Hausarztsuche

Es ist heutzutage gar nicht so einfach, einen Hausarzt zu finden. Die meisten nehmen nämlich gar keine neuen Patienten mehr an. Auf dem Land stelle ich mir das noch komplizierter vor.

Mit dem alten Hausarzt lief das ja nicht so gut :-). Ich erinnere an das extrem durchlüftete Wartezimmer… Aber es ist uns geglückt, wahrhaftig eine fußläufig erreichbare Praxis zu finden, die neue Patienten aufnimmt.

Noch ein kleiner Hinweis für die, die glauben, dass Privatpatienten (so wie ich) vorgezogen werden: Mich hat niemand am Telefon gefragt, ob ich Privatpatientin bin oder Kassenpatientin. Das gilt sowohl für die Nachfrage, ob noch neue Patienten angenommen werden, als auch für die Terminabsprache.

Nun haben wir wirklich eine neue Praxis gefunden. Es ist eine Gemeinschaftspraxis. Als neue Patientin werde ich zufällig einer ärztlichen Betreuung zugewiesen, ich bin zufrieden mit der zufälligen Arztwahl. An der Rezeption wurde ich nach der Versichertenkarte gefragt, erst da fiel der jungen Dame auf, dass ich Privatpatientin bin. Konsequenz? Keine. Außer dass ich am Ende ein Privatrezept (blau statt rot) erhielt.

An einem Ende des Tischs liegen Zettel mit Patientennamen. Die Ärztin nimmt sich immer den nächsten, und auch da lag „ich“ in der vorgegebenen Reihenfolge des Betretens der Praxis. Was mir gut gefiel: Die Ärzte holen die Patienten persönlich aus dem Wartezimmer. Und was mir natürlich besonders gut gefiel: Im Wartezimmer war zwar die Tür offen, aber die Fenster waren geschlossen. Auch die Tür der Praxis zum Flur war geschlossen. Ich habe nett im Warmen gesessen. Das gibt es also durchaus noch.

So ein erster Besuch ist natürlich nur bedingt aussagekräftig. Aber immerhin: Soweit gab es nichts, dass mir negativ auffiel. Nur die Wartezeit war lang, aber das ist bei Hausärzten wohl immer so. Die Wartezeit hatte auch den Vorteil, dass ich beobachten konnte, wie die Mitarbeiterinnen mit den Patienten so umgehen und wie die Praxis organisiert ist. Beides war auch unter Hektik und Zeitdruck freundlich und effizient.

Ich halte uns die Daumen gedrückt. 😉

Es geht doch nichts über einen guten Hausarzt…

Kommentar vom 1. Dezember 2009: Der Hausarzt spricht

Im Seniorenratgeber der Apotheken, Seite 26, der Dezemberausgabe gibt es die Rubrik „Hausarzt.“ Heute geht es ums Impfen und ältere Menschen. Der Hausarzt, der im weißen zugeknöpften Kittel am Schreibtisch sitzt und mit einem Kugelschreiber etwas in einer dicken Unterschriftenmappe notieren oder unterschreiben möchte (kein PC?), sagt „Die Abwehrkräfte lassen im Alter nach. Deshalb rate ich allen über 60-Jährigen zur Grippeimpfung.“

So so. Belegen tut er das natürlich nicht. Warum sollte er auch? Er ist ARZT, und somit weiß er ALLES. Auch über meine, deine und aller Leuts Abwehrkräfte. Im Übrigen sieht er selbst durchaus so aus, als gehöre er in die angesprochene Zielgruppe. Aber vielleicht ist er auch erst Mitte 50, ich kann Alter schlecht schätzen.

Nun wissen wir ja, dass Reporter aller Blätter sehr kritisch sind, und daher kommt auch prompt die kluge Frage: „Sind denn die Älteren nicht die Erfahreneren, auch was ihr Immunsystem betrifft?“ Nicht schlecht, das wäre mir jetzt gar nicht als Frage eingefallen. Und der milde lächelnde Hausarzt (die Sohne scheint auf das Bücherregal hinter ihm) versichert uns: „Das stimmt. Das sehen wir an der ‚Schweinegrippe‘, die bei Älteren meist sanfter verläuft, weil sie mit einem ähnlichen Virustyp schon in den 70er Jahren fertig werden mussten.“

Aha. Das ist jetzt wirklich interessant, es ist nämlich das erste Mal, dass ich eine Erklärung für die merkwürdige Tatsache lese, dass die Schweinegrippe für ältere Menschen nicht so schlimm ist. Die Frage, die mir automatisch in den Kopf kommt, stellt sich aber unserem kritischen Redakteur jetzt nicht. Die wäre nämlich: „Ja, und wenn diese älteren Menschen in den 70er Jahren alle geimpft worden wären…. da wäre ihr Immunsystem jetzt wohl nicht erfahrener?“

Der gute Arzt Klaus Schäfer aus Hamburg weiß noch mehr „Alterserscheinungen und chronische Erkrankungen schmälern jedoch diesen Vorteil.“ Sie schmälern ihn – aber sie lösen ihn nicht auf, gell? Aber merkt der Herr Schäfer denn nicht, dass er sich selbst widerspricht? Erst erklärt er uns plausibel, warum ältere Menschen dank entwickelten Immunsystems gripperesistenter sind, um DANN anzuschließen, dass sie das eigentlich gar nicht sind, und sich deshalb impfen lassen sollten.

Ich sach‘ dann einfach mal: Das ist Ärztelogik 🙂