrichen sprechen, vielleicht ein Wörtchen über Ölqualität verlieren?

Kein Wort darüber, was für eine Umweltbelastung das Grillen an sich ist – oder will mir jemand erzählen, dass dieser ganze Rauch, der da in die Luft steigt, extrem atmosphärenförderlich ist? Ganz abgesehen, wie das mit der Lärmbelästigung des gemeinschaftlichen Jaulens für nichtgrillende Nachbarn ist…

Könnte es durchschimmern, dass ich keine Freundin des Grillens bin? 😈

Mein Wochenendbesuch

2. August 2013: Veganer Besuch

An dem heißen Juli-Wochenende, 26. bis 28. Juli, hatte ich veganen Besuch, meinen 17-jährigen Neffen M. Er ist seit einem knappen Jahr Vegetarier und seit Silvester Veganer. Als ich das mitbekommen habe, lud ich ihn zu einem veganen Kochwochenende ein. Ja, da hätte er Spaß dran… Wir hatten erst Karneval geplant, aber das klappte nicht. Dann hatten wir das obige Wochenende ins Auge gefasst. Auch wenn alle Schicksalsstränge sich dagegen verbunden hatten – die Kunden deckelten uns mit Arbeit zu, die Temperaturen gingen in schwindelnde Höhen -, habe ich den Termin nicht sausen lassen. Es sind jetzt Schulferien, und wer weiß, ob es an einem anderen Wochenende geklappt hätte? Also Temperaturaugen durch und zu.
Um das Ende gleich vorweg zu nehmen – es wurde ein tolles Wochenende und ich hoffe, ich konnte dem jungen Mann ein wenig auf den Veganweg mitgeben zum Überdenken (in Sachen natürliche Lebensmittel). Für mich ist vegan in der praktischen Umsetzung kein Problem, nur mit dem Honig musste ich ein wenig umdenken, denn M. ist da konsequent (für sich selbst). Gleich am ersten Abend hätte ich beinahe einen Missgriff getan, es sollte Salat geben. „Magst du scharfes Essen?“ M. nickte freudig. Ich gab also Hoisan-Soße mit Cashewnüssen usw. in den Mixbecher und ups, da fiel es mir ein: Ich habe ja einen Teelöffel Honig in der Soße. Zum Glück habe ich noch daran gedacht, und konnte so ein neues Dressing herstellen und das halbfertige Dressing für die kommende Woche verwahren.
In einem hat er großes Glück: Er wird von der Familie akzeptiert, ja, sogar unterstützt. Seine Mutter kocht für ihn vegan, die ganze Familie ist schon ein bisschen beeinflusst. Ein wenig lustig finde ich das schon, ich meine…. es ist ja nicht so, als hätte man über die Verwandtschaft mit mir nicht schon einmal über Tiereiweißlosigkeit nachdenken können, oder? 😉 Aber was soll’s… das Ergebnis zählt und das Schicksal des Propheten im eigenen Land ist ja nicht ohne Grund ein gängiges Sprichwort.
Mein Neffe ist als einziger in der Familie sehr schlank. Seine Mutter findet, er braucht dringlich ein paar Kilos drauf. Ich finde das nicht. Klar, er ist sehr schlank, aber gesund, munter und belastbar. Außerdem – 17 Jahre alt…. Da kann noch viel passieren. Als Veganer ist er natürlich auch nicht der Gefahr ausgesetzt, ständig und überall rumzufuttern, das ist ja „gefährlich“. An dem heißen Samstag hat er in der Küche rumgewerkelt, ohne Schwächen zu zeigen, ist zweimal mit mir shoppen gewesen und kein Tröpfchen Schweiß auf der Stirn war zu sehen (bei mir schon eher, aber ich bin auch sicher nicht sehr schlank). Wofür soll er da mehr Kilos mit sich rumtragen? Für irgendwelche theoretischen Vorstellungen?
M. ist auch locker in seinem Veganismus, für andere meine ich, nicht für sich selbst. Ich hoffe, das bleibt so. Als wir Samstag einkaufen waren, habe ich eine kleine Flasche Ahornsirup gekauft. Das ist zum Plätzchenbacken und vor allem für die Herstellung von Schokolade einfach besser als Rosinen- oder Dattelsoße. Da er sonst alles Vollwertige mit viel Freude gegessen hat, käme ich mir dämlich vor, wenn ich da plötzlich die Vollwertigkeit des Honigs ständig ins Spiel bringen muss. Ich muss die Dinge nicht essen und habe ihm auch alles mitgegeben. Im Übrigen schmeckt Ahornsirup im Gegensatz zu Zucker lecker in Plätzchen und Schokolade, probiert habe ich natürlich schon. Er ist gerade mal ein paar Monate dabei, da möchte ich nicht durch übermäßige Linientreue anderen gegenüber der Vollwert ein so unrühmliches Denkmal setzen.
Ich habe auch keine Grundsatzdiskussion über Honig angefangen. Ich persönlich weiß genug aus direkten Berichten und auch aus dem Internet, dass Bienenhaltung und Honiggewinnung nicht mit der Massentierhaltung verglichen werden können – wenn man sich nicht gerade Discounterhonig in die Bude holt. Das wird er eines Tages lernen oder auch nicht. Ich finde, da gibt es wichtigere Dinge im Essensleben, über die es sich zu sprechen lohnt.
„Eigentlich“ frühstückt M. nicht – aber ein kleines Frischkorngericht hat er Samstag trotzdem mitgegessen. Ich hab’s extra mit Flocken gemacht, eingeweichtes Getreide ist eben nicht für jedermann gleich ein guter Einstieg. Weniger als sonst, mit ein bisschen Erdbeer-Bananepüree und ein paar Heidelbeeren oben drauf. Am zweiten Tag – ich bin ja undogmatisch, wer nicht frühstücken will, soll’s bleiben lassen – hat er es quasi „verlangt“. Fein. Die Erinnerung wird bleiben – auch wie schön satt das macht.
Das Tiramisu für die Commitment-Aktion haben wir zusammen gemacht, eine Lasagne, Plätzchen, Knäckebrot, Cracker, bestimmt 5 oder 6-Mal Eis aus dem Vitamix :-). Einen Aufstrich, zweimal Schokolade (mit Ahornsirup), Brötchen gebacken, eine Salatplatte und Suppe vorbereitet für die Familie, die ihn wieder abgeholt hat.
Abends haben wir auf der Terrasse gesessen und den Grillduft (haha) der Nachbarn geatmet. Auch da waren wir uns einig – das ist fies.