Outing

Heute oute ich mich schon wieder. Ich habe nämlich mein erstes Harry-Potter-Buch gelesen. Band 1, so wie es auf meiner Liste steht.

Als jeder, egal ob Erwachsener oder Kind, Harry-Potter-Bücher las, habe ich mich dem Trend verweigert. Denn ich habe manchmal so eine Trend-Allergie.

Aber nun stand er auf meiner Literaturliste. Ich habe den Band 1 gelesen, im Original, nämlich auf Englisch.

Auch wenn ich nun dem einen oder anderen auf die Füße trete: Ich finde das Buch unoriginell und abgekupfert. Und alles nach einem bekannten Schema. Die Bösen sind böse, die Guten gut, ein vermeintlich Guter ist ein Böser und Streit zwischen Kindern führt zu enger Freundschaft. Manche Beschreibungen erinnerten mich an Geschichten von Charles Dickens.

Angeblich sollen einige der nächsten Bände besser sein. Ich habe keinerlei Verlangen, das auszuprobieren. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen.

Dass so ein Buch Kinder fesselt, kann ich nachvollziehen, gerade noch. Aber warum auch so viele Erwachsene das so enorm packend finden, erschließt sich mir nicht. Wobei ich durchaus gerne Märchenhaftes und Märchen lese. In den 70ern habe ich die Hobbits und den Herrn der Ringe quasi eingeatmet.

So also mein Outing: Ich mag die Harry Potter-Story nicht. Derzeit lese ich „Ferien auf Saltkrokan“ von Astrid Lindgren. Das ist natürlich wegen seines Alters nicht aktuell, kein PC kommt vor. Aber die kleinen Abenteuer sind nett zu lesen, die Sprache ist abwechslungsreich. Was mich erstaunt, ist die Darstellung des Vaters in der Geschichte: Er ist keine idealisierte Figur, sondern eher etwas peinlich und hysterisch. Kein Held, aber dennoch ist er beliebt. Darüber denkt auch seine Tochter nach. Sie denkt also über Zwischenmenschliches nach, nicht über Drachen und magische Dinge. Ob das Kindern, die mit dem Smartphone schon in der Wiege liegen, noch zumutbar ist, weiß ich nicht.

Manches, das ich gern als Kind gelesen habe, ist einfach überaltert, das verstehe ich. Wie will man Karl May mit Freude lesen als Kind, wenn man in YouTube 1-2-3 nachschauen kann, wie es im „Wilden Kurdistan“ wirklich aussieht?

Wie gut, dass dies ein kleiner Blog und kein Facebook-Beitrag ist. Sonst würde ich bestimmt von einem Shitstorm niedergemacht. 😉